/1/ Lovely Patchwork

12 0 0
                                        

Meine Foten frieren langsam unter den schwarzen, flausch Handschuhen -bei Minus fünf Grad, kein Wunder. Ebenso meine Füße, die Absatztboots sind zwar wintertauglich, aber nicht für so lange Zeit geeignet. Meine Bahn hat bereits fünfzehn Minuten Verspätung und um ehrlich zusein -ich bin eine kleine Frostbeule- mir ist wirklich kalt.

Das Vibrieren meines Handys lenkt mich von dem Gedanken, dass ich gleich zu einem Eiszapfen gefriere, ab. Ich ziehe es aus meiner Jackentasche und schaue wer mich anruft.

Dad? Was gibts?

Maus, wo bleibst du? Wir haben doch heute Spieleabend.

Ich bin noch hier in Middtown, der Zug hat Verspätung. Wie wärs wenn ihr heute ohne mich anfangt ich komme einfach später dazu.

Ich verzichte ungern auf dich, aber ich kann es wohl nicht ändern. Komm heil an, bis nachher Gänseblümchen.

Bis dann Dad, hab dich auch lieb.

Ich lege auf und im nächsten Moment steht mir die Bahn vor der Nase. Erleichtert steige ich ein und setze mich auf einen Platz am Fenster. Während ich meine Kopfhörer aus dem grauen Rucksack fische setzt sich die Bahn in Bewegung.

Meiner Armbanduhr nach ist es neunzehn Uhr, um die Zeit beginnt, der beste Abend im Monat, für meinen Dad. Wir -seine Kinder und er- essen Raclette, Pizza, Burger oder Döner -wonach ihm ist- während wir Brettspiele spielen. Wenn die Kleinen ins Bett müssen schauen wir noch einen Film.

Manchmal ein Segen und manchmal auch ein Fluch, in dieser großen und bunten Familie aufzuwachsen.

Meine Eltern waren nie wirklich ein Paar wie es im Buche steht. Nicht monogam und loyal wie andere Pärchen. Nein, sie führten eine eher offene Beziehung. Von High School Zeiten bis zu meinem Zweiten Lebensjahr, dauerte diese 'Beziehung' an. Bis mein Dad seine 'Große Liebe' schwängerte und ihr einen Antrag machte. Ab dem Zeitpunkt war es offiziell, dass sie beide kein Paar mehr waren.

Mein Dad führt nun eine glückliche Ehe, mit einer Schauspielerin und drei weiteren Kindern -Nummer Vier und fünf unterwegs, und meine Mom ist jetzt mit einem Hippie-gleichem Masseur liiert und ebenfalls schwanger.

Fangen wir gar nicht erst von meinem schwulen Onkel oder meinem Opa, jener mit einer gefühlt zwanzig Jährigen zusammen ist, an.

Ein wirklich chaotischer Haufen und ich mitten drin.

Ich hänge mir meine Lieblingstasche über die Schulter, streiche mir ein paar meiner honig-blonden Haare aus dem Gesicht und begebe mich zur Tür der S-Bahn.

Frischer Wind begrüßt mich, als ich den Bahnhofsweg entlang latsche und mir vor Kälte die beige farbenden Kunstfelljacke enger um den Körper wickle.

In Gedanken freue ich mich auf den warmen Kamin und den heißen Cappuccino. Wie es ihm wohl geht? Vielleicht ist ihm genauso heiß wie mir kalt ist. Extrem und zusehr.

Mit -über dramatisiert- Eiszapfen an den Fingern, hole ich meinen Hausschlüssel aus meiner Tasche und stecke ihn mit Erfolg ins Schloss, welches kurz darauf ein kurzes Klicken von sich gibt -et voila, die Tür ist offen.

>Caddy!< Ruft mich eine zarte, hohe Mädchenstimme, freudig.

Befor sie um die Ecke geflitzkommt stülpe ich mir die Schuhe von den Füßen.

>Rory! Hey, meine Süße.< Ich gehe in die Hocke und breite meine Arme für die kleine Brünette aus, damit sie mir um den Hals fallen kann.

Schnell schlinge ich meine Arme um sie und hebe sie hoch, drehe mich einmal um die eigene Achse und setzte sie wieder ab, um in ihr hübsches Gesicht zuschauen. Ihre hellblauen, großen Augen funkeln mich an.

Lovely WinterWhere stories live. Discover now