Ich saß gelangweilt auf meinem Bett und starrte in den Raum. Er war komplett weiß eingerichtet. Die kleine eingebaute Küche, das Regal mit den wenigen Büchern darin, welche ich alle mindestens schon zwei Mal gelesen hatte, und auch mein Bett. Wäre ich es nicht schon von klein auf gewohnt gewesen, dass alles in diesem Zimmer weiß war, wäre ich wahrscheinlich verrückt geworden. Es gab nicht einmal ein Fenster, was nicht viel verändert hätte, da die Welt außerhalb dieses "Bunkers" nur aus Schutt und Asche bestand. Der Raum wurde von zwei hell strahlenden Neonröhren beleuchtet. Gleich neben der Zimmertür war ein kleines Bad mit Dusche, Waschbecken und Toilette. Eben alles was man mehr oder weniger für ein einigermaßen angenehmes Leben brauchte.
Aber dieses Leben war mir eindeutig zu langweilig, denn es bestand hauptsächlich daraus die Bücher im Regal zu lesen oder auf irgendwelche Veranstaltungen zu gehen auf die mich mein Vater immer mit schleppte. Freunde hatte ich hier nicht wirklich, einerseits fand ich die Leute hier zu alt und spießig um mit ihnen befreundet sein zu wollen und andererseits verbot mir mein Vater den Umgang mit Gleichaltrigen, da sie - wie er es gern ausdrückte - schlechten Einfluss auf mich hätten.
Ich beschloß ein bisschen auf den Gängen herum zu spazieren, damit die Langeweile hier mich nicht ganz auffressen konnte. Gähnend schlenderte ich also durch die Gegend. Immer wieder begegnete ich ein paar Ärzten, Soldaten oder sonst irgendjemandem , den ich dann freundlich mit meinem Fake- Lächeln , das ich über Jahre hinweg perfektioniert hatte, grüßte und dann schnell weiter ging. Letztendlich kam ich an der Kantine an, wo man sich mit Freunden - geschweige man hatte denn welche - treffen konnte oder wie in meinem Fall einfach nur essen konnte. Ich zog meine Schlüsselkarte um sie dann an einen Sensor gleich neben der Eingangstür zu halten. Das Licht blinkte grün auf und ich durfte passieren. Zu jedem einzelnen Sektor benötigte man eine autorisierte Karte um ihn betreten zu können. Zu meinem Leidwesen war meine Karte zu nichts weiter als zum Betreten der Cafeteria und meinem Zimmer nützlich. Zu allem anderen hatte ich keinen Zutritt.
Nachdem ich in der Kantine etwas gegessen hatte, machte ich einen kleinen Verdauungs-spaziergang. Zuerst ging ich den Gang gerade aus, dann bog ich links ab , dann mal rechts. Mensch, dieser "Bunker" war echt ein Labyrinth, wenn man sich hier nicht auskannte. Ich überlegte gerade ob die Welt draußen wirklich nur noch aus Schutt und Asche bestand, wie mein Vater es gerne behauptete, und wie es mal wäre einfach nach draußen zu gehen und mich selbst zu überzeugen, dass es auch stimmte was er mir da sagte. Früher als meine Mom noch gelebt hatte, hatte mir mein Vater immer Geschichten erzählt, wie die Welt in vergangen Zeiten aussah. Sie muss wunderschön gewesen sein. Überall waren Grünflächen mit Blumen und es gab verschiedenste Tierarten. Doch als meine Mom krank wurde, war er so besessen darauf ein Heilmittel zu finden, dass er alles und jeden von sich wegschob, sogar auch mich. Moms Tod machte die ganze Sache auch nicht besser. Er arbeitete die ganze Zeit über, um endlich ein Heilmittel zu finden, und ich bekam ihn kaum noch zu Gesicht. Jetzt ist er sogar einer der Leiter in diesem "Bunker". Seit ein paar Jahren hatte sich einiges wieder normalisiert. Er war nicht mehr ganz so oft in seinem Büro , sodass wir sogar manchmal zusammen Abendessen konnten.
