Kapitel Eins

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I'm still alive but I'm barely breathing
Just praying to a god that I don't believe in
'Cause I got time, while she got freedom
'Cause when a heart breaks, no, it don't break even

Luke:

Mit starrer Miene beobachte ich wie der Milchschaum aus dem Kännchen in meiner Hand ein Muster in den, mit viel zu viel Milch verdünnten Kaffe zeichnet. „Luke!" blafft es hinter mir. „Der Kunde an Tisch 7 wartet jetzt schon seit 10 Minuten auf seinen fettfreien Latte ! Wie lange dauert das denn noch?" Ich verenge die Augen zu schmalen Schlitzen, und wende mich dann widerwillig zu Josephine um, die mit verschränkten Armen hinter mir steht. „Ist soeben fertig geworden." Erwidere ich düster und schiebe ihr den noch warmen Becher quer über die Theke zu. Doch anstatt ihn in die Hand zu nehmen, mustert meine Chefin den Kaffee nur abfällig, bevor sie den Becher mit so spitzen Fingern anhebt, als hätte ich ihr eine tickende Zeitbombe direkt vor die Füße geworfen. Zugegeben: Was das mordlüsterne Blicke zuwerfen angeht, könnte ich noch einiges von ihr lernen. Und auch da mit der Zeitbombe ist gar nicht so abwegig.

„Was ist das denn?" schnauzt sie mich an und deutet mit einer knappen Kopfbewegung und abwertendem Blick auf mein Werk.

„Kaffee?" antworte ich, wobei sie den ironischen Tonfall der sich in meine Stimme geschlichen hat gekonnt ignoriert. „Das sehe ich!" knurrt sie. „Aber das Muster! Was soll das darstellen?"

„Weißt du, ich habe mich auch schon immer gefragt was der Erfinder dieses Coffeshops mit diesem gekringelten Dings auf den Kaffees ausdrücken wollte. Vielleicht stellst du die Frage mal beim nächsten Meeting und im Nachhinein sind wir alle schlauer." Ich kann deutlich sehen wie ihre Miene zu Eis gefriert. „Das ist nicht witzig Lukas." Zischt sie und stellt den Becher mit einem dumpfen Laut ab, sodass der Kaffee in der Tasse gefährlich hin und her zu schwappen beginnt.

„Sollte es auch nicht sein." Rutscht es mir heraus, damit habe ich eindeutig einen Nerv bei ihr getroffen. An ihrem Hals haben sich schon die ersten roten Flecken gebildet, als von hinten ein empörtes: „Wie lange dauert das denn noch?" ertönt. Josi schnellt zu dem bärtigen Mann der soeben noch an Tisch 7 gesessen zu haben scheint, herum. Dabei wippt ihr dunkelbrauner Pferdeschwanz auf und ab wie der Schwanz eines aufgeregten Hundes. „Ihr Latte Macchiato kommt sofort, setzen sie sich doch schon mal, mein Kollege wird ihnen gleich ihr Getränk bringen." Ich stöhne innerlich leise auf, schaffe es aber diesmal mir einen Kommentar zu verkneifen. Der Mann mustert erst Josephine, die ihr Zahnpasta werbe lächeln aufgesetzt hat und dann mich skeptisch, trollt sich jedoch nachdem er etwas von >>unmöglich<< und >>eine Frechheit, sowas nennen die hier Service<< in seinen Vollbart gemurmelt hat. Eigentlich hat er ja recht, aber wenn ich ihm auch noch sagen würde, dass der „fettfreie" fair trade Kaffee den er hier für den dreifachen Preis gekauft hat, mehr Kalorien hat und schlimmer schmeckt als die Dosenplärre aus dem Supermarkt, wäre sein Tag wohl endgültig im Arsch. Ich hasse diesen Hipsterschuppen genauso sehr wie seine Besucher und diesen verschissenen Job. Vermutlich hätte ich das alles schon längst hingeschmissen, wenn ich das Geld nicht so verdammt dringend bräuchte. Für 40 Stunden die Woche ist ein Lohn von gerade mal 400 € nicht gerade die Welt, aber immerhin besser als nichts. Und außerdem das einzige was ich neben der Schule schaffe um gerade noch so durchzukommen.

Josephine hat sich in der Zwischenzeit betont langsam zu mir umgedreht und mustert mich mit einem Blick der mich wohl auf der Stelle hätte umbringen sollen. Mit etwas Fantasie, würde sie ein perfektes Medusa Double abgeben. „Wenn du weiterhin so einen Haufen Ausschuss produzierst, müssen wir uns wohl bald einen neuen Barista suchen, hast du das verstanden?" bei ihren letzen Worten stützt sie sich mit beiden Armen auf den Tresen und schaut mich so eindringlich an, dass ich fast selbst an meine Medusatheorie zu glauben beginne. Bei jedem anderen, hätte ich vermutlich einen weiteren dummen Spruch abgelassen, aber mittlerweile weiß ich, dass mit ihr nicht zu spaßen ist. Josephine ist die Tochter des Besitzers dieses Schrottlandens und somit, ob ich es will oder nicht, sowas wie meine Vorgesetzte. Und zu meinem Unglück reibt sie mir das auch noch so oft wie möglich unter die Nase.

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