Genervt schlug er die gemeinsame Wohnungstür zu. Man merkte Robert an, dass er versuchte, während er das Treppenhaus hinunterlief, seine vorbelastete Stimmung aufzuheitern. Nur mit Mühe bekam er eine halbwegs freundliche Antwort auf die Begrüßung der ihm entgegenkommende alten Dame heraus. Die Winterluft half Robert sein erhitztes Gemüt abzukühlen. Der Weg in die Bar erschien - durch Gedankenzüge welche ihm durch den Kopf gingen, schlichtweg zu kurz. Robert ist kein Einzelgänger. Doch an diesem Silvesterabend blieb ihm nichts anderes übrig. Er kannte niemanden und niemand kannte ihn. Er war allein. Durch Zufall oder vielleicht höhere Gewalt lief er in dieser, ihm völlig fremden Stadt direkt auf einen Pub zu. Er hielt einen Augenblick inne, dann betrat er das Lokal - zaghaft, aber doch sicher. Sein Ziel: Ein einsamer Barhocker mit dem er den Abend verbringen könnte.
Doch in einem recht schnellen Tempo gesellten sich Freunde, in Form von leeren Gläsern, dazu. Er schielte auf die Uhr: 20.00Uhr.
Robert ließ seine Gedanken tanzen. Er dachte in diesem traurigen Moment an all das, was ihm dieses Jahr Gutes widerfahren war. Er dachte an die gemeinsame Wohnung und die kleinen Streitigkeiten, welche er mit seinem Partner, wegen der Einrichtung hatte. Schwule haben so genaue Vorstellungen dachte er und grinste etwas dabei. Doch keine Szene kam wohl an die Verlobung von Robert dran. Er versuchte allerdings nicht weiter dran zudenken, Tränen und Wut bahnten sich an. Er dachte nur, was draus geworden war. Es war der Silvesterabend, 21.30Uhr, und er saß allein in einer schäbigen Bar. Er bestellte sich noch einen Drink. Robert dachte daran, dass wenn sein Partner jetzt hier wäre, würde er ihm nur wieder vorhalten, warum er nicht trinken sollte. Doch das wusste er ja selbst. Robert wurde immer sauer, wenn das Thema aufkam. Er wusste, warum er nicht trinken sollte. Er wusste es besser als jeder andere. Doch Robert wusste auch, dass er sein Problem hinter sich gelassen hatte, aber sein Partner scheinbar nicht. Er vertraute ihm nicht. Vertrauen, dachte Robert, da haben wir es wieder. In seiner Beziehung funktionierte Vertrauen nicht, hatte es noch nie.
Eine Hand riss ihn aus seinem Gedankenlabyrinth. Ein junger Mann reichte ihm ein Zettel. Er malte sich viele folgende Situationen aus. Doch als er den Zettel öffnete, wurde keiner seiner Hoffnungen wahr. Er war erleichtert und traurig. Der Zettel wies auf eine Silvesternacht Party hin. 22.00 Uhr. Er nahm einen großen Schluck, leerte sein Glas, legte einen Geldschein auf den Tresen und verließ die Bar in Richtung Club. Der weg dorthin gestaltete sich, trotz großer Trinkfestigkeit seinerseits, sehr schwerlich. Er vermochte nicht mal mehr eine Einschätzung vornehmen, wie lang er für den Weg zum Club brauchte. Er nahm noch ein paar Drinks an der Bar und fand sich gegen 23.00 Uhr auf dem Herrenklo wieder. Robert hielt einen Moment inne. Er vergewisserte sich, dass alles in Ordnung sei und war während dessen erleichtert, hier niemanden zu kennen. Obwohl es auch keinen unterschied machen würde. Er, der introvertierte Mann, wurde zum Partylöwen. Robert ging mit, in neuem Maße vorhandenen, Selbstbewusstsein aus der Toilette hinaus und zielstrebig auf die Tanzfläche zu. Er dachte nicht mehr an den Streit, um ehrlich zu sein, dachte er nicht mal mehr an seinen Verlobten. Er ließ alles locker und fühlte sich so gut, wie nie zuvor. Sein Handy vibrierte, er holte es aus seiner Tasche und nahm eine Nachricht von seinem Verlobten auf dem Display war, schaute allerdings mit dem Großteil seiner Wahrnehmung nur auf die Uhr. Wenn er gefragt würde, könnte er nicht mal sagen, was in der Nachricht stand, aber er wusste, dass es 23.39Uhr war.
Ein junges Mädchen tanzte ihn an. Sie wäre, würde er Hetero sein, genau der Typ Mädchen mit dem er ausgehen würde. Es war ein wilder Abend, außerdem war er ja schwul. Was soll schon passieren? Sie tanzten immer enger. Es wurde heiß. Und die Menge fing langsam an von zehn rückwärts zu zählen. Robert nahm es im Hintergrund wahr.
10, 9, 8.
Das Mädchen und er kamen sich immer näher.
7, 6, 5.
Er begann seine Hände um ihren Kopf zu legen.
4, 3, 2, 1.
Robert vollführte einen Kuss, der seines gleiche in dem Club suchte. Eine Vibration von seinem Handy ausgehend riss ihn aus der Trance, in der er sich während des Kusses befand. Er beendete den diesen und flüchtete aus dem Club. Sein verlobter schickte ihm ein Bild. Robert spürte seinen Herzschlag im gesamten Körper und öffnete das Bild dennoch. Er sieht sich selbst und das junge Mädchen, küssend.
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Silvester Desaster
Truyện NgắnRobert verbringt den Silvesterabend aufgrund seines Streits getrennt von seinem Verlobten. Aus einer Alkoholischen Laune, begeht er einen Fehler.
