Es ist der 1. Tag und irgendwie ist alles recht aufregend. Mein Bruder hatte heute morgen wieder, wie fast jeden Morgen, einen Heulanfall. Nicht weil ich jetzt weg bin, sondern weil er kein Bock auf die Schule hat. Als ich ihn zum Abschied umarmt habe, meine er : „oha.. du bist SOO Dünn.. kein Wunder, dass du in die Klinik gehst!" Wahnsinnig tolle Abschiedsworte. Naja Mama und ich sind dann losgefahren. Eine doch sehr bedrückende Stimmung. Dann kam der Stau. Für eine Strecke, die eigentlich 30 Minuten dauert haben 1,5 Stunden gebraucht & kamen 13 Minuten zu spät. (Jippie ist ja nach im akademischen Viertel). Also habe ich meine Sachen, bis auf den gefühlt 10 Tonnen schweren Koffer unter die Arme genommen und bin losgelaufen. Mama kam mit dem Kopf hinterher gewackelt.
Ich wurde recht schnell zum Aufnahmegespräch hereingebeten. Dort musste ich eine Einweisung und meine Krankenkassenkarte abgeben. Einige Formalitäten wurden geklärt, wobei auch die kostenübernahme der Krankenkasse geklärt wurde. Weil mein Koffer so Schwer war, wurde ich von Herr B., ein Pfleger in Ausbildung, abgeholt. Mama wollte einen Blick auf die Station werfen also ist sie einfach mitgenommen. Herr B. Hat den Aufzug noch nie zuvor benutzt und es kam zu einer riesigen Panne: Herr B. Drückte verzweifelt alle Knöpfe, doch es passierte nichts. Darum entschloss er sich wieder raus zu gehen und nachzufragen. Grade als er aus dem Aufzug raus war, schloss sich die Tür. Herr B. sprintete in den Aufzug und wir führen... zur 1. Etage. Wir mussten aber in die 2. also ging alles von Vorne los. Diesmal schaffte er es aber nicht rechtzeitig in den Aufzug rein. Er musste dem entsprechend die Treppe nehmen. Mama sah die Stationzu ersten Mal. Ich weiß nicht, ob sie jetzt einen besseren Eindruck bekommen hat. Sie war eh die ganze Zeit am weinen. Ich bin ja nicht aus der Welt nur halt nicht zuhause. Ich bin jetzt hier. Station 2 Etage 2.
Herr S., ein Pfleger, holte meine Mutter und mich ab und zeigte uns mein Zimmer. Es ist schön hell und sieht sehr einladend aus. Meine Mutter ging zuerst rein. Nach ihr ich und zum Schluss Herr S. ich teile das Zimmer mit 2 anderen. Sie heißen Anna und Fiona. Fun fact: beide sind 22 Jahre alt, Studentinnen und vor 9 Wochen am gleichen Tag aufgenommen worden. Ich bin die erste neue Zimmernachbarin der beiden. Wir verstehen uns super, auch wenn ich 4 Jahre jünger bin. Aber zurück zum Tagesablauf. Herr S. verabschiedete sich und auch der Abschied von meiner Mutter war kurz und schmerzlos (für mich jedenfalls). Mama war immer noch am weinen. Ihr fiel der Abschied echt schwer. Hab ihr aber geschrieben, dass alles gut wird.
Jetzt wo ich auf mich alleine gestellt bin, habe ich einfach mal angefangen meine Sachen einzuräumen und zu dekorieren. Aber nur kurz, da mich Herr H. Noch ein weiterer Pfleger zum wiegen abholte. Ich wurde gewogen (mit Klamotten) und meine Größe wurde gemessen. Ok in den letzten 3 Wochen bin ich anscheinend geschrumpft und ich habe zugenommen . (Kann aber auch an den Klamotten liegen und dass ich sehr viel getrunken habe). Morgen früh werde ich deshalb wieder gewogen. Danach wurde ich, wie beim Erstgespräch befragt. Ich bekam die Hausordnung, den Therapieplan und einen Möglichen Essstörungsvertrag. Wie dieser letzten Endes aussieht, wird in den nächsten Tagen geklärt. Danach bin ich wieder auf mein Zimmer Gegangen.
Um 12.30Uhr hatte ich das erste Gespräch bei der zuständigen Stationsärztin. Dort wurde ich wieder mit fragen durchlöchert. Das Gespräch verlief aber sehr schnell, weil es ja eigentlich von 12.00Uhr bis 12.30 Uhr Mittagessen gibt. Das war heute aber eh etwas später, da die Oberarztvisite länger dauerte.
