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Willkommen zurück zu "Addicted - Fegefeuer" !

Die Geschichte ist jetzt komplett überarbeitet. Wir haben wirklich jeden Satz umgestülpt. Einige Dinge haben sich grundlegend verändert, andere sind geblieben. Die neue Version bleibt bis zu der Veröffentlichung als ebook online :) so könnt ihr die Überarbeitung noch kennenlernen und lesen, bis es bald mit Band 2 anfängt. Band 2 wird nämlich aufgrund der Änderungen von Band 1 auch komplett neu angefangen. Also... wir wollen gar nicht viel reden. Macht euch selbst ein Bild von den Neuerungen ;-) Auf geht's und.. Frohe Ostern!

Prolog

„Mama?"

Ein kleiner Junge mit braunem Haar und großen Augen kauert auf einem Teppich in einer Wohnung. Er ist dünn, das kindliche Gesicht fahl. Seine Mutter läuft aufgeregt durch das Apartment und ihre Nervosität färbt auf ihn ab. Er spürt, dass etwas nicht stimmt, dass etwas passieren wird. Sie antwortet ihm nicht, stattdessen wirft sie ihm seine Schuhe und eine Jacke hin.

„Zieh dich an", weist sie ihn an, während sie sich ebenfalls ihre Jacke überzieht.

„Wohin gehen wir?", fragt der Junge, als er seine Arme durch die Ärmel schiebt und anschließend versucht, mit seinen kleinen Fingern die Schnürsenkel zu binden. Nachdem die Mutter ihre Handtasche von der Garderobe genommen hat, eilt sie auf den Kleinen zu und hilft ihm beim Anziehen seiner Turnschuhe.Dann nimmt sie ihn schweigend auf den Arm und verlässt die Wohnung. Der Kleine strahlt jetzt. Die Nähe seiner Mutter ist das Schönste für ihn. Er schmiegt sich an ihre Schulter und ihren Hals. Selig lächelnd schließt er die Augen. Er spürt ihre Wärme, ihren Trost und Geborgenheit, die nur eine Mutter spenden kann. Ihren Duft nach Vanille zieht er tief in seine Lungen. Solange sie bei ihm ist, wird ihm nichts geschehen. Nicht mal der kalte Wind draußen macht ihm etwas aus.

Noch immer weiß er nicht, wo die Reise hingeht, doch sie steigen in eine Straßenbahn ein. Er darf auf ihrem Schoß sitzen und sie streichelt ihm über den Kopf, küsst ihn auf sein Haar, welches in kleinen Löckchen absteht. Ihre Nervosität hat sich wieder gelegt, er kann ihr Herz ruhig und regelmäßig schlagen hören. Vielleicht hat sie einen Termin vergessen und muss sich beeilen?

„Wohin gehen wir denn?", fragt er noch einmal. Diesmal erhält er eine Antwort.

„In die Stadt, mein Schatz. Mama muss etwas erledigen."

„Ach so."

Er ist zufrieden. Seine Angst klärt sich auf und weicht der Freude, einen Tag mit seiner Mutter verbringen zu dürfen. Sie hat nicht viel Zeit für ihn, weil sie arbeiten muss. Leider arbeitet sie nachts, deswegen ist sie tagsüber oft erschöpft und möchte lieber schlafen als mit ihm spielen. Er hat keinen Vater, aber dafür kommen andere Männer zu seiner Mama und er muss alleine draußen warten. Deswegen hat er gelernt, sich alleine zu beschäftigen. Doch heute ist sie nur für ihn da und er strahlt sie mit seinem Lächeln an. Sie erwidert seine Freude nur matt, küsst ihn stattdessen noch einmal auf den Schopf.

Die Straßenbahn hält an und sie hebt ihn mit sich hoch, als sie aufsteht. Sie steigen aus und sind in der Innenstadt. Als sie ihn herunterlässt, greift er nach ihrer Hand. Er weiß nicht, wie spät es ist, doch es ist noch hell und die Stadt ist voller Menschen. Für ihn besteht die Welt plötzlich aus Beinen und Schuhen, die an ihm vorbei huschen und ihn gelegentlich anrempeln. Er drängt sich dicht an seine Mutter, die ihn mitten durch die Menschenmenge führt. Der Junge weiß nicht, wo sie hinwollen und er erkennt keinen Weg. In der Stadt sind sie nicht oft, deswegen kennt er sich hier nicht aus. Die vielen Menschen machen ihm Angst und er hat Probleme, mit seiner Mutter Schritt zu halten.„Mama", ruft er, damit sie anhält und auf ihn wartet. Doch sie scheint ihn nicht zu hören.Plötzlich öffnen sich ihre Finger.

