Gelbe Augen

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Das Zappeln der Fische in meinem selbstgewobenen Korb ließen mich stolz grinsen. Solle mir nochmal jemand sagen, dass ich zu tollpatschig sei.
Den Sperr ausgestreckt in meiner linken Hand, bückte ich mich, um unser Abendessen aufzuheben. Dabei rutschte ich mit meinen nackten Füßen auf einen der Steine im Fluss aus, stieß den Korb um, ein lautes Aufkeuchen übertönte meinen Platscher ins Wasser.
Die Luft scharf ein ziehend griff ich mir automatisch an den nassen Hintern. Mein feuchtes Oberteil klebte an mir, wie eine zweite Haut, meine Haare hingen triefend herab und versperrten mir die Sicht.
Dennoch konnte ich erahnen, wie meine beste Freundin mit verschränkten Armen vor mir stand und versuchte ihr Lachen zu unterdrücken.
Das sieht dir mal wieder ähnlich!
„Du kannst dir deine Moralpredigten sparen!", murmelte ich und musste dabei selbst gegen ein Lächeln ankämpfen. Ich strich mir die dunklen Haare aus dem Gesicht und blickte zu ihr auf.
Ihre blonde Mähne schien in Konkurrenz zur Sonne zu stehen, wer am hellsten scheint, hat gewonnen. Mein schwarzer Vorhang schien die Helligkeit bloß zu verschlucken.
Saga hielt sich die Hand vorm Mund, ehe sie anfing wie wild darauf los zu kichern. Immer noch im Nassen sitzend, suchte ich meinen Speer im seichen Wasser, kaum das meine Finger ihn ertastet hatten, schlug ich mit dem dumpfen Ende auf sie ein. „Hör auf, eigentlich ist das alles andere als lustig!"
Schallend lachend vertrieb die blonde Wikinger Frau auch die letzten Tiere in unserer Umgebung. „Nur dir kann das passieren."
Meine Leinenklamotten hingen schwer an mir herab, als ich wieder aufstand und das alles so würdevoll und vorsichtig versuchte, wie nur möglich.
Nachdem sie sich langsam beruhigt hatte, strich meine Freundin sich die paar Strähnen zurück, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatten und schaute dann seufzend auf meinen leeren Korb. Die toten Fische waren von der Strömung davon getragen worden, nur einige wenige waren zwischen vereinzelte Steinen stecken geblieben.
„Tja, der unlustige Part kommt jetzt.", meinte sie und zeigte auf ihren eigenen Korb, der nur halb so voll war. Das war alles, was wir noch hatten.
Grummelnd hob ich meine Augen gen Himmel. Es wurde langsam dunkel, wenn wir nicht bald zurück kehren, würden die Männer uns suchen.
„Ja, wir müssen mit leeren Händen zurück."
„Naja", versuchte Saga, „so leer sind sie jetzt auch nicht..."
„Dann beten wir am besten zu Odin, dass niemand unseren kleinen Fang bemerken wird."
Saga warf mir einen wissenden Blick zu. Natürlich würden sie es merken. „Ich hab dich lieb, Nola, aber damit das passiert musst du auch zu allen anderen Göttern beten."
Leider hatte sie recht. Ich war in unserem Dorf dafür bekannt, dass ich alles durcheinander brachte. Sie hätten sich gewundert, wenn wir beide mit zwei vollen Körben angekommen wären. Obwohl wir schon länger draußen waren als die anderen Frauen.
Ich kniete mich neben meinen Korb, der mir allerdings sehr gut gelungen war, und versuchte die wenigen Fische aufzusammeln, die ich zwischen die Finger bekam.
Mein Vater wäre alles andere als stolz auf mich. Als Oberhaupt unseres Volkes legte er besonders viel Druck auf mich, auch wenn er fast die Hoffnung  aufgab, was mit betraf.
„Toll.", knurrte ich wütend vor mich hin. „wenn es so weiter geht wird mein Totem eine Schnecke. Oder was anderes niederträchtiges."
Sage hatte sich ebenfalls zu mir gekniet, um mir zu helfen, doch bei meinen Worten grub sie ihre Finger in meine Schultern. „Hör auf damit! Du sollst nicht so hart zu dir selbst sein. Dann bist du halt etwas schusselig, das heißt nicht, dass du nichts kannst! Und die Alte Maer wird das auch wissen, genauso wie die Götter und dein Vater."
Ich legte den Kopf zu Seite, vielleicht um zu protestieren, vielleicht um ihr zu zustimmen, aber in dem Augenblick unterbrach mich ein Knacken hinter ihrem Rücken und aufgeschreckt drehten wir uns um. Meinen Speer immer noch fest in der einen Hand, während Saga mir fast vor lauter Angst das andere Handgelenk vom restlichen Arm abtrennte.
So war es schon immer. Wenn wir uns Ärger eingehandelt hatten, ging ich nach vorne, bereit für den Kampf, während meine geliebte Freundin hinter mir stand und mir den Rücken freihielt. Oder sich ins Kleidchen machte.
