Den Satz, dass alles zu meinem Besten wäre, hatte ich in den letzten Tagen wohl öfter als alles andere gehört. Was sollte bitte gut daran sein, ans andere Ende des Landes zu ziehen, alle jahrelangen Freundschaften, und den Freund, zurücklassen zu müssen und nochmal ganz von vorne anzufangen, wenn gerade alles so perfekt lief? Meine Noten waren, nicht wie in den anderen Jahren, ziemlich gut, ich hatte mit niemandem Streit und verstand mich mit jedem, war seit drei Monaten endlich mit meinem Schwarm zusammen und hatte die beste Freundin, die man haben konnte. Mit Toby hatte ich bereits geklärt,dass aus einer Fernbeziehung zwischen uns beiden nichts werden konnte, ich hatte entschlossen, alle meine Freunde zu vergessen,außer natürlich Virginia. Virginia war von Kindesbeinen an, nachdem wir aufgehört hatten, uns zu hassen, meine beste Freundin und war es auch geblieben. Nun stand ich da, hielt sie schluchzend in den Armen und wollte sie einfach nicht loslassen.
„Jeden Abend skypen wir!"
„Und wir schicken uns alle zwei Monate Briefe!"
„Und wir chatten ganz viel über den Tag."
„Schatz,wir müssen los" drängte meine Mom. Ich löste mich von Virginia und sah zu meiner jüngeren Schwester Carly hinüber, die gerade ihre beste Freundin verabschiedete. Ich setzte mich auf die Rückbank des Autos, kurz gefolgt von Carly. Wir winkten unserem alten Leben aus geöffneten Fenstern hinterher.
Unser seit kurzem Stiefvater Johnson Pearson (Was haben seine Eltern sich bei diesem Namen gedacht?) saß am Lenkrad. Mit seinen schwarzen, mitgrauen Strähnen durchzogenen, Haaren und dem Schnauzbart sah er aus wie über fünfzig, obwohl er erst Anfang vierzig war. Carly und Ich behaupteten, Mom hätte ihn nur geheiratet, weil sie schwanger von ihm war. Das hatten wir ein paar Tage vor der Verkündung, dass wir umziehen würden, herausgefunden. Mom war jetzt wahrscheinlich im fünften oder sechsten Monat oder so. Die Ärzte vermuten, dass es ein Junge wird, aber so genau weiß man das noch nicht. Jedenfalls haben Mom und Mr. Schnauzbart schon einige Namensideen, die alle grottenschlecht klangen. Carly und Ich hatten tolle Ideen, aber von denen wollte Johnson nichts wissen.
„Emily und Mike sind doch schreckliche Namen. Johnson Albert, das klingt gut." Was ein geschmackloser Idiot. Mein armer Halbbruder sollte einen halbwegs vernünftigen Namen haben und nicht so heißen, wie sein blöder Vater. Carly und Ich hießen auch nicht so wie Mom und so wie Dad schon gar nicht. Unser Dad starb, als Carly und Ich noch ganz klein waren, deswegen konnten wir uns nicht mehr so gut an ihn erinnern. Mom sagte jedoch oft, dass wir ihm sehr ähnlich sahen. Dieselben blonden Haare mit den selben grünen Augen und den selben Grübchen in den Mundwinkeln, wenn wir lächelten. Generell sahen Carly und Ich uns sehr ähnlich, mit dem Unterschied, dass Carly drei Jahre jünger und somit einige Zentimeter kleiner war als ich.
Wir fuhren zwei Tage. Am Abend machten wir Pause und übernachteten in einem Hotel. Ich hatte mich noch nie so eingeengt gefühlt und verbrachte die Zeit damit, Musik zu hören und zu hoffen, dass es bald vorbei war. Schließlich waren wir ja dann auch da. Die Umzugslaster waren schon vorgefahren und hatten die Kisten ausgepackt. Ich hatte den Drang mich zu bewegen und Carly schien es genau so. Wir sprangen aus dem Auto und machten einen Wettlauf zur Haustür.
„Mom,wo sind unsere Zimmer? Können wir die Zimmer sehen?" fragte ich aufgeregt lachend.
„Jetzt benehmt euch doch nicht wie kleine Kinder" sagte sie schmunzelnd.
„Beschwer'dich nicht, Mom, bald hast du drei davon" grinste Carly, als Johnson die Haustür aufsperrte. Carly und ich sprinteten hinein. Wir polterten die Treppen hinauf und rissen alle Türen auf.
„Hier,hier!" rief Carly und deutete auf eine der Türen. „Das ist deins!" Dann sprintete sie los, um ihr Zimmer zu suchen. Ich erkannte den Raum sofort von den Fotos, die wir gesehen hatten. Die Wände waren langweilig weiß und es gab einen ganz normalen Teppichboden. Jedoch war es viel größer, als mein vorheriges Zimmer. Es hatte sogar so ein hübsches Fenster, dass sich nach außen bog, sodass es eine geräumige Fensterbank gab. Ein Bett und ein Schrank, sowie meine Umzugskisten, alle mit der Aufschrift E.F,standen im Zimmer, aber sonst war alles kahl und leer. Ich öffnete das hübsche Fenster und lehnte mich nach draußen. Die Aussicht war großartig. Es war an der Seite des Hauses, dort ging es einen kleinen Hang hinab, wo der Wald anfing. Dichte Tannen wucherten übermeine gesamte Aussicht, nur ein strahlend blauer Himmel war über den Tannenspitzen zu sehen.
„Lizzie,schau dir das an! Du musst dir mein Zimmer ansehen!" rief Carly aufgeregt und zog mich vom Fenster weg zu ihrem Zimmer. Nach eingehender Betrachtung aller Räume war mir klar, dass mein hübsches Fenster die schönste Aussicht hatte.
Nachdem wir unser erstes Abendessen im neuen Haus verspeist hatten, bestellte Pizza, gingen wir hundemüde schlafen. Ich war so schlau gewesen,meinen Schlafanzug ganz nach oben in den Koffer zu packen. Ich zog mich um und ließ mich ins Bett fallen. Ein sichelförmiger Mond leuchtete am Nachthimmel und ich schlief in dem Gewissen ein, dass alles gut war.
ESTÁS LEYENDO
Die Banshee Schwestern
FanfictionDie Schwestern Lizzie und Carly Foster ziehen samt überbesorgter, schwangerer Mutter und ominösem, altbackenem Stiefvater nach Beacon Hills. Trotz anfänglicher Zweifel gefällt es ihnen ziemlich gut in ihrem neuen Zuhause und sie schließen schnell ne...