Seine Hand rutscht aus ihrer. Sie bleibt nicht stehen. Er will ihr hinterherlaufen, doch die vielen großen Menschen drängen sich dazwischen. Ihre dunklen Haare verschwinden zwischen den vorbeihuschenden Körpern. Er sieht sie nicht mehr.Panik steigt in ihm auf. Wieso hält sie nicht an?

„Mama!", ruft er und läuft in die Richtung, in die sie gegangen ist, „Mama!"

Die Augen des Jungen füllen sich mit Tränen. Sein Herz schlägt schnell und schmerzhaft. Er hat solche Angst.Angst davor, verlassen zu werden. Angst davor, seine Mutter nicht wieder zu finden. Sie ist alles für ihn, sie ist sein Leben, seine Sonne, sein Zentrum. Sie ist für ihn das schönste Wesen auf dieser Welt. Alles, was er sich wünscht, ist ihre Liebe.

In den Augen eines Kindes, ist die Mutter ein Gott.

„Mama!"

Sie kommt nicht zu ihm zurück. Er kann sie nicht sehen. Orientierungslos irrt er umher, während heiße Tränen sein Gesicht hinab laufen. Er schluchzt und sein Hals zieht sich zusammen. Ein Kloß sitzt brennend in seiner Kehle.Als er in die Gesichter der Menschen schaut, die um ihn herum laufen, erkennt er niemanden. Und niemand beachtet ihn.
„Lass das!", zischt ein Mann, als er versucht ihn am Hosenbein zu ziehen. Er wird weggestoßen und fällt auf den harten Boden. Seine Hände schürfen auf. Er schaut auf die roten Streifen auf seinen Handinnenflächen. Der Junge hat keine Kraft mehr, sich aufzurichten. Also bleibt er auf dem Boden knien und beginnt zu schluchzen.

„Mama", ist alles, was er noch sagen kann. Alles, was er noch denken kann. Wo ist sie, wann kommt sie zurück? Sie wird wiederkommen. Sicher sucht sie nach ihm. Es sitzt, weint und ruft weiter nach ihr.Inzwischen hat er keine Tränen mehr übrig, schluchzt nur trocken. Es wird ihm klar. Sie kommt nicht zurück. Sein kleines Herz zerbricht.

„Hey, Kleiner."Eine Stimme reißt ihn aus seiner Hysterie. Der kleine Junge blinzelt und blickt in das Gesicht eines Mannes, der sich zu ihm herunter kniet. Der Fremde hat graue Augen, die ihn freundlich und mitfühlend ansehen. Um sie herum sind kleine Fältchen, genau, wie um seinen Mund. Er hat dunkle, zurückgekämmte Haare und er trägt eine warme Jacke. Der Junge beäugt ihn schüchtern, doch da der Mann so nett aussieht, verliert er schnell seine Angst.
„Meine Mama ist weg", erklärt er mit tonloser Stimme.
„Wie sieht sie denn aus? Soll ich dich hochheben und du siehst dich nach ihr um?"
Der Kleine nickt und neue Hoffnung keimt in ihm auf. Jetzt wird er seine Mutter finden. Er wird hochgehoben und kann von hier aus über die Köpfe der Menschen blicken, doch seine Mutter ist nicht mehr hier.
Der Mann geht mit ihm auf dem Platz umher, spricht ein paar Menschen an und fragt sie, ob sie eine Mutter gesehen haben, die ihren Sohn sucht. Niemand kann ihnen helfen.
Er setzt den Jungen wieder ab und kniet sich erneut zu ihm.
„Du kannst mit zu mir kommen, bis deine Mutter dich findet. Was hältst du davon?"
Der Kleine blickt den Fremden hilflos an, dann nickt er, denn er weiß nicht, wo er ist. Er weiß nicht einmal seine eigene Adresse. Doch der unbekannte Mann ist freundlich und gewinnt sein Vertrauen. Was soll er auch anderes machen?
Der Junge wird wieder auf den Arm gehoben und der Fremde nimmt ihn mit. Er klammert sich fest an den Mann und vergräbt sein tränenübersätes Gesicht in seiner Jacke. Eine große, warme Hand streichelt ihn tröstend.

„Alles wird gut, mein Kleiner", sagt der Mann, ehe der Junge völlig erschöpft einschläft.„Jetzt bin ich ja für dich da."

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