Das kalte Nass strömt über ihre Wangen.
Tränen.
Sie scheinen Sophies einzigen Freunde in den vergangenen Monaten gewesen zu sein. Wie oft sind sie über ihr gekommen und haben mit ihr, ihr Leid geteilt?
Jetzt wird sie sie das letzte Mal in Anspruch nehmen. Selbst sie können ihren Schmerz nicht mehr lindern, der sich all die Jahre gesammelt hat.
Im Gedanken steht sie schon auf der Brücke, sieht sich und ihren Tränen zu, wie es mit ihr zu Ende geht. Sie sieht, wie das Salzwasser die Brücke hinunterfällt. Es zeigt ihr, wie sie es am besten macht, will ihr Helfen.
Das Mädchen schaut den Tränen nach und sieht sich schon dort unten liegen.
Seufzend steckt sie einen Brief in ihre Jackentasche. Sie habe diesen extra noch geschrieben, zur Erklärung, warum sie sich umbringt. Sicherlich werden sich das Einige fragen.
Ihre Eltern, ihre Verwandten, falls er jemals wiederauftaucht, ihr Bruder. Obwohl das wahrscheinlich niemals geschehen wird, er selbst ist ja einfach so gegangen, ohne ein Wort zu sagen,nicht mal eine Nachricht hat er da gelassen, um sich zu erklären. Deswegen findet sie es auch wichtig eben genau das zu tun.
Ob sie mit der Erklärung nun zufrieden sind oder nicht, ist ihre Sache...
Möglichst schnell schlüpft sie in die Stiefel und lässt ihr Zuhause hinter sich. Durch das vergangene Halbjahr kann Sophie eigentlich nicht mehr von Zuhause sprechen. Ihre Eltern, die entweder die ganze Zeit mit ihr Streiten und durch ihre verzweifelte Mine die sie wegen ihren verlorenen Sohn ziehen, fühlt sie sich nicht mehr länger darin wohl.
Viel öfter lag sie in irgendeiner Bar und versuchte meine finsteren Gedanken mit Alkohol zu benebeln. Als das allerdings auch nicht mehr half, fing sie an sich zu Ritzen, Sophie hasst sich selbst dafür, aber es tat in manchen Momenten einfach gut. Dann nach zwei Monaten seines Verschwindens fingen ihre Gedanken an ihr Bilder in den Kopf zu setzen. Menschen die sie gehässig anstarren die miteinander Tuscheln, ihre Eltern, die sie auslachten während Sophie sich immer und immer weiter den Arm aufritze. Erst nach diesem Erlebnis kam ihr der Wunsch die Erde endlich hinter sich zu lassen.
Die Schritte werden schneller. Sie sieht schon den Bus, der gleich an der Haltestelle halten wird. Schnell überquert sie die Straße und entkommt so noch dem Auto, welches nicht einmal gebremst hat.
Gant am Anfang hatte sie sich schon mal überlegt, ob es nicht einfacher wäre das ich einfach vor ein Auto springen, aber einige Gründe hielten sie davon ab. Zum einen möchte sie nicht, dass sich der Autofahrer die Schuld dafür gibt und deswegen vielleicht genauso enden wird wie sie, außerdem gibt es noch eine Chance den Tod zu entkommen, würde sie sich vor ein Auto stellen.
Die Variante mit der Brücke ist am besten geeignet.
Diese ist mindestens zehn Meter vom Boden entfernt und wird nur äußerst selten benutzt, weil es in der Nähe eine viel neuere und verbesserte Brücke gibt. Für verzweifelte Menschen wie Sophie perfekt.
Gelangweilte Gesichter sehen auf, als sie den Bus betritt. Wortlos reicht die Blondine dem Busfahrer ihr Geld und geht weiter in den Gang hinein. Die blauen Sitze sind alle besetzt, einige Leute stehen und halten sich an den Stangen fest. Ihr macht es nichts aus auch stehen zu bleiben, die Haltestelle, zu der sie will ist eh nur zwei Stationen entfernt.
Was würden die Leute sagen, wenn sie wüssten, was sie gleich machen wird? Würden sie es mir ausreden wollen oder wäre es ihnen egal? Bestimmt letzteres, so etwas wird man ja gerne los.
Sophie kann es ihnen ja nicht verübeln, nicht mal in die Augen schauen würde sie sich, wenn sie es denn könnte. Hässliche grau, blaue Augen umrahmt von tiefen Augenringen und schlaff herunterhängenden dunkelblonden Haaren prägen mein Gesicht. Sie sieht aus wie der wandelnde Tod. Da passt ihr Vorhaben genau zu dem Aussehen.
Der Bus setzt sich in Bewegung, was sie dazu veranlasst sich an den nächstbesten Sitz festzuhalten. Der Junge, der dort sitzt, scheint etwa ihr Alter zu haben, vielleicht auch ein paar Jahre älter. Er blickt nur kurz irritiert auf und starrt sie an. Seine wunderschönen braunen Augen brennen sich in ihr Gedächtnis, so intensiv sehen sie sich an. Dann war der Moment vorbei, er scheint genau das in ihr zusehen, was ihr großer Bruder von Sophie gehalten hat.
Nichts.
Schluckend Wendt sie sich ab, schaut auf den verdreckten Boden zu ihren Füßen. Dort unten sollte Sophie liegen, unter ihresgleichen. Denn viel besser als der Schmutz ist sie schließlich auch nicht.
Das Quietschen der Bustür reißt sie aus ihren Selbstzweifeln. Einige wenige der Passanten bahnen sich den Weg durch zu ihr und hinterlassen leere Sitze. Auch der Junge geht an ihr vorbei und für einen Moment kann Sophie sein viel zu starkes Deo riechen.
Wahrscheinlich hat er die ganze Flasche leer gemacht, damit man ihn noch im ganzen Bus riechen kann, aber ganz ehrlich dem Bus schadet es nicht.
Nach wenigen Minuten steige auch Sophie aus.
Sie sieht schon die Brücke.
Den ersten Schritt geht die noch unbefangen und entschlossen, doch je näher sie der Mitte der alten Brücke kommt, desto näher kommt sie ihren Tod.
Eine geeignete Stelle ist schnell gefunden. Noch lehnt sie nur am Geländer, schaue hinab auf die befahrene Straße. Sophie will sich schon abstützen, als plötzlich ein starker Wind sie zu Boden reißt.
Sprachlos merkt Sophie wie die Zeit stehen bleibt.
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Zeitlos
Ficción históricaDie 18 jährige Sophie sollte glücklich sein, doch stattdessen erleidet sie Depressionen. Der Tag an dem sie sich das Leben nehmen will wird allerdings anders ablaufen als geplant, denn stattdessen wacht sich nach dem Sturz von der Brücke mitten in d...
