Liebes Tagebuch || #Wattys2015

By Chichis-World

8.8M 38K 6.4K

Durch einen Autounfall verliert Lola Cane ihren Bruder. Innerhalb weniger Augenblicke bricht ihre Welt zusamm... More

Chapter One
Chapter Two
Chapter Three
Chapter Four
Chapter Six
Chapter Seven
Chapter Eight
Chapter Nine
Chapter Ten
Chapter Eleven
Chapter Twelve
Chapter Thirteen
Chapter Fourteen
Chapter Fifteen
Chapter Sixteen
Chapter Seventeen
Chapter Eighteen
Chapter Nineteen
Chapter Twenty
Chapter Twenty One
Chapter Twenty Two
Chapter Twenty Three
Chapter Twenty Four
Chapter Twenty Five
Chapter Twenty Six
Chapter Twenty Seven
Chapter Twenty Eight
Chapter Twenty Nine
Chapter Thirty
Chapter Thirty One
Chapter Thirty Two
Chapter Thirty Three
Chapter Thirty Four
Chapter Thirty Five
Chapter Thirty Six
Chapter Thirty Seven
Chapter Thirty Eight
Chapter Thirty Nine
Chapter Fourty
Epilog

Chapter Five

16.3K 557 64
By Chichis-World

Die weiteren Stunden vergingen schneller, als dass ich hätte Blinzeln können. Nicht zuletzt lag es an Luke und Toby. Sie wussten die Kurse zu unterhalten und wie ich herausfand, hatten wir nicht wenige miteinander.

Als die letzte Stunde endete, verabschiedete ich mich von den Mädels. Die Jungs mussten nachsitzen – direkt am ersten Tag hielten sie es für die richtige Entscheidung, in Kunst eine Farbschlacht zu beginnen - und als ich an die Situation im Kunstraum zurückdachte, konnte ich es nachvollziehen. Lächelnd schüttelte ich den Kopf und stöpselte mir meine Kopfhörer in die Ohren.

Es war ein angenehmer Tag, doch allmählich holte mich die Realität ein und betrübt schaute ich zu Boden. Ich hatte weniger an Liam gedacht, war viel zu beschäftigt mit den ganzen neuen Eindrücken und Situationen gewesen. Mein schlechtes Gewissen nagte an mir und tief atmete ich durch. Die Freude wurde von urplötzlicher Leere überflutet.

Schließlich riss mich mein Handy aus den Gedanken. Es fing an zu vibrieren und erfreut stellte ich fest, dass es Jacob war. Doch nur zögernd nahm ich ab.

„Hey...", piepste ich leise und schaute weiterhin konzentriert auf den Boden, der auf einmal so viel schöner war, als alles andere um mich herum.

„Alles liebe zum Geburtstag, Prinzessin." Die sanfte Stimme ließ die Anspannung von meinen Schultern fallen. Er war mir nicht böse. Nicht im Geringsten.

„Danke." Immer noch nicht wissend, was ich sagen soll, lauschte ich seinem Atem.

„Ist alles in Ordnung bei dir? Wie ist es dort drüben so...?"

All die unbewusst angestauten Gefühle brachen urplötzlich wie ein Damm in sich zusammen und hemmungslos fing ich zu weinen an. Die Versuche von Jacob, mich zu beruhigen, zeigten keine Wirkung und schlussendlich wartete er einfach, bis ich mich wieder beruhigte.

„Ich kann das alles nicht, Jacob." Als dürfte ich diese Worte nicht laut aussprechen, flüsterte ich sie den Wind entgegen. „Ich kann hier kein neues Leben beginnen, wenn ich nicht einmal mit meinem alten abschließen kann. Mom und Dad... sie sind so unfassbar. Ich kann sie nicht verstehen. Diese Gegend... ich bin einsam und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als in dem nächsten Flugzeug nach Hause zu sitzen." Und Liam umarmen zu dürfen.

Einen kurzen Moment herrschte Stille und kraftvoll wischte ich mir mit meinem Handrücken über das Gesicht. Meine Mascara war komplett verschmiert, was mich jedoch nicht im Geringsten interessierte.

