Die Wirklichkeit

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Das Zimmer ist dunkel.
Zu dunkel.
Ich habe ihr gesagt, dass kein Licht mehr einfällt, aber sie wollte nicht auf mich hören.
Hat mich einfach ignoriert.
Oder hab ich es einfach nicht gesagt?
Das Fenster ist zu, glaub ich.
"Hey." Da ist eine Stimme. Sie klingt vollkommen fremd, irgendwie seltsam eintönig. Gefühlskalt. Oder bin ich das?
"Ich weiß, dass du nicht schläfst, du hast eben geblinzelt." Ein Kichern erfüllt die Stille im Raum. Mein Kopf ist leer. Das Kichern hallt in ihm nach und bereitet mir Kopfschmerzen.
"komm schon, mach die Augen auf." Langsam schleicht sich ein gewisser Unterton in die Stimme. Ungeduld. Oder Zorn. Ich bin mir nicht sicher. Wo ist das Fenster? Welches Fenster?
"Wenn du jetzt nicht sofort..." Die Stimme ist weiblich, das weiß ich plötzlich. Wem gehört sie? Ich kann mich nicht erinnern.
Ich mache die Augen auf. Meine Lieder flattern. Als wären sie lange geschlossen gewesen, zugeschweißt.
Ein zufriedenes Quietschen ertönt und etwas schmiegt sich an mich.
Wärme umhüllt mich.
Noch immer ist es dunkel. Was ist passiert?
"Es ist dunkel." Mein Mund ist ausgetrocknet. Meine Stimme kratzig, seltsam rau.
"Natürlich, du Dummkopf, du hast ja auch die Vorhänge zugezogen!" Wieder dieses Kichern. Es klingt wie ein Kreischen. Habe ich das? Welche Vorhänge?
“ Ich.. ja. "
Etwas raschelt. Plötzlich ist es kalt. Der Körper ist weg. Bin ich allein? Ich will nicht allein sein! Ich habe Angst allein! Und es ist so dunkel! Tief in mir drinnen baut sich etwas auf. Ein Schrei. Ich will-
Gleißendes Licht. Ich bin geblendet. Blind.
"So besser, Schatz?" Ich orientiere mich an der Stimme. Bloß nicht die Kontrolle verlieren. Aber über was?
"Schatz, gehts dir gut?" Eine Hand an meinem Gesicht. Ruckartig fahre ich hoch. Blicke in das Gesicht einer Frau. Fast noch ein Mädchen. Große, blaue Augen, herzförmiger Mund, schmale Nase. Sie ist nackt, lehnt über mir. Befremdung überkommt mich.
" Wer bist du? "
Sie fährt zurück. Als hätte ich sie geschlagen. Aber das habe ich nicht, oder? Habe ich sie weggestoßen? Ich will zu ihrer Wärme.
Sie kniet unter dem Fenster. Licht fällt ein.
Erlösung und
Freiheit.
Ihr Kopf leuchtet so seltsam. Ist sie ein Engel? Ihre Haare scheinen goldig.
"Das ist nicht komisch." Ihre Stimme zittert, ihre Augen sind weit aufgerissen. Das Blau ihrer Augen ist kaum noch zu erkennen. Ich blicke in zwei weiße Löcher. Endlose Leere.
Nichts.
Komisch? Ich?
Bin ich komisch? Wer bin ich?
Ich bewege mich nicht. Kann. Mich. Nicht. Bewegen.
Sie steht auf. Kommt näher. Näher und näher und ist bei mir.
Ich breite die Arme aus. Sie ist so schön und warm.
Mir ist kalt.
Es wird wieder dunkel.
Wo ist das Fenster mit dem Licht hin?
Existiert es wirklich?
Existiert sie wirklich? Dieses Mädchen, mit den seltsamen Augen und dem goldenen Haar.
Sie hat mich geschlagen. Wieso hat sie das getan?
Weiß sie nicht, dass das weh tut? Aber es tut auch gar nicht mehr weh. Hat es überhaupt weh getan? Wo sind meine Schmerzen hin?
Ich falle nach hinten. Zurück. Weg. Hinten.
Mein Kopf schlägt auf.
Existiere ich wirklich?
Wieso kann ich sie nicht sehen?
Mein Engel.
Weg.
Tod.
Plötzlich kalt.
Wo ist nur die Wärme hin?

...

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