[souvenir]

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Der Zeiger funkelte golden im Licht, während er sich stets im Uhrzeigersinn drehte. Tick, tack, tick, tack. Komischerweise störte mich das stetige Geräusch nicht. Es war auch kaum zu hören. Wie hypnotisiert starrte ich auf das Ziffernblatt, als würde es mir eine Lösung zu meinem inneren Streit geben können. Tick, tack, tick, tack. Ich seufzte, schloss die Taschenuhr und steckte sie in meinen Mantel. Dann schaute ich aus dem Fenster und beobachtete die Lichter der Innenstadt, die an mir vorbeizogen. Sie waren keine Konkurrenz für das helle Funkeln des goldenen Zeigers.

Ein kalter Luftzug streifte mein Gesicht, störte mich beim Genießen der wohligen Wärme. Die Lichter außerhalb des Fensters standen nun still und ich sah wie eine Gruppe die Straßenbahn betrat. Es waren drei Männer, die gar nicht so viel älter sein konnten als ich, höchstens 25 Jahre alt. Sie setzten sich zu mir, denn ich hatte mich dummerweise auf einem Sitz niedergelassen, der Teil einer Sitzgruppe war. Ich verfluchte mein unbedachtes Handeln, denn jetzt musste ich mit anhören, was diese Menschen zu sagen hatten, anstatt nach dem Ticken der Taschenuhr lauschen zu können.

Die Stimmen so nah neben mir fühlten sich anders an als die Uhr. „Wir werden ein paar Minuten zu spät sein, aber das macht nichts. Sie fangen sowieso immer ein bisschen später an", sagte der blonde Brillenträger neben mir, dessen Mantelgürtel unglücklicherweise an meinem Oberschenkel streifte. Ich rückte ein bisschen näher ans Fenster. „Ich bin schon so aufgeregt! Die anderen werden total begeistert sein!"

Inzwischen war die Straßenbahn schon wieder losgefahren und ich widmete mich abermals den Lichtern vor meinem Fenster, wobei ich angestrengt versuchte, Blondies nervtötend enthusiastische Stimme auszublenden. Es gelang mir nicht und ich bekam leider mit, worüber die drei Männer redeten.

„Siehst du das, Damian?", fragte Blondie den Mann, der ihm gegenüber saß. Er zeigte aus dem Fenster und der Blick des zweiten Blondies, Damian wie ich annahm, folgte ihm. „Hier finden im Sommer immer Open Air Konzerte statt, aber jetzt ist dort die Eisbahn."

Blondie hörte sich an wie ein Touristenführer und erst jetzt bemerkte ich, dass er Englisch sprach. Für mich fühlte es sich an wie meine Muttersprache, aber Blondie hatte sichtlich Vokabularprobleme und verfügte noch dazu über einen stark präsenten Akzent.

Damian nickte interessiert und verengte dann die Augen, um die Eisbahn besser zu erkennen. Vielleicht sollte Blondie ihm seine Brille borgen. „Die ist ja wundervoll beleuchtet. Hier macht man sich extrem viel Mühe mit den ganzen Lichtern und Weihnachtsdekorationen." In der Tat, da hatte Damian recht. Viele Weihnachtsdekorationen und Lichter, die verschwammen, als die Straßenbahn sich wieder in Bewegung setzte. „Das würde ich gerne noch machen, bevor ich wieder weg muss. Eislaufen, meine ich." Diesmal fiel mir auf, dass Blondie Nummer Zwei einen britischen Akzent hatte und Nummer Drei, der übrigens erfreulicherweise nicht blond war, noch kein einziges Wort von sich gegeben hatte. Ich fragte mich, ob es daran lag, dass er Zeichensprache bevorzugte, oder weil er nicht gerne seine mangelnden Englischkentnisse zur Schau stellte. Das würde ich vielleicht nie erfahren.

Blondie nickte begeistert bei Damians Vorschlag und rückte seine Brille zurecht, die wegen seiner hektischen Kopfbewegungen fast von seiner Nasenspitze gefallen wäre. „Das klingt gut. Du hast recht, das müssen wir unbedingt machen. Gut, dass du das vorgeschlagen hast."

Zum Glück gingen die Straßenbahntüren in diesem Moment auf und eine junge Frau stieg ein, was mich vor noch mehr begeisterten Zustimmungen und Nickbewegungen rettete. Sie ging zielstrebig auf unsere Sitzgruppe zu und blieb dann neben Blondie stehen. Sie blockierte den Weg und einige Leute drängten sich laut beklagend an ihrem Körper vorbei, was sie jedoch nicht zu stören schien. Anstatt sich zu entschuldigen, ignorierte sie die Leute und ging leicht in die Knie, um besser mit Blondie kommunizieren zu können. Es waren eben immer die Blonden, die Probleme verursachten. Das wusste ich auch schon aus Erfahrung.

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⏰ Last updated: Dec 09, 2016 ⏰

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