„Wir vermissen dich auch, Prinzessin. Mehr, als dass du es dir vorstellen kannst. Wir werden uns mit Sicherheit bald wiedersehen, versprochen. Es braucht alles seine Zeit." Wäre es doch nur so einfach mit der Zeit.

Ich nickte, obwohl er es nicht sehen würde. Dann versuchte ich das Thema zu wechseln.

„Hast du ihn besucht?"

„Ja."

„Ich werde bald wieder bei ihm sein."

„Das wirst du."

Wir telefonierten noch etwas, bis er auflegen musste. Tränen rannen mein Gesicht entlang. Ein unbändiges Verlangen zu schreien überkam mich und ich hatte immer mehr das Gefühl zu fallen. Meine Beine zitterten und mein Kopf pochte unaufhörlich.

Ich schloss meine Augen und unterdrückte einen Schluchzer, als ich auf einmal gegen etwas Hartes prallte. Ich öffnete meine Augen und schaute verwirrt hoch, als mein Blick zwei strahlend braune Augen einfing. Und es waren keine Geringeren als die von Kyle. Innerlich verdrehte ich meine. Es konnte nichts noch Offensichtlicheres passieren, als das hier.

Entnervt funkelte er mich an. Seine Haltung war gerade und wirkte bedrohlich, als er zu sprechen anfing. „Einfach mal die Augen auf machen."

Ich war unfähig, etwas zu sagen, und wischte eine weitere Träne, die mein Auge verließ, schnell weg und nickte.

Er hielt in einer Hand eine Zigarette, die er schließlich langsam an seine Lippen führte. Den eingesogenen Rauch pustete er über meinen Kopf hinweg.

„Ja. Ja... tut mir leid." Es war so leise, dass ich mich selbst kaum verstand. Ich wollte einfach nur in mein Bett und die Augen schließen. Zudem war diese Situation mehr als surreal und verrückt. Also versuchte ich mich an Kyle vorbeizudrängen und schaute schockiert auf seine Hand, die sich um mein Handgelenk legte. Sein Blick wirkte für einen Moment unsicher und verwirrt und überrascht.

„Alles in Ordnung?" Und plötzlich wieder verschlossen. Er hatte kein Grund sich für mich zu interessieren und ich musste hier weg. Deshalb riss ich mich einfach los und lief schnellen Schrittes davon. Ich mied den Blick zurück.

Kurz bevor ich um eine Ecke bog, blickte ich zurück und musterte ihn. Er war zu seinen Freunden gelaufen und begrüßte sie gerade, mit der Zigarette im Mund.

An jedem anderen Tag, wäre mir diese Begegnung peinlich gewesen. Doch heute war sie mir völlig gleichgültig. Ich konnte dennoch hoffen, dass er mich nicht für ein gestörtes Wrack hielt und dies überall herumerzählen würde. In diesem Moment beschloss ich, dass niemand von meinem Verlust wissen sollte. Ich wollte kein Mitleid – mit niemanden meine Erinnerungen teilen.

Zuhause angekommen herrschte Stille. Das erste Mal seit Liams Tod war ich allein. Der Alltag würde mich wie die Realität einholen und einnehmen. Ich schmiss meine Tasche achtlos in mein Zimmer und bediente mich an der Torte.

„Happy Birthday, Lola", schnalzte ich vor mich hin und begab mich in das Wohnzimmer, um einen Film zu schauen. Doch schnell wurde mir langweilig und so begab ich mich mit einem weiteren Stück Kuchen in mein Zimmer. Ich hatte seit Tagen nicht mehr so viel gegessen, wie ich es in diesem Moment tat und es fühlte sich gut und zur selben Zeit schlecht an.

Mit meinem Kugelschreiber bewaffnet, setzte ich mich an den Schreibtisch und klappte das kleine Buch auf. Unfassbar, dass ich schon wieder etwas hineinschreiben würde. Langsam setzte ich den Stift an und schloss die Augen, atmete tief durch, bevor ich zu schreiben begann.

