Ohne Titel Teil 1

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Party. Juhu.
Laut meinem Mitbewohner muss man immer eine Party veranstalten, wenn man den letzten Karton nach einem Umzug ausgepackt hat. Ich, die Partys nicht sonderlich mag hab es sehr sehr lange herausgezögert, leider etwas zu lang.Denn Lasse, mein Mitbewohner, hatte einen Plan. Einen Tag vor meinem Geburtstag kam er in mein Zimmer(das seit bestimmt drei Monaten fertig eingerichtet war),kramte aus meinem Schrank die letzte Kiste raus und öffnete sie. Darin waren alte CD's die mir fast schon peinlich waren. Er stellte eine dieser CD's in mein Regal und verkündete: "morgen Party! Zieh dich ordentlich an. Sei vorzeigbar!" damit ging er aus der Tür heraus und ließ mich völlig verdattert mit meinem Laptop zurück. Ich wollte grade irgendwas antworten aber mir viel nichts gutes ein. Dann dröhnte seine Stimme durch die Tür: "Es wird Herren-Besuch geben! Ich erwarte Lippenstift, Lied strich und Wimperntusche und zwar gut platziert in deinem Gesicht!" Ich musste einfach irgendwas antworten und entschied mich für ein sehr schlagfertiges: "Äwwäwää!"Ich machte mein Laptop zu und ging in die Küche, wo Lasse irgendwas leckeres zauberte. "Uh, was machst du denn leckeres? Bekomme ich was ab?" Ich guckte in den Topf. Es sah aus wie schon mal gegessen aber es roch verdammt gut nach Curry. "Morgen. Dannbekommst du was. Es ist für die Party." als er es sagte sah er mich nichtan. Er wusste was kommen würde. "Lasse, du hast versprochen, dass du meinen Geburtstag nicht feierst."mauelte ich und setzte mich an den Tisch der fast die ganze Küche einnahm."Wir feiern auch nicht deinen Geburtstag. Sei nicht immer so ICH-bezogen. Es ist eineEinweiungs-feier. Tee?" er hielt den Wasserkocher in der Hand. "Jabitte. Aber wir wohnen schon mega lange hier. Das lohnt sich doch garnicht." Ich griff in das Regal neben mir und holte einen Teebeutel raus.Lasse gab mir eine Tasse und ich redete weiter: "lohnt sich das dennüberhaupt noch? Hat so eine Einweisungs-feier nicht ein Verfallssdatum, das wirüberschritten haben?" grinsend sah ich ihn an. Er wirkte nicht sehrbegeistert. "Das könnte dir so passen. Nein. Sowas hätten wir auch spätermachen können aber ich warte nicht mehr darauf. Ich hätte mich ja selbstschlagen können als ich dir, ahnungslos wie ich war, die Regel mit dem Kartonerzählt habe. Wer konnte ahnen das ich den einzigen Party faulen Hipster inBerlin gefunden habe!" Er grinste verschmitzt und goss mir Wasser in dieTasse. "Ich bin kein Hipster." warf ich bockig ein. "Das sagensie alle." Sagte er und stellt alles was er gemacht hatte in denKühlschrank. "So, ich geh jetzt schlafen. Morgen muss ich einkaufen.Kommst du mit?" Er sah mich fragend an. "Ja klar. Wann?""Um 12?" "Ja klar." ich trank meinen Tee und ging in meinZimmer. "Cool, dann gute Nacht. Wenn du lieb bist, dann kauf ich dir auch eine Mate!"Er lachte und machte die Tür zu.Am nächsten Morgen begrüßte er michwie immer, mit einer Tasse Kaffee. Glücklicherweise sagte er nichts davon dasich Geburtstag hatte. Doch ganz ohne ging es natürlich auch nicht, denn an meinemPlatz stand eine neue Tasse. Es war Rammstein aufgedruckt und in der Tasse wareine Karte. Ich war schon etwas gerührt als ich es sah. Lasse hatte meinenWunsch respektiert und mir trotzdem seinen Stempel aufgedrückt. Natürlichfreute ich mich und wusste einmal mehr warum er einfach der beste Freund war,den man sich wünschen konnte! "Nimmst du mal das Zeugs aus der Tasse? Oder soll ich den Kaffee daneben schütten?"fragte er ungeduldig. Schmunzelnd nahm ich die Karte raus und sagte kleinlaut:"Dankeschön, du bist der Beste." Ergrinste und meinte ich solle mich heute abend an meine Worte erinnern.
Der Einkauf war schnell erledigt. Bier und ähnliches waren schnell gekauft und anstatt einer Mate bekam ich einen Kaffee. Nachdem wir dieganzen Sachen in die Wohnung getragen hatten, befahl Lasse mir ich solle michfertig machen. Er müsse sich auch noch umziehen. "Ich stell alles bereitdann hast du Zeit für, naja was Frauen eben so machen." In meinem Zimmerstand ich vor dem Schrank und natürlich war er total überfüllt und troztdem hatte ich nichts zum anziehen.Dann entschloss ich mich dafür mich erst zu schminken. Ich entschied mich fürLeggins, einen roten Skaterrock und ein schwarzes T-Shirt. Das Makeup warschlicht und meine Haare die blond sind, ließ ich offen. Im Gegensatz zu vielenanderen Frauen, waren meine nicht widerspenstig. Die Haustür war schon einigeMale auf und zu gegangen als ich mich raus traute. Die meisten kannte ichnicht. Als ich meine Freundin Lina sah die mit einer stark tätowierten Frauredete, gesellte ich mich zu ihr. Die beiden redeten über Musik und Tatoos."Hey Laura! Alles gute alteFrau!" trällerte Lina als sie mich sah. Was für ein Riesen Fehler. Aufeinmal stimmten alle Happy birthday an. Nachdem sie fertig waren klatschten sie.Warum eigentlich? Fanden die sich so gut? Wie auch immer, ich sagte höflichdanke und das war's. "Alles gute! Ich bin Katze. Lasse hat micheingeladen. Ich hoffe das stört dich nicht. Weil es doch dein Geburtstag istund so." Sie wirkte nett aber auch leicht abgelenkt da sie immer zu aufihr Handy guckte. "Das macht mir gar nichts und wir feiern auch nichtmeinen Geburtstag sondern unseren Einzug." Sagte ich und füllt mir Cola ineinen Becher. Katze sah sich um und meinte anerkennend: "Wow das siehtalles schon so fertig aus. Seit wann seit ihr hier?" Lasse unterbrach unsund erzählt ihr alles. Meine Party Abneigung, die vier Monate in der er esausgehalten hatte bis zu seinem Entschluss von gestern. Sie musste lachen unddann schrieb sie was auf ihrem Handy. "Stört es euch wenn noch zwei anderekommen? Mein Freund und ein Kumpel? Er war über eine Woche weg und naja, ich vermisse ihn ziemlich, aber die Feier ist sogemütlich..." "Kein Ding, sie können ruhig kommen." Lasselächelte und Katze sah glücklich aus als sie etwas auf ihrem Handy tippte. Nawie die wohl drauf sind, dachte ich noch so bei mir. Als es an der Tür klingeltestrahlte Katze über das ganze Gesicht. Dennoch blieb sie bei uns und nahm sichein neues Getränk. Sie stellte sich mit dem Rücken zur Wohnzimmertür. Mankonnte ihre Anspannung spüren und Lina und ich waren verwirrt. "Willst dunicht nachsehen ob es dein Freund ist?" Fragte Lina und ich nickte."Nö. Der wird mich schon finden." sie grinste und sah uns die Verwunderungan. "Manchmal muss man sich rar machen, grade wenn er mit seiner Band wegwar. Timur wird das verstehen. Der könnte aber langsam mal auftauchen!"Mit diesen Worten kamen zwei Männer in das Zimmer und steuerten geradewegs aufuns zu. Beide mit Bart und gekleidet wie skater. Einer sprach Katze an, Timur:"Entschuldigen Sie bitte, ich suche meine Freundin. Hat ca. deine Größeund deine Figur." Er grinste und der andere musste lachen. Katze drehte sich langsam mit einem perfektenPokerface zu ihm um. "Sorry, kenn ich nicht." darauf sagte Timur"Ach macht nichts, ich brenn mit dir durch. Hallo Schatz. Schön dich zusehen." Die beiden küssten sich und setzten sich auf unser Sofa underzählten sich, was alles bei ihnen passiert sei. "Voll süß oder?"fragte ich Lina, die einfach nur nickte. "Weist du wo der andere hinist?" Ich sah mich um "Also in der Stube ist er nicht. Lass ihn malsuchen. Sah eigentlich ganz nett aus."Nachdem wir Lasses Zimmer, dieKüche und das Badezimmer abgesucht hatten bekam ich einen Anruf. "Ich gucksolange mal ob er draußen ist." Sagte Lina. "Mach das. Ich muss hierleider rangehen, meine kleine Schwester schreibt schon den ganzen Abend undwill Skypen. Ich komme zurück wenn wir fertig sind." Versprach ich undging an mein Handy. "Hey Na? Ich bin in meinem Zimmer und mach den pcan....ja versprochen...höchstens zwei drei Minuten... Ja ich dich auch bisgleich!" beim betreten meines Zimmers las ich das >Bitte nichtbetreten, hier werden sie gegessen und nicht vernascht< Schild das Lasse,für mich gebastelt hatte. In meinem Zimmer war es dunkel und da ich von meinemHandy angestrahlt wurde, war es um mich herum Schwarz. Gewohnt ging ich zumeinem Tisch, leuchtete kurz nach meinem Laptop und schaltete ihn ein. Ichsetzte mich auf meinen Sessel der auch mein Schreibtisch-Stuhl war und nacheinigen Minuten, stand die Verbindung und Anna lächelte mich an. Nicht wienormale Menschen, sondern wie ein Derp. "Alles Gute!! Hat schon jemandgesungen für dich? Müsste ja eigentlich, ist ja schon voll spät. Naja, wie geht's?War dein Tag schön? Hast du Geschenke bekommen? Mach mal dein Licht an, das is'voll dunkel bei dir!" Sie sah mich direkt an und wartete auf irgendeineReaktion von mir. Ich beugte mich vor und machte die Schreibtisch-lampe an."Ah jetzt versteh ich warum das Licht aus war. Wer ist das?" Siedeutete auf mein Bett. "Hä was meinst du?" ich drehte mich um undbekam einen gewaltigen Schreck. "Ha..hallo. Benjamin mein Name."sagte ein Mann sehr zögerlich und leicht verwirrt, der auf meinem Bett saß undeine falte von meinem Kopfkissen auf der Wange hatte. "Der ist ja heiß.Hat er schon geschlafen? Hast du gut gemacht! Wird mit 22 ja auch echt malZeit!" Schnatterte Anna drauf los. "Ich hab dich gar nicht gesehen,du bist doch der Kumpel von Katzes Freund oder?""Ja,... so nennt man mich abereher selten. Die meisten sagen doch eher ganz einfach nur Ben." Er sahverschlafen aus und wirkte beschämt. "Achso..." ich wollte eigentlichmehr sagen aber mir wollte nichts einfallen. "Du hast jemanden aufgerissenohne den Namen zu kennen?! Respekt, voll Barny like!" Anna meldete sich zuWort. Benjamin wurde etwas rötlicher auf den Wangen. Ich sah das und mit einemmal war mir alles einfach nur noch peinlich. "Anna!! Ich kenn ihn erstseit heute." Sie machte große Augen "Nein! Nicht...Ahh! Wir hattennichts, er hat mich erschreckt und du hast ihn sogar noch vor mir gesehen. Erist auch noch angezogen!" Ich wedelte mit der Hand in seine Richtung undwurde etwas sauer. Vielleicht weil ich ihn gerne aufgerissen hätte oder einfachweil sie ihren Mund nicht halten konnte. "Was nicht ist kann ja nochwerden." Scherzte Benjamin kurzerhand. Er saß immernoch auf meinemBett." Siehst du? Gern geschehen, Schwesterherz!" Ich sah Anna über dasLaptop böse an und mit einem kurzen "Danke und tschüß." klappte ichihn zu. "Nett die Kleine. Tut mir leid, ich wollte niemanden nerven odererschrecken." Sagte er. Ich winkte ab und drehte mich im Sessel zu ihm um."Macht nichts. Aber warum kommst du denn überhaupt her wenn du so müdebist?" Er erzählte mir das er grade von einem Konzert wieder gekommen seiund noch sehr euphorisch war. Er wurde erst müde als er sich setzte und hieltdann Ausschau nach einem ruhigen Ort. Meinem Zimmer. "Und was war das fürein Konzert?" fragte ich und auf einmal strahlte er."Wir haben mit ein paaranderen Rappern gespielt und naja... Das war unfassbar." Er erzählte fasteine Stunde über Musik und was er alles noch machen möchte. Das er eine CD rausgebracht hatte und meinte die würde niemand kaufen wollen, denn sie sei zuverkopft. Deswegen sei er momentan auch sehr erstaunt das seine erstenVeröffentlichungen so gut ankamen. "Aber sind Künstler nicht immer vonihren eigenen Werken total überzeugt? Grade so als Rapper?" fragte ichihn. Er hatte sich mittlerweile in meine Decke gewühlt. Ich hatte meinen Sesselnäher an mein Bett geschoben. Wir saßen lange so da. Benjamin erzählt vonverschiedenen "so perfekt" Versionen und dass das Lied wohl sehrgefeiert wurde. Da neue Musik immer total an mir vorbei geht und ich michmusikalisch überhaupt nicht im Rap auskannte, war es auch nicht verwunderlichdas ich nicht bescheid wusste. Er wollte mir etwas von seinen Liedern zeigenund bat mich um mein Laptop. Ich stand auf und gab es ihm. "Hey, wenn ichschon mal stehe. Ich muss Lina eben bescheid sagen das alles gut ist. Kann ichdir was mitbringen? Ein Bier eine Cola oder so?" Er nickte nur.
