Kapitel 1: Sag bitte nicht sofort Nein.

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"sag niemals nie Schätzchen. Du wirst es bereuen..!" Dieser Satz bestimmte seit einigen Monaten mein Leben. Wieso? Er stammt aus dem Mund meiner ersten große Liebe. Er war allerdings nicht mein Glücksbringer oder der Mann, der mich immer unterstützt hat. Er war der Mann, der mich immer erniedrigte und mich zu einem kleinen Häufchen Elend erzogen hat.

,,Marissa? Du bist dran. Wie war deine Woche" Mrs. Timber sah mich freundlich lächelnd an. Ich blickte in die Runde Gott, wo hatte ich mich da nur drauf eingelassen? „Ähm.. Hi.. für die, die mich nicht kennen.. Ich bin Marissa, aber ihr könnt mich hier auch einfach Mari nennen." Ich zwang mir ein Lächeln auf die Lippen. Besser lüge ich hier als mich selber zu belügen Ich atmete einmal etwas tiefer durch. „Meine Woche.. war eigentlich ziemlich so wie immer." Sie sah Mrs. Timber kurz an. „Also warst Du nicht in der Universität?" hackte sie mit einem fragenden Blick nach. Ich schüttelte mit dem Kopf. „Ich habe mir die Unterlagen so schicken lassen. Ich möchte diesen Ort außer für meine Prüfungen nicht mehr betreten. Er erinnert mich zu stark an ihn und da Er immer noch dort studiert will ich ihm nicht über den Weg laufen, wenn ich ehrlich bin"

Ja, ich bin Marissa Nelson, 24 Jahre und besuche eine Gruppentherapie für Gewaltopfer.

,,Gut ich danke dir, Marissa" Sie nickte es nur ab und ging weiter zu meinem Sitznachbarn. Ein jämmerliches Häufchen Elend. Jason Mickels, 19, geschlagen von seinem Vater, abgerutscht in die Drogensucht und erst seit 6 Monaten clean. Er fing gerade erst an alles was passiert ist zu verarbeiten. Regelmäßige Panikattacken und drohende Rückfälle an der Tagesordnung.
Da war ich mit meinen Angstzuständen und kleinen Panikattacken, wenn mir ein Mann zu nahe kam besser dran. Generell hier die Leute waren alles Gebrochene. Ich war auch nur hier, weil meine Eltern sonst die Wände hochgehen würden. Ich hatte immer wieder Panikattacken in der Stadt gekriegt oder auf der Arbeit.

Ja, ich war auch Arbeitslos und das machte alles nur noch schwieriger. Meine Mitbewohnerin arbeitete sich einen Arsch ab und wollte kein Geld von mir sehen bis ich wieder "Gesund" war. Das Problem war nur, dass sie und auch andere nicht verstehen konnten, dass ich mich nie davon erholen würde. Ich würde für immer eine gebrochene Person bleiben, wie auch 90% der Leute die hier saßen.

Nach der Sitzung verabschiedeten wir uns, standen auf, nahmen unsere Sachen und gingen nacheinander aus dem Raum. Es wollte keiner mit jemanden hier reden. Zu Groß war die Scham über das, was hier jede Sitzung gesagt wurde. Wir waren zwar alle freiwillig hier, aber reden wollte hier eigentlich niemand freiwillig. Mrs.

„Und wie war es?" Lisa meine Mitbewohnerin sah mich aus der offenen Küche aus an, als ich wieder in die Wohnung kam. Ich zuckte gelangweilt mit den Schultern. „Nichts besonderes. Paar neue waren da, gab einen Nervenzusammenbruch und ein paar Tränen" Sie zog die Stirn kraus, seufzte leise und nickte dann. „Gut, das Essen ist gleich fertig. Ich habe Jackson und Lina aus meinem Bio Kurs für heute Abend eingeladen. Willst Du dich dazu gesellen? Wir wollten ein bisschen was trinken, Spiele spielen" Sie sah mich erwartungsvoll an. Das konnte ich sagen, ohne das ich sie überhaupt ansah. Bevor ich was sagen könnte stürzte sie mir ins Wort. „Sag bitte nicht sofort Nein. Ich will dich nicht wieder eingesperrt im anderen Zimmer haben.." Jetzt würde sie 100 den Hundeblick aufsetzen.
Ich drehte mich zu ihr und lächelte entschuldigend.
Ja, da war der Hundeblick. Was hatte ich gesagt?
„Ich überlege es mir ja..?" Zu meiner Überraschung sprang sie wie ein kleines Kind freudig auf und ab. ,,Super..! Dann schreib ich den beiden gleich, dass die Verabredung steht..!" Sie kam auf mich zu und umarmte mich kurz feste. ,,Ich finde es Super, dass Du diesen Schritt nach Monaten endlich gehen kannst." Sie küsste mich kurz auf die Wange und lächelte mich an.

Lisa war kein Mensch, dem es schwer fiel neue Menschen kennen zu lernen. Sie war ein wahres Naturtalent darin. Sie kannte viele Menschen und viele Menschen mochten Sie. Lisa war niemand, der davor scheute auch mal eine Abfuhr zu kassieren, wenn Sie mal im Club jemanden ansprach. Gut, das kam sowieso selten vor. Die meisten Kerle sprachen sie an. Man konnte es den Männern aber auch nicht verübeln. Sie war eine Bildhübsche Lateinamerikanerin. Sie hatte Pechschwarze Haare bis zur Taille, große fast schwarze Augen und eine Haut, die auch von einer Puppe hätte sein können.

Ich hatte mich immer mit ihr vergleichen wollen, bis ich merkte, dass es sinnlos war. Ich würde nie an sie heran kommen und das war auch gut so. Ich wollte keine Aufmerksamkeit. Ich war lieber alleine, in meinem Bett mit meinen Büchern oder meinem Laptop, wo ich einfach sinnlos durchs Internet surfte oder Serien guckte.

Als es wenige Stunden später an der Tür klingelte sah sie mich an. „Machst Du auf oder soll ich?" Ich seufzte leicht Du willst doch eh, das ich die Tür aufmache.. Ich stand also wortlos auf und ging in Richtung Haustür. Ich würde die beiden rein lassen, mich vorstellen und keine Panikattacke kriegen. Ich würde heute Abend Spaß haben und mit ihnen lachen, auch wenn ich am liebsten heulend im Bett liegen würde. Ich konnte nicht so weiter leben. Als ich an der Haustür ankam führte ich meine Hand zum Türknauf und sah wie sie zitterte. Das ist nichts ungewöhnliches.. Ich drehte den Knauf herum und setzte mein bestes Lächeln auf. Das Mädchen lächelte mich freundlich an. „Marissa?" sie musterte mich und hielt mir darauf hin die Hand hin. Ich nickte nur stumm und nahm sie kurz. Hinter ihr stand ein Mann. Groß, breite Schultern, kantiges Gesicht und ein dunkler Bart.

Heilige Scheiße.. „Du elendes Miststück sollst nicht einfach die Tür aufmachen, wenn Ich es dir nicht erlaube..!" Ich wurde gegen die geschlossene Badezimmertür gedrückt. Seine Hand an meiner Kehle. „Es tut mir leid.. Ich wusste nicht.. dass ich es deine Freunde sind..!" versuchte ich erstickt heraus zu bringen. „Ich will dich nie wieder an der Tür sehen! Hast du das verstanden!?" Ich nickte nur wieder. Sein Griff wurde lockerer und er gab mir einen Kuss auf die Stirn. „Und jetzt geh dir dein Gesicht waschen, Baby." Ich nickte nur wieder und schloss kurz die Augen. Er liebte mich das wusste ich. Er würde mir nie schlimme Dinge antun.

„Marissa alles in Ordnung?" Ich zuckte leicht zusammen und räusperte mich kurz. „J-Ja alles in Ordnung. Kommt doch rein." Lächelnd ging ich von der Tür weg und ließ die Beiden eintreten.

Ein fremder Mann in meiner Wohnung..

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