Prolog

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Du hörst es doch! Du kannst es gar nicht ignorieren. Es hilft kein Kissen auf den Ohren, kein Singen, kein Schlafen. Du weißt es und auch wenn es mal ganz ruhig ist und deine Augenpaare unsicher zwischen ihnen hin und her fahren du weißt alles! Einen Streit kann man ignorieren- hunderte aber nicht. Du kannst einmal weghören, einmal das Kissen so fest wie möglich auf die Ohren pressen- du hörst nichts, du weißt nichts. Aber du kannst nicht jeden Abend so tun als würdest du in einer friedlichen Märchenwelt leben. Irgendwann gammeln die Zuckerstangen, die rosa Zuckerwatte Wolken ziehen weg und die Fassade vom kunterbunten Märchenschloss bröckelt. Irgendwann genügt nur noch ein kleiner Pinselstrich oder ein Kieselstein, sodass alles auseinander fällt- wie ein Kartenhaus.
Früher hab ich gerne Kartenhäuser gebaut. Ich lief durch das Restaurant, sammelte alle Karten, die vorhanden waren und baute höher und höher, größer und größer. Es gab keine Grenze für mich. Doch irgendwann macht man ein Fehler und alles fällt um. Dann war ich immer sehr traurig und enttäuscht. Meine Eltern ermutigten mich:„ Bau noch einmal." Aber da hatte ich keine Lust drauf.
Nun ist ihr Kartenhaus zerstört, aber sie bauen es auch nicht neu auf- nein sie gehen lieber getrennte Wege.

„Warum redest du nicht mit mir"? Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und dabei starrte ich doch gerade so schön den Großen Baum auf unserem Schulgelände an. „Was ist?", fragte ich während ich lustlos auf meinem Butterbrot kaute. Ich mochte gar kein Butterbrot, aber wir hatten nichts anderes im Kühlschrank. „Du redest sonst immer so viel. Da muss was faul sein.", ich schaute ins enttäuschte Gesicht meines besten Freundes Cal. Er heißt eigentlich Carl, aber er hasst den Namen so sehr, dass alle in Cal nennen.Nur wenn ich ihn Ärgern will nenne ich ihn bei seinem richtigen Namen. Er hat schwarzes lockiges Haar , tiefbraune Augen und auf jeden Fall einen Asiaten Touch. Doch er flippt jedes Mal aus wenn man ihn Asiate nennt. Dann setzt er immer seinen Schmollmund auf und sagt:„Ich bin halb Schotte, halb Neuseeländer." Da frag ich mich nur wo ist der Schotte in ihm geblieben?„Hmm", murmelte ich und versuchte seinen Blicken auszuweichen. Er war viel zu gut. Er wusste sofort wenn es mir schlecht ging und er konnte alles aus mir herausquetschen. „Hör auf so zu glotzen!", fuhr ich ihn von der Seite an und rückte ein Stück von ihm weg. Eigentlich war ich noch nie so fies zu ihm gewesen. Ich wusste doch , dass er immer nur das beste für mich wollte. Er biss ein letztes Stück von seinem Apfel ab, warf ihn nach hinten und stand auf. Für einen Moment verharrte er über mir , als würde er darauf warten, dass ihn auffordere sich zu setzen, aber ich sagte nichts. Es war mir ganz recht alleine zu sein. Ich wollte nichts sagen, nichts hören, nichts denken. Einfach nur den Baum anstarren und nirgendswo anders hingehen. „Du weißt ja wo ich bin, Sheffeld", mit diesen Wort schnappte er sich seinen Rucksack und ging davon. Ich verdrehte die Augen. Warum musste er mich nur immer mit meinem Nachnamen anreden? Das ist weder süß, noch ertragbar. Außerdem werde ich bald eh einen anderen Namen tragen. Vielleicht nimmt meine Mutter wieder ihren Mädchennamen an und besteht darauf, dass ich ihn auch trage. Vielleicht streiten sie sich dann wieder darüber, welchen Namen ich tragen sollte- dann wenn sie erstmal getrennt sind..

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