Liebes Tagebuch,

Liam hat Spuren hinterlassen. Spuren seines Lebens, Gedanken, Bilder und Augenblicke. Als er ging, war es das Einzige, was von ihm blieb. Und ich habe Angst, dass mir eines Tages all diese Dinge genommen werden könnten.

Heute habe ich das erste Mal seit langem gelacht. So richtig, aus vollem Herzen. Und es fühlt sich falsch an. Es ist befreiend gewesen, keine Frage, aber falsch. Ich weiß nicht, ob es mir zusteht, noch zu lachen und Freude zu verspüren. Liam wurde es nicht vergönnt. Wieso sollte ich es dürfen?

Und dann waren dort all diese klischeehaften Momente, die mich zu überschütten drohten. Ich brauche Liam. Alleine werde ich das alles nicht mehr schaffen.
Ich brauche ihn.

In Liebe, Lola

Am Abend kamen meine Eltern nach Hause. Es war ein komisches Gefühl, allein gewesen zu sein, und trotz dem Schmerz, den ihre Anwesenheit mit sich brachte, war ich froh, dass sie hier waren.

Zaghaft lächelte ich meine Eltern von der untersten Stufe aus an und begrüßte sie.

Sofort bombardierten sie mich mit Fragen, wie mein Tag gewesen sei, ob ich schon jemanden zum Reden gefunden hätte oder wie die Lehrer denn so waren.

Ich blockte ab und beantwortete die Fragen ihrerseits halbherzig.

Sie hatten mich kein einziges Mal gefragt, wie es mir seit Liams Tod ergangen war. Ohne Umschweife hatten sie mich zu einer Therapeutin geschickt, aber weder meine Mutter noch mein Vater hatten sich einmal mit mir an den Tisch gesetzt und darüber geredet. Ich verstand es. Jeder trauerte für sich. Doch sie schienen einfach nur vergessen zu wollen, während ich erinnert werden wollte.

„Möchtest du den Nachbarn ein Stück Torte vorbeibringen?" Ich blickte auf die Torte, die immer noch mehrere Leute satt bekommen hätte und nickte.

„Ja, es wäre schade, sie wegzuschmeißen."

Mein Vater bereitete einen ganzen Teller vor und überdeckte diesen mit Frischhaltefolie. „Bestell schöne Grüße." Er gab mir einen Kuss auf den Scheitel und verschwand in das Wohnzimmer. Auch meine Mutter widmete sich nun ihren Unterlagen. Ich stand müde auf und zog mir Schuhe über, um dann über das feuchte Gras hinweg zu unseren Nachbarn zu stolzieren.
Mir war nach keinem Gespräch und ich hoffte inständig, dass sie sich bedanken und mir die Tür wieder vor der Nase zuknallen würden.

Ich klingelte so langsam, wie ich konnte, in der Hoffnung, dass mich keiner hören würde. Im nächsten Moment runzelte ich die Stirn und verdrehte die Augen. Das war reiner Schwachsinn.

Die Tür wurde schwungvoll geöffnet und verdattert blickte ich in das Gesicht von Kyle. Ich wollte schreiend wegrennen und ihm die Torte ins Gesicht klatschen.

Stattdessen lächelte ich gezwungen und verharrte in meiner Bewegung.

Kyle lehnte sich grinsend an die offene Tür und verschränkte seine Arme vor der Brust. Erst jetzt bemerkte ich, wie durchtrainiert er war. Er schien keinen Makel zu besitzen. Weder einen Pickel, noch schmale Lippen oder kahle Stellen auf seinem Kopf. Kassandra und Steve hatten ein göttliches Wesen erschaffen.

Durch und durch.

„Da hat aber einer Sehnsucht."

Immer noch mit einem Grinsen im Gesicht, funkelte er mich an.

„Nicht wirklich", nuschelte ich und blickte wieder auf.

„Ist Kassandra zu Hause?" Höflich streckte ich meine Schultern durch und sah dabei zu, wie Kyle sich zu der offenen Haustür hinter sich drehte und seine Mutter rief.

„Mom, hier ist wer für dich!"