Ich öffnete die Tür. Grade noch rechtzeitig um Lina und einen Kerl durch dieHaustür verschwinden zu sehen. Sie grinste und ich nickte. War ja klar, sienimmt jemanden mit. In der Küche schnappte ich mir eine Cola Flasche, zweiBecher und zwei Flaschen Bier. Aus der Stube drangen laute Stimmen die freudigklangen. Lasse und einige andere hatten das olle sing-star Zeug angeschlossenund sangen mit. Egal ob sie das Mikro hatten oder nicht. Mit einem mal fühlteich mich eigenartig wohl und gelassen. Zurück in meinem Zimmer, legte ich dieSachen auf mein Bett. "Kennst du das, wenn du etwas fühlst das du nichtbeschreiben kannst?" Als ich es sagte sah Ben von seinem Handy auf."Ja kenn' ich gut. Dann höre ich Musik oder schreibe. Was fühlst dudenn?" Er sah aus als ob er aufrichtig interessiert wäre und ich dachtenach. "Ich glaube, so als wenn ich das hier grade als mein Zuhause angenommenhätte. Ich fühl mich... wohl." Erklärte ich. "So ein Gefühl als seistdu angekommen?" Fragte er und klopfte auf mein Bett, zur Aufforderung,dass ich mich neben ihn setzten sollte. "Das trifft es ganz gut. Nimmst dudie Flaschen weg?" fragte ich und setzte mich neben ihn. Er legte dieFlaschen etwas weiter weg und tippte etwas in sein Handy. "Liebe Grüße vonKatze und Timur. Die sind schon nach Hause gegangen. Hat Timur grade ebengeschrieben." Sagte er und legte auch sein Handy weg. "Bist du bereitwunderschöne verkopfte Klänge zu hören?" Benjamin sah mich an und wartetewohl auf eine stumme Zusage. "Jap, ich versuche mich daraufeinzulassen." Mit diesen Worten drückte er auf Play. Die Musik fing an.Das Video war düster aber es gefiel mir. Mit der Musikrichtung konnte ich nichtviel anfangen. Aber die Stimme, der Text und das Video Sprachen ein bestimmtesGefühl an und das gefiel mir. "Was hälst du davon?" fragte ergespannt. "Das ist nicht wirklich meine Musik aber das Gefühl das durüberbringst haut einen aus den Socken." Kurz überlegte er ob es einKompliment war. Dann entschied er sich für ein ja und fragte: "Was istdenn deine Musik?" So genau wusste ich das selbst nicht. Ich sah auf dieWand, an die wir uns anlehnten. Sie war tapeziert mit Postern. Florence and themachine, Rammstein, Max Raabe, Ramones, Guns n' Roses, Die Ärzte, AC/DCSexPistols, David Bowie, Blink 182, Kermit der Frosch und viele kleine Posterzb Extrabreit, waren vertreten. Nur eine genaue Richtung war es nicht. SeinBlick folgte meinem und er rückte etwas von der Wand weg um alles genauer sehenzu können. "Oh. Also sowas hörst du? Nur so die allgemeinen Sachen oderauch unbekanntere?" "Also poster und so'n kram kaufe ich mir nur vonKünstlern die ich wirklich gern mag." antwortete ich. "Die meistenhören alles nur oberflächlich. Sowas ist schon was besonderes." Sein Blickfiel auf sein Handy das blinkend neben meiner Hand lag. Zu meiner Verwunderunggriff er nicht nach seinem Handy, sondern nach meiner Hand. "Du hast megadie warme Hand." Er sah mich nicht an, sondernbetrachtete meine Festival-bänder genauer. "Du warst auf dem Wacken? Dasist beeindruckend. Was ist das denn für eins? Und das rote?" Ich war etwasverlegen aber für ihn war das gar kein Problem. Wie selbstverständlich las er sichalles genau durch. "Das ist ein kleines Festival aus meiner Heimat Stadt.Da treten hauptsächlich lokale Bands auf." Er sah mich direkt an. Blicktemir genau in die Augen, voller Interesse. Mich warf das völlig aus der Bahn undzu allem Überfluss wurde mir unglaublich heiß. "Ähm,... Das ist ...soein...Ding mit... dem man ... mit Freunden ähm besucht... Da hat man...Wunderschöne Augen..." Ich hörte mir selbst nicht mehr wirklich zu, denner hatte mitten in meinem grammatikalischen Albtraum-Satz angefangen zulächeln. Ich atmete hörbar aus. Unsere Köpfe waren nicht mehr weit von einandergetrennt und in dem Moment als ich nach seiner Hand griff, war es als ob eineunsichtbare Barriere, die zwischen uns war, zerbrach. Normalerweise sind ersteKüsse schüchtern und unbeholfen, man muss sich erst kennenlernen. Aber beidiesem war es auf Anhieb vertraut.Als ich meinen Griff um seine Handlöste war es anscheinend ein Signal für ihn aufzuhören. Ich holte tief Lust under grinste mich an. "Schöne Bänder." Seine Wangen waren feurig."Habt ihr Katzen?" War das sein scheiß Ernst? War er nicht gradedabei? Hatte er die letzten Minuten verpasst? Wie konnte man nach sowas aufKatzen? Hatte ich unbewusst geschnurrt? Verwirrt sagte ich: "Wie kommst dudenn darauf?" und lehnte mich etwas von ihm weg, doch unsere Hände bliebenwo sie waren. "Hörst du nicht auch dieses Katzen jammern?" horchendsaßen wir da. Ich hörte es auch, allerdings waren es keine Katzen. Nicht malTiere im engeren Sinne. "Das sind die Jungs drüben, die sind blau undsingen sing-star. Oder versuchen es." Es klang wirklich übel. "Dasist doch kein Gesang. Das ist Körperverletzung!" Lachte er. "Ich guckmal was für ein Lied das sein soll." Ohne auf Ben's Reaktion zu wartenstand ich auf, nahm etwas ungelenk die Flaschen und Becher von meinem Bett undstellte sie neben meinen Nachttisch. Obwohl ich ein Doppelbett hatte wirkte esungewöhnlich voll. Lächelnd drehte ich mich nochmal zu Ben, der mich mit demBlick genau verfolgte. "Bin gleich wieder da. Ich guck nur mal ob nochalles heil ist. Nicht das die noch die Wohnung zerlegen." ." Ichöffnete die Tür und eine Welle aus warmer Luft, Bier, lauter Musik und schiefenText-zeilen schallte mir entgegen.Ich machte die Tür schnell zu damitdiese 'Körperverletzung' nicht zu lang in mein Zimmerschallte. In unserem Wohnzimmer war es stickig und warm. Alle grölten mit undhatten Spaß. Langsam hörte ich heraus was das eigentlich sein sollte. ImRefrain hoben alle ihr Getränk und sangen "Ja ich weiß es war ne' geile Zeit(...)"Natürlich stieg ich mit ein und trat ins Zimmer. Lasse legte seinen Arm ummich. Er hatte schon ordentlich die Lampen an, drückte mir ein Bier in die Handund rief in die Menge: "Das nächste Lied singen Laura und ich!"Ungewöhnlicherweise war mir das gar nicht peinlich. Die Meute jubelte. Wirwaren uns gleich einig, 'Wir Sind Helden' mit 'Nur ein Wort'. Wir, die absolutText sicher waren sangen aus vollen Hälsen und alle anderen Taten es unsgleich. Als wir fertig waren, fanden sich schnell zwei andere die singenwollten. "Lasse, ich mach mal das Fenster auf. Hier gibt es kaum noch waszum atmen." Das Fenster war offen und durch die kalte Herbstluft wurdenalle wieder wacher und lebhafter als ohnehin schon. "Wo warst dueigentlich die ganze Zeit über? Ich hab dich lange nicht gesehen." FragteLasse. Natürlich wurde ich Rot als ich ihn von Benjamin erzählte. Ich grinsteals ich ihm von dem Kuss erzählte. "Gut gemacht süße. Was Schminke allesmachen kann. Ist er noch da?" Lasse reckte seinen Kopf, als ob er ihn vonhier aus sehen könnte. "Ja ich glaube schon." Er machte große Augen."Und was machst du dann bitte noch hier?! Da sitzt ein Kerl in deinemZimmer, auf deinem Bett, der dich geküsst hat und noch da ist! Hin da!JETZT!" Er schob mich in Richtung meiner Zimmertür.Auf dem Flur beobachtete Lasse michsehr genau, bis ich endlich in meinem Zimmer war. Dort angekommen schloss ichdie Tür und sah auf mein Bett. Es war dunkel, die Schreibtischlampe war aus.Ich tastete an der Wand nach dem Lichtschalter. Unruhe überkam mich. Was wenner jetzt weg war. Wenn er einfach den Moment ausgenutzt und sich dann aus demStaub gemacht hatte. Mir kamen Zweifel ob ich überhaupt das Licht an machensollte. Dann hörte ich etwas das nach meiner Bettdecke klang und schaltete dasLicht an. Ohne einen wirklichen Grund war ich etwas sauer. Für mich stand esschon fast fest, dass er abgehauen war. Aber so war es nicht. Benjamin wareingerollt auf meinem Bett und blinzelte mir wie eine müde Katze zu. Er hattegeschlafen. "Hmm, Na. Es ist sehr gemütlich hier. Man fühlt sich sehr schnell wohl." sagte er. "Wohnst duweit weg von hier?" fragte ich. "Naja, mit der U-Bahn kommt manschnell hin." Er zog die Decke etwas höher. Natürlich wollte ich nicht daser jetzt schon geht. "Wenn du so müde bist, dann bleib doch einfach hier.Nachher frierst du noch in der U-Bahn fest oder ähnliches." grinsend sahenwir uns an. "Willst du dich nicht kurz... Naja bettfertig machen? ImBad?" "Ja, ist wohl besser." er schlug die Decke beiseite, standauf und verschwand. Jetzt musste es schnell gehen. Was zieh ich nur an?! Verdammt! Das übliche ging nicht,da drin sah ich aus wie ein Penner. Mein Kleiderschrank stand genau neben derTür. Also öffnete ich die eine Kleiderschranktür, die auf der rechten Seitewar. Wenn jemand dann die Zimmertür öffnete, würde man mich nicht gleich sehen.Mein Schrank war voll aber mein Kopf war leer und ich wusste nicht was ichanziehen sollte. Wiedereinmal verfluchte ich, dass ich als Mädchen, mir so sehrGedanken um Klamotten und Co machte. Als erstes stand fest, ich brauch einT-Shirt. Halb nackt konnte ich nicht rumstehen. Ich griff nach einem Shirt dasich liebte. Eine Band mit dem super Namen 'one fine day'. Perfekt! Das war nurnicht lang genug, misst auch noch eine Hose? Sowas wie eine Boxershorts besaßich nicht und zu Lasse rennen und nachfragen war jetzt auch nicht unbedingt die beste Idee.Vielleicht eine Sporthose, Leggins? Meine schlaf/Jogginghosen waren alledreckig. Gut, zugegebenermaßen hatte ich davon auch nur zwei. Die eine hatteMuschu von Mulan als Muster und die andere hatte gestern Morgen eine LadungKaffee abbekommen. Dafür war sie aber einfach dunkelblau. Die Zimmertür öffnetesich. Ich stand da wie angewurzelt. Ben spazierte einfach unverhohlen in meinZimmer. Ich war wie versteinert. Er sah das im Bett niemand war und drehte sich suchendum. Sein Blick fand mich sofort. Ich, nur in T-Shirt und Unterwäsche.
