Kapitel 15

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Es war ausgerechnet Jack, der wiederkam und auf mich zurobbte, als ich wieder zu Bewusstein kam. Ich erbrach mich.

Erst als ich mir sicher war, dass es vorüber war, stand ich auf und stolperte auf Jack zu. Ich blickte mich um, mir war übel, mein Hals brannte und ich hatte Kopfschmerzen und Schwindelgefühle. Es war mittlerweile stockdunkel.

"Wo sind die anderen?"

"Weg. Sie sagten, ich soll auf dich auspassen.", Jack erhob sich schwankend und trat auf mich zu. Sein Atem roch widerlich süß mit einer Note Alkohol darin. Ich wich zurück.

"Wie, weg?", meine Zunge fühlte sich bleischwer an.

Jack kam noch näher, ich wich weiter zurück, doch plötzlich ging es nicht weiter, ein Baumstamm blockierte mir den Weg. Ich stieß mit dem Rücken an ihn, Jack stand mir nun so nahe, dass sich unsere Nasenspitzen fast berührten. Ich atmete durch den Mund, um seinen Atem nicht riechen zu müssen.

"Einfach weg.", er spielte mit einer meiner Haarsträhnen.

"Hör bitte auf."

Er lachte. "Ich denke gar nicht dran. Was sollst du tun? Du bist alleine, es ist dunkel, hier ist niemand sonst...", hauchte er. Mir wurde schlecht vor Angst. Ich schob ich weg. Er packte mich grob an den Handgelenken und schubste mich zu Boden, er setzte sich auf meine Hüfte und drehte mir die Hände auf den Rücken. Ich schrie auf.

"Hör auf! Du tust mit weh! Hör auf, verdammt!", Tränen liefen mir die Wangen hinab, während ich strampelnd versuchte, Jack loszuwerden. "Halt die Klappe, oder ich tu dir noch viel mehr weh!", zischte er mir ins Ohr und hielt mir ein Messer vors Gesicht. Ich hatte keine Ahnung wo es herkam.

Er erhob sich und drehte mich herum, dann setzte er sich wieder auf Höhe meiner Hüfte und sah mir direkt in die Augen. Mit der linken Hand hielt er meine Hände fest, mit der rechten, griff er mir unter den Pullover. Ich schluchzte. Er zog die Hand wieder hervor und schlug mir ins Gesicht. Ich spürte den Griff des Messer an meinen Händen.

Er musste es in der Linken Hand halten, mit der er auch meine Hände gepackt hielt. Wenn ich es schaffte, ihn abzulenken, könnte ich vielleicht an das Messer kommen.

Ich dachte nicht näher darüber nach, als er wieder unter meinen Pullover griff, schlug ich mit meinem Kopf gegen seinen. Das tat mehr weh als erwartet, doch es gelang mir, dass er zur Seite kippte und meine Hände losließ.

Ich stürzte mich auf ihn und wir kämpften um das Messer. Jack bekam es als erster zu fassen und schaffte es, mir ins Handgelenk zu schneiden. Es war ein tiefer Schnitt und das Messer war so scharf, dass ich kaum etwas spürte, aber das Blut, welches aus der Wunde austrat, spürte ich.

Jack griff nach meinem Pullover und hielt mich fest. "Noch einmal und der nächste Schnitt ist nicht in deinem Handgelenk, sondern zieht sich quer über deine Kehle!", knurrte er.

Ich sah ihn verzweifelt an.

"Dann tu es doch, du elender Feigling!", schrie ich.

Jacks Augen weiteten sich, dann stieß er mir das Messer in die Schulter. Er hätte meinen Hals tatsächlich getroffen, hätte ich still gehalten. Der Schmerz schien meinen kompletten Arm zu lähmen. Ich wäre verloren gewesen, wäre nicht in dem Moment jemand aufgetaucht, und hätte Jack von mir fortgezogen.

Ich sah den kräftig gebauten, blonden Mann nur schemenhaft, doch den Schlag ins Gesicht, den er Jack verpasste, war hörbar. Ich zuckte zusammen, als Jack erneut einen Schlag abbekam. Was ich tun sollte, wusste ich nicht. Wegrennen? Dableiben?

Der Mann entschied für mich. Er kam auf mich zu und reichte mir die Hand, um mir beim Aufstehen zu helfen. Als ich zögerte, kniete er nieder. "Schon gut. Ich werde dir nichts tun. Er hat dir wehgetan, nicht?" Er sah an mir hinab, ich tat es ebenfalls. Mein Pullover war zerissen, auf meiner Hose Grasflecken, am Handgelenk und an der Schulter waren Blutflecken. Ich schluchzte.

