Zugegeben. Ich kann mich nicht ganz erinnern wie ich hierher gekommen war. Oder wie hier rein, hier rauf, durch die Tür, in dieses Bett, aus meinem Shirt. Ich zögere und halte die Augen geschlossen. Vermutlich aus Angst, zu sehen wo ich bin, in wessen Bett. Wessen warme Hände gerade durch meine Gedanken kreisen. Ich spüre sie noch immer auf jedem Zentimeter meiner Haut. Weich. Kräftig.
Süchtig nach mir.
Ich bin sicher, dass ich jetzt allein bin.
Mit geschlossenen Augen bewege ich langsam meine Hand, über das Bettlaken zu meinen Beinen. Meine letzte Hoffnung, dies wäre ein Traum gewesen, zerbricht in Stücke. Mein Kopf brummt, meine Gedanken versuchen zu rasen, es gelingt ihnen nicht. Nicht nur wegen der Getränke, von denen ich gestern Abend ein paar zu viel zu mir genommen habe, sondern weil ich schlagartig realisiere, was nun auf mich zukommen würde. Das hier kann ich nicht mehr rückgängig machen.
Es spielt nun auch keine Rolle mehr, ob ich die Augen noch länger geschlossen halte. Die zurückkehrende Erinnerung überfällt mich schneller, als der Anblick des Zimmers es noch könnte. Ich atme tief ein.

Das Erste was ich sehe, ist das Fenster zu meiner rechten. Die Sonne schleicht sich durch die halb geöffneten Jalousien und wirft goldene Streifen auf das Bett. Heller Staub fliegt vor mir in der Luft. Der Stadtlärm ist erstaunlich leise. Ich kann nicht erkennen, in welchem Stockwerk ich mich befinde, ich weiß nicht einmal, in welchem Haus. Ich weiß nur, dass es deine Wohnung ist.

Deine Bettwäsche ist dunkelblau, mit kleinen weißen Quadraten, die unregelmäßig angeordnet sind und sich dabei nie berühren. Ich greife mit meiner linken Hand nach der Decke und ziehe sie zu mir hoch. Mir dürfte dein Geruch nicht so vertraut sein, aber diese Decke ist warm, sie riecht nach dir und ich wünschte, ich wäre mir dabei nicht so sicher.
Ich schließe die Augen und spüre deinen schweren Atem an meinem Hals, meine Hände in deinen Haaren vergraben. Dein leises Lachen und ein Kuss auf meiner Stirn. Der Gedanke lässt mich erzittern, und ich verbiete ihn mir.

Schließlich setze ich mich auf.
Zuerst fällt mein Blick auf deinen Schreibtisch. Er steht gegenüber des Bettes, der Stuhl vom Fenster weggedreht. Es herrscht Chaos. Über den ganzen Tisch verteilt liegen Zettel, Zeitschriften, Bücher, eine schwarze Mappe, leere Verpackungen von Schokoriegeln. Ich blicke an die Wand dahinter, und ich erwarte alles mögliche, und du hast wie erwartet alles mögliche an deiner Wand aufgehängt. Ich schmunzle, weil das zu dir passt und ich muss grinsen, weil es dir nicht gefallen würde, so berechenbar zu sein.

Dein Schrank steht an der Seite der Tür, die sich links im Zimmer befindet. Zwischen Tür und Bett ein Sessel, zwischen Sessel und Bett noch ein Stapel Zeitschriften.
Ich könnte wahrscheinlich alle Shirts und Pullover aufzählen, die du in deinem Schrank hast, ich könnte dir sagen was draufsteht, oder welches Bandlogo vorne abgedruckt ist. Ich beschließe, einen der Pullover anzuziehen, und nicht meinen, der irgendwo mit dem Rest meiner Kleidung auf dem Boden verteilt liegt. Ich schenke ihr keine Beachtung.

Wenn ich deinen Pullover anziehe, dann bin ich gewissermaßen ein Teil von dir, das ist, was ich mir einrede. Das ist, was ich sein will. Das ist, was ich versucht habe zu sein, als ich dich küsste. Natürlich ist mir klar, dass ich dich wahrscheinlich nie wieder küssen werde. Und hier stehe ich, inmitten deiner Seele und weiß, ich habe noch nicht genug von ihr.

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