Keine Ruhe vor dem Sturm

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Kapitel 1 Keine Ruhe vor dem Sturm

Das energische Klopfen an der Tür ist selbst durch meine Kopfhörer zu hören. Dumpf, aber so gleichmäßig, dass es mir nach wenigen Minuten auf die Nerven geht. Ich atme tief ein. Mein Mitbewohner übernachtet auswärts und für einen Augenblick wähnte ich mir einen ruhigen Abend ganz mit mir allein. Ich habe mich getäuscht.

„Mach auf!", kommt es von der anderen Seite der Tür, gefolgt von weiterem, mittlerweile heftigem Klopfen. Ich schließe meine Augen mit der wahnwitzigen Vorstellung, dass die Geräusche damit weniger werden. Aussichtslos und reichlich naiv.

„Robin, ich weiß, dass du da drin bist." Nun drehe ich mich doch um und blicke zur geschlossenen Tür. Ich knurre und stehe auf. Bevor er ein weiteres Mal zu hämmern beginnen kann, drücke ich die Kopfhörer von meinen Ohren und mache die Tür auf. Ich sehe direkt in verärgerte, braune Augen. Kain. In all seiner gloriosen Erscheinung. Er ist ein Kommilitone aus dem 6. Semester, der mit mir einige Vorlesungen besucht. Seine sonst gut frisierten, schwarzen Haare stehen wild um seinen Kopf herum und unterstreichen den Wahnsinn, den seine Aktion mit sich bringt.

„Was?", frage ich genervt, lasse meinen Blick absichtlich offen abschätzig über den anderen Mann wandern und sehe verwundert auf das Kissen in seiner Hand. Ich deute darauf und schaue dann wieder in sein grimmiges Gesicht.

"Kissenschlacht verloren?", frage ich.

„Dein Mitbewohner fickt meinen!", sagt er in einem Tonfall, an dem ich nicht gleich erkennen kann, ob es ein Scherz ist oder Ernst. Was, schallt es ungläubig durch meinen Kopf. Ich stocke und sehe in die funkelnden Augen des anderen Mannes. Er meint es ernst. Für einen Moment weiß ich nicht, was ich ihm entgegnen soll. Er muss fantasieren oder zu mindestens übertreiben.

„Ja, und?", frage ich bewusst ruhig, nachdem keine genauere Erklärung folgt. Noch immer dringt die Musik aus meinen Kopfhörern. Mit Sicherheit hört auch Kain sie. Zero 7 mit 'In The Waiting Line'. Der chillige Song passt in keiner Weise zur angespannten Stimmung.

„Er ist doch dein Freund, oder?" Kain spricht von Jeff. Kumpel, Kommilitone und Kindheitsfreund meinerseits. Ich bin mit Jeff zur Schule gegangen und wir haben uns an derselben Universität beworben. Ich studiere Biochemie im 4. Semester und habe außer Jeff keine Menschenseele, mit der ich über persönliche Dinge rede oder die ich ansatzweise einen Freund nennen könnte. Ich brauche auch niemanden. Reden ist keine meiner Stärken und dass Jeff und ich ein gemeinsames Zimmer bekamen und Mitbewohner wurden, war reiner Zufall. Ich finde es okay. Ihm gegenüber muss ich mich wenigstens nicht andauernd verstellen, denn er weiß, dass ich im Grunde ein eigenbrötlerischer Einsiedler bin, der einfach nur seine Ruhe will.

„Ja, und?", frage ich erneut weltmeisterlich gelassen. Nicht, dass ich es bereits gewusst habe. Im Gegenteil, es überrascht mich derartig, dass ich große Mühe habe, mich zusammenzureißen. Jeffs Ausrichtung ist mir trotz der langen Zeit, die wir uns kennen, nie aufgefallen. Seltsam und irgendwie auch nicht. Ich verstehe nicht, warum Kain mir das erzählt und was er damit bezweckt. Was soll ich dagegen tun? Wieso sollte ich etwas dagegen tun? Die Musik aus meinem Kopfhörer ändert sich in Magic! mit 'Rude'.

„Rede mit ihm, denn das muss aufhören", fährt er fort. Mein Blick wird verstört. Das ist nicht sein Ernst? Kain schiebt mit seiner großen Hand die Tür auf. Doch bevor er das Wohnheimzimmer betrete kann, stelle ich mich ihm in den Weg.

„Was wird das?", frage ich warnend, leicht knurrend.

„Ich bleibe hier", folgt die schlichte Antwort. Er beugt sich zu mir. Kain ist um einiges größer und breiter als ich. Wahrscheinlich, weil er seine Freizeit damit verbringt Gewichte sinnlos in die Luft zu heben. Er mustert mich unverhohlen und macht eindeutig klar, dass ich ihm kein Hindernis bin. Das weiß ich selbst, aber meine Ruhe würde ich nun mal mit dem Leben verteidigen.

Between the Lines - The wonderful world of wordsCerita yang buat anda obses. Terokai sekarang