Es war ein sehr heißer früher Abend in Camarillo, einem Vorort von Los Angeles. Die schwüle drückte auf die Häuser, Straßen und Vegetation. Alle Bewohner dieses kleinen Örtchens hatten ihre Autos in der Einfahrt stehen gelassen und saßen mit ihren Familien in gut klimatisierten, typisch amerikanischen Häusern und gingen ihren Wochenendverpflichtungen nach.
So auch ein neuer Bewohner dieser Stadt. Jack ist erst vor ein paar Tagen hier her gezogen, um einen Arbeitsplatz zu suchen und raus aus der großen, stickigen Stadt zu kommen. Doch die Schwüle, die er heute zum ersten Mal in solchem Ausmaß erlebte, war nicht viel besser als die sticke Luft von Los Angeles.
Jack war ein 23 jähriger, schwarzhaariger Student, der seine Ausbildung zum Kaufmann erst vor ein paar Tagen erfolgreich beendete. Er hatte in seinem Leben nicht viele Schwierigkeiten erlebt, was auch zum einen daran lag, dass er ein attraktiver, athletischer und gut sympathischer Typ war, der mit seiner Intelligenz viele Probleme lösen konnte. Er hatte aber nur ein großes Problem. Obwohl er schon in einem Alter war, wo man an die Familiengründung denken sollte, hatte er in seinem Leben nur zwei mal eine Freundin gehabt und war zur Zeit auch Single. Keiner von seiner Familie oder auch Freunden, die sich auch darüber wunderten, konnten sagen, woran es lag. Auch wusste keiner, dass er noch nie in seinem Leben mit jemandem im Bett war. Aber das alles beschäftigte Jack nur selten, meistens am Abend, während er auf der Bettkante saß und sich Musik anhörte. Doch immer wieder wenn so eine depressive Phase aufkam, skypte er mit seinem besten Freund, Alex, mit dem er alles bereden konnte und dem er alles erzählte. Alex war der einzige, der über diese Informationen verfügte und der sich umbringen würde, als dass er anderen diese Informationen rausgeben würde. Ergänzend würde Alex sagen, dass Jack ein ruhiger, unaufdringlicher, netter und freundlicher Mensch war, der auch mehr oder weniger schüchtern war, womit er sich dessen Beziehungsprobleme erklären konnte.
Alex half Jack immer, da ihre Freundschaft eine starke Verbundenheit aufwies. Auch an diesem Freitag kam Alex aus Los Angeles angereist, um seinem besten Freund mit den letzten Kartons, die vom Umzug noch geblieben sind, zu helfen. Aber Alex war sich auch dessen bewusst, dass er nicht jeden Tag Jack helfen konnte, denn jetzt trennte die beiden 51 Meilen Autobahnfahrt, die bei einer Hin- und Zurückfahrt zwei Stunden in Anspruch nehmen würden, geschweige von den ständigen Staus, die den Verkehr erschwerten. Deshalb hatte er sich heute Vorgenommen, bei Jack zu übernachten um am Samstag gemeinsam mit ihm in die Stadt zu fahren und sich ein Film anzugucken.
„Wo willst du denn anfangen zu Arbeiten? Du hast einen super Abschluss aber ziehst trotzdem aus der Stadt! Ich weiß ja, dass die Stadt dich bedrückt, aber, ich sag's dir zum letzten mal, dass du deine Zukunft aufs Spiel setzt." sagte Alex zu Jack, während er selbst auf dem kalten Boden mit dem Rücken an die Couch angelehnt saß, ohne einen Blick von dem Fernseher zu wenden, der konzentriert an das Geschehen von GTA gebunden war. Eine längere Pause entstand, in der man nur das Bewegen von Controllern hörte.
„Es gibt überall Möglichkeiten, aus seinem Leben was zu machen. Und mein Wunsch ist es, lieber in einer kleinen Stadt zu arbeiten, doch dafür mit Menschen, die ich kenne. Das hatten wir bereits...". Jack unterbrach seinen Satz, welchen er mit seiner ruhigen, fernsehähnlich-schönen Stimme aussprach.
Alex Handy klingelte. Das spiel musste pausiert werden, da Alex einen Anruf von der Arbeit auch am Wochenende nicht ignorieren dürfte. Es war sein Chef, der ihn sofort in die Stadt gerufen hatte.
„Ich bin gerade aber nicht in der Stadt...Ich brauche eine Stunde...Sind Sie sicher...Okay...Okay...Ja...Bis Nachher.". Aus diesem Kontext, den Jack während der Pause aus der Küche gehört hatte, um neuen Dip für die Chips zu holen, konnte er sich schon denken, dass Alex jetzt bestimmt losfahren müsste, da seine Arbeit sich immer zu einem falschen Zeitpunkt einmischte. „Das war's wohl mit einem schönen Abend" dachte sich Jack, der jetzt schon das Basecap von Alex geholt hatte und ohne ein Wort zu sagen, nur mit einem Lächeln, Alex gab.
„Danke. Und Sorry, Jacky, für diese Scheiße..." sagte Alex zu Jacky. Jacky war der Spitzname von Jack, den nur Alex benutzte und nur in Situationen wie diese.
„Kein Ding und jetzt fahr los. Nicht dass du noch Stress bei der Arbeit bekommst" antwortete Jack, während er gleichzeitig Alex umarmte und die Tür aufmachte.
Man hat förmlich gespürt, wie die Hitze in den gut gekühlten Wohnraum eindrang, doch die beiden mussten raus. Alex setzte sich in seinen Chevrolet und winkte dem vor der Tür stehenden Jack, der winkend vor der Einfahrt stand. Alex fuhr fort und Jack ging zurück in sein kühles Haus zurück. Doch auf dem Weg dahin merkte er, wie schön sein kleines, 4 Zimmer Häuschen im roten Licht der untergehenden Sonne stand. Es war erst früh am Abend und Jack konnte noch in die Stadt fahren irgendwas unternehmen. Finanziell war es für ihn kein großes Problem, doch alleine Hatte er auch keine Lust und ins Kino würde er schon Morgen mit Alex in LA gehen. Deshalb beschloss er heute Abend zu zocken und vielleicht ein wenig aufzuräumen - schließlich waren noch viele Kartons im Haus, die ausgepackt werden müssten.
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Traum.
Aktuelle LiteraturEin ganz normaler Sommertag in Camarillo entwickelt sich zum Bruch in Jacks Leben. Eine Wende, ein Wechsel, ein Bruch. Geht Jack diesem Ruf des Unmöglichen nach? schafft er es, aus den Grenzen der selbst geschaffenen Unmündigkeit herauszuschwimmen?