Der Fluß plätscherte leise um uns herum und kitzelte an unsere Knöcheln, während wir wie gebannt auf den dunklen Wald vor uns starrten.
Ein raues Husten lies mich die Stirn runzeln. Ich trat aber er vor, als ein Mann zwischen den Bäumen auf uns zu humpelte. Noch während er uns einen durchdringenden Blick zuwarf, knickten ihm die Knie ein und er fiel fast in den kleinen Fluss, hätte er sich nicht mit den Händen abgestützt.
Das brachte mich aus meiner Starre und mit zwei großen Schritten war ich bei ihm. Meine Hände legte ich vorsichtig, sanft, als würde ich ein Neugeborenes anfassen, auf seine breiten Schulter. Überhaupt war er sehr breit, bemerkte mein Unterbewusstsein. Muskeln durchzogen seinen harten und breiten Körper. Die dunklen Haare auf seiner Brust waren von Dreck und Blut verkrustet. Die schwarzen Bemalungen auf seiner linken Seite waren kaum zu erkennen.
Er hob den Kopf zu mir und plötzlich waren wir uns so nahe, dass ich seinen flachen Atem auf meiner Wange spürte.
„Hallo.", murmelte ich wie eine Dirne.
Ein kurzes amüsiertes Aufflackern in seinen Augen ließ mich überrascht die Luft anhalten. Er war attraktiv. Damit meinte ich nicht nur den Körper, in unserem Dorf liefen die Männer ständig nur mit einer Hose herum, wenn auch niemand so proportioniert war, wie unser Unbekannte.
Nein, seine Augen waren attraktiv, sie zeigten eine Sanftheit, die man von einem Mann seines Gleichen nicht gewohnt war. Die dichten Brauen, die scharfen Wangenknochen und der breite Kiefer bildeten eine Wildheit, die im starken Kontrast dazu standen. Einige seiner Haare fielen im ins Gesicht. Auch sie waren besudelt von Blut. Meine Augen tasteten seinen Körper ab, damit ich wusste, wo er nicht verletzt war und ich ihn anfassen konnte. Seine Stimme war Rau, dunkel und tief- als hätte er sie lang nicht mehr benutzt. Den Schmerz dahinter hörte ich dennoch. „Nutzt du gerade meine Situation aus, Goding?"
Meine Schöne?
Ich bemerkte selbst, wie meine Wangen rot wurden. Hätte er Saga schon gesehen, hätte er mich nicht so genannt. Da war ich mir sicher.
„Nein, natürlich nicht! Ich wollte bloß schauen, wo ich anpacken kann."
Da war wieder dieses blitzen in seinen merkwürdigen Augen. Fast hypnotisierend.
Sofort gereute ich meine Wortwahl. „Verdammt, so sehr verletzt kannst du nicht sein, wenn du dich darüber amüsieren kannst." , sagte ich leise zu ihm und griff fest um seine Achseln. „Saga, ich brauche deine Hilfe. Alleine schaffe ich das nicht.", mit diesen Worten packte ich meinen Speer in die andere Hand, die ich nicht um ihn geschlungen hatte, und sein, wirklich, wirklich muskulöser, Arm legte sich um meine Schulter.
Ohne Erfolg versuchte ich ihn hochzustemmen.
Der Wikinger bemerkte jetzt erst meine Freundin, den seine Augen glitten zu ihr und blieben kurz an ihr haften, ehe er mich wieder fesselte.
Goding.
„Nicht mal zu zweit werdet ihr es schaffen.", er sprach leise und Blut tropfte aus seinem Mund.
„Wenn du ein klein wenig mithilfst, dann schon! Unser Dorf ist nicht weit."
Als Saga sich immer noch nicht rührte, drehte ich wütend den Kopf zu ihr.
Wie versteinert stand sie noch bei den leeren Korb, ihr Speer vor ihren Füßen, die Hände um ihren Mund gelegt.
„Saga!"
Sie blinzelte ein paar mal, sie begegnete meinen stechenden Augen. „Ja, ja, ja. Helfen."
Dann ging sie flink auf seine andere Seite und legte ihre Hand zögernd um seine breite Hüfte. Sie wirkte neben ihm wie eine kleine Elfe, so zerbrechlich. Da war ich mir gar nicht so sicher, ob wir das tatsächlich zu zweit schafften.
„Du brauchst keine Angst zu haben. Ich beiß nicht. Jetzt nicht zumindest.", flüsterte er rau Saga zu. Meine Augen verrenkten sich. Das gefiel mir ganz und gar nicht.
Als hätte er meinen Blick gespürt, wand er sich mir wieder zu, während er seinen anderen Arm um Sagas zierliche Schulter legte.
„Keine Sorge, Goding. Du kannst deine Krallen bei dir behalten.", das Gelb schaute mich unter dunklen Wimpern an.
„Das entscheide ich.", konterte ich und zog ihn sanft nach oben. „Komm, die anderen werden uns bestimmt auf den Weg entgegen kommen."

Hey meine Lieben 🥰,
Das hier ist mal was ganz neues für mich und ich versuche mich mal daran. Ich hoffe, es wird was und ihr mögt es. Kritik und einige Tipps, sind bei mir gerne zu sehen.🤓
Alles liebe,
Josie Anastasia

VikingsWhere stories live. Discover now