Nice.Ich musterte ihn von unten bisoben. Na super. Er hat natürlich eine Boxershort und ein Shirt. Jungs haben daeinfach Vorteile. Gemein! "Oho, Hallöchen Laura." Leichtes lachenschwang in seiner Stimme mit. Weil ich nicht wusste was ich tun sollte, griffich mir vor Verlegenheit lachend in die Haare und wurde Rot. "Ich muss dirleider sagen, ich bin nicht der Typ dafür, der gleich am ersten Date mit einerFrau in die Kiste springt." BITTE WAS?! Sieht flirten etwas so aus?Verlegen rumstehen und quasi nichts anhaben? Was für eine Erkenntnis."Nein! Ich wollte doch nur... Also ich hab eine Hose gesucht und dann bist du so...lalala hier rein..." Okay klappeLaura der Satz geht nie im Leben ins Ziel. Scheinbar nahm er seine eigenenWorte nicht ernst, denn er kam immer näher. "Wo kann ich eigentlich meineSachen hinlegen?" puha...und ich dachte schon es wird ernst. "Leg'sie doch auf den Sessel." schlug ich vor. Dann gab ich die Suche nacheiner Hose auf, machte meine Lichterkette an, die über meinen Kleiderschrankund dem Bücherregal hing und ging an meinem Schminktisch vorbei, zum Bett."Andererseits ist das hier auch kein richtiges Date oder?" Ben's sehrraue Stimme war nah an meinem Ohr. "Ähm... wenn man es genau nimmt....dann nicht." Meine Erleichterung und das lächeln auf meinen Lippenspiegelte sich in meiner Stimme wieder und somit war das der Startschuss.Am Morgen danach wurde ich vomLicht, dass durch mein Fenster schien, geweckt. Im Eifer des Gefechts hatteniemand an die Vorhänge gedacht. Es war ein trüber Herbsttag und die dickenWolken sahen nach Regen aus, doch noch war es trocken. Ein ungewohntes Gewichtlag auf mir. Es war Ben's Arm der auf meinem Oberkörper lag. Umdrehen wollteich mich nicht aber sein gleichmäßiges leises Schnarchen verriet mir das ernoch schlafen musste. Ganz vorsichtig löste ich mich von ihm, zog mit fast diegleichen Klamotten von gestern an Leggins, Rock und das 'one fine day' Shirt.Nahm mein Handy und machte kurzerhand ein Foto von ihm. Warum auch immer aberes überkam mich einfach. Sah nicht schlecht aus. Die Bettdecke war gutplatziert. Aus der Küche drang ein leises klappern, Lasse war also schon wach.Ich öffnete meine Tür und schloss sie schnell wieder damit Ben nicht wachwurde. Lasse reckte den Kopf aus der Tür, sah mich gleich und runzelte dieStirn. "Warum machst du denn die Tür zu?" "Weil du laut bist."Gab ich knapp zurück. "Ist der Kaffee schon fertig?" Lasse nahm dieKanne und eine Tasse, füllte mir etwas ein und gab sie mir. "Du bistkomisch. Wann ist dein Betttyp eigentlich abgehauen? Ich hab nicht mehr vielmitbekommen gestern." Er setzte sich mir gegenüber und trank seinenKaffee. Ich nahm einen Schluck und nuschelte dann in meine Tasse: "Er istnicht gegangen." Lasse, der grade einen Schluck getrunken hatte,verschluckte sich. Hustend und mit unnatürliche großen Augen sah er mich an undsagte: "Der Betttyp ist also dein Betthase? War sein Geburtstagsgeschenkso umwerfend?""Sei nicht so versautLasse!" Mein Kopf wurde tiefrot. "Sei du einfach nicht so prüde.Erzähl mir alles!." Verlangte Lasse und lehnte sich zurück. "Naja soviel weiß ich auch nicht. Er heißt Benjamin und macht Musik. Er hat auch schonwas veröffentlicht, Alben und Videos. Die kannte ich aber nicht. Halt einRapper. Er küsst gut und hat die erotischste Stimme die ich je gehörthabe." Ich fand die Beschreibung sehr zutreffend aber Lasse rollte mit denAugen. "Ich meinte weniger seine Biografie sondern mehr seine Qualitäten,aber okay. Glaubst du da wird was draus oder bist du jetzt auch auf derDunklenseite? Eines dieser bösen Dingern, die einen Mann verführen und ihm dann mit einem umwerfenden Lächeln den Dolchin den Körper rammen und sagen "das war eine schöne Nacht aber mehr auchnicht?" Lasse hatte sich etwas angespannt und seine Hand war mittlerweileeine Faust. "Wow. Von null auf verbittert in unter 3 Sekunden.Beachtlich." spottete ich. Ein gequältes Lächeln kam zum Vorschein."Hat sie nicht angerufen? Das wird sie noch Lasse." Komisches Gefühl,wenn man sowas einem Kumpel sagt. "Ach, lass die Olle doch machen was siewill. Also, was ernstes oder nur kurzer Spaß?" "Um das mal klar zustellen, mit dem Begriff kurz sind wir aber mal ganz vorsichtig." Grinsenstand Ben in der Tür. Wie lange stand er da schon? Lachend gab Lasse zurück:"In dieser Wohnung sowieso. Ich bin Lasse, Hallo. Kaffee oder möchtest dulieber dieses Hippie-gesöff, Tee?" Er stand auf und Ben setzte sich nebenmich. "Boah, ja also wenn du nochwelchen hast, nehm ich auch eine Tasse Kaffee." Ben griff nach meiner Hand unddrückte sie zur Begrüßung.Nicht ein 'Guten Tag Frau Laura.Schön Sie zu sehen' verkrampfter Händedruck. Es war liebevoll. Für normaleMenschen war es bestimmt nichts besonderes aber da ich diesen Händedruck mitdem Fall einer Barriere und unserem ersten Kuss verband, blieb mir kurz dieLuft weg und Benjamin sah mit feurigen Wangen verlegen auf den Tisch."Möchtest du was Essen?" fragte ich. "N' Brötchen, Nutella?Alles da." warf Lasse ein. "Ähm, Nein danke. Kaffee reicht mir. Wennnoch was da ist. Ich mag auch kein Nutella." Ben nahm die Tasse von Lasseentgegen. "Mehr für mich." kam von Lasse mit vollem Mund. Nachdemalle versorgt waren, plapperten wir einfach drauf los. Wir redeten wie alteBekannte. Über die Musik im Radio, Sing-star, den Alkoholpegel von gestern, dieClubs in Berlin, Uni und vieles mehr. Die Zeit verflog und ich wurde daraufaufmerksam, dass Ben's Handy immer wieder vibrierte. "Willst du nicht rangehen?" fragte ich irgendwann. "Das ist kein Anruf," er sah sichdie Mitteilungen an und sagte zu meinem leid: "Ich befürchte ich musswieder los." Er stand auf, stellte seine Tasse in den Geschirrspüler undging in mein Zimmer. "Also den mag ich! Kommt der bald wieder? Da räumtder auch noch nach sich auf und fragt nicht so doof 'ähm wo kann ich das dennhin tun?' bäh, grauenhaft." Ah, Lasse war wieder von begeistert aufverbittert gestürzt. Diese Frau musste ich wirklich mal kennenlernen. "Ich geh mal nach ihmgucken."Ben stand in meinem Zimmer und sahsich nach allen Seiten um. "Hey, ich guck nur ob hier noch was von mirherumliegt." Was auch immer dieser Satzt eigentlich für eine simpleBedeutung haben sollte, schlug er doch mit voller Wucht in meinem Herzen ein,wie ein Blitz in einen Baum. Für mich klang es als ob er vorhatte, genau soabrupt und plötzlich aus meinem Leben zu verschwinden, wie er gekommen war. Ichwurde nicht schlau aus ihm, denn er lächelte mich an als er etwas in seineHosentasche steckte. Er nahm seine Jacke, die neben der Tür an einem kleinenNagel hing. "Du hast eine Single von Sofaplanet? Das du sowas hörst."Mit einem Lächeln stellte er die CD zurück. Das hätte ich fast vergessen. Daswar die CD, die mich überhaupt erst zu dieser Party gebracht hatte. Sie wardie, die Lasse aus meinem letzten Karton genommen hatte. Ich ermahnte mich,nicht so symbolisch zu denken. Aber die Ironie ließ mich bitterlich schmunzeln.Denn die Single hieß 'Lieb Fi**en'. Zur Ablenkung sah ich mich um. Es sah auswie immer. Es sah aus wie vor der Party. Es war alles wieder so, wie es warbevor ich dieses Heimat und 'ich bin angekommen'-Gefühl hatte. Denn meinWohlgefühl spazierte grade aus dem Zimmer auf den Flur. "Tja, ähm... Mansieht sich." Presste Ben hervor. Ich war traurig das er ging, wollte esaber nicht zugeben. Ich wollte abgeklärt und cool wirken. Aber verdammt, daswar ich nicht. Es tobte in mir und ich flehte das er mich nach meiner NummerFragen würde. Tat er aber nicht. Er verabschiedete Lasse während ich mitverschränkten Armen daneben stand. Dann öffnete er die Haustür und trat hinausins Treppenhaus."War doch ganz schön. Jetztmusst du mir aber helfen. Die Stube sieht aus wie gesprengt." sagte Lasse.In mir tobte es. "Ach Fuck!" rief ich. Lasse drehte sich um, seineAugen waren größer als sonst. "Alles okay?" "Sind Jungs doofoder einfach nur genauso schüchtern wie Mädchen?" fragte ich ihn unruhig."Bei jedem anderen würde ich auf sowas nicht antworten." Kam alsAntwort. "Ich bin aber ich(!) und ich hab vielleicht keine Zeit!Also?" Es kam ruppiger rüber als es sollte. Bei Lasse fiel der Groschen erging an mir vorbei zur Haustür und sagte beim öffnen: "Aus Erfahrung würdeich behaupten beides. Sei nicht doof." Er klang entschlossen. Ich strahlteihn an. Das waren die Worte die ich hören wollte. "Wenn ich es nicht jetztversuche, werde ich es nie wissen!" Schnell rannte ich ins Treppenhaus.Ich hörte, als ich die erste Treppe runter rannte, die Außentür zuknallen. Weitkonnte er nicht sein. "Scheiß Dramatik, ich hätte ihn auch einfach in derWohnung fragen können. Tag Frau Petersen!" Fluchte ich vor mich hin alsich an Frau Petersen vorbei rannte. Durch die Tür und auf die Straße. Wo ist ernur?Ich sah mich nach allen Seiten um.Verdammt! Ich wohnte in einer Zwischenstraße, da waren nicht viele Menschenaber viele Autos, die an beiden Seiten parkten. Ein Malerunternehmen hatte seinBüro ein, zwei Häuser weiter. Daher parkten viele kleine Transporter in derStraße. "BEN?" Ich sah mich um. Hier ist er nicht. Ich rannte auf dieStraße, nichts. "Wo ist denn die nächste U-Bahn!?" fluchend dachteich nach und ging die Straße entlang. Ich sah jemanden, doch genau konnte ichnichts sehen. "Ben?!" Er drehte sich um. Er hatte sein Handy in derHand und stand vor einem Straßenschild. Hastig stolperte ich über die Straße."Gehst du immer ohne Schuhe aus dem Haus?Das ist nicht wirklich gesund..." Ichunterbrach ihn."Ich finde dich so..." mir viel nichts ein. Doof,scheiße heiß, viel zu wichtig nach einer Nacht. "Heiß? Verbotengutaussehend?" Ben sah mich an. "Küss ihn kle'ne! Det is'Barlin!" Ein älterer Mann guckte aus einem Fenster auf uns runter. Erlächelte. Mit seinen langen Haaren sah er aus wie einer der aus den 70ern.Lächelnd sah ich hoch. "Oder braucht da' soundtrack?" Er verschwandvom Fenster und auf einmal dröhnte 'Heros' von David Bowie aus dem Fenster."Ist das die deutsche Version?" Ben sah mich fragend an. "Istdas nicht egal? Gib mir deine Nummer!" forderte ich. Leicht irritiertsagte Ben "Was machst du mich denn jetzt so an? Du stand'st doch mitverschränkten Armen und einem Gesicht wie sieben Tage Regenwetter, neben mirals ich Leon auf wiedersehen gesagt habe." Wollte er jetzt mit die Schuldgeben? "Du meinst Lasse! Ja aber nur weil du es so verdammt eilig hattestaus meinem Leben zu verschwenden." Etwas geschockt über diese Dramatikschlug ich mir die Hand vor den Mund. "Was verlangst du denn? Es war eineNacht und..." Ben stoppte. "Es tut mir leid. Ich dachte es wäreetwas,..." "Besonders?" Ben sahskeptisch aus. Es hatte mich gekränkt. "Nein...doch... nein! Ich dachteman könnte darauf aufbauen. Jetzt schäme ich mich und komme mir affig vor! Wasmachst du denn mit mir?! Normalerweise überlege ich bevor ich etwas sage undnormalerweise renne ich nicht barfuß One-nightstands hinterher! Und ich fühlemich auch eigentlich nicht Zuhause! Nicht hier!" "Aber gestern hastdu doch zu mir gesagt, das du dich wohl und Zuhause fühlen würdest. Das zähltjetzt nicht mehr oder was?" Ben wirkte verärgert und trat von einem Beinauf das andere. "Was erwartest du jetzt von mir? Soll ich hier alleRegister ziehen?" Pampte ich ihn an. "Ich erwarte das du mir sagstwas du auf dem Herzen hast. Sagen und nicht pöbeln! Sag was los ist."Mitlerweile wirkte er etwas beruhigter aber ausgeglichen war er auch nicht. Ichholte tief Luft, dachte nach und sagte dann: " Also, wenn ich ehrlichbin... Dann hab ich keine Ahnung. Ich stelle klar, ich mag dich, es ist mirunangenehm wenn du gehst, es macht mich sauer wenn ich daran denke, dass es dasletzte mal gewesen sein könnte das wir zusammen waren und ich weiß nicht warumes so ist. Ich hatte gehofft es sei etwas,... An dem man arbeiten könnte und danngehst du einfach. Ich hab kein Recht das zu fordern aber ich möchte dichWiedersehen. Das oben an der Tür war der kindlich-naive Versuch abgeklärt undcool zu wirken. Du solltest zeigen das ich dir was wert bin und als du gegangenbist hast du...hab ich gedacht..." ich stoppte. Super, ein kleinerSeelen-striptease und eine 22 jährige die sich um Kopf und Kragen redete.Wirkte bestimmt nicht verzweifelt. "Du hast gedacht du bist auf einenAufreißertypen reingefallen, der dir das erste mal das Gefühl gegeben hat, dass du in deinen eigenen vier Wändenzuhause bist, dass das seine Masche ist und der dich dann zurück lässt. Soungefähr?" Wow. Das traf es auf den Punkt genau. "Ja." Gab ichungewohnt kleinlaut zurück. "Ich kann mich selbst nicht ausstehen wenn ichso bin. Ich renne auch nicht gern jemandem hinterher, wenn ich so eineBefürchtung habe aber bei dir musste ich einfach auf Nummer sicher gehen. Also?Bekomme ich bitte deine Nummer?" Fragend sah ich ihm in die Augen. Dabeiging meine Konzentration total flöten und ich verlor mich darin. "Ich weißnicht..." hörte ich ihn sagen. WAS? "Was hast du gesagt?" fragteich."Ich hab gesagt das du sieschon hast. Mach hier mal nicht so'n Lerri! Ich hatte Angst, das ich soschlecht war gestern oder bei Tageslicht viel unspektakulärer auf dich gewirkthabe, dass du mich abweist." Er starrte sein Handy an. "Bittewas?!" Sehr gebildet kam es nicht rüber aber das war grade egal. "Duhast mich nicht mal richtig angesehen. Daher wollte ich mich nichtaufdrängen." Er hielt mir sein Handy vor die Nase. Es war ein Bild voneinem Straßen-Schild. Meinem Straßenschild!! "Ich wollte mir nur eineOption offen halten, für den Fall das du dich nicht meldest, hätte ichwenigstens gewusst wo ich klingeln müsste." Er steckte das Handyweg."Denn in Wirklichkeit bin ich ein Stalker der dir Nachts die Nägellackiert!" Fassungslos starrte ich ihn an. "Okay, zu früh fürWitze?" Unglaublich, er hat vor den selben Dingen Angst wie ich.Allerdings war ich mutiger als er. Ich war im schließlich nachgelaufen."Wo hab ich denn deine Nummer?" Ben zupfte an seiner Jacke."Naja,... An deinem Schminktisch-spiegel...ding. Auf der Scheibe, mitLippenstift. Glaube ich jedenfalls." Mein erster Gedanke war, 'Pottsau'.Schmiert der meinen Spiegel voll. Dann freute ich mich aber. Es war schon einekleine romantische-rebellen Geste."Welchen hast du genommen?" Einebessere Frage viel mir nicht ein und ich war auch etwas um meinen ChanelLippenstift besorgt. Erleichtern über diese Reaktion sagte er, ohne wirklichnachzudenken: "So ein scheußliches lila. Dachte das benutzt du eh nichtmehr." Meine Augen verengte sich. "Das ist Flieder und er steht mirsehr gut." "Das glaube ich dir aber für mich war es wichtig das dieFarbe, die Nummer zur Geltung bringt. Du olle..." "Zicke?"unterbrach ich ihn. "Das hast du jetzt gesagt." Er zog mich näher ansich und ....wir küssten uns. "GuteVerabschiedung" sagte ich. "Sollten wir ab jetzt konsequent zuunserem Abschiedsritual machen." Nuschelte er. "Jute Idee!"schallte es von oben aus dem Fenster. Ich öffnete die Augen und starrteerschrocken Ben an. "Hat der uns gehört? Was hat der denn für Ohren?""Ik' bin dann ma weg. Ihr schafft det ja jetzte och ohne mene Musik."Das Fenster wurde zu gemacht und Ben sagte: "Der Gefällt mir"Wirstanden noch eine Weile so da. Dann fing es allerdings an zu regnen und Benlöste sich von mir. Man sah seinen Haaren die wilde Nacht an und der Regen tatden Rest. "Du solltest rein gehen. Ohne Schuhe ist es nicht so schön imRegen und ich bin sowieso schon viel zu spät dran. Kann ich damit rechnen dasdu dich meldest? " sagte er. "Ich melde mich bei dir."Versicherte ich ihm.
Als wir auseinander gingen, hatte ich Schmetterlinge im Bauch wie ein Teenager.Ich hüpfte die Treppe hoch, durch die Tür und direkt in die Stube. Dann sprangich ohne Vorwarnung auf Lasses Rücken. Ich drückte mich fest an ihn wie einriesen Pflaster. "Überfall!!" "Ahhh! Ihhh!! Runter von mir!! Dubist nass!" Lasse drehte sich. Dann taumelte er und wir fielen auf dasSofa. "Istjetzt wieder alles gut?" Lasse stand auf und drückte mir eine Plastiktüte indie Hand. "Jetzt musst du aber aufräumen helfen. Trotzdem, erzähl miralles!" forderte er. Mit Herzen in den Augen erzählte und schwärmte ichihm was vor.Die folgenden Tage verbrachte ichmit einem breiten Grinsen vor meinem Handy. Die Nummer auf dem Spiegel hatteich nicht weggewischt. Es machte mich glücklich sie zusehen. Lasse und Lina waren in den Tagen zweitrangig. Auch wenn es mir leid tataber die Schmetterlinge lenkten mich immer wieder ab, genauso wie das ständigeVibrieren meines Handys. Eines abends saß ich in der Stube und Lasse und Linakamen rein. "Lasse hat erzählt, dass Ben heute keine Zeit zum schreibenhat. Das wollen wir ausnutzen!" Verkündete Lina freudig, wedelte mit einerDVD und Lasse bewarf mich mit Naschkram. "Aua! Lasse! Schokolade istnichts zum werfen da. Die ist HART!" Mir flog noch etwas Weingummi um dieOhren. Lasse freute sich und Lina legte eine DVD ein. Wir kämpften um diebesten Plätze auf der Couch, obwohl sie eigentlich groß genug war. Am Endesaßen wir dicht beieinander und fieberten und sangen bei 'Mulan' mit. Als esvorbei war, waren auch fast alle Süßigkeiten weg. "Ich fühl michFett!" Jammerte Lina. Lasse krallte sich die sie Fernbedienung undschaltete durch die Programme. "Warte!" Brüllte Lina. "Kenn wirden nicht?" Lasse und ich waren erschrocken. "Du kennst jemanden derauf Viva läuft?" Lachte er. Dann sah ich genauer hin und mir fiel dieKinnlade Plus mein Essen runter. Ich schnappte nach Luft. "Ben?!"Mit völliger Fassungslosigkeitstarrten wir den Fernseher an. Ben lief eigentlich die ganze Zeit nur durcheine Stadt und am Ende rannte er etwas außerhalb an einem Feld vorbei, mitseiner schwarzen Jacke. Es war genau so düster aus, wie das was er mir vorhergezeigt hatte. An dem Abend auf meinem Bett. Die Musik war melancholisch undschon fast traurig. Der Abspann verriet uns das der Song 'Michael X' hieß. Erstals uns eine verrückt wirkende, quirlige Moderatorin erzählte, dass es das neusteVideo von dem super scharfen Casper wäre fanden wir wieder Worte. Ohne denBlick vom Fernseher zu wenden befahl ich Lasse: "Hol mein Laptop!" Ersprang auf und holte es. Jeder von uns wollte jetzt genaueres wissen. "Hatsie grade gesagt, den kennt doch jeder?! Wo waren wir denn bitte, das wirnichts davon wissen? Hinterm Mond?" Lina war entrüstet und mir fehlten dieWorte. Schließlich kam Lasse wieder, startete den PC und gemeinsam starrten wirjetzt einen Ladebalken an. "Was glaubt ihr, wie berühmt er ist?"Wollte ich wissen. "Warum? Gibt es da Unterschiede?" Fragte Lasse"Natürlich Lasse, du stellst Heino auch nicht auf die selbe Stufe wieEminem! Er ist bestimmt nur ein früher Killerpilz." Sagte Lina. "Mussich das verstehen?" Lasse sah verwirrt aus, schnappte sich den pc undtippte. "Also,... C-A-S-P-A-R." Buchstabierte er laut. "Nein,Casper mit E." korrigierte ich ihn.Als erstes googelten wir 'Casper'.Lasse zeigte uns die Treffer. "Das sind aber mit Sicherheit mehr als beiden Killerpilzen Lina!" War das einzige das mir dazu einfiel. "Guckmal, es gibt einen Wikipedia Artikel über ihn." Lasse klang anerkennend."Toll, das kann jeder machen. Ein Bekannter hat das auch mal über sichgemacht. Das ist nichts tolles." Lina versuchte mit allen Mitteln ihnklein zu machen. "Soll ich ihn mal anklicken?" Fragte Lasse mich."Ähm, ich weiß nicht. Was, wenn ich es nicht wissen will oder es schonwissen will aber nur wenn Ben es mir erzählen möchte." Es war eineigenartiges Gefühl, Ben hatte mit mir geredet aber wirklich etwas wissen tatich nicht über ihn. Jetzt stellte sich aber heraus, ich hatte die Möglichkeiteine Menge über ihn zu erfahren. Es war schon immer eine meiner Stärken gewesengut vorbereitet zu sein. Dinge zu wissen war für mich wichtig aber wollte iches so? "Was, wenn mir nicht gefällt was ich erfahre?" Fragte ich diebeiden. Lasse, der überraschenderweise oft die besten Ideen hatte, sagte:"Ich lese es mir durch. Wenn etwas darin sehr wichtig für dich seinkönnte, sag ich es dir." "Keine schlechte Idee aber was ist denwichtig? Das müssten wir vorher klären. Alles muss abgesichert sein. Ich binZeuge! Laura muss z.B. nicht wissen, dass sein Kuscheltier Olaf heißt."Lina hatte ihre Verhandlungshaltung eingenommen. Jurastudenten... "Stimmt,ich will nichts privates wissen. Das soll er mir selbst erzählen wenn er soweitist." Meine Ehescheidung stand fest."Alles klar. Wenn etwas überDrogenmissbrauch oder ansteckende Krankheiten drin steht, bekommt ihr es zuwissen. Sonst nicht." Lasse fing an zu lesen. Er las schnell und war nacheinigen Minuten fertig. "Also, aber über Musik darf ich reden?"Fragte er. Lina und ich nickten. "Also, XOXO ist sein erstes Album, daskomplett seinen Wünschen und Vorstellungen entspricht. Er hat einige male dasLabel gewechselt. Wohl auch mal sehr unsauber. Und was mich beeindruckt hat, erspielt mit einer Band. Er rappt auf Livemusik, auch bei Auftritten.""Das ist ungewöhnlich. Hat er das auch auf dem Album?" Wollte Linawissen. "Müsste er ja eigentlich, sonst müssten sie alles neu komponierenfür Live Sachen. Das was wir gesehen haben, klang doch auch sehr nachBand." Sagte Lasse. "Die Gegend kommt mir bekannt vor." Ichdachte nach. "Okay, dann recherchieren wir doch einfach auch mal etwasüber die Band!" Schlug Lina vor. "Was geb' ich denn da ein? Casper Band?"fragte Lasse. "Ähm ja, du Genie!" Lina drehte mit den Augen. DieStimmung war gedruckt aber trotzdem mussten wir lachen. Wir steigerten unshinein und steckten uns immer wieder von neuem gegenseitig mit lachen an."Ah! Pass auf Lasse." Ichgriff nach dem Laptop, der sich selbstständig gemacht hatte, doch Lasse warschneller. Prustend hielten wir uns die Bäuche vor lachen. "Das istüberhaupt nicht witzig!" Lachte Lina und wischte sich eine Träne von derWange. "Band. Band..." prustete ich. Nachdem uns alles weh tat,hörten wir langsam auf zu lachen. Wir konzentrierten uns wieder auf meinLaptop. "Guck mal bei Bildern. Gibt's da heiße Typen?" Lina kicherteund wir sahen uns die Jungs aus der Band an. "Die könnten alle Brüdersein. Die haben alle das gleiche an!" Sagte Lasse "Das stimmt dochgar nicht. Nur weil du deinem kleinen Bruder die Sachen klaust, heißt das nochlange nicht das die Brüder sind." sagte ich. Lina patschte auf meinLaptop. "Guckt mal. Ist das nicht Timon? Der Freund von Katze?"
