Die Prophezeiung

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Einige mögen die Scheiße schon kennen, aber is halt immernoch ne Kurzgeschichte, ne? :D

Ich weiß, ich irre nicht.
Ich weiß, es wird so sein.
Ich weiß, sie existier'n
Ich weiß, sie werden gefund.

Und sollte ich doch irr'n,
So geb' ich euch mein Wort:
An diesem Ort, genau diesem Ort,
Wird der verenden,
Der sich mit mir irrt.
So wird der verenden,
Der mir glauben wollt.
Mein jüngster lebender Nachfahre.
Ich gebe euch mein Wort.

Mein Blick schweifte durch die rabenschwarze Leere, einfach so, ohne dass man dies in irgendeiner Weise kontrollieren konnte. Mein Herz raste so schnell, wie eine Rakete. Was mich blöderweise an die Situation erinnerte, in der ich mich gerade befand. Völlig von Angst geplagt, in einer völlig luftdichten Kapsel - was kein so großes Problem war, da ich in zweiter Gestalt ein Buckelwal war und auch in Menschengestalt recht lange ohne Sauerstoff auskam - und ein Tuch um den Kopf gewickelt, das meine Sicht komplett benebelte. Aber ich wusste, dass es notwendig war, um die absolut unberechenbar grellen Lichtstrahlen, die beim Teleportieren entstanden, nicht an meine Augen zu lassen. Wenn ich in irgendeiner Weise so einen Lichtstrahl sah, würde ich erblinden. Darin bestanden wenig Zweifel.
"Sind Sie bereit, Kermaiski?", ertönte eine Stimme, vermutlich aus dem Lautsprecher über mir.
Ich straffte die Schultern. "Ja, Mr."
Dann spürte ich einen ruckartigen, kräftigen Druck, der meinen ganzen Körper zerquetschen zu schien. Mein ganzer Körper verbog sich und drehte sich wie wild umher, meine Gedanken und Sinne waren wie ausgeschaltet, nur ein fernes, schrilles Pfeifen drang an meine Ohren.
Und dann stand wieder alles still.
Ich wagte es, meine Fingerspitzen zu bewegen und nahm schließlich langsam das Tuch ab.
Vor mir erstreckte sich eine Landschaft, nicht mit der zu vergleichen, die ich von der Erde kannte. Wasser, mit Gras vermischtes Wasser, das sich als glibbernde Masse über das Land zog, bestrahlte in einem hellen Türkis die gesamte Landschaft. Wenn man genauer hinsah, erkannte man auch einen leichten, blauen Schimmer, der sich vom Wasser ganz gerade den Himmel hinaufzog, bis zu einem in der selben Farbe leuchtenden Stern. Die Sonne des Makurus-Sonnensystems.
Ich seufzte laut. Erleichtert, es bis hierhin geschafft zu haben. Der erste Planet, auf dem Leben möglich war, den unsere Menschheit nun kannte. Abgesehen von der Erde natürlich.
Und wenn ich jetzt noch meine Aufgabe, meine Prophezeiung, erfüllte, die besagte, dass ich hier Wandler wie mich finden sollte, war mir das Leben geschenkt. Und das war mir so viel Wert. Meine Freunde, meine Familie, die ganze... ja, diese ganze Welt einfach. Ich konnte das nicht verlieren. Nicht auch noch als Versagerin, als Versagerin sterben.
So ging ich also los. Vorbei an diesem wunderschönen Fluss aus dickflüssigem Wasser, das sich strikt von dem Grasland getrennt hatte, aber trotzdem fest mit ihm verschmolzen war. So etwas konnte nur auf der Erde des Makurus-Systems möglich sein.
Nach ein paar Stunden Fußmarsch erblickte ich ein weiteres Licht. Diesmal schimmerte es dunkelgrün.
"Beim großen Wal, das muss es sein!"
Mein Großvater Malik hatte mir erzählt, dass grünes Licht im Makurus-System keineswegs natürlich sein konnte und definitiv eine Ausstrahlung höherer Intelligenz hatte, da man, um es zu bekommen, viele verschiedene Stoffe kompliziert vermischen musste.
Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus. Ich hatte es fast geschafft. Denn wo es Leben gab, gab es Wandler. Was mir jetzt noch fehlte, war ein Beweis.

