BRANDSTORM

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CHAPTER I: DAS FLÜSTERN DER STUMMEN

Schon seit Anbeginn der Zeit stehen Licht und Finsternis im Konflikt. Unsere Sonne wurde einst verschlungen von einem Mann der die Finsternis suchte. Er hüllte unsere Welt in Dunkelheit. Kein Licht; keine Wärme... Zwei Könige kamen in dieses Land. Aersim des Westens und Kathyr des Ostens. Sie errichteten zwei Schlösser und lebten in Koexistenz, wie der schein der Sonne und der daraus resultierende Schatten. Doch eines Tages verfielen die Zwei Könige in streit und ein Krieg brach aus. Zwei weitere Königreiche entstanden. Das brennende Schloss im Süden mit dem Turm der die Sonne berühren sollte, unter der Herrschaft von Kaiser Mikael und im Norden die eisige Festung der Herzogin Serah. Der Krieg zwischen Aersim und Kathyr dauerte viele Dekaden und zog die anderen beiden Reiche mit. Das alles ist lange her, doch die Spuren der Vergangenheit graben sich bis zum heutigen Tag tief in das Fleisch der Zeit. Alles was unsere Zeit mit der Damaligen verbindet sind Erinnerungen. Erinnerungen die tief in den Herzen derer stecken, die die Zeit überdauerten. Unser Land, benannt nach den Zwei Königen die es gründeten, Aersim-Kathyr ist bloß noch eine Ruine, die in einer Sonnenlosen Finsternis ruht. Alte Geschichten und Legenden erzählen, dass Kathyr des Ostens eine Möglichkeit schuf um die Sonne neu zu entfachen. Er schmiedete ein Schwert aus seinem eigenen Blut, dem Stahl seiner Krone und härtete es in der letzten Glut der Sonne. Dieses Schwert kann die Sonne wieder entflammen und erstrahlen lassen. Jedoch ist König Kathyr während des Krieges verschwunden. Und das Schwert, Brandstorm, verschwand mit ihm.



Es herrschte finsterste Nacht. So wie zu jeder Zeit des Tages. Immer. Seitdem die Sonne erlosch, herrschte Dunkelheit über dieser Welt. Der namenlose Krieger ruhte sich in seinem hölzernen Haus, am Rande des Waldes. Der Wind heulte und die Blätter der Bäume raschelten. Das Krächzen von Krähen strömte aus dem Wald. Der namenlose Krieger verriegelte die Tür und wollte sich ins Bett legen, als er ein ungewöhnliches Kratzen unter dem Boden hörte. Er griff zu seiner Lampe, um sich in den Keller zu begeben und dem Geräusch nachzugehen. Die stählerne Lampe baumelte am verbogenen Henkel und das blaue Licht, das durch kosmische Kraft im Inneren der schwarzen verrosteten Stahl-Lampe erzeugt wurde, leuchtete leicht flackernde Muster an die Wände. Für einen Moment dachte der namenlose Krieger, es sei ein Feuer, das in der Lampe brannte. Das denkt er jedes Mal, wenn er das flackernde Licht sah. Doch Feuer und Wärme gab es nicht mehr. Seit die Finsternis herrschte, ließ sich kein Feuer mehr entfachen. Jede Flamme erstickte, sobald sie auflodern wollte. Der namenlose Krieger, in schwarzer Kleidung gehüllt, ging vorsichtig zur alten Treppe, die in den Keller führte. Die Bretter des Bodens knarrten unter seinen schwarzen Lederschuhen. Falls das kratzende Geräusch von einem Tier kam, wollte er es nicht gleich verschrecken. Daher ging er langsam die knackende Holztreppe hinunter. Das blaue Licht der Lampe blendete ihn mehr, als dass sie ihm helfendes Licht spendete. Er drehte das kleine Rädchen an der Seite der Lampe und das Licht schwand. Angestrengt versuchte er etwas zu sehen. Das Kratzen war nun schon nahe. Es dauerte ein wenig, bis sich seine dunkelroten Augen an die Dunkelheit gewöhnten. Er ging vorsichtig dem Geräusch nach. Er trat auf Scherben und Stahlplatten. Eine dichte Staubschicht ruhte auf Stühlen, Tischen und Werkzeug, dass im Keller verteilt herumlag. Dann erblickte er eine Katze, die an einem Holzbrett kratzte, das an der Wand befestigt wurde. Die kleine braun-schwarz getigerte Katze schien durch ein Loch in der Wand hereingekommen zu sein. Der namenlose Krieger näherte sich der Katze, die ihn aber vollkommen ignorierte. Er fragte sich, was wohl die Aufmerksamkeit der Katze so stark auf sich gezogen hatte, dass die Katze selbst noch dann weiter zu kratzen versuchte, als er sie packte und hochhob. In seinen Armen streckte sie sich noch immer nach dem Brett. Der namenlose Krieger saß die braun-schwarz getigerte Katze links von sich auf den Boden und versuchte das Brett zu lösen um zu sehen, was sich dahinter befand. Das zerkratzte Holzbrett war fest an die Wand genagelt und rührte sich nicht trotz größter Mühe. Er blickte sich um und sah sein altes Breitschwert auf dem Boden. Die verbeulte Klinge war rostig und matt von Staub und Dreck. Er hob das Breitschwert auf und versuchte damit das Brett zu lösen. Der namenlose Krieger stemmte sich gegen das rostige Schwert, um das Brett aus der Vernagelung zu hebeln. Mit einem Ruck brach er das Brett heraus und erblickte dahinter ein ungewöhnliches Zeichen, das in die Steinwand des Kellers geritzt worden war.