Essen wurde übrigens mit Herrn H. Besprochen. Ich kann nur sagen das sind richtige Kalorienbomben!!! Man kann bei jeder Mahlzeit zwischen 3 Menüs wählen und 1 Mal die Woche hat man die Möglichkeit umzuwählen. Das heißt Morgens Brot, Brot oder Brot und wahlweise Müsli DAZU. Abends Brot, Brot, oder Brot und kein Müsli dazu. Mittags kann man zwischen 2 Fleischgerichten und einem Vegetarischen Gericjt wählen. Die restliche Woche bin ich also Vegetarierin.
Heute wäre der einzige Tag in der Woche gewesen, wo ich lieber ein Fleischgericht gewählt hätte. Aber das wäre zu kurzfristig. Als ich von der Stationsärztin zum Essen ging, Saßen die anderen Bereits an dem Esstisch. Herr H. stellte mich den anderen vor und zeigte mir meinen Sitzplatz an dem Tisch für die Essgestörten. (Hier ES= Esssetter genannt). Mein Teller Stand schon bereit, weil ich ja noch nicht selber Portionieren darf. Herr H. hatte eine Schüssel über meinen Teller gestellt, damit das Essen nicht kalt wird. Am Tisch waren schon alle am Essen. Ich legte die Schüssel zur Seite und sah einen Albtraum... Meinen Albtraum (Ich ekelte mich davor sogar mehr, als vor Brot): Es waren Nudeln mit Brokkoli in KÄSE Soße. Die Nudeln und der Brokkoli waren Gefühl in Fett gebadet. Ich habe das Essen einfach angestarrt. Die anderen hatten alle Fleischgerichte (warum wohl).
Außer mir gab es noch 18 weitere Patienten darunter immer 5-9 Essgestörte (Lara, Max und ich waren die einzigen Anorexiepatienten. Die anderen hatten Bulimie). Lara aß ohne Probleme. Und ich ... ich wollte das nicht mal anrühren. Nachtisch gab es auch... Joghurt... Bananenjoghurt... habe ich auch nicht essen können. Heute habe ich echt versagt, um es auf den Punkt zu bringen.
Um 13.40Uhr hatte ich zum ersten Mal Einzeltherapie bei meiner Bezugs Therapeutin. 10Minuten zuvor bin ich losgegangen, doch ich konnte ihr Büro einfach nicht finden. Ich bin sogar auf der Geschlossenen gelandet, was laut Pfleger unmöglich ist. Zum Glück traf ich Lara auf unserer Station. Sie Begleitete mich dann zu der Therapeutin. Diese ist Sooo nett und versteht mich auch. Das ist echt selten, weil die meisten denken, dass man einfach wieder mit dem Essen Anfangen soll. Das kann ich aber nicht. Sonst wäre ich ja jetzt nicht hier!
Eine Stunde später hatte ich auch ein Gespräch bei der Oberärztin. Bei ihr hatte ich auch vor 4 Tagen mein Erstgespräch. Sie nahm mir Blut ab, weil ich ja Kaliummangel hab.
Daraufhin bin ich ins Bett gegangen. Das war soo viel. Um 18.00Uhr gab es dann Abendbrot. Die Zeit an sich ist ja schon einfach Kacke... ich habe mir verboten gehabt nach 18.00Uhr zu essen und jetzt soll ich mein Nummer 1 verbotslebensmittel essen?! Tadaaa... auf meinem Teller lagen 2 Scheiben Brot... #Brotistdertod. Als Aufschnitt lagen dort 2 Käsescheiben, 2Leparifats und (oh Wunder) 2 light Produkte. Ich öffnete eines von denen und es war... BUTTER... ein Klotz Fett, ABER Fett LIGHT! ;-) wie soll ich hier nur irgendwas essen? Hoffentlich wird es morgen besser.
Nach dem Essen bin ich Mit Lara und Max (welcher am Ende der Woche entlassen wird) ums Gebäude Spazieren gegangen. Nach einer Runde ging Max wieder auf Station. Lara und ich sind dann noch 5 weitere Runden gegangen. Dann sind wir auch wieder auf Station hoch.
Grade hab ich mir heimlich eine Wärmflasche gemacht. Das dürfen wir eigentlich nicht, weil man sich ja an dem warmen Wasser verbrühen könnte... macht aber jeder. Jetzt versuche ich zu schlafen. Morgen wartet ja das große Wiegen auf mich... ich habe echt Angst. Aber es wird bestimmt alles wieder gut.
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The days I began to eat again
Random...Und plötzlich durfte ich nicht mehr in die Schule gehen... oder Sport machen.. innerhalb von 4 Tagen war ich in der Klinik. Über Binge Eating in die Bulimie und schließlich in die Anorexie. Ich übertrage mein Motivationstagebuch aus der Klinik a...
