„Du musst mehr auf deine Beine achten."
Das waren die Worte, die ich mir täglich anhören musste. Egal ob abends, mittags oder gar morgens, wenn es hieß ich müsse trainieren. Mit der Zeit verwandelten sie sich sogar in ein Echo, welches immer wieder in meinem Kopf hallte, sobald ich auch nur ein Schwert in meine Hand nahm. Als Kind fraß es mich förmlich von innen auf, jedes Mal aufs Neue das Selbe zu hören. Keine anderen Bemerkungen geschweige denn ein Lob wurde mir entgegen geworfen. Ich solle gefälligst flinker werden. Ich musste es einfach sein. Denn wenn ich auch nur einen einzigen Fehler begehe in meiner fernen Zukunft, könnte dies das Ende der mächtigsten Person im ganzen Reich bedeuten.
Und nun stand ich hier, umgeben von Adligen und meiner Familie. Sie schauten mich alle mit einem fesselnden Blick an und bohrten ihre Augen förmlich in meinen Rücken, ich konnte es deutlich spüren. Der Saal war geprägt von absoluter Stille und beinah traute ich mich gar nicht zu atmen, aus Angst man könnte das Zittern darin erkennen. Jedoch verriet mein Gesichtsausdruck das komplette Gegenteil. Ich blieb völlig frei von jeglichen Emotionen und schluckte mit Anstrengung meine Nervosität runter. Es war soweit. Die Zeit war gekommen seinem Schicksal in die Augen zu blicken.
In meiner aufrechten Haltung inne haltend blinzelte ich und betrachtete den wohlgeformten Thron vor meiner Nase. Er gab ein prachtvolles Bild von sich, mit seinem weichen Polster und den eingravierten Rubinen sowie anderweitigen Juwelen. Ich erinnerte mich daran, ihn schon ein Mal bisher gesehen zu haben. Doch zu diesem Zeitpunkt saß noch ein Anderer darauf. Eigentlich konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass irgendein anderer Mann auf diesem Kunstwerk Platz nahm. Es kam mir so unglaubwürdig vor, dass sich ausgerechnet jetzt die Dinge änderten.
Jedoch hatten wir alle es schon voraus gesehen. Es war also keine plötzliche Überraschung von dem Ableben des vorherigen Königs zu hören. Doch trotzdem waren wir in tiefe Trauer gefallen, aus der sich mein Vater bis heute noch nicht zu erholen schien. Ich hatte ihn zuvor noch nie so erlebt, da er ein sehr distanzierter, disziplinierter Mensch war, der wirklich immer seine Emotionen im Griff behielt. Aber an diesem einem Tag konnte jeder unserer Familie es ihm ansehen. Es hatte ihn schwer getroffen.
Allerdings, so wie ich gerade in sein Antlitz blickte, erkannte ich eine gewisse Wärme und eine Traurigkeit in seinem Ausdruck. Gleichzeitig erfüllte es mich mit unheimlichen Stolz. Ich konnte ihn nicht enttäuschen. Ich wollte genau so ehrenvoll meine Pflicht erfüllen, wie er es all die Jahre vor mir getan hatte. Meine Mutter rückte ein Stück näher an ihren Gatten, blieb stets in ihrer starren Bewegung. Man merkte, wie sie am liebsten freudestrahlend einen Arm um ihn geworfen und ihren jüngsten Sohn gepriesen hätte. Sie ließ es mich oft wissen, wie gut ich meine Sache machte. Auch wenn mein Vater dafür nur wenig Worte übrig hatte, da er uns immer ein wenig verschlossen gegenüber war.
Doch heute war nicht dieser Tag, weshalb ich umso aufgeregter war. Mein Bruder zwinkerte mir aus der Ecke zu und ich versuchte nicht eine unpassende Reaktion von mir zu geben. Ihm war wahrscheinlich bewusst, wie aufgewühlt ich mich fühlen mochte. Und darüber konnte ich lediglich innerlich den Kopf schütteln. Dazu zauberte es mir auch ein fettes Grinsen auf die Lippen. Doch jenes war mehr als nur unangebracht, weswegen ich es runter schluckte.
Es folgte ein kräftiger Windstoß vom anderen Ende der Halle, was mir bedeutete, dass man endlich die Türen öffnete. Sofort war es mucksmäuschenstill und das letzte Gemurmel ging in dem neugierigen Staunen unter. Ich hielt die Luft an.
Sämtliche Gewänder drehten sich in Richtung des Eingangs. Es ertönte ein schweres Klackern von teuren Stiefeln auf dem glatten Boden. Ein blutroter Umhang schliff den Gang entlang.
Aus der Ferne entdeckte ich den wie nicht anders zu erwartenden blonden Haarschopf. Ich linste zu meinem Vater rüber und konnte spüren, wie ihm jegliche Adern zufroren. Es musste schwer sein nun in das Ebenbild seines ehemaligen Königs starren zu müssen.
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King's Queen
FanfictionSasuke Uchihas Schicksal besiegelte sich mit seinem ersten Atemzug und er wurde von Kindesbeinen an, trainiert, um später mal einer der besten Ritter im ganzen Lande zu werden. Wie es etliche Generationen seiner Familie vor ihm getan haben, wird er...