"Der heißt Timur und laut der Seite hier ist er der Drummer." las ichlaut vor. "Und was ist mit dem?" Lina zeigte auf einen Jungen, ganzin schwarz. "Michbeck. Wer nennt denn sein Kind so? Achso, Michael."Wir googelten noch eine ganze Weile dann wurden wir müde und uns Taten dieAugen weh. "Mir schwirrt gehörig der Kopf von all dem hier." Ichstöhnte. "Ich glaube ich sollte langsam mal Heim gehen." sagte Lina."Bleid doch übernacht. Kannst auch bei mir im Bett schlafen, das Sofa istnicht so super zum schlafen." Bot Lasse an. "Kannst bei mirschlafen." Zwinkerte ich Lina zu. "Klasse, ich bin als erste imBad!" Lina stolperte vom Sofa und schleppte sie sich auf den Flur. Ichnahm mein Handy und ging ohne etwas zu sagen auf den Balkon.Es war kalt auf dem Balkon. Er wareigentlich eine zwischen Dachterrasse, denn man konnte mit Hilfe einer kleinenLeiter auf ein flaches Nachbardach kommen. Lasse hatte dort einen Tisch, einigealte Stühle und mein altes Bettgerüst aufgebaut. Natürlich weit weg von derTiefe, an der anderen Seite, an der unser Haus mit dem Dach verschmolz. Als derEigentümer das mitbekommen hatte, dachten wir eigentlich er verbietet es unsaber das tat er nicht, sonder baute eine extra Wand und ein Geländer um alles,damites sicherer wurde. Wir beteiligten uns an den Kosten und seitdem nennen wir ihnbeim Vornamen. Er sagte uns, verbieten bringt bei jungen Leuten nichts, danndoch lieber sicher machen. Es war gemütlich aber meistens kam ich auf das Dachum nachzudenken. Genau so wie ich es jetzt tat. Mein Herz war schwer und ichüberlegte woran das lag. Natürlich lag es an Ben aber eigentlich konnte ernichts dafür. Es machte mich nur ganz einfach verrückt, das es Menschen gab diemehr über ihn wussten als ich. Betrübt sah ich mir unser Gespräche-verlauf an.Ich hatte es so eingestellt das man nicht sehen konnte wann ich das letzte malonline war, was den unangenehmen Beigeschmack hatte, das ich es bei anderenauch nicht sehen konnte. Ich sah auf die Uhr, halb eins. Kurz überlegte ich obich ihm schreiben sollte. Wollen tat ich es schon aber es war schon sehr spätund was genau sollte ich ihm denn schreiben? Hey, ich hab Liebeskummer weil duberühmt bist? Nein, das kam einfach scheiße und dann noch um diese Uhrzeit.Plötzlich glimmte ein kleines 'online' unter seinem Namen. Mein Herz blieb kurzstehen. Dann schrieb er etwas: >Noch wach?< Ich: >Nein, ichschlafwandle.<
Ben >Hmm immerhin schläfst du. :P<
'schreibt...' >Alles gut bei euch? Lasse hat geplaudert :)<
Ich: >War ja klar, hast du angerufen oder wie hat er es dir erzählt?< Ichüberlegte kurz dann schrieb ich: >Ich hab dich gegoogelt< Das nächste dasich las war [ Eingehender Anruf: Ben ]Hat er etwa Panik? Was hätte ichdenn da lesen können? Ich nahm ab. "Hey Na?" sagte ich. Am anderenEnde war es laut. Sehr laut. Laute Musik, die darum kämpfte nicht von lautenStimmen übertöhtnen zu werden und gewann! "HALLO!?" Ben brüllte undich hielt mir das Handy weiter vom Ohr weg. "Warte, ich bin gleichdraußen." sagte er. Ich wollte nichts sagen und wartete darauf, dass esleiser wurde. Wurde es kurze Zeit später auch und ich hörte Menschen reden,darunter auch eine Frau. Sie musste nah an seinem Telefon gewesen sein, dennich hörte recht deutlich wie sie im ein noch deutlicheres Angebot machte.Fassungslos starrte ich ins nichts. Ich wollte mehr hören, nur wurdeanscheinend das Handy weg gehalten oder etwas drauf gedrückt, denn alles wasman hörte, war dumpfes Stimmengewirr und Knistern. In mir stieg Panik auf. Von der Sache her, waren Benjamin und ichnämlich nicht zusammen, rief ich mir ins Gedächtnis. Daher konnte ich jetztnicht die eifersüchtige Freundin raushängen lassen. "So da bin ich, mussteeben noch was klar machen." schnaufte er mir ins Ohr. Mir gefror das Blutin den Adern. "Etwas klar machen?" wiederholte ich mechanisch."Ähm Nein, etwas klar stellen... STELLEN." sagte er schnell."Wer ist denn alles da?" Fragte ich betont gefühllos. "Nur so'npaar Freunde, die Band, Techniker, Menschen die sich um alles kümmern,Fans...was man eben so findet auf einem Konzert." eine Pause Endstand. Inmeinem Kopf hämmerten die Worte 'die sich um einen kümmern' wie einPresslufthammer. Nach einiger Zeit sagte er dann: "Deswegen hab ich abernicht angerufen. Du hast mich gegoogelt... Ich muss ehrlich sagen, ich weißnicht was ich davon halten soll."Ich fühlte mich schuldig. "Wasauch immer du gelesen hast, denk..." Ich unterbrach ihn einfach. "Ichhab so gut wie nichts über dich gelesen, Lasse hat einen Wikipedia Artikelgelesen und uns etwas über deine musikalische Laufbahn erzählt. Dann haben wirdeine Band gegoogelt und uns Fotos angeguckt."Ich merkte wie müde ichwurde und deswegen wollte ich alles klar stellen. Es sollte keineMissverständnisse geben. "Aha, und wie seit ihr auf die Idee gekommen michzu googeln?" Fragte er knapp. "Wir haben dein Musikvideogesehen,Michael X, danach wurde gesagt das du der Überflieger des Jahres bist.Da wollten wir alle einfach mehr wissen." Auch wenn ich mir keiner Schuldbewusst war wurde ich kleinlaut. "Wie findest du das Lied?" fragte ermich. "Es hat mir gefallen. Die Gegend hat mich an meine Heimat erinnert,naja etwas. Bei mir gab es keine Schafe." Lächelnd säuselte ich die Wortein's Handy. Doch sie prallten an Ben ab. "Das Lied hab ich geschrieben, umden Selbstmord von einem meiner besten Freunde zu verarbeiten. Können wir dasThema sein lassen?" Ben klang kühl und ich hörte ein Feuerzeug zünden."Ich wusste nicht das es so persönlich ist. Tut mir leid." Hilflosspielte ich an meinem Pulloverärmel. Benjamin blieb still aber man konntePersonen in der Ferne hören und, dass er rauchte. "Ich möchte nicht das duüber mich recherchierst. Frag mich selbst wenn du was wissen willst." Erklang wie eine mechanische Puppe die man aufziehen konnte. "Ben ich wolltenichts falsches machen. Ich weiß nur fast nichts über dich. Können wir dasbitte ändern?" Langsam wurde ich verzweifelt. Alles wurde zu viel, dieseFrau mit ihrem Angebot, seine abweisende Art und der Punkt das ich ungeheuer müdewar, machten alles noch viel schlimmer als es war. "Können wir uns bittetreffen und nur mal reden?" Mir kamen fast Tränen als ich keine Antwortbekam. "Tut mir leid Ben. Ich wollte dich nicht stören, ich leg' jetztauf. Grüß Timur von uns." "Mach ich, geh schlafen, du klingst müde.Bis dann." Sagte er. Dann hörte ich ein klicken in der Leitung, er mussteaufgelegt haben. Ich legte mein Handy weg und fing bitterlich an zu weinen.Mir tat alles weh. Meine Kehle warverkrampft, meine Augen taten weh, mein Rücken war so kalt das er sich steifanfühlte. Mir wurde zu kalt um weiter zu weinen aber ich bildete mir ein, wennich mich kühlen würde, wie man das bei einer Prellungen macht, dann würde esvielleicht nicht mehr so sehr schmerzen. Also blieb ich eingerollt auf meinemalten Bettgerüst liegen. "Hallo? Laura, es ist echt spät und da du Nummer2 im Bad bist und ich Nummer 3....und ich nicht den berühmten JanuarZwischenfall wiederholen möchte... solltest du langsam mal zu Potte kommen. Wasliegst du denn so Gürteltier-mäßig hier rum?" Lasse kam auf das Dach undging auf mich zu. Da ich mich vor Kälte kaum noch bewegen konnte, blieb icheinfach liegen. "Los jetzt, es ist spät und Lina schläft schon, so gehtdas hier nicht weiter..." scherzte er bis er nah genug ran gekommen warund erkannte wie mein Gemütszustand war. Er flitze zurück in die Wohnung.Super, dachte ich, ich vergraule heute aber auch jeden Typen. Doch dann kam erwieder. In seinen Armen waren seine Kopfkissen, seine Bettdecke so wie eineWärmflasche die nicht richtig zu war und auf den Fußboden tropfte undTaschentücher. Er sagte nichts als er die Decke über mich warf, sich neben michsetzte, die Kissen strategisch verteilte und mich in die Arme nahm. Erschauderte als er merkte wie kühl ich war. Dann legte er die Wärmflasche aufdie Bettdecke um mich nicht zu verbrennen. "Was ist denn los meinGürteltierchen?" Scherzte er. "Ich hab dich lieb Lasse. Du bist meinHeld." Schluchzte ich. "Ja das stimmt. Dein Held und Retter. Vergissdas nicht, wenn ich die nächste Party plane. Aber jetzt mal im Ernst, was hatdich denn so runter gezogen das du eine Karriere als Fischstäbchenanstrebst?" "Gürteltier, Fischstäbchen... Heute bist du ja in hochForm." Ich machte eine Pause um etwas Mut zu sammeln. "Ich hab Bengesagt was wir heute gemacht haben. Er fand es nicht so super und das ist nochmilde ausgedrückt. Er hat mach dem Video gefragt und... Und." Ich fingwieder an zu weinen. "Und er hat gesagt es ist über einen Freund, derSelbstmord begangen hat und Ich hab noch Witze über Schafe gemacht."Jammerte ich. Lasse ließ sich kein Stück anmerken das er nichts verstand, erkrauelte mir den Kopf, denn er hatte mal gelesen das es entspannen sollte."Dann war da auch noch diese Frau und die so 'ey lass mal knattern'..."Ich schluchzte bitterlich. "Hat die Frau wirklich versucht Ben so klar zumachen?" fragte Lasse. "Nein, es war noch deutlicher"Ich weinte noch immer während ichversuchte Lasse meinen Kummer zu erzählen. Lasse machte ab und zu ein paarverständnisvolle Geräusche, auch wenn ich wusste das er nichts verstand. Ichverstand es ja selbst nicht. Irgendwann schlief ich ein. Es war ein erlösender,traumloser Schlaf. Als ich wach wurde lagen Lasse und ich immer noch auf demBett, allerdings waren wir näher aneinander gekuschelt. Die Sonne schien durchleichte Wolken und ich spürte wie mein Handy vibrierte. Ich versuchte mich zulösen aber Lasse wurde wach. Naja, wach wäre zu viel gewesen, sagen wir eröffnete kurz die Augen. "Schlaf ruhig weiter." sagte ich. Er nickte kurzund schlief gleich wieder ein. [Eingehender Anruf: Ben] Mir tat alles weh.Nicht nur weil ich sehr komisch geschlafen hatte, sondern auch weil derHeul-Marathon ganz schön an mir genagt hatte. Ich wollte nicht rangehen unddrückten ihn weg. Nicht vor dem Kaffee Benjamin, dachte ich mir, kletterte vomDach und ging in die Küche. Ich werkelte etwas an der Kaffeemaschine undschaute mir, während sie kochte, den Stuhl an auf dem Ben gesessen hatte. MeinHandy riss mich aus meinen Gedanken. Es war eine Nachricht von der Mailbox. Ichrief sie an. Nach der üblichen Ansage hörte ich: " Wahrscheinlich schläfstdu noch, war ja auch spät gestern. Ähm, gestern war es komisch. Ich reden nichtgern über... naja, dann mach ich einfach zu. Ich war noch nie gut in sowas. Duwarst nur so lustig drauf als wir bei dem Thema waren... Ach man. Ich wollteeigentlich nur fragen ob du heute Zeit hast. Dann erzähle ich dir alles was duwissen willst. Sag bitte einfach bescheid, dann nehme ich auch Fotos mit."Er klang als müsse er schmunzeln. "Hach Benjamin..."Was mach ich denn bloß? Herz gegenKopf, so ein Mist! Ich beschloss das ich mich bei ihm melden würde aber erstwenn ich Lasse wieder munter bekommen hatte. Ich brachte ihm Kaffee und spielteihm die Nachricht vor. "Auch Gürteltiere müssen mal über ihren Schattenspringen." Sagte er zwinkernd. Dann ging er in sein Zimmer. Ich schnapptemir mein Handy und rief Ben zurück. "Hallo du" sagte ich. Ben klangwie immer: "Na, hast du meine Nachricht bekommen?" Schmunzelndantwortete ich: "Wann kannst du hier sein?" "Ich gebe meinBestes und behaupte in einer Stunde." Er klang etwas lebhafter."Nimmst du Brötchen mit?" fragte ich. "Klar sonst würde es nichtso lange dauern." Prahlte er. "Hast du die Wartezeit miteingerechnet?" Stichelte ich. "Aber sicher," lachte er und sagteweiter: "und dieses Gespräch. Hab ich alles eingeplant." "Nadann hast du das jetzt bestimmt auch mit eingeplant. Sei vorsichtig." Mitdiesen Worten legte ich auf. Da er allen Anschein nach alles gut geplant hatte,musste ich mich beeilen. Ich lief in mein Zimmer, zog mir schnell etwasaufregend unaufregendes an, weckte Lina mit den Worten: "Es gibt Kaffeeund Ben kommt gleich vorbei." Sie rappelte sich hoch und machte sichfrisch.Ich stellte alles was ich an essbarem finden konnte auf den Tisch.Kramte vier Bretter und Messer raus. Schnell kochte ich nochmal Kaffee und einpaar Eier. Lasse kam in die Küche. "Er spielt ganz schön mit deinenGefühlen. Gestern warst du noch ein Fischstäbchen und heute singst du in derKüche." Er sah besorgt aus. Ich stellte mich vor ihn und er nahm mich indie Arme. "Pass auf dich auf und verlier dich nicht, nur weil dein Herzschreiend nach ihm greift." Es klingelte aber weder Lasse noch ich wolltengrade weg und ich wollte Lasse damit zeigen das ich mir seine Meinung zu Herzennahm. "Pass auf mich auf, okay?" fragte ich. "Okay."Versprach er.Benjamin stand mit einer riesigenTüte Brötchen und einem Rucksack vor der Tür. "Darf ich rein kommen?"Fragte er "Kommen Sie doch bitte herein. Es ist uns eine Ehre einen Starzu beherbergen." Sagte ich ihm lachend. "Fühl dich wie Zuhause!"Dröhnte Lasses Stimme aus der Küche. "Hallo Lasse, mach ich. Danke."Antwortet Ben. Er spazierte einfach in mein Zimmer, kam da auch gleich wiederraus, allerdings ohne seine Jacke und den Rucksack. "Hallo Laura."Nuschelte er und ich umarmte ihn, etwas länger als man das gewöhnlich tat aberwir merkten das wir es beide brauchten. "Reden wir später darüber?"Fragte ich ihn. Lächelnd nickte er, nahm meine Hand (das immer noch diesebewegende Wirkung auf uns hatte) und gingen in die Küche. Lina kam kurze Zeitspäter auch zu uns. Wir aßen und lachten. Lasse ließ sich nichts anmerken undwar wie immer. "Tut mir leid aber ich muss das fragen, hast du mit diesemErfolg gerechnet?" Lina wartete gespannt auf Ben's Antwort. "Das Dingist ja, ich habe nicht damit gerechnet. Diese Platte ist zwar genau so gewordenwie ich es wollte, alles sehr groß aber auch sehr verkopft. Also eigentlich istniemand so überrascht wie ich." erklärte er. Lächeln sah er in die Runde."Wie fühlt sich das denn an?" Bohrte Lina weiter. Lasse drehte mitden Augen. "Was denn?!" Lina hatte es mitbekommen. "Wie soll mansich da schon fühlen? Das ist wie bei anderen Gefühlen auch. Man muss sieselbst spüren um es zu wissen." Lasse klang ungewöhnlich hart und sagtedann: "Ich kann ja auch nur raten wie sich jemand fühlt, wenn er oder siesich in dem Maße schlecht fühlt, dass man nicht aufhören kann zu weinen biskeine Tränen mehr kommen, sondern nur noch der Körper schwach bebt! Das mussman auch fühlen. Genau wie Erfolg." Lasse sah niemand direkt an aber eswar kein Geheimnis worauf er anspielte. "Hab ich was verpasst?" Linasah jeden einzelnen an.Klar hatte sie was verpasst abererzählen wollte es ihr auch keiner. "Ich mach dir später eineZeichnung." Sagte ich. Anscheinend verstand Lina das es ihr jetzt Niemandgenauer erklären würde. "Ich muss dann auch angsam mal Heim." Sie stand auf trat Lassescheinbar vor's Schienbein, denn er war auf einmal sehr bemüht ihr zu helfenund beide verließen die Küche. "War das auf dich bezogen?" fragteBen. "Komm, hilfst du mir beim abräumen?" Ich stand auf und schnapptemir den Käse. "Warte Laura. Was Er gesagt hat, war ziemlich anschaulich.Hast du geweint? Etwa wegen mir?" Still saß er da. "Ben, gestern warich müde, wir hatten viel gealbert ich war fertig und dann dein Anruf... Ichhatte danach solche Schuldgefühle. Es war einfach viel für einen Abend."Tapfer versuchte ich zu lächeln. "Ich entschuldige mich für meine kühleArt aber nicht für das was ich gesagt habe. Bitte versteh, es ist auch allesneu für mich. Niemand hat mir eine Anleitung mitgegeben, wie man mit all demfertig wird. Ich möchte nur nicht das du über mich recherchierst. Es steht vielMüll über mich im Internet." Es wirkte aufrichtig und besorgt. "Ichverspreche, ich Google dich nicht nochmal." Dann küsste ich ihn auf dieStirn und wir beließen es dabei.Als wir in meinem Zimmer uns auf'sBett gesetzt hatten, sah er mich fragend an. "Was hältst du von einemFragespiel? Jeder fragt etwas, abwechselnd." Ich hielt das für eine guteIdee und nickte. "Also, ich fang an." Beschloss Ben. "DeinGeburtstag, wann ist der?" Ich dachte eigentlich er wüsste es: " 27September und du?" Ich sah ihn fragend an. "Du hättest Geburtstag alsich das erste mal hier war? Timur hat gesagt es war eine Einweihungsfeier. HA,aber ich hatte trotzdem ein Geschenk." Lachte er verlegen. Ich wurde rot."Ich wollte meinen Geburtstag nicht feiern, Lasse hat mich übers Ohrgehauen." Verteidigte ich mich und erzählte Ben die komplette Geschichte."Lasse ist einer von den Guten oder? Hattet ihr mal was?" Er sah aufmeine Hände. Für mich war das so absurd das ich zu lachen anfing. "Nein.Lasse ist zwar super aber wir würden es nie wagen, etwas daran zuverändern." Er wirkte erleichtert aber noch nicht überzeugt. "Wirkommen aus der gleichen Gegend und er hat meinem Vater versprochen auf michaufzupassen, als es feststand, dass wir nach Berlin gehen würden. Das selbe habich seiner Mutter und seinem kleinen Bruder versprochen. So ist das." Ichrobbte etwas ungeschickt an Ben heran, legte mein Kopf an ihn und er seinen Armum mich. "Und ihr hattet noch nie diese komischen Momente? Er greift nachden Gummibärchen, du sitzt da, eure Köpfe sind etwas zu nahaneinander...?" Ich konnte Ben's Herz hören. Wie kitschig dachte ich."Nein, wenn einer von uns was haben möchte, dann fragen wir. Selbst wennwir so liegen, wie wir beide jetzt, dann hört sich sein Herzschlag ganz normalan und nicht so wie deiner. Der wird nämlich schneller, sobald ich wassage." Lachte ich. "Du bist ja fies. Benutzt einfach meineAnatomie?" sagte er gespielt entrüstet. "Ja. Du musst mir auch nochdeinen Geburtstag sagen." Wechselte ich gekonnt das Thema. "Ach ja,da war ja was. 25. September. Also ganz nah an deinem." Ich merkte das ersich freute. "Darf ich mir trotzdem was wünschen?" Fragte ich."Klar." willigte er ein. "Kann ich mal zu einem Konzertvon euch? Aber so richtig fame, auf die Gästelist und so?" Ich rappelte michhoch und sah ihn an. "Gästeliste? Aha, hast du mich etwa nur verführt umauf ein Konzert zu kommen?" Er blieb kurz ernst doch dann lachte er."Mist! Du hast mich durchschaut! Ich will nur was von dir weil du einAlbum in den Charts hast. Ertappt!" Ich ließ mich in einer theatralischenPose aufs Bett fallen. "Und ich dachte du magst mich wegen meiner starkenPersönlichkeit und dem vollen Bart!" Ben schnappte sich ein Kissen undhaute mich, ließ es auf mir liegen und fiel dann darauf. Ich versuchte mich zubefreien. "Ja, vor allem der Bart." Kicherte ich. Weil Ben sichallerdings kein Zentimeter bewegte schnappte ich mir auch ein Kissen undversuchte irgendwas von ihm zu treffen. "So nicht." Er drehte sichetwas zur Seite um dem Kissen auszuweichen. "Die Schwerkraft reist mich zuBoden! Ich komm nicht dagegen an." Er drückte mich in die Matratze."Mit aller Kraft rutschte ich etwas zur Seite und er plumpste wie einnasser Sack vom Bett. "Oh nein, wie geht es deinem Bart? Hat er jetztDellen?" Fragte ich mit gespielter Bestürzung. "Ich wusste es! Fürdich bin ich doch nur..." er rappelte sich auf und ich sagte weiter:"...Ein Bartträger, mit starker Persönlichkeit und einer Chartplatzierung,der Probleme mit der Schwerkraft hat!" Wir kabbelten uns noch eine ganzeWeile und endeten schnaufend und lachend auf dem Bett. "Ich find sowasgut." Schnaufte Ben "Was genau meinst du?" Ich drehte mich zuihm. "Albern sein. Das grade war so ehrlich und herrlich sorglos.Danke." Ich war auf so viel offene Ehrlichkeit nicht vorbereitet undstarrte ihn nur an. "Nächsten Freitag, wie sieht es da aus? Hast du daZeit?" Ben sah mich an. "Wofür?" Ich war auf Wolke 7 undlogisches Denken war im Moment nicht