Was für ein Tag.
In der einen Minute schwärmt Tenya O'Riley noch von ihrer Juni-Hochzeit, in der nächsten wird sie von der New Yorker Polizei darüber aufgeklärt, dass ihr Verlobter in ihrer Wohnung ermordet wurde. Als sei es nicht schon schlimm genu...
Ups! Gambar ini tidak mengikuti Pedoman Konten kami. Untuk melanjutkan publikasi, hapuslah gambar ini atau unggah gambar lain.
06. Oktober 2012, Manhattan, New York, USA
„Zum gegenwärtigen Zeitpunkt können wir Ihnen nur sagen, dass es sich nicht um einen Selbstmord handelt. Alle Hinweise deuten bedauerlicherweise darauf hin, dass das Opfer hinterrücks niedergeschlagen und im Anschluss mit vier Schüssen in Rücken und Kopf ermordet wurde."
Diese beiden Sätze füllten seit Stunden ihren gesamten Verstand aus und wiederholten sich immer wieder, so als sei ihr Gehirn eine kaputte Schallplatte, die diese zwei Sätze unbarmherzig herunterzuleiern gezwungen war.
Tot. Er ist tot, wurde ermordet und ich will verdammt nochmal wissen, wieso!
Der plötzlich aufkommende Wind traf sie ebenso unerwartet wie eisig und ließ die Enden ihrer Lederjacke sacht umherflattern. Eigentlich war derartige Kleidung für diese Jahreszeit zu dünn, doch sie bevorzugte das robuste Material seit jeher vor allen anderen. Mit einer mechanischen Bewegung zog die neunundzwanzigjährige Tenya O' Riley die Kapuze tiefer ins Gesicht und verharrte regungslos am Rande des Dachs eines verglasten Wolkenkratzers, der sich an die hundert Meter in die Höhe erstreckte.
Von diesem Gebäude aus hatten sich in der Vergangenheit bereits unzählige Personen in den Tod gestürzt, oder es zumindest versucht. Die dichtstehenden Bäume, die die Straße am Boden flankierten, bildeten mit ihrem Geäst eine Art Abfederung, sodass es durchaus passieren konnte, dass man nach dem Fall nicht ganz so tot war, wie vom Springenden beabsichtigt. Zwar den Rest seines Lebens ins Koma gezwungen und an lebenserhaltene Maschinen im Krankenhaus angeschlossen, doch medizinisch gesehen keineswegs leblos. Das geschah jedoch äußerst selten. Genauer gesagt gab es bislang erst einen einzigen Überlebenden dieser Art und selbst der war vergangenen Monat an Leberversagen und dem anschließenden Nichtauffinden eines geeigneten Spenders verstorben.
Doch Tenya befand sich in dieser Nacht aus einem anderen Grund an diesem Ort. Ihr Anliegen war nicht von derart selbstzerstörerischer und endgültig abschließender Natur geprägt, obwohl die glasigen Blicke, die sie hinab auf den weit entfernten Erdboden unter sich sandte, von Unbeteiligten als beginnenden Selbstmordversuch fehlinterpretiert werden könnte.
Das Dach des Westpoint-Buildings mochte für viele ein Ort des Abschlusses sein, für Tenya dagegen bot es schon seit Ewigkeiten einen Aufenthaltsort, an den sie sich immer zurückziehen konnte, wenn sie ihre Ruhe haben wollte, oder das Leben sie einmal mehr mit einem Schicksalsschlag konfrontierte, den sie nicht so leicht zu verdauen in der Lage war. Und es gab noch einen anderen Grund, weswegen dieses Dach eines ihrer Lieblingsplätze in dieser von Hektik und Rastlosigkeit geprägten Großstadt war. Hier hatte ihr Verlobter, Jonathan Green, ihr Anfang September nach einem romantischen Essen einen Heiratsantrag gemacht, den sie überglücklich angenommen hatte.
Seitdem liefen die Heiratsvorbereitungen auf Hochtouren, der angesetzte Termin, der nach kurzer Überlegung auf den 13. Juni 2013 gefallen war, sollte schließlich um jeden Preis eingehalten werden können.