Ich stapfte immer weiter auf das Licht zu, bis ich unmittelbar davor stand. Und somit auch inmitten einer Art Menschenmenge, die auch wirklich aus echten Menschen bestand. Alles sah so aus, wie man es sich bei einem Mensch eben vorstellte. Ein Kopf, Haare, Arme, Füße. Nur die Haut dieser Menschen sah anders aus. Sie leuchtete in eben diesem hellen Türkis, wie die Sonne, die am Himmel strahlte.
Und nun sah der erste Mensch mich, schaute mich an, als wäre ich ein Ailien oder so. Was beim genaueren Nachdenken ja auch stimmte.
Ich nickte ihm lächelnd zu. Doch dieser schaute nur verwirrt drein.
"Skĕ! Skĕ drh malach!", rief er in einer Sprache, die ich nicht verstand.
Nun drehten sich sämtliche der Menschen zu mir um, riefen das gleiche, wie der Mann. Immer wieder.
Hey, hey, ich tu euch nichts. Ehrlich., versuchte ich Kontakt aufzunehmen, da ja alle Wandler die selbe Sprache sprachen in Gedanken. Ja, Wandler. Aber ob unter diesen Leuten ein Wandler war...
Doch dann erklang eine leise Stimme in meinem Kopf: J-ja? Woher k-kommst du, Fremde?
Ich versuchte, die Stimme zu orten, war aber erfolglos.
Ich komme von Kryps. Einer Erde im Sonnensystem, das... eine gelbe Sonne hat. Ich bin wie du. Wie ihr., antwortete ich und suchte weiter nach dem fremden Wandler.
Du bist auch ein Mellec. Du redest mit mir. Wo bist du?
Ich biss die Zähne zusammen. Dann holte ich tief Luft und ließ einen lauten, schrillen Laut ertönen, den ich bisher nur in meiner zweiten Gestalt angewandt hatte. Aber er war hilfreich.
Du? W-warte, ich kann dich sehen.
Ein kleiner Junge, nicht älter als zwölf kam auf mich zu. Seine Augen waren riesig, größer als alle menschlichen Augen, die ich je gesehen hatte.
Nun, was willst du hier?
Die anderen Menschen schauten mich verwirrt an, anscheinend komplett überfordert.
Ähm, übersetzt du bitte für mich?, fragte ich den jungen Wandler so freundlich wie möglich. Als dieser nickte, redete ich weiter: Ich bin von Kryps. Einer anderen Erde. Einer Erde, in der die Zivilisation sehr weit vorangeschritten ist. Ich bin hier, weil ich jemanden finden wollte. Jemand ganz bestimmtes. Und ich habe ihn gefunden, ihn hier. Ich deutete auf den Jungen. Ich bitte euch, ihn mitnehmen zu dürfen. Nur für ein paar Monde. Er gehört ganz euch, aber... ich brauche seine Hilfe. Ohne ihn... sterbe ich. Bitte.
Stille. Die Menschen der Makurus-Erde tauschten ratlose Blicke und tuschelten aufgeregt.
Dann trat eine ältere Frau vor. "Mĕcröpt. Hĕrtch. Jquylip, mirtzĕ lip!", rief sie mit rauer Stimme.
Sie sagt, sie weiß von dieser Erde. Sie kennt... deinen Vorfahren Humac., übersetzte der Junge mir und ich zog verwundert die Augenbrauen hoch.
Sie sagt, ich soll mit dir gehen. Und den Fluch lösen.
Ich unterdrückte einen Schrei der Freude, aber die Tränen, die meine Wange herunterliefen, konnte ich nicht aufhalten.
Danke., wisperte ich und nahm die Habd des jungen Wandlers, der die Ausstrahlung eines weniger gefährlichen Raubtiers hatte.
Er lächelte.
Die Frau nickte mir langsam zu und der Junge und ich machten uns auf den Weg zu der Kapsel, die uns zurück auf meine Erde bringen würde. Begleitet von dem Glück, das ich hatte. Die Prophezeiung war erfüllt, der Fluch ein für alle Mal gelöst. Nichts würde mich und meine Familie je wieder belasten.
Ich stieß einen Schrei der Freude aus, einen Schrei eines Wales. Und der Junge, der neben mir lief, grinste.

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