„Ist es meins?", frage ich. Obwohl; Eigentlich will ich es gar nicht wissen.
Es würde keinen Unterschied machen.
Sie schnieft und fährt sich einmal mit dem Ärmel über die Augen.
Das hat sie schon früher gemacht. Ihre Ärmel waren schon immer schmutzverkrustet. Nicht sehr attraktiv, aber es hat mich nie gestört. Weil es einfach zu ihr gehörte.
„Ich will das nicht beantworten.", flüstert sie erstickt.
Gott im Himmel. Ich liebe diese Stimme. Klar. Hell. Und nicht zu hoch.
„Dann kann ich es anders formulieren, Avery. Ist es nicht meins? Ist es Tates?"
Averys whiskeyfarbene Augen sind rot gerändert. Sie sieht zur Seite, an mir vorbei.
„Tate und ich haben nie... Du weißt schon."
Natürlich nicht.
Ich dachte eine Zeit lang wirklich, dass ich sie kenne. Sie liebe. Sie mich liebt.
Und jetzt? Ist da nur noch Enttäuschung. Und Leere.
Ich bin so geplättet davon, dass uns nicht die strahlende Zukunft erwartet, die wir uns stets ausgemalt haben, dass sich meine Kehle zuschnürt.
Wie konnte das alles passieren?
Diese ganze Scheisse?
Vor genau einem Jahr mussten wir uns um all das keine Sorgen machen.
Damals schrieben wir Highschoolklausuren und hofften, ja keine Lebensmittelvergiftung aus der Cafeteria davon zu tragen. Wir achteten darauf, stets eine Mitfahrgelegenheit zur Schule zu haben, um ja nicht den überfüllten, nach Schweiß stinkenden Schulbus nehmen zu müssen und hatten das Ende der Welt vor Augen, sobald Mummy und Daddy uns Hausarrest dafür aufhalsten, wenn wir verkatert von irgendwelchen Partys nach Hause kamen.
Und heute?
Ist Avery schwanger und nichts scheint mehr einen Sinn zu ergeben.
Wer hätte das geahnt?
Avery Brewster.
Die kleine Bibliothekshilfe, die man nie ohne die weiten Hoodies und zerschlissenen Schnürstiefel sah. Meine beste Freundin.
Ich will nur noch weg.
Ich strecke die Hand aus, um Averys Wange zu berühren, doch ich halte inne. Früher wäre das okay gewesen. Früher, als wir nur Avery und Harper waren.
Doch jetzt steht einfach zu viel zwischen uns.
Einen Augenblick lang schwebt meine Hand reglos an Ort und Stelle, bevor ich sie fallen lasse, als würde sie nicht zu meinem Körper gehören.
„Avery...", beginne ich, mit der Absicht, mich zu verabschieden.
Doch sie fällt mir ins Wort.
„Bitte geh nicht, Harper. Ohne dich will ich hier nicht sein."
Ich starre ihren leicht gewölbten Bauch an. In die Augen kann ich ihr nicht sehen. Ich weiß nicht, ob aus schlechtem Gewissen, oder, weil ich ihr nicht verzeihen kann.
Sie schluchzt auf, und mir zerreißt es das Herz.
„Tu das bitte nicht.", sage ich tonlos und trete einen Schritt zurück. Und als sie mir folgt, noch einen.
Sobald sie mich berührt, ist es um mich geschehen. Dann werde ich ihr Versprechungen machen. Sie in meine Arme ziehen und sie trösten. Ihr verzeihen. Und bleiben.
Doch ich kann das nicht. Und will es auch nicht.
„Leb wohl, Brewster."
Meine Stimme ist heiser vor unterdrückten Emotionen. Aber ich weine nicht.
Ich drehe mich um und gehe.
Gehe weiter, obwohl ich ihre verzweifelten Schluchzer höre und den dumpfen Klang, als ihre Knie auf den Boden knallen. Selbst als sie weinend meinen Namen schreit, drehe ich mich nicht um.
Was ist bloß aus mir geworden? Aus uns?
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Die Welten zwischen uns
Teen Fiction"Ist doch klar. Die perfekte Clique!", schreit sie direkt an meinem Ohr. "Wir haben alles; Den Bücherwurm, die Sportskanone, den Aussenseiter, die Zicke", sie wirft Brit einen Seitenblick zu, die noch immer ihre Nägel feilt. Und wenn ich mich nicht...