meine Stärke. "Wir spielen.Allerdings nicht in Berlin. Hättest du trotzdem Interesse?" Er machte einePause. "Ich kenne den Künstler und ich kann da bestimmt was klarmachen." Zwinkerte er mir zu. "Gästeliste und so. Ich kann ihn dirauch mal vorstellen. Ich glaub du bist sein Typ." "Ach echt? Wieaufregend. Muss ich dann auch quietschen wenn ich ihn sehe?" fragte ich.Ben fing an zu lachen. "Ja bitte.""Ne jetzt echt, du kannst mituns mitfahren. Willst du Lasse mitnehmen?" Ben lächelte mich an. "Ja,super gern wenn ich darf. Lerne ich die anderen aus der Band dann auch kennen?"Ich wurde nervös. Es war komisch, was würde passieren, wenn sie mich nichtmögen würden. "Geh ich von aus. Grade wenn man bedenkt, dass du mit unsmitfahren wirst." Er spielte mit einer Haarlocke von mir. "Hmm. Wiesind sie so? So wie du?" fragte ich nach einiger Zeit. "Wenn du mirsagst wie ich bin, dann sag ich dir ob sie auch so sind." SeineKonzentration lag auf meinem Haar. "Naja, nett..." fing ich an aberer unterbrach mich. "Du findest mich nett? Nett ist der kleine Bruder vonscheiße." "Dann eben sympathisch." rettete ich mich. "Ja,das sind sie. Ich kenne die halt schon ewig. Das sind alles alte Freunde, miteinem Teil hab ich früher in Hardcorebands gespielt." Erzählte er."Hardcore? Hätte ich dir gar nicht zugetraut." Brabbelte ichgedankenverloren. "Da hab ich auch meine Stimme her. Ich hab ganz langefalsch gesungen und jetzt sind da Risse in den Stimmbändern.." Benerzählte einfach drauf los. Ab und zu fragte ich nach, kommentierte etwas oderhörte interessiert zu. Wir lagen Stunden lang auf dem Bett und niemand merktewie die Zeit verging. Er berichtete über alles mögliche in seinem Leben und beijedem neuen Thema das er bereit war mit mir zu teilen, rückte ich unbemerktnäher an ihn ran. So kam es, das wir Arm in Arm gekuschelt da lagen. BenjaminsStimme war warm und rau, genau so angenehm warm wie das Bett. Es war in derZwischenzeit dunkel geworden und Lasse hörten wir auch nicht mehr. Die Vorhängewaren auch noch offen, was mich schmunzeln ließ, doch aufstehen wollte ichdeswegen nicht. Diese Geborgenheit wollte ich nicht unterbrechen, so war esauch ein wunderschönes und befriedigendes Gefühl, als Ben mich in den Schlafredete.Mir war warm. Wohlig warm. Langsamwachte ich auf, Stückchen für Stückchen wurde mir bewusster wo ich war und mitwem, was mich mit geschlossenen Augen schmunzeln lies. Mit gefiel der Gedanke,dass Ben es ausgehalten hatte, die ganze Nacht zu schlafen und mich dabei inden Armen zu halten. "Du bist schon so'ne kleine Frohnatur. Morgens schongrinsen." In Bens Stimme klang etwas Spott mit. Ich räkelte mich etwas unddrehte mich mit dem Rücken zu ihm. "Beeindruckend, ist dir nicht der Armeingeschlafen?" "Ich bin eben ein Bärtiger mit vielen Talenten. Dubist übrigens eine totale Wärmflasche wenn du schläfst." Sein Bartkitzelte mich an der Stirn. "Wie spät ist es?" Fragte ich, denn erklang nicht mehr verschlafen, als sei er schon eine Weile wach. "Ungefährhalb elf." Flüsterte er mir ins Ohr. "Wann musst du wieder weg?"Es war eine traurige Frage aber ich hatte noch etwas mit ihm vor. "Leiderschon gegen zwei." seine Worte waren leblos. Mit einer gekonnten Bewegungdrehte ich mich aus dem Bett. Ich sah an mir runter, ich hatte ganz vergessen,dass sowohl er als auch ich in unseren Klamotten geschlafen hatten. "Ichglaube, ich hab dir noch gar nichts nachträglich zum Geburtstaggeschenkt." Ich klang sehr unschuldig und war sowas von stolz auf mich. Imflirten wurde ich immer besser. Ben roch den Braten nicht. Er setzte sich aufdie Kante vom Bett. "Das ist auch nicht nötig, ich hab meinesgleichzeitige mit deinem bekommen." Er wurde etwas rot um die Wangen."Nein, das war mein Geschenk. Was hältst du von einem für dich." Ichgrinste und war total aufgeregt. Er zog eine Augenbraue hoch und begann zuverstehen. "Erzähle mehr davon." Lächelte er. "Hast du schon dasBad gesehen?" Ich zog ihn vom Bett und hinaus Richtung Badezimmer."Ich glaube nicht so, wie du es mir zeigen wirst." Verkündete er miteiner etwas höheren Stimme als sonst. "Komm, die Dusche isthimmlisch." Mein Herz hämmerte wie wild als Ben die Tür hinter sichschloss."Laura, beweg deinen Hinternaus der Dusche! Sei mal sozial oder musst du dir die Schandtaten von gesternNacht abwaschen? Hätte ja nie gedacht das er so ein versauter Typ ist aber dakann man sich ja nie drauf verlassen. So sind sie die Amerikaner. Wann istCapitan Iglu denn nachhause? Hab gar nichts gehört und ich meine damit, reingar nichts!" Das war schon immer Lasses Taktik wenn ich nicht aus dem Badkam, tot quatschen. Aber dieses mal versaute er schon fast die Stimmung. Benund ich waren nämlich noch unter der Dusche. "Hau ab Lasse, dustörst!" War alles was ich hervorbringen konnte. Langsam wurden wirpeinlich berührt. "Nein, ich werde solange hier stehen bis du fertig bist!"Mauelte er trotzig. "Glaub mir, du bist der, an dem es liegt das es längerdauert!!" Bens Stimme drang durch alles durch. Es blieb still. Doch dannhatte Lasse sich wieder gefangen und meckerte entsetzt: "Ihr habt nichtgrade Sex in MEINER Dusche?! Das...NEIN. Da muss ich auch noch hin!" Ermachte eine Pause und dann hörten wir, wie die Musik aus der Küche sehr lautgedreht wurde. Ben und ich sahen uns in die Augen wurden rot und musstenlachen. [Sex on fire - Kings of lion | 'bitte einblenden']"Dann wird es wohl Zeit fürunser Abschiedsritual, tschüß Lasse!" Doch von Lasse kam keine Antwort.Ben sah mich an: "Glaubst du er ist sauer? Ich will nicht gehen, wenn erwütend ist." Ich zuckte mit den Schultern : "Das wird schon. Ich habschon schlimmeres mitbekommen." Sagte ich als ich ihn zum Abschiedumarmte. "Schade, ich dachte du sagst 'gemacht' und nicht erlebt." Ergab mir einen Kuss und ging zur Tür hinaus. Er drehte sich nochmal um undsagte: "Wir schreiben wegen den Einzelheiten okay?" Mit diesen Wortenging er die Treppe runter. Ich sah ihm nach bis ich nur noch seine Schrittehören könnte, kurz darauf fiel die Außentür ins Schloss. Mit einem leisenStöhnen machte ich auch unsere Tür zu. Danach ging ich gleich in mein Zimmer,ich hatte keine Lust mit irgendjemandem zu reden. Ich schielte nach meinemHandy. Das gab's doch gar nicht! Er ist nicht mal fünf Minuten weg und ich willgleich wieder das er da ist. Nachdem ich mein Handy eine Weile angestarrthatte, beschloss ich, das ich mir lustige YouTube-videos ansehen würde. Auf derStartseite sah ich auch gleich welche. Ich klickte sie an, doch richtig lustigwaren sie nicht. Nach und nach sah ich mir immer mehr Musikvideos an, bis ichbei Casper landete. Zugegeben ich hatte es auch drauf angelegt und sah mir Benin seinen Videos an. 'Der Druck steigt' gefiel mir. Es war voller Spannung undwirkte elektrisierend. Außerdem konnte ich Ben angucken und selbst wenn manStörgeräusche abgespielt hätte, wäre es mir nicht aufgefallen. Aus Versehenlandete ich bei den Kommentaren. Dort standen nur zwei Meinungen, die einenschrieben immer wieder 'perfekt', 'Lieblingsmensch' oder 'so perfekt' und dieanderen schrieben, er sei nicht mehr echt, 'Emo-rapper' oder er sei schwul.Also schwul ist er definitiv nicht und zack war ich wieder traurig.Skype machte sich bemerkbar. Meinekleine Schwester rief an. Ich nahm ab. Ich begrüßte sie mit: "Na du?"Sie grinste "Selber Na? Ich hab nicht viel Zeit, wir schreiben Bio undeigentlich muss ich lernen. Was ist los bei dir? Was geht mit dem Kerl?" Icherzählte ihr das er hier war, das Google-fiasko, das Telefonat, das Angebotdieser Frau, einfach alles. Bio war längst vergessen, Anna erklärte dieSituation zu einen Notfall und damit war alles klar. "Also, er war dieNacht über da?" Ich nickte. "und ihr habt geknattert?" Ich sahauf meine Hände "Ja haben wir." Ich wurde rot. Sie fragte weiter:"Ihr habt es also schon zweimal getan aber offiziell seit ihr nichtzusammen? Das ist komisch, was sagen denn Lina und Lasse dazu?" Sie warvoll bei der Sache und wollte unbedingt helfen. "Nein, zusammen sind wirnicht. Lina peilt noch nicht alles und Lasse sagt ich soll auf michachtgeben." Plötzlich betrat unsere Mutter Annas Zimmer. "Zellen,organische Biologie!" zischte Anna mir zu. Wie waren ein alt eingespieltesDuo und schon ratterte ich mein Wissen runter: "Also der Zellkern istquasi die Schaltzentrale und die Photosynthese findet in den Chloroplastenstatt. Achja und im Zellkern, befindet sich noch ein Kern, der Nucleolus."unsere Mutter blieb im Hintergrund stehen. Anna sah genervt aus. Entweder hattesie nicht damit gerechnet das ich so viel darüber wusste oder sie nervte dieUnterbrechung und Bio an sich. "Warum kann man das Ding nicht einfachKernkern nennen? Das wäre viel einfacher und ich würde es auch verstehen."Mauelte sie. "Und ich hab schon gedacht ihr lernt gar nicht aber da habich mich wohl getauscht. Na Schatz, wie geht es dir? Hast du unser Paketbekommen? Dein Vater hat es abgeschickt, die Socken sind für Lasse.Selbstgestrickt." Verkündete sie. Ich lächelte und versicherte ihr das dieBettwäsche und der Sandwitchtoaster super Geschenke waren und das Lasseselbstgestrickte Socken immer gebrauchen könnte. Es erinnerte ihn an seine Oma.Dann ging sie wieder und wünschteuns noch viel Spaß. "Okay, ich muss jetzt mal was machen und du solltestdir überlegen ob da was Ernstes draus werden soll oder ob es nur Spaßist." Sagte Anna "Wann bist du eigentlich ein Experte dafürgeworden?" fragte ich. Sie zuckte mit den Schultern, küsste ihreFingerspitzen und hielt sie kurz gegen die Kamera. Ich tat das selbe und dannlegten wir auf. Gnadenlos klingelte mein Wecker. Ich beeilte mich mit meinerüblichen Routine, damit ich nicht mit Lasse reden musste. Auf dem Weg zur Unifühlte ich mich verkatert und unsichtbar.
