30~ Alles nur Fassade?!

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 Idee: "es ist nur so mal eine idee, gestern mitten in der nacht entstanden. Langeweile, eine alte story verworfen, weil sie kompletter murks war, lust bekommen Charaktere zu entwerfen und schwupp da waren die ersten ideen für 'alles nur fassade?!' da und ein, zwei stunden später als word datei auf meinem Laptop."


Kapitel 1

„Geld, Handy, Kopfhörer, Zigaretten, Feuer. Alles da", überprüfte ich den Inhalt meiner Handtasche, „fehlen nur noch die Schlüssel. Ach die hängen sicher unten am Schlüsselbrett."

Ein letzter Blick in den Spiegel und der Gedanke ‚Die Ansätze müsste ich mal wieder nachfärben lassen', während ich mir durch die Haare fuhr. Leise öffnete ich meine Zimmertür und schlich den Flur entlang bis zur Treppe. Dort schielte ich nach unten. Alles frei. Immer noch so leise wie möglich schlich ich weiter die Treppe nach unten. Jetzt fehlte mir nur noch der Hausschlüssel, damit ich nachher auch wieder herein kam. Ah, da hängt er ja. Ich griff nach ihm, doch er fiel mir klirrend auf den Marmorboden. Damn it. Schnell bückte ich mich, hob den Schlüsselbund auf und wollte gerade die Tür öffnen, um nach draußen zu verschwinden, doch ich wurde aufgehalten. Genau das, was ich verhindern wollte.

„Victoria Emilia Stone! Du gehst nirgendwo hin! Komm sofort her, junge Dame! Mir reicht es mit dir!", schrie mir meine Mum vom Sofazimmer aus hinterher. Ein Wunder, dass sie mich überhaupt bemerkt hatte, oder überhaupt erst bemerkt hatte, dass ich das Haus, genau genommen die Villa meines Vaters, verlassen wollte. Sie schien wohl mich absichtlich abgepasst zu haben.

„Victoria, ich warte", rief sie ungeduldig.

Seelenruhig schlenderte ich zu ihr ins Sofazimmer und setzte noch eins drauf, indem ich genervt von mir gab: „Was ist denn?!"

„Setz dich hin", forderte sie mich auf und deutete auf das Sofa gegenüber von ihr. Genervt verdrehte ich meine Augen und fügte mich meinem Schicksal. Was jetzt wohl kommt?

„Victoria, wo hattest du vor hinzugehen? Und das auch noch ohne uns etwas zu sagen?", wollte sie von mir wissen. Ach, auf einmal interessierte ich sie. Auf einmal existierte ich für sie. Welch ein Wunder.

„Wohin wohl?! Zu meinen Freunden, da wo ich so ziemlich immer hingehe. Aber davon habt ihr ja herzlich wenig mit bekommen im letzten Jahr", antwortete ich abfällig. Wie soll man denn auch mitbekommen was die eigene Tochter macht, wenn man die ganze Zeit in der Firma, auf Geschäftsessen oder Reisen ist, Urlaub an exotischen Orten macht und ständig auf edlen Festen jeglicher Art ist? Von irgendwelchen ach so tollen Charity-Veranstaltungen mal ganz zu schweigen. Aber wieso beschwerte ich mich überhaupt?! Das gehört nun mal dazu, wenn man zu den reichen Leuten und erfolgreichen Unternehmern gehört.

„Deine Freunde so, so. Die Freunde, mit denen du immer zu Party machst und regelmäßig besoffen nach Hause kommst? Die Freunde, mit denen du dