Kapitel 15: Die Hexen von Sankt Mary

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Clara blickt auf und erschrak, presste sich an die Tür und hob das Messer. "Wer zum Teufel..." sagte sie und das Messer zitterte in ihrer Hand. Eine in Lumpen gehüllte Person kam auf sie zu und zog die Kapuze runter. "Du musst keine Angst haben, Clara. Ich bin eine Freundin." sagte die Person mit einem Lächeln und reichte ihr die Hand. "Mein Name ist Torres, aber du darfst Emma zu mir sagen." Clara hielt immer noch das Messer und versuchte langsam an der Tür hochzurutschen. Die Frau vor ihr sah alt und verlebt aus. Ihre ledrige Haut war aschfahl und schwarze Augenringe rundeten das verlebte Gesicht komplett ab. "Wie sind sie" fing Clara an zu stottern aber da wurde sie schon unterbrochen. "Komm mein Kind. Ich mach uns erstmal eine schöne Tasse Kräutertee. Sie mögen doch Kräutertee oder?" Emma wandte sich ab und lief in die Küche und füllte den Wasserkocher. Clara lehnte an der Tür, liess das Messer sinken und ging vorsichtig in die Küche. Mrs. Torres war gerade dabei das Porzellan auf den Tisch zu stellen. "Ein schönes Porzellanservice haben sie sich ausgesucht. Ich hatte mal ein ähnliches." führte die alte Frau ihren Monolog weiter. "Ach nun sein sie mal nicht so schüchtern. Setzen sie sich doch. Ich mach hier schon alles fertig." lächelte sie und stellte Zucker und Milch auf den Tisch. Geistesabwesend ging Clara zum Tisch, legte das Messer hin und setzte sich. "Wissen sie meine Liebe, ich bin nicht umsonst hier." Emma nahm den Wasserkocher, welcher schon dampfte und goss das heisse Wasser in die Teekanne. "Ich möchte sie warnen. Sie müssen weg von hier und zwar schnell." Sie stellte den Wasserkocher wieder zurück und drehte sich zu Clara um. "Wo haben sie denn den Tee, mein Kind?" fragte sie freundlich. Clara deute auf den Schrank hinter Emma und sagte immer noch kein Wort. Mrs. Torres holte den Tee aus dem Schrank und lies die Teeblätter in das Sieb rieseln und versenkte es in der Teekanne. "Ach wie schön, es gibt viel zu wenig Leute die noch echten Tee benutzen." lächelte sie und verstaute den Tee wieder im Schrank. Sie setzte sich gegenüber von Clara hin und schaute sie ernst an. "Meine gute, es kommen schlimme Zeiten, dass spüre ich. Es ist etwas in Gang gekommen und sie sollten nicht hier sein, wenn es los geht." langsam, mit einem besorgen Tonfall, sprach Emma auf Clara ein. "Sie wissen, Mephis ist ein Fanatiker. Und jeder, den er nicht kontrollieren kann, wird aus den Weg geräumt. Sie, meine Vorgängerinnen und ich. Doch bei ihnen ist es etwas anderes. Sie sind nicht wie wir. Wir sind Hagazussa oder wie sie es nennen würden Hexen. Sie wissen schon, alte Frauen auf einen Besen, verwirren die Männer und haben nie etwas Gutes im Schilde." Sie lachte nachdem sie das gesagt hatte und Clara konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. "Was sie gefunden haben, unter ihrer Treppe, ist ein Hexengrab. Jenes wo wir unsere Vorgängerin beziehungsweise unsere Lehrmeisterin begraben haben, nachdem sie hingerichtet worden sind. Wir waren ein Störfaktor, denn Mephis konnte nicht in unseren Geist eindringen und ihn brechen. Genau wie bei ihnen. Er wird das Dorf auf die Hetzen und sie umbringen lassen aber, und das sei ihnen bewusst, ist etwas weitaus schlimmeres auf den Weg hierher. Ich kann ihnen nicht sagen was, ich weis nur soviel, das es schon seit Hunderten von Jahren lebt und sich von den Geist der Menschen ernährt. Doch es wird schwächer, es stirbt. Ich kann ihnen nicht sagen warum, aber ich glaube es will sie haben. Deswegen ist es auf den Weg hierher und genau deswegen sollten sie so schnell wie es geht aufbrechen." Mrs. Torres nahm die Teekanne und goss Clara und sich ein wenig Tee ein. "Möchten sie Zucker und Milch im Tee haben?" wieder lächelte sie freundlich, als ob das eben gesagte, nie passiert ist. "Beides bitte." sagte Clara zaghaft und konnte nicht recht glauben was sie gerade gehört hat. Sie nahm die Tasse von Emma entgegen und trank einen Schluck. Die Wärme und ein Gefühl von Geborgenheit breiteten sich in ihr aus, als der Tee ihre Kehle hinunter floss. "Es gibt einen zweiten Ausgang im Hexengrab. Er mündet unten in der Nähe vom Wald, dort können sie ungesehen verschwinden." Die alte Dame trank den Tee und lächelte Clara an. "Ach sie armes Kind. Wo sind sie nur hineingeraten?"

Als es anfing zu dämmern, ging Mrs. Torres. Clara fing an ihre Sachen zu packen und schaute aus dem Schlafzimmerfenster. Langsam kroch der Nebel wieder durch die Berge. Kalt und bedrohlich sah es dort draussen aus. Nur ein kleines Licht am Berg war zu sehen. Die Kapelle war erleuchtet und wirkte wie ein Leuchtkäfer in der Nacht.

Der General schaute auf die Landkarte und deutete auf zwei Punkte. "Hier und hier riegeln wir die Stadt ab. Keiner und ich wiederhole, keiner wird entkommen. Wenn sie Widerstand leisten, haben sie Befehl zum schiessen. Wenn sie ihn erblicken, versuchen sie ihn festzuhalten. Zur Not betäuben sie ihn, aber sein sie vorsichtig. Er ist gefährlich und äusserst gerissen." "Jawohl Herr General." die Offiziere verliessen den Raum und der General setzte sich auf seinen Stuhl. "Diesmal entkommst du mir nicht Mephis. Du bist zu weit gegangen und nun mach ich ein Ende." er grinste und zündete sich eine Zigarre an. "Ich werde dir schon zeigen, was wir mit Verrätern machen, die Gott spielen wollen."

Die Mordokai Trilogie: Das DorfWo Geschichten leben. Entdecke jetzt