In meiner Vorlesung setzte sich ein Mädchen neben mich und anstatt zuzuhören,holte sie eine Zeitschrift hervor. Ich bedankte mich bei meinem Karma undfreute mich überhaupt nicht, das Ben auf der Titelseite war.
Nach meinen Kursen hatten Lina und ich uns verabredet, wir wollten shoppen. Alsich auf sie wartete, klingelte mein Handy. Ben rief an. "Hey Ben.""Ich bin nominiert für die 1live Krone!" Er klang überdreht"Aha, ist das was besonderes? Warst du nicht schmal für irgendwasnominiert?" Ich war abgelenkt, weil ich Lina suchte und ich nicht wusstewas er genau von mir erwartete."Das ist aber dir Krone! Verstehstdu?" Ich verstand gar nichts."Ah, cool ich freu mich für dich! Inwelcher Kategorie und muss man da abstimmen oder geht das nach Verkaufszahlen?"Ich winkte Lina zu und hörte jetzt genauer hin. "Da wird abgestimmt imInternet. Ich wollte fragen ob du vielleicht Werbung machen könntest? Einfachauf Facebook Teilen oder so?" Es war klar das ich ihm helfen würde aberwarum musste ich das Teilen? "Dann werde ich mal gucken wo ich das findenkann. Ich unterstütze dich wo ich kann. Ich muss los. Bis dann." Von Benkam nur noch ein "Danke..." Und dann hatte ich auch schon aufgelegt."Hey Lina, wo wollen wir erst hin?"Wir streiften durch die Läden undredeten über Seminare, den doofen Professor, der Lina eine Drei gegeben hatteund den Kerl, den Lina an meinem Geburtstag abgeschleppt hatte. Wir blieben voreinem Kiosk stehen, sie kaufte sich eine Zeitschrift und ich glotze wie einbegossener Pudel auf die Zeitschriften, die Ben oder 'Casper' zeigten."Sollen wir darüber reden?" Bot Lina an. "Hat Lasse dir alleserzählt?" ich sah weiterhin die Zeitschriften an. "Kennst mich doch,er hat mir alles verraten. Komm, ich spendiere ein Karamellkeks und wirsprechen das durch." Langsam hatte ich das Gefühl mein Leben bestand nurnoch daraus, alles über mein Leben zu erzählen. Ich naschte meinen keks,während Lina alles analysierte. An einem CD/Platten Laden bleiben wir hängen."Wollen wir mal stöbern?" fragte Lina. "Wie könnte ich da neinsagen?" wir kicherten und betraten den Laden. Nach einer Stunde. Hatte icheine Platte und zwei CDs, die mir gefielen. Lina hatte eine CD und ein Plakatgefunden. "Guck mal! Ist das seine CD?" Lina war noch nie der leise Typgewesen und einige guckten uns schon an. "Es steht Casper drauf, ich gehdavon aus." Ich nahm sie in die Hand und sah mir die Tracklist an. Ichmuss zugeben, ich war neugierig. "Ich kauf sie mir jedenfalls. TheesUhlmann hat gesagt, es sei oder wird ein Klassiker." Mit diesem Satz gingsie zur Kasse und auch ich entschied mich, sie zu kaufen. Es war immerhin keineschlechte Idee, wenigstens die Lieder schon mal gehört zu haben. Schließlichwar da ja noch dieses Konzert am Freitag, zu dem Lasse und ich wollten.Zuhause angekommen, war Lasseausgeflogen. Ich wusste das er am Freitag eine Prüfung hatte, daher vermuteteich, er sei in der Uni mit seiner Lerngruppe. Eigentlich müsste ich auch nochein Aufsatz schreiben, doch anstatt das zu tun sah ich mir das Innere unseresKühlschranks an. Er war mit allem gefüllt, was man für einen Brokkoliauflaufbrauchte. Eine ganze Weile starrte ich regungslos den frischen Brokkoli an undüberlegte seit wann wir frischen Brokkoli kauften. Dann sagte ich im Kopf'Brokkoli' in den verschiedensten Dialekten. Brokkoli, Brockoli, Brookooli,Broggoli, Brokollie, dabei sah das gar nicht aus wie das Wort (Brokkoli)klingt. Eher wie ein Baum, kein kleiner Baum. Ein Bonsai! Ob es Brokkoli-bonsaigab? Okay, ich bin fertig mit der Welt. Dann dachte ich an XOXO und ob das einguter Moment wäre um mal 'rein zu hören'. Ich holte die CD von Ben und legtesie in die alte Anlage die Lasses Papa uns geschenkt hatte. Ich hörte denAnfang von 'der Druck steigt' das knurren wilder Tiere, der nahtlosen Übergangin das nächste Lied und dann das nächste und das folgende usw. Ich würde lügen,wenn ich sagen würde, es sei kritiklos gut aber es hatte Ben's Stimme und diemeisten Texte gefielen mir. Also verstehen konnte ich, dass es sehr viele Leuteansprach. Das Lied mit Thees Uhlmann gefiel mir besonders. Währenddessenschnitt und kochte ich alles, was man so brauchte. Grade als ich mich fragte,ob Ben das alles wirklich erlebt hatte und ob ich gerechtfertigt eifersüchtigauf die besungene Frau war, kam die Stelle, die mich wie ein Messer traf...'...überlegen Kindernamen...'
Was zum Geier hat denn das zu sagen? Von einem Kind hätte er mir erzählt oder?Ich steigerte mich immer mehr hinein und warf kurzerhand einen Lappen nach derAnlage. Die Sehnsucht in der Stimme war unerträglich, wie er von dieser Personredete, sang oder rappte war einfach mit meinen zweifeln an seinen Absichten zuviel für diesen Moment. Was in aller Welt sollte aus dem, was auch immer wirwaren, denn überhaupt werden? Ich redete mir alles schlecht. Er hatte mir zwarkeinen konkreten Grund gegeben, um meine Zweifel zu rechtfertigen aber er hatteauch nichts getan, das er sie mir hätten nehmen können. Was waren wir dennschon? Nichts. Wir waren ein one-night-stand oder ein two-night-stand. Ertauchte hier auf, dann hatten wir etwas Spaß und er haute wieder ab. Mir konnteniemand sagen, ob ich nicht eine von vielen war oder ob er das schon häufigergetan hatte. Ich ließ mich auf den Boden gleiten, Stehen überforderte mich. Ichzog die Beine an. Weinen wollte ich nicht aber ich lief Gefahr zuhyperventilieren. Eigentlich wollte ich nicht mehr auf die Musik achten aber esgelang mir nicht. Ben sang über Einsamkeit, darüber wie man alleine mit etwaskämpft. Mir lief verstohlen eine kleine Träne über die Wange. Jetzt verstandich, warum seine Musik erfolgreich war. Man konnte sich voll und ganz in seinenBeschreibungen wiederfinden. Es wirkte als hätte er dieses eine Lied für genaudiesen Moment geschrieben. Er hatte recht, ich fühlte mich kalt, verlassen undleer. Er sprach von dem Gefühl das ein Ende sich nähert und das aus der Freudelangsam nur noch Komplexe wurden. Mich hielt nichts mehr, denn als er sang dasSchmetterlinge laut sterben, war das die beste Beschreibung für meinen Schmerz,die ich mir vorstellen konnte.
Die Haustür ging auf, ich konnte Lasse hören und das er mit einem jungenredete. Verdammt!"...es ist ja immer so. Esriecht voll gut. Hat Laura gekocht?" Der andere Junge klang gelassen. Ichversuchte mich hinter den Tisch zu ziehen. Es gelang mir auch etwas. Doch dannging die Küchentür auf und ich duckte mich weg. Wie ein Kind das nicht gesehenwerden kann, weil es dich auch nicht sehen kann. "Was zur...? Laura!"Der Junge kam mir bekannt vor, er war auch auf der Party gewesen. Er klangnicht mehr so gelassen als er mich sah. Ich krümmte mich noch etwas mehr, Lassedurfte mich auf keinen Fall so sehen. Doch er war nun einmal ein Riese, somitfiel es ihm nicht schwer über den anderen Jungen zu sehen.
Und dann, passierte das, was ich eigentlich nie erleben wollte. Lasse wurdekühl, er spannte sich an. Ich hatte davon bislang nur gehört. Ein Kumpel hat esmal dramatisch als den Soldaten Blick beschrieben. "Geh bitte in dieStube." Es war keine Frage, er setzte es einfach vor raus. "Ja...ichähm. Viel...ich... " sagte der Junge. "Ich komme nach." Lasseklang nicht glücklich. Ich rutschte weiter weg. Ich hatte Panik und hoffte aufein Loch in der Wand, das mich versteckte.Die Musik spielte noch.
Dann war es still.
Ich holte hörbar Luft.
Lasses Körper war angespannt und seine Hände waren Fäusten. Eine Stimmeerfüllte den Raum. "My son Benjamin..." Ich konnte nicht mehr. Es warpure Belastung. Lasse fokussierte die Anlage, machte einen Schritt, eineBewegung und es war still. "Danke." Es war mehr ein Japsen. Er standjetzt näher an mir. Dann kniete er sich hin und sah mich mit einem ungewohntenBlick an, der mich fester Umschulung als jede Fessel es gekonnt hätte."War er hier Laura?" fragte er. "Hast du was über ein Kindgelesen?" Platzte es aus mir raus. Ich glaube er hatte mit viel gerechnetaber nicht damit. Verdattert sah er mich an. Ich streckte meine Hand aus undnahm seine. "Wovon redest du denn?" Langsam wurde er wieder zu meinemkuscheligen Kumpel. "Er singt in einem Lied, das er sich Kindernamenüberlegt." Erklärte ich. Lasse ließ sich neben mich plumpsen. "undich dachte hier wäre sonst was passiert! Tu das nie wieder, mein Herz ist faststehen geblieben." Er schüttelte mir dem Kopf. "Wie würdest dueigentlich dein Kind nennen?" verwirrt sah ich ihn an. "wiebitte?" fragte ich. "Ich glaube wenn es ein Junge wird, nenne ich ihnnach meinem Opa und du?." Sagte er im Plauderton. "Ähm,wahrscheinlich würde ich es mit meinem Mann besprachen." Er hatte es malwieder geschafft, ich wurde lockerer. "Und wenn du Alleinerziehendwärst?" fragte er. "Dann würde ich ein Mädchen Maria nennen."Das war der erstbeste Name der mir einfiel. "Glaubst du denn das alles waser singt genau so gemeint ist?" fragte er mich. "Was soll man an 'überlegenKindernamen' denn falsch verstehen?" Sagte ich. "Was ist, wenn es nurein Sinnbild war um zu erklären, das er mit jemanden sehr vertrautem geredethat?" Lasse war schon wieder so logisch und zeigte mir wie sehr ichüberreagiert hatte, was mir irgendwie mal so gar nicht gefiel. "Ja, miteiner Frau, mit der es so ernst ist das sie Kinder ausbrüten wollen!"Konterte ich. "Schraub mal die Dramatik etwas runter. Du bist einfachüberfordert und hast Angst, den nächsten Schritt mit Benjamin zu machen."
Mit diesem Satz stand er auf, ging zum Ofen, der vorgeheizt war und schob denAuflauf hinein. "Und Nein. Benjamin hat kein Kind. Versuch nichtirgendwelche Gründe zu erfinden, damit es nicht klappt. Ich hab mal etwasnachgeforscht, eigentlich ist er die ganze Zeit auf Tour. Sein Terminkalenderist rappelvoll. Denn bei der Nachfrage, muss er auch was anbieten. Und trotzdemkommt er am Wochenende her, obwohl er eigentlich in einem anderen BundeslandInterviews geben müsste. Warum denkst du wohl das er immer eine bestimmteUhrzeit hat, an der er verschwinden muss?" Ich sah ihn böse an. Er hattemit allem Recht, denn ich konnte es nachvollziehen und mit jedem Satz, behielter Recht und ich kam mir wie die größte Dramaqueen der Welt vor. Lasse sah esmir an und redete weiter: "Weil er seinen Zug bekommen muss und wenn dichdas noch nicht überzeugt hat, dann sag ich dir mal was, wir, also du und ich...haben uns auch grade Kindernamen überlegt!" "Scheiß Logik!" Ichstreckte ihm die Zunge raus, er lachte und ich musste es auch.

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⏰ Última atualização: May 11, 2017 ⏰

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