Die Katze rannte sofort zu dem seltsamen Symbol und kratzte daran. Intensiv studierte der namenlose Krieger das Symbol. Die Katze kratzte immer hektischer an dem Zeichen, das auf einmal seltsam zu leuchten begann. Ein rotes Licht ging davon aus und erhellte den Keller. Plötzlich schien es fast als würden Funken von dem Symbol in der Wand ausgehen. Noch ehe er begriffen hatte was geschah, hörte er ein schreckliches fauchen.Er sah die Katze brennend durch den Keller, die Treppe hinauf ins Erdgeschoss rennen. Sie war in roten Flammen gehüllt. Der namenlose Krieger war schockiert von diesem Anblick. Aber der Schock des Anblicks der brennenden Katze wurde von dem Gedanken verdrängt, das was er eben sah echtes Feuer gewesen war. Feuer, das es seit vielen Dekaden nicht mehr gab. Etwas, das er mit einem Alter von 29 Jahren nie in seinem Leben zu Gesicht bekam. Er stand auf und eilte die Treppe hinauf, mit dem Willen dem armen Tier zu helfen. Als er oben ankam, war die Katze verschwunden. Keine Spur war von dem Tier zu finden. Selbst der Gestank verbrannten Fells war nicht vorhanden. Als wäre nie etwas passiert. Der namenlose Krieger ging langsam durch den Raum; vorbei an dem Kamin, der nie eine Flamme sah. Er ging hinüber zu dem zerkratzten Holztisch. Draußen hörte er ein Geräusch; das Traben von Pferden; schwere Schritte von Eisenschuhen; das raue Schaben einer Klinge, die über Stein gezogen wurde. Die Geräusche kamen immer näher. Dann war es still.

Ein paar Minuten herrschte absolute Ruhe. Nicht einmal der Wind war zu hören. Auf einmal ertönte ein schwerer Schlag gegen die Tür und hallte durch den gesamten Raum. Der namenlose Krieger erstarrte vor Furcht. Nach diesem Schlag war es wieder ruhig. Plötzlich brach in einem Knall die Tür auf und drei Gestalten; in zerrissenen schwarzen Stoffgewändern, mit Bandagen verbundenen Gesichtern; verdeckt unter den schwarzen, teils zerrissenen Kapuzen; mit angerosteten Eisenschuhen und schmutzigen Langschwertern hinter sich herziehend; betraten den Raum. Die Gesichter waren so stark verbunden, dass man außer einem Auge, nichts weiter erkennen konnte. Die drei Gestalten kamen auf den namenlosen Krieger zu. Zwei von ihnen packten ihn an den Armen, sodass er keine Chance hatte sich zu befreien und drückten ihn mit dem Gesicht voran auf den Tisch. Der Dritte ging langsam um den zerkratzten Holztisch herum, sodass er dem namenlosen Krieger direkt zu Gesicht stand. Mit seinem kalten rostigen Eisenhandschuh griff er den namenlosen Krieger am Unterkiefer und riss ihm den Mund auf. Der bandagierte Fremde holte ein Messer aus seinem Brusthalfter; griff die Zunge des namenlosen Kriegers und saß das Messer an. Er spürte die kalte, scharfe Klinge an seiner Zunge. Dann begann der bandagierte das Messer zu bewegen. Die Klinge arbeitete sich schnell und schmerzhaft durch die Zunge des namenlosen Kriegers. Schmerz und Angst erfüllten ihn in diesem Moment. Der Bandagierte zog heftig an der Zunge, sodass die letzten Millimeter nicht abgeschnitten, sondern eher abgerissen wurden. Der namenlose Krieger versuchte alles daran zu setzen, nicht das Bewusstsein zu verlieren. Das warme Blut füllte seinen Mund, den der Bandagierte nach dem Herausschneiden der Zunge wieder losgelassen hatte. Das warme Blut lief dem namenlosen Krieger aus den Mundwinkeln und hinterließ einen metallischen Geschmack. Er hoffte, dass es vorbei sei und diese Fremden gehen würden, doch scheinbar waren sie noch nicht fertig. Einer der Zwei, die ihn festhielten, holte ein seltsames Stück Eisen heraus und drückte es auf den Unterarm des namenlosen Kriegers. Ein brennender Schmerz erfüllte die Stelle, an der das Eisen die Haut berührte. Als der Fremde das Stück Eisen wegnahm, war es eine große Erleichterung für den namenlosen Krieger. Aber diese Erleichterung hielt nicht lange an, denn sogleich spürte er einen brennenden Schmerz an seinem gesamten Körper. Ein Schmerz, der aus allen Poren zu stoßen schien. Die drei Fremden gingen langsam zur Tür als der namenlose Krieger auf den Boden fiel und voller Schmerz seine Hand betrachtete. Seine Hand begann zu glühen; seine Adern leuchteten orange-rötlich und er fühlte einen heißen Schmerz. Auf einmal fing seine Hand an zu brennen und kurz darauf brannte er am ganzen Leibe. Seine Haut platzte auf, verbreitete einen schrecklichen Gestank und seine Glieder begannen zu zittern und zucken. Mit seiner brennenden Hand, bei der die Haut schon vollkommen aufgeplatzt war, versuchte er sich nach vorne zu ziehen. Sein zu Asche werdender Körper zog sich ein Stück über den rauen Holzboden, wobei er einen fürchterlichen Schmerz spürte, der ihm am Bewegen hinderte. Er versuchte zu schreien, doch das einzige, was er heraus bekam ist ein hustendes Krächzen, während er sich an seinem Blut verschluckte und sich brennend auf dem Boden wand. Die drei Fremden verschwanden im Dunkeln, als alles um den namenlosen Krieger herum dunkel wurde.

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