Kapietel 1.

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Als Isabella das letzte Mal auf die Uhr geguckt hatte war es schon fast 0:00 Uhr nachts gewesen. Sie wälzte sich unruhig hin und her, weil sie nicht schlafen konnte. "Ich habe doch neulich erst ein Video gesehen, mit einem Trick, wie man angeblich besser einschlafen können soll!" erinnerte sie sich aufgeregt. "Wie war das nochmal? Erst 3 Sekunden einatmen, 5 Sekunden die Luft anhalten, und 8 Sekunden wieder ausatmen?" Sie versuchte es ein paar Mal, aber nach ein paar verzweifelten versuchen ließ sie es schließlich sein. Es hatte einfach keinen Zweck. Egal was sie auch versuchte, sie war immer noch hellwach und starte schließlich nur noch an die Decke und dacht nach. "Mhh, morgen schreibe ich Mathe, verdammt! Wenn ich wieder so müde bin wird das erst recht nichts! Und wenn ich schon wieder nur eine 3 schreibe, dann bringen mich meine Eltern um!" Sie fing an leise zu weinen. Ihre Mutter war ziemlich streng, was die Schule anging. Noten die schlechter waren als 3 waren wurden nicht geduldet, wobei eine 3 auch schon ziemlich schlecht war. In der letzten Mathearbeit hatte Isabella zwar ziemlich unerwartet eine 1 geschrieben, aber sie wusste ganz genau, dass sie diesmal keine Chance hatte, da sie keine Ahnung von dem hatte, was sie im Unterricht behandelt hatten. Sie selbst war sich schon ziemlich sicher, dass die Arbeit ein kompletter Reinfall werden würde, dass hatte sie ihren Eltern aber lieber verschwiegen. "Warum muss ich eigentlich immer perfekt sein? Mum ist doch schließlich auch früher sitzen geblieben, weil sie eine 5 in Mathe und eine in Französisch hatte, also warum sollte ich es denn besser können? Woher denn auch, wenn ich hier zu Hause nachfrage, ob mir jemand das neue Thema nochmal erklären kann heißt es immer: 'So etwas hatten wir früher nie, dass musst du so wissen' oder 'frag doch deinen Vater oder deinen Bruder! ' Die können es aber meistens leider genauso wenig wie Mum. Aber sie findet eh wieder einen Weg sich da raus zu reden, wenn ich erstmal eine schlechte Note mit nach Hause bringe." Isabella fing an noch stärker zu weinen und langsam wurde es schwer, dies leise zu tun, weil ihre Eltern im Nebenzimmer schliefen, doch sie gab sich alle Mühe ihre Eltern nicht aufzuwecken. Sie versuchte sich selbst wieder ein bisschen zu beruhigen und schließlich lag sie wieder da, immer noch hellwach und dachte wieder nach. "Jonas hat sich bestimmt schon wieder was Neues einfallen lassen, womit er mich fertig machen kann..." dachte sie. Jonas war der Junge aus ihrer Klasse, den Isabella am meisten verabscheute. Er war ungefähr 1,80 m groß, hatte blonde Haar und immer sein typisches schäbiges Lachen auf den Lippen, und immer, wenn ihm irgendwas zu Ohren kam, was er gegen Isabella verwenden konnte, machte er ihr das Leben damit zu Hölle. Allein der Gedanke daran, dass Jonas vielleicht auch gerade irgendwo wach in seinem Bett lag und sich darüber freute, dass er wieder ein neues Gerücht aufgeschnappt hatte, womit er sie aufziehen konnte, bereitete Isabella Bauchschmerzen. Dank ihm dachte schließlich schon die halbe Klasse, sie würde rauchen und sich jedes Wochenende mit 17-Jährigen ins Koma saufen. Nun weinte sie so heftig, dass sie ihr schluchzen nicht mehr unterdrücken konnte, sprang aus dem Bett und rannte so schnell wie möglich ins Badezimmer und schloss sich da ein. Die tränen kullerten ihr in Strömen das Gesicht runter und sie versuchte erst gar nicht sich zu beruhigen. Nun flogen die Gedanken nur so durch ihren Kopf und sie bekam wieder Angst: "Was ist, wenn Marie und Joleen wirklich sitzen bleiben? Dann sind sie wieder im andern Gebäude und ich sehe sie in der Schule fast gar nicht mehr! Und die Mathe Arbeit! Ich werde definitiv eine 6 schreiben und dann hat Jonas wieder einen Grund dazu mich damit aufzuziehen. Und meine Mum erst! Wann mache ich eigentlich mal was richtig? Wann ist eigentlich mal jemand mit mir zufrieden? Bin ich eigentlich nie gut genug?" Sie schluchzte einmal laut auf und hatte das Gefühl an ihren Tränen zu ersticken. In ihr Spiegelbild sah sie eine Ruine. Sie sah nicht sich selbst, dass kleine, fröhliche, liebenswerte, schüchterne Mädchen, welches immer jedem versuchte zu helfen, sobald Hilfe benötigt wurde. Sie war nicht mehr das, was sie vorgab zu sein, sie sah nur noch eine leere Hülle, in der dieses Mädchen einst gesteckt hatte. Und langsam begann sich etwas anderes in diese Hülle zu schleichen. Ein stilles Mädchen, das ständig unter Verfolgungswahn und dem starken druck ihrer Familie und ihrer Schule litt. Sie sah jetzt ein trauriges Mädchen, was sich nicht mehr im geringsten vorstellen kann, wie es ist glücklich zu sein und sich für sich selbst schämte. Ein Mädchen mit Selbstzweifeln, dass sich als zu dick und hässlich empfand. Sie sah auf einmal das komplette Gegenteil von dem, was sie vorher war, in sich und das machte ihr noch mehr Angst" Die Tränen rannten ihr über ihr sowieso schon nass geweintes Gesicht und es gab keine Möglichkeit mehr dies zu stoppen. Auf einmal zuckte ein merkwürdig stechender Schmerz durch ihre Pulsadern und sie wollte schnell ihre Handgelenke unter kaltes Wasser halten, in der Hoffnung, der Schmerz würde dadurch vergehen und drehte den Wasserhahn voll auf. Es dauerte seine Zeit, bis das Wasser wirklich ganz kalt war und auf einmal fing Isabella an sich vor Schmerzen zu krümmen und fiel auf den Boden.

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⏰ Last updated: Dec 22, 2017 ⏰

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