Leicht zuckte ich zusammen. Der Teller wurde allmählich ziemlich schwer.

Schritte ertönten und Kassandra blickte hinter Kyle hervor. Ein Geschirrtuch hing über ihrer Schulter.

„Lola, wie schön dich zu sehen!" Sie kam auf mich zu und drückte mich fest an sich. Ich balancierte den Kuchen auf einer Hand und schaute überfordert zu Kyle, der das ganze Szenario nur mit einer hochgezogenen Augenbraue verfolgte.

„Geht es dir etwas besser, mein Kind? Was machst du denn hier?" Ohne auf ihre erste Frage zu antworten, hielt ich den Teller hoch, als würde dies alles erklären.

„Oh, dass sieht aber lecker aus." Wortlos reichte ich Kassandra den Teller und schaute unauffällig zu Kyle. Er war das männliche Ebenbild seiner Mutter. Er hatte braunes Haar, welches an einen Brownie erinnerte und auch seine Augen schienen in Schokolade versunken.

„Was feiert ihr denn Schönes?" Nichts.

„Meinen Geburtstag."

Und abermals zog mich die Frau in ihre Arme und wünschte mir alles erdenklich Gute. Ich bedankte mich leise und wünschte noch einen schönen Abend. Hätte ich doch einfach Kyle den Teller in die Hand gedrückt und wäre wortlos wieder gegangen.

Den Blick zu Boden gerichtet, lief ich die wenigen Meter zurück zu unserem Haus. „Warte." Ich drehte mich um und sah Kyle auf mich zu kommen. Sein Gang war die Perfektion selbst. Er lief Selbstbewusst, ohne einen Zweifel. Schnell schüttelte ich diese Gedanken ab. Ich hatte mich auf Wichtigeres zu konzentrieren, als auf einen bösen Jungen, wie Lisa es betont hatte.

„Du hast also heute Geburtstag?" Wieder sein unwiderstehliches Grinsen.

Ich verdrehte die Augen. Innerlich brach ich in Panik aus. Ich wollte in mein Bett. Allein sein.

Dennoch nickte ich knapp.

„Und wieso hast du vorhin geweint? Hast du nicht das geschenkt bekommen, was die Prinzessin sich gewünscht hatte?" Seine Stimme triefte vor Hohn und Spott.

Wütend ballte ich meine Fäuste.

„Das geht dich gar nichts an!" Ich hatte das Gefühl, mich an meiner eigenen Wut verbrannt zu haben. Was fiel ihm ein, mich so zu verspotten? Er kannte mich nicht.

Er kannte Liam verdammt nochmal nicht!

Ich wandte mich zum Gehen, als er das zweite Mal an diesem Tag mein Handgelenk ergriff und mich ruckartig zu sich zog.

„Ich habe dir rein gar nichts getan. Du hast keinen Grund auszuflippen. Pass auf, wie du mit mir sprichst." Er spuckte die Wörter beinahe wie ein Gift aus und ließ mein Handgelenk los.

Tränen bildeten sich in meinen Augen und verschleierten mir die Sicht. Ich verfluchte sie in diesem Moment. Kyle musste mich nicht ein weiteres Mal so schwach erleben. Doch meine Gefühle schwappten über und wutentbrannt und zornig blickte ich zu ihm hoch.

„Lass mich verdammt noch einmal in Frieden. Einfach alle sollen mich in Frieden lassen. Mein Leben geht dich einen Scheißdreck an!" Ich stapfte zu meinem Haus hinüber. „Was habe ich dieser verfluchten Welt angetan, um das alles zu verdienen?"

Continue Reading

You'll Also Like

279K 15.6K 50
Ace glaubt eigentlich nicht an das Schicksal. Die Tatsache, dass seine beste Freundin Sky seit vier Jahren mit Victor, seinem besten Freund und Mitbe...
12.3K 972 62
»Soll ich wieder gehen? Ich kann draußen warten. Oder unten. Wenn dir das lieber ist.« »Das ist ja das Problem! Ich will nicht, dass du gehst.« Julia...
Wattpad App - Unlock exclusive features