Die Luft war warm, fast windstill, liebkoste seine Haut, und er fühlte sich so lebendig. Es war kurz davor, ein sehr heißer Tag zu werden. Der Himmel strahlte wolkenlos, während sich das Wasser in warmen Wellen an seinen Füßen brach. Es war ein vollkommenes Gefühl, was ihn erfüllte. Er wandte den Kopf zurück zum Strand, musste die goldenen Strähnen aus den Augen wischen, und zum ersten Mal seit einer Weile fühlte er sich frei. Unbeschwert; spürte das Leben in den Fingerspitzen. Der Strand erstreckte sich hinter ihm bis zu den dicht bewachsenen Dünen, und ein Lächeln zog an seinen Mundwinkeln. Eine Klarheit erfüllte ihn, mit einer paranoiden Geschwindigkeit, so unverkennbar eindeutig, dass er glaubte, keinen Fehler begehen zu können. Nicht heute. Als hätte er einen Schluck Felix Felicis getrunken; das Glück ganz auf seiner Seite.
Die Möwen riefen über ihm, schienen immer rastlos auf der Suche zu sein, süchtig nach den warmen Böen der scharfen Meeresbrise, und sie segelten scheinbar ohne Mühe, schwerelos dem Horizont entgegen. Heute fühlte er sich eins mit ihnen. Neben ihm rannten sie lachend in die Fluten. Seine Freunde. Die Menschen, mit denen er am liebsten seine Zeit verbachte. Al und James, Fred und Louis, die Mädchen... und Rose.
Es war der erste Tag, an dem sie ihm aufgefallen war. Wirklich aufgefallen, mit dem Verständnis, dass sein Blick mit einer unheimlichen Selbstverständlichkeit an ihrer Gestalt hängenblieb. Seine Augen fanden sie mühelos, seine Wahrnehmung gravitierte immer wieder zu ihr zurück, als wäre sie der Mittelpunkt aller Dinge.
Als wäre sie die Sonne, der er sich nicht verwehren konnte, denn auch wenn er nicht hinsah, traf ihn ihre strahlende Schönheit selbst aus den Augenwinkeln.
Der goldgelbe Bikini schimmerte praktisch auf ihrem Körper, betonte die Farbe ihrer sonnengeküssten Haut, und wie ein Schleier lagen die vielen Sommersprossen auf ihrem Körper, wie ihre eigene Zeichnung. Er könnte sie niemals zählen, und doch... verlor sich sein Blick ständig in diesem Anblick.
Die Linien ihres Gesichts, so vertraut und doch gänzlich unbekannt. Grübchen, die ihm nie aufgefallen waren, formten sich tief auf ihren Wangen, wann immer sie lachte, wurden umrahmt von welligen, unbändigen Locken, die aus ihrem hohen Zopf rutschten. Ihre Haare besaßen diese satte, rote Farbe, gingen fast ins helle Braun. Hatten nicht das orangene Blond, was so verbreitet war. Selbst unter der Sonne verlor es nicht an Tiefe, und ihr Anblick glich der einer sphärischen Schönheit, die er kaum fassen konnte, die er nie bemerkt hatte. In all den Jahren nicht. Ihre Augen, so blau wie der Ozean, strahlten, tanzten regelrecht vor Freude.
Nicht in seine Richtung. Nie in seine Richtung.
Al rief seinen Namen, animierte ihn, sich zu bewegen, und endlich erwachten seine Beine zum Leben. Das Wasser kroch höher, mit jedem weiteren Schritt. Und er wusste nicht, welcher Leichtsinn ihn trieb, aber er schloss zu ihr auf, kämpfte gegen das Gewicht des Wassers, als wäre es eine Hürde, die er überwinden musste, und erreichte sie, wie einen schwer zu gewinnenden Preis, als das Wasser ihm weit über die Hüften reichte.
Automatisch hoben sich seine Hände aus dem kühlen Nass, denn er konnte wirklich nicht anders, und ihr Blick traf ihn zum ersten Mal. Schwere Schläge tat sein Herz, und es war, als sähe die Welt ihnen zu, als hielte selbst das Meer den Atem an. Als vergäßen sie hier in den Fluten, wer sie waren. Hier, am Rand seiner Welt. Kaum berührten seine Finger ihre bloßen Hüften, schossen Impulse, wie Blitze, durch seine Nerven. Hart griff er in ihre Haut, denn das warme Gefühl unter seinen Fingern war belebend. Seine Muskeln reagierten, gehorchten seinem Wunsch, spannten sich an, und mit wenig Anstrengung hob er ihre schmale Figur aus dem Wasser. Vielleicht eine halbe Sekunde hielt er ihr Gewicht, spürte ihren entwaffnenden Blick auf sich, bevor seine Nerven reagierten und er sie in die Fluten warf.
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The Swan
RomanceRose Weasley befindet sich im sechsten Jahr. Natürlich ist sie im Haus Gryffindor. Natürlich spielt sie für ihr Quidditchteam. Und das war eigentlich alles, was für sie bisher von Bedeutung war. Mit Liebe oder Beziehungen hat Rose nichts am Hut. Abe...
