Ich fühlte es. In meinem ganzen Körper. Schmerz. Unglaublich viel Schmerz.
Er war pochend, glich dem Schlag meines Herzens.
Ich stand. Ich stand einfach nur da. Meine Augen verloren nicht den bereits lang vergangenen Punkt in der Ferne.
Was ist nur passiert?
Träne für Träne löste sich aus meinem Augenwinkel, während ich es nicht wagte, mich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Ich schaffte es einfach nicht, meinen Blick abzuwenden.
Es war ein Brennen in meinen Augen, was mich für einen Moment vergessen ließ, weshalb ich hier war. Und weshalb ich immer noch hier war. Ich sah dich gehen. Zielstrebig. Ohne dich auch nur einmal umzudrehen. Ohne ein einziges Mal zurück zu blicken. Auf mich zu blicken. Als wären all deine Erinnerungen innerhalb von Minuten verblasst. Als wäre nichts von dem von mir geblieben. Als wäre nichts von uns geblieben.
Ich fühlte mich so verzweifelt. So zerrissen. So einsam. Als hätte jemand jegliches Licht in mir verbannt. Als wäre da nur noch tiefe Finsternis. Nur noch Kummer. Kummer, der mich in tausend Stücke riss. Ich hob meine Hand, um eine der vom Wind losgerissenen Strähnen wieder an ihren Platz zu bringen. Es erschien mir mehr wie ein Reflex, ein Produkt aus immer wiederkehrendem Handeln, als das es von jedweder Bedeutung war. Aber ich tat es. Vielleicht auch nur um sicherzugehen, dass noch Leben in mir war. Dass all das Geschehene mich nicht hatte erstarren lassen. Es war ein Geräusch, ein einfaches Knacken der Bäume, die unter dem Sturm stöhnten, eines, das ich unter all den anderen hervorhörte, was mich aufschrecken ließ. Meine Sicht wurde klarer. Ich sah nun den Wald, der mich umgab. Ich drehte mich um und begann zu rennen. Immer schneller, als würde man mich jagen. Äste streiften meine Arme. Fügten ihnen tiefe Wunden zu. Doch ich achtete nicht auf sie. Ich musste weiter. Ich konnte nicht mehr stehen. Nicht mehr stillstehen. Mein Atem ging schnell, meine Lunge brannte entsetzlich.
Ich wollte schreien, doch ich konnte nicht. Mir fehlte die Kraft.
Also rannte ich weiter und weiter. Eigentlich hatte ich kein Ziel, doch ich wusste, dass ich fort wollte. Weg von allem, was mich an ihn erinnerte. Weg von den Erinnerungen, die mich wie Pfeile durchbohrten, wann immer ich an sie dachte. Weg von dem Teil von mir, der ihn liebte. Der an ihm festhielt. Vielleicht war es auch nur die Hoffnung daran, jemand anderes sein zu können. Vielleicht war es die Hoffnung daran, eines Tages alles zu vergessen. Wieder zu lachen. Ich versuchte den Bäumen und Sträuchern auszuweichen. Fiel hin, stand wieder auf. Fühlte die taufeuchten Blätter unter meinen Händen. Mein Blick glitt an mir hinunter. Der Saum meines Sommerkleides war ein einziger, nasser Fetzen. Der zarte, hellblaue Stoff war befleckt mit Schmutz und Erde. Doch ich beachtete es nicht weiter, sondern setzte meinen Weg fort. Ich spürte wie meine Haare durch die Luft flogen. Für einen winzigen Moment hatte ich keine Angst mehr, vor dem was kommen sollte.
YOU ARE READING
Bellas Baby
RomanceBella ist verträumt, sensibel und in sich gekehrt. Seitdem sie ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall verlor, lebt sie abgeschottet von ihrer Außenwelt. Nach und nach verliert sie sich immer mehr in die Welt ihrer eigenen Fantasie, liest hunderte von...
