Eins

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Ich hatte ungemeines Glück, dass die Männer, welche mich verfolgten, nicht sonderlich gut zielen konnten und sich scheinbar auch keine wirkliche Mühe gaben.

Denn während ich so schnell rannte wie ich konnte, nahm ich nur die Kugeln wahr, die vor oder neben mir in Wände und Straßen einschlugen.

Was für eine Munitionsverschwendung.

Ich sprang leichtfüßig über die Reste eines ausgebrannten Autos, um in einem Fenster in der Hauswand dahinter zu verschwinden.

Die Treppenstufen knarrten gefährlich, als ich direkt hoch in den zweiten Stock rannte und wäre ich schwerer gewesen, wären sie vermutlich direkt zusammengebrochen.

Aber darauf setzte ich jetzt.

So konnte ich die Männer hinter mir leicht loswerden.

Ja wenn man nicht besonders groß, geschweige denn schwer war, musste man sich halt anders behelfen.

Und so lange die Trottel etwas von dem Zeug intus hatten, sollte das auch kein Problem sein.

Wahrscheinlich würden sie ohne zu zögern die Treppe hinaufstürzen.

Oben auf dem Treppenabsatz angekommen, blieb ich kurz stehen und holte tief Luft. Ich kannte mich in diesen Gebäuden, nein, in diesem ganzen Stadtteil nicht aus. Die Männer hatten mich aus meinem bekannten Gebiet getrieben und außerhalb meiner Komfortzone hielt ich mich normalerweise nur im äußersten Notfall auf.

Immer noch schweratmend ging ich langsam den Flur entlang, der sich vor mir erstreckte. Am Ende entdeckte ich ein kleines Fenster und die Ziffern an den Türen ließen darauf schließen, dass das hier mal ein Wohnblock gewesen war, doch die meisten waren schon aufgebrochen und ich bezweifelte, dass es hier noch etwas zu holen gab.

Plötzlich krachte es hinter mir und als ich mich umdrehte, war nur noch die halbe Treppe zusehen. Ich linste über den kleinen Treppenabsatz und erblickte meine drei Verfolger, die mehr als grimmig zu mir hochsahen.

„Wir kriegen dich noch, Miststück!", rief der größte von den dreien und deutete den anderen mit einer relativ unkoordinierten Handbewegung ihm zu folgen. Während sie aus meinem Sichtfeld stolperten, unterdrückte ich das Bedürfnis ihnen etwas Fieses hinterherzurufen und ließ mich auf dem Teppich nieder um meinen Rucksack abzunehmen. Die Verschnaufpause konnte ich eh zu gut brauchen.
Es war zwar erst Mittag aber die Erschöpfung schlich sich meine Knochen entlang und das war nun wirklich kein gutes Zeichen.

Ich zog den Reißverschluss meines Rucksacks auf und fischte die Flasche Wasser heraus.

Der Rucksack war sehr klein und schmal, es passte also nur wenig hinein, aber dafür schmiegte er sich perfekt an meinen Rücken und blieb nicht überall hängen. Das war mehr als praktisch, wenn man bevorzugt durch kleine Passagen flüchtete und ich war froh gewesen ihn gefunden zu haben.
Alle Besitztümer die man hatte an seinem Gürtel festzubinden wurde auf Dauer nämlich unangenehm. Dafür schmückten die Zahlreichen Bänder jetzt meinen linken Arm. Man wusste ja nie wofür man eins brauchen konnte.

So glücklich ich auch über den Fund des Rucksacks war, umso enttäuschter sah ich jetzt auf die Flasche in meiner Hand, in der sich mit Glück nur noch zwei Schluck Wasser befanden.

Seufzend steckte ich die leere Flasche zurück und stand auf.

Wasser setzte ich auf meine To-Do Liste.

Ich warf einen Blick auf die Treppe, aber dort runterzuspringen wäre wohl Selbstmord und so weit war es noch nicht mit mir gekommen. Obwohl der Freitod hier draußen vermutlich nicht die schlechteste Option wäre. War ja auch nicht so, als ob ich noch nie darüber nachgedacht hatte.

ChangesWhere stories live. Discover now