1. Kapitel

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Ich liege wach im Bett und beobachte, wie sich die Schatten des Mondes an der Wand abzeichneten. Wie immer ist mein Kopf voller Gedanken und ich kann nicht einschlafen.
Mit etwas Wehmut denke ich daran, dass unsere England-Rundreise nun fast zu Ende ist. Es war mein grosser Wunsch gewesen, einmal England kennenzulernen. Meine Eltern haben diese Reise gemeinsam mit mir und meiner kleinen Schwester anlässlich meines Schulabschlusses als Überraschung organisiert. Es waren wunderschöne Tage. Wir haben so viel gesehen: grüne Hügel, mystische, raue Landschaften, Burgen, Kathedralen und alte Städte. Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt und ich habe hier Raum und Zeit vergessen können. Ich spüre immer noch diese besondere Anziehung und habe das Gefühl, zuhause zu sein.

Energisch schüttle ich den Kopf. Solche Spinnereien passen gar nicht zu mir. Ich bin eigentlich eher rational und realistisch. Und sogleich wandern meine Gedanken zu unangenehmeren Themen. Mein Schulabschluss, der ja der Anlass für diese Reise ist, war alles andere als einfach. Es liegen schwierige Monate und Jahre hinter mir. Schon früh wurde bei mir eine Lernstörung diagnostiziert, als Erklärung dafür, dass ich für alles etwas mehr Zeit brauchte und oft überfordert war. Für den Schulunterricht konnten dann zwar gute Lösungen gefunden werden, aber es fiel mir extrem schwer Freunde zu finden. Ich hatte immer das Gefühl "anders" zu sein. Oft fühlte ich mich beobachtet und habe mich so gut es ging angepasst. Wenn ich an die letzten Monate denke, habe ich das Gefühl, die ganze Zeit eine Maske getragen zu haben. Von meinen Mitschülern wurde ich wegen meiner Unsicherheit oft gehänselt und ausgestossen.

Mein grösster Wunsch war, eine beste Freundin oder einen besten Freund zu finden, wo ich so sein konnte, wie ich wirklich war. Leider ist dieser Wunsch nie in Erfüllung gegangen.
So! Jetzt kann ich erst recht nicht mehr schlafen! Es ist das erste Mal auf dieser Reise, dass ich wieder an diese schwierige Zeit denke. Wahrscheinlich, weil es die letzten Tage sind, die wir nun noch an der Küste im Süden von Wales verbringen, bevor es wieder zurück nach Hause in die Schweiz geht.

Plötzlich kommt mir die Idee, einen Spaziergang zu machen. Den Kopf ein bisschen durchzulüften würde mir gut tun und mich müde machen. Unsere Pension ist direkt am Strand und ich habe bereits gestern einen Fussweg entdeckt, der dem Strand entlang und dann wieder zurück zur Pension führt.

Schnell ziehe ich mich an

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Schnell ziehe ich mich an. Hier kennt mich ja niemand, weshalb ich nicht sehr darauf achte, dass ich "korrekt" nach der neuesten Mode gekleidet bin. Eine zerrissene Jeans und mein heissgeliebter, viel zu grosser Hoodie, in dem ich mich so geborgen fühle - fertig.

Leise schleiche ich die Treppe runter. Meinen Eltern will ich jetzt ja nicht gerade begegnen und meine kleine Schwester schläft schon lange. Unten an der Tür merke ich, dass ich meine Turnschuhe und mein Handy oben vergessen habe. Egal, ich schlüpfe in meine Flip-Flops und los gehts...


Mia in Wales (~ Leondre Devries Fanfiction)Stories to obsess over. Discover now