Ich teile. Ich teile um zu sparen, um sozialer zu sein, um die Funktionalität eines Produktes voll auszukosten.
Warum sollte ich nicht den schönen, gemütlichen Pullover meiner Cousine Tragen?
Warum sollte ich nicht mit dem noch funktionstüchtigen Auto meiner Oma fahren?
Warum sollte ich nicht das iPhone 4 von meiner Mutter benutzen?
Nur weil sie alt sind? Nur weil sie nicht im Trend sind?
Die Gesellschaft verlangt, dass wir immer die neusten Dinge besitzen um nicht „uncool" zu sein. Tut man dies nicht wird man schnell ausgegrenzt.
Ich bin allein. Ich habe keine Freunde. Ich werde ausgegrenzt.
Man kauft die neusten Dinge, gibt 1000de Euros aus, doch für was?
Gemocht zu werden?
Dazu zu gehören?
Ich besitze das neuste iPhone; teure, ungemütliche Markenkleidung und ein neues Auto. Endlich werde ich gemocht und gehöre dazu. Ich habe Freunde und bin nicht mehr allein. Ich habe kein Geld mehr für die wirklich wichtigen Dinge, sie verschwinden auf meiner Einkaufliste.
Ich arbeite nicht mehr für mich, sondern für andere, um akzeptiert zu werden. Jeden Tag shoppen mit meinen sogenannten Freunden welche mich noch vor wenigen Wochen gemobbt haben. Jedes Geschäft wird besucht und in jedem Geschäft wird die Karte gezückt.
Wochenlang geht es so weiter bis die Karte im Minus ist. Ich versuche es wieder und wieder doch immer wird mir angezeigt „Karte nicht gültig."
Ich schäme mich vor meinen Freunden, diese lachen mich aus und gehen, ohne mich.
Ich sitze Zuhause, umgeben von teuren Dingen und doch so unglücklich.
Ich bin wieder allein. Meine Familie hat den Kontakt zu mir abgebrochen aufgrund meines Verhaltens. Meine Freunde waren nur ein Schein, geblendet von Geld.
Ich verkaufe. Verkaufe dass was mich zum materiellen Monster gemacht hat, doch ich komme nicht aus den Schulden heraus. Zudem die täglichen Mobbingattacken. Die Stimmen in meinem Kopf wenden sich gegen mich und rufen: „Du bist nicht gut genug!", „Keiner wird dich je mögen!"
Ein letztes Mal betrete ich einen Laden und kaufe die kleinen Metallklingen die mich retten werden.
Seit zwei Stunden sitze ich weinend in meinem Bett. Zitternd halte ich die scharfe Klinge an mein Handgelenk. So weit hat mich der Konsum der Gesellschaft also getrieben.
Ich halte die Stimmen nicht mehr aus und setze die Klinge an. „Querschnitt für Aufmerksamkeit und Längsschnitt für Effizienz", erinnern mich die Stimmen.
Ich drücke die Klinge in meine Haut und schneide sie auf. Stechender Schmerz, ich weine noch heftiger. Ich setze mit meiner schwachen, blutenden, zitternden Hand an mein anderes Handgelenk an und durchdringe mit der Klinge meine Haut.
Ein Klirren ertönt als die Klinge auf den Boden fällt. Ich lege mich hin, merke wie ich schwächer werde. Schmerz und Einsamkeit meine einzigen Begleiter in den Tot.
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Kleider machen Leute
Short StoryDas ist eigentlich die Geschichte meiner letzten deutsch Arbeit und da ich ziemlich stolz damit bin wollt ich ihn veröffentlichen.