Plötzlich stand ich in einem Gang, in dem ich zuvor noch nie war. Anscheinend war ich so in Gedanken versunken, dass ich einfach irgendwo hin gegangen bin. Mir war allerdings nicht klar , wie ich überhaupt hierher gelangen konnte. Denn eigentlich war meine Schlüsselkarte nur für einen bestimmten Sektor autorisiert, welchen ich schon viele Male von oben bis unten abgegangen war und mich so auch eigentlich nicht verlaufen konnte, da ich ja jeden einzelnen Winkel auswendig kannte. Ich sah mich weiter im Gang um. Links und rechts des Ganges befanden sich viele Türen mit verschiedenen Aufschriften darauf. Auf einer stand Putzkammer und auf einer anderen Bibliothek. Moment mal, wir haben hier eine Bibliothek?! Wieso wusste ich nichts davon? Hätte mir früher jemand Bescheid gesagt, dass es hier eine Bibliothek gab, hätte ich die Bücher in meinem Regal nicht alle zwei Mal lesen müssen. Aber das war ja mal wieder typisch, vor mir musste mein Vater ja alles geheim halten! Ist ja nicht so als wäre ich seine Tochter. Ich seufzte und entschied mich mich in der Bücherei mal umzusehen. Vielleicht gab es ja das ein oder andere Buch, das ich mir ausleihen konnte.
Die Bibliothek war nicht besonders groß, aber für meine Zwecke völlig ausreichend. Überall an den Wänden waren Regale aufgestellt, die unzählige Bücher enthielten. Ich zog ein Buch heraus und las den Klappentext, als ich plötzlich Schritte wahrnahm und hörte wie die Tür geöffnet wurde. In Windeseile versteckte ich mich hinter einem Regal und hielt den Atem an. Auf keinen Fall durfte ich hier entdeckt werden! So mal ich hier eigentlich gar nicht sein durfte. Doch es war anscheinend schon zu spät. Denn plötzlich stand jemand vor mir.
"Ich habe dich hier noch nie gesehen. Wer bist du?" Ein kleiner, etwas pummeliger Junge mit schwarzem Wuschelkopf sah mich fragend an. " Ich - äh - ... ", stotterte ich. Der Junge zog eine Augenbraue nach oben. Mist! Ich brauchte schnell eine einigermaßen glaubwürdige Ausrede.
"Ich, ich sollte dieses Buch für meinen Chef ausleihen" , log ich und deutete auf das Buch in meinen Händen. Der pausbäckige Junge betrachtete das Buchcover, auf dem ein großes Herz abgebildet war, neugierig. Naja, vielleicht war meine Ausrede nicht so glaubhaft, als anfangs gedacht. Denn welcher Chef lässt sich schon einen Beziehungsratgeber ausleihen? Doch der kleine sagte nichts weiter darauf, sondern hielt mir nur höflich die Hand hin. "Ich bin Chuck. Und duuu?", wollte er wissen, wobei er das U bei du ziemlich lang zog.
"Ich heiße Bella"
Chuck schien anscheinend zu überlegen, denn er strich sich mit einer Hand über seinen imaginären Bart, was ziemlich lustig aussah. Dann schnipste er. "Willst du vielleicht mit mir spielen? Wir haben ganz tolle Brettspiele im Gemeinschaftsraum! Mir ist nämlich gerade schrecklich langweilig", seufzte Chuck und sah mich mit großen Hundeaugen an.
Bei diesem Anblick musste ich schmunzeln. Ich kannte Chuck zwar noch nicht lange, aber etwas mit ihm zu unternehmen war sicher spannender als in meinem Zimmer zu vergammeln. Vermissen würde mich auch niemand, da mein Vater erst später nach der Arbeit wieder nach mir sehen wollte.
Während wir zum Gemeinschaftsraum gingen kamen wir an verschiedenen Türen vorbei auf denen immer eine Zahl abgebildet war. 203, 204, 205, und so weiter. Ich überlegte gerade was hinter diesen Türen war, als mich Chuck antippte. "Wir sind da"
Das Zimmer war mit einem Sofa mit Tisch, einem Tischkicker und einem Schrank mit allerlei Spielen ausgestattet. Neben der Couch war eine Tür, die zu einer kleinen Küche führte. Gerade spielten ein paar Jungs ausgelassen Tischkicker. Doch als sie mich sahen, verstummten sie und musterten mich stattdessen misstrauisch. Chuck hatte sich währenddessen ein Spiel aus dem Schrank genommen und es begonnen aufzubauen. Er bemerkte die misstrauischen Blicke nicht, sondern stellte mich begeistert den anderen Jungen vor.
Alsooo...das war jetzt das erste Kapitel😊 Hoffe es gefällt euch. Ich würde mich sehr über konstruktive Kritik freuen. Achja - bevor ich es vergess - keine Sorge es wird schon noch spannender!😇
Sincerely Eni
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WICKED (Mazerunner FF)
FanfictionBellas Leben war alles andere als aufregend. Seit sie denken kann lebt sie mit ihrem Vater im Hauptquartier von Angst. Aber als ihr Leben sich schlagartig änderte und sie auch das Handeln ihres Vaters hinter fragen muss, der seit der Erkrankung und...