"Hey, hey, hey. Komm mit, ich bringe dich erst einmal hier weg.", flüsterte er sanft. Diesmal ließ ich mir von ihm aufhelfen. Er hielt meinen unverletzten Arm und brachte mich durch den Park zu einem Auto. Er öffnete mir die Beifahrertür und ich ließ mich auf den Sitz fallen. Mein Arm schmerzte und ich zuckte zusammen.

Der Alkohol musste noch in meinem Blut gewesen sein, sonst wäre ich bestimmt nicht zu dem nächstbesten Fremden in sein Auto gestiegen, jedoch war es im Nachhinein, das Beste, was ich hätte tun können. 

Wir fuhren eine Weile durch die Nacht. Im Radio lief leise Musik, so leise, dass ich nicht wusste, was es war, jedoch war ich in Gedanken sowieso woanders. Ich erlebte wieder und wieder den Moment im Park.

Ich wusste nicht, wie ich mich fühlen sollte. Einerseits benutzt, angewidert und beschmutzt, andererseits verraten und verletzt von meinen "Freunden". Der Mann unterbrach meine Gedanken und holte mich zurück in die Wirklichkeit.

"Mein Name ist Mike.", er sah nach vorne, war mir ganz recht war. Ich wusste nicht, was passiert wäre, hätte er mich angesehen. Ich sah ebenfalls auf die Straße und die Scheinwerferspuren des Wagnes, bevor ich antwortete. "Joannie, ich heiße Joannie.", meine Stimme war dünn. Es schien, als ob ein winziger Schubs nötig gewesen wäre, um sie umzukippen.

"Du möchtest sicher wissen, wo ich dich hinbringe, richtig?"

Ich dachte kurz nach. Darüber hatte ich mir bisher keine Gedanken gemacht, doch ich nickte. "Ich wollte dich mit zu mir nehmen. Meine Freundin ist da. Sie ist Krankenschwester. Und sie hat eventuell ein paar Klamotten für dich. Wir gucken nach deiner Schulter und dann bringe ich dich nach Hause. Wenn du mir nicht vertraust, kann Grace auch mitfahren."

Ich erschrak bei dem Gedanken an zu Hause. Meine Eltern wussten nicht, dass ich vorgehabt hatte, etwas zu trinken. Sie hielten generell nicht viel von Diana und Leyla. Ich mittlerweile auch nicht mehr, stellte ich gerade fest.

"Ich kann nicht nach Hause!", die Worte kamen mir schneller über die Lippen, als ich es verhindern konnte.

"Wir bekommen das schon hin."

Grace war eine wunderbare Frau. Sie fragte nicht nach, kümmerte sich um meine Schulter und gab mir einen viel zu großen Pullover von sich. Wir unterhielten uns den ganzen Abend lang, über verschiedene Themen, nur nicht über das, was passiert war.

"Willst du Anzeige erstatten?", gegen vier Uhr nachts, schnitt Mike das Thema nun doch an. Ich blickte zu Boden und schüttelte den Kopf. "Er war betrunken und er ist ein Vollidiot. Ich will das alles nur noch vergessen." Mike hatte mich zweifelnd angesehen und Grace hatte besorgt geguckt, doch sie hatten es akzeptiert.

"Du kannst hier übernachten. Wir müssen es deinen Eltern nicht erzählen. Ich kenne das."; Grace sah ebenfalls kurz zu Boden, dann lächelte sie wieder, "Und für morgen überlegen wir uns etwas. Okay?"

Ich übernachtete tatsächlich bei Grace und Mike und am Morgen hatte ich den schlimmsten, und einzigen, Kater meines Lebens, doch Grace war die ganze Zeit an meiner Seite. Sie erzählte mir, dass die und Mike wahrscheinlich bald Kinder bekommen würden, kurz nach ihrer Hochzeit, welche im September stattfinden sollte. Sie lud mich sogar zu ihrer Hochzeit ein.

Wir versprachen uns, den Kontakt zu halten, und das taten wir. Egal was war, ich konnte auf Mike und Grace zählen. Wir hatten uns oft getroffen und wir fanden immer neue Sachen, die wir unternehmen konnten und irgendwann waren wir keine Freunde mehr, sondern Geschwister. Jedenfalls im Geiste.

Mike war wirklich nach einer Viertelstunde da und umarmte mich. "Hey, Kleines. Schön dich zu sehen. Grace wartet schon auf uns.", war alles was er sagte, doch es hinterließ ein warmes Gefühl in meinem Bauch und ließ mich lächeln, trotz der Erinnerung an den leblosen Körper des Mädchens, welchen ich, nicht einmal eine Stunde vorher, entdeckt hatte. 

Invention - Die Change-Trilogie beginntLies diese Geschichte KOSTENLOS!