Die Ankunft.

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Die Ankunft.
Ich sehe aus dem Flugzeugfenster und sehe nichts als Wasser. Vor einer Stunde habe ich noch Felder und Städte gesehen, doch jetzt ist überall nur dieses Blau. Das gleichmäßige Atmen meines Sitznachbarn und die monotone Aussicht lässt mich in Gedanken schweifen und ich schlafe langsam ein. Als ich wach werde ist es bereits dunkel und ich erschrecke mich ein wenig, dass ich so lange geschlafen habe. Der Druck auf meinen Ohren verrät mir, dass wir bald landen werden und es bildet sich ein unangenehmer Knoten in meinem Hals. Als meine Mutter mir in Seattle den letzten Kuss für unbestimmte Zeit aufdrückte, war alles noch nicht real. Es war nicht real, dass ich meine Freunde, mein Zuhause, meine Mutter und meine Schule hinter mir lassen muss. Doch jetzt, wo ich mich in einem Flugzeug mit Landeanflug auf London befinde, wird auf einmal alles sehr viel realer als es mir lieb ist. Die Stewardess sagt etwas über die Lautsprecher doch ich verstehe nichts, weil ich zu sehr damit beschäftigt bin den Knoten in meinem Hals weg zu bekommen bevor ich hier, mitten im Flugzeug, anfange zu weinen wie ein kleines Mädchen. Eigentlich habe ich so ein Problem sonst nicht und lasse mir meine Emotionen nicht anmerken, doch zu verstehen, dass ich meine Mutter alleine in Seattle gelassen habe um endlich meinen Vater kennenzulernen und mir dort ein Leben aufzubauen, lässt selbst bei mir die Tränen übertreten. Ich nehme den Ärmel meiner grauen Sweatjacke und wische mir die Tränen aus dem Augenwinkel, bevor der Mann neben mir bemerkt was los ist. Die Stewardess gibt wieder etwas durch und diesesmal verstehe ich, dass wir in 5 Minuten landen werden. Ich denke daran, dass meine Mutter und meine beste Freundin Maddi mir jeweils einen Schal von sich mitgegeben haben, damit ich etwas von ihnen bei mir habe und ich meine Mutter anrufen werde, wenn ich gelandet bin und der Knoten in meinem Hals scheint sich langsam aufzulösen. Ich schaue aus dem Fenster und sehe, dass wir nur noch ein wenig Luft zwischen uns und der Landebahn haben und freue mich, endlich aus dem Flugzeug zu kommen. Das Flugzeug ruckelt und kommt hart auf dem Asphalt auf. Als wir zum stehen kommen warte ich bis der Mann, der den ganzen Flug über neben mir saß aufgestanden ist, stehe ebenfalls auf und nehme meinen alten Rucksack von der Handgepäckablage. Ich komme nur langsam aus dem Flugzeug, aber das stört mich nicht, da ich ohnehin noch etwas Zeit für mich brauche. Während ich zum Gepäckband laufe überlege ich mir endlich was ich sagen soll, wenn ich meinen Vater das erste mal in meinem Leben bewusst sehe. Werde ich ihn überhaupt erkennen? Über solche, wichtigen Fragen habe ich mir bis jetzt noch keinen Kopf gemacht. Ich sehe meinen alten, schwarzen Rollkoffer und die Gedanken sind wieder wie weggeweht. Ich gehe auf die Tür zu die mich von meinem Vater trennt und Atme ein letztes mal tief durch, als sich die Tür öffnet und ich sofort ein Schild mit meinem Namen darauf sehe "Emily" steht in schöner Handschrift auf einem weissen Papier. Ich schaue den Menschen an der dieses Schild hält und schaue das erste Mal in das Gesicht, dass mir eigentlich doch so vertraut sein sollte.

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