Der Zug zisch mit einem hellen klirren an ihr vorbei und riss sie aus ihrem Tagtraum. Es war schon wieder passiert. Sie schlief fast nie in der Nacht, doch am Tag erwischten sie heftige Sekundenschläfe. Es war gar nicht so spät am Nachmittag, doch ihr Magen krampfte schon vor Hunger. Ihre Gedanken waren einfach nur noch still. So still, dass ihr Herzklopfen wie eine Hypnose auf sie wirkte. Mit einem schlappen Gefühl stieg sie in ihren Zug und machte sich auf den Heimweg. Wie gewohnt wollte sie sich ans Fenster setzen. Doch alle Sitzplätze waren bereits belegt. Ein seltsames Gefühl der Kälte zog über ihren Nacken, an ihrem Hals vorbei und sie verspürte für kurze Zeit eine Gänsehaut an ihren Beinen entlang ziehen. Der Zug begann seine Fahrt und sie hielt sich schnell an der nächsten Türe fest. Das Brummen des Zugmotors breitete sich in ihrem Kopf aus und versetzte ihren ganzen Körper in Vibration. Mal lauter, mal leiser. Mal stärker, mal schwächer. Sie sah die Menschen, die sie immer sah und auch kannte. Der Mann, mit seiner Angeljacke und den alten Sandalen. Er brauchte unbedingt ein neues Paar, dachte sie sich jedes Mal. Aber er tauchte jeden Tag mit den selben alten Schlappen auf. Die junge Mutter, die ihre zwei Kinder vom Kindergarten abholte. Die zwei Kleinen machten immer ein heiden Chaos im ganzen Zug. Sie brauchte eine Auto, damit die Kinder in Ruhe nach Hause kommen, dachte sie sich. Und der eine junge Mann, der mit seiner Brille in seinen zehntausend Büchern zu ertrinken schien. Er musste sehr schlau sein, um all dieses Wissen aufzusaugen. Für was lernte er so viel? Und wozu? Ihre Gedanken schwebten über den ganzen Zug, um jeden Passagier, der Ihre Aufmerksamkeit erregte. Der Zug bewegte sich kaum nach rechts oder links. Heute fühlt es sich anders an, in diesem Zug. Auf der Suche, nach einem Sitzplatz, wanderte die durch das Abteil. Wie erwartet war kein Platz mehr frei. Also stellte sie sich wieder an eine Türe, um sich festzuhalten. Der Heimweg dauerte dieses Mal viel länger, wahrscheinlich verging die Zeit im Stehen sehr viel langsamer, dachte sie sich. Doch das seltsame Gefühl, was sie seit Anbeginn der Fahrt hatte, blieb. Ihre Station wurde aufgerufen, und sie steig aus. Im Dunkeln. Es war doch erst 5:30 Uhr Abends (p.m.).
