live like legends.
prolog: ein heimlicher wunsch.
„Ich frage mich, wo Prongs und Padfoot stecken."
Remus Lupin nickte leicht, hob den Blick, um Peter Pettigrew zu betrachten, der neben ihm am Gleis 9 ¾ stand, schwer mit drei Koffern und einer olivgrünen Sporttasche bepackt. Mrs Pettigrew war überfürsorglich, achtete stets darauf, dass ihr einziger Sohn wichtige Gegenstände mindestens in doppelter Ausführung eingepackt hatte. Der Gryffindor mit den halblangen hellbraunen Haaren, die im gleißenden Licht der warmen Sommersonne golden schimmerten, war sich sicher, dass sich in einem der klobigen weinroten Gepäckstücke wahrscheinlich ausschließlich flauschige Kuschelsocken und warme Strickpullover befanden. Der mollige Junge, dessen pausbäckiges Gesicht bereits vor Anstrengung leicht gerötet war, neigte dazu, sich relativ häufig zu erkälten, schon ein kleiner Regenschauer reichte dafür aus. Peter war dementsprechend beinahe so oft wie Remus selbst im Krankenflügel von Hogwarts vorzufinden.
„Entweder, Prongs hat Lily im King's Cross entdeckt und versucht, sie mit überteuertem Latte Macchiato von Starbucks und Blaubeermuffins zu bestechen, mit ihm auszugehen, was nicht funktionieren wird und der achthundertdreiundsechzigste Korb in Folge sein wird – oder die Beiden sind in einen Stau geraten, was um diese Uhrzeit wirklich nicht verwunderlich ist, da sämtliche Muggel zur Arbeit fahren.", erklärte Remus mit einem Blick auf seine schlichte goldene Armbanduhr mit dem breiten dunkelbraunen Lederband, die ihm sein Vater Lyall zu Weihnachten geschenkt hatte, weil sein Sohn – angeblich – immer zu spät kam. Es war gerade mal 08:32, der Hogwartsexpress würde in einer knappen halben Stunde losfahren, London in Richtung Norden verlassen. Es würde ihn wirklich nicht wundern, wenn seine anderen beiden besten Freunde tatsächlich in stockenden Verkehr geraten waren, sich deshalb verspäteten. Oder, wenn James versuchte, den alten himmelblauen Ford Focus in eine viel zu kleine Parklücke zu zwängen. Seine nicht vorhandenen Einparkkünste konnten höchstens von einer beinahe blinden Seniorin übertroffen werden – wenn überhaupt. Remus fragte sich, wie sein Kumpel überhaupt die Prüfung bestanden hatte. Da seine Eltern darauf bestanden hatten, dass er den Muggel-Führerschein machte, hatte James in den Sommerferien zahlreiche Fahrstunden absolviert, um diesen zu erhalten.
Bei seiner ersten Fahrt – den Focus, dessen Motor so gesund klang wie die Stimme eines achtzigjährigen Kettenrauchers, hatten Mr und Mrs Potter einem Schrotthändler für fünfhundert Pfund abgekauft – hatten James und Sirius, der seit der zweiten Klasse außerhalb der Schulzeit bei den Potters in London lebte, Remus in Brighton und Peter in Hastings abgeholt. Eine ganze Woche lang waren die Marauders an der Küste Englands entlang gefahren, hatten Oasis, AC/DC, Sum41 und Hollywood Undead gehört, sich von billigem Fastfood und RedBull ernährt und am Strand gezeltet, wo sie jeden Abend ein Lagerfeuer veranstaltet hatten. James, der sich via YouTube-Tutorials selbst beigebracht hatte, Gitarre zu spielen, weil er durch ein zufällig belauschtes Gespräch von Mary MacDonald und Lily herausgefunden hatte, dass sein Schwarm musikalische Jungs bevorzugte, die mindestens ein Instrument spielen konnten, hatte dann für die passende Hintergrundmusik gesorgt, während Sirius seine Wasserpfeife, die Peter ihm auf Biegen und Brechen von seinem Ägyptenurlaub mitbringen hatte müssen, eingeweiht hatte. Remus hatte es in dieser Zeit geschafft, die ersten vier Bände von ‚Das Lied von Eis und Feuer', die Vorlage der weltbekannten Serie ‚Game of Thrones' zu lesen, von der Lily so schwärmte. Mittlerweile war er bei Band Fünf angekommen. George R.R. Martin, der Autor, war gerade dabei, den vorletzten Band zu verfassen, dessen Erscheinungsdatum noch unbekannt war. Peter, der die mittelalterliche Welt des Fantasyepos ebenfalls kannte, hatte immer wieder versucht, ihm Spoiler mitzuteilen, die Remus gekonnt ignoriert hatte.
Ein leises Seufzen, schwerer als die Last, die Atlas zu bewältigen hatte, und trauriger als der überraschende Tod von Robb Stark, entwich Remus' schmalen spröden Lippen, als er an die Nächte im Zelt zurückdachte, das er sich mit Sirius geteilt hatte. Da Remus aufgrund seines – wie James es immer so schön formulierte – kleinen pelzigen Problems eine unnatürlich hohe Körperwärme ausstrahlte, hatte sich sein bester Freund nachts an ihn gekuschelt, die muskulösen Arme um seinen schlanken Oberkörper geschlungen, das schöne, ebenmäßige Gesicht in seiner Halsbeuge vergraben. Anfangs hatte Remus nicht gewusst, wie er reagieren sollte, immerhin war ihm Sirius – außer unter Alkoholeinfluss – noch nie so nahe gewesen, hatte ihn bewusst im Schlaf umarmt. Schon alleine sein markanter, männlicher Geruch, fahler Zigarettenrauch und abgetragenes Leder vermischt mit lieblichem Lavendel, aphroditisierender Maninka, fruchtiger Zitrone und würzigem Ingwer, hatte Remus schier den Atem geraubt, sein Herz zum Rasen gebracht – und dann auch noch Sirius' Zeigefinger, der unbewusst unförmige Muster auf seine Haut gezeichnet hatte. Remus hatte das Gefühl gehabt, zu verglühen, war mit hochrotem Kopf und stocksteifem Körper unter seinem heimlichen Schwarm gelegen, hatte sich keinen Millimeter bewegt.
BINABASA MO ANG
live like legends
Romance[SPIELT 2019!] it is hard to resist a bad boy who is a good man. Remus Lupin und Sirius Black sind beste Freunde. Allerdings schlägt Remus' Herz in letzter Zeit schneller, wenn Sirius in der Nähe ist, lacht, ihn umarmt, seine silbergrauen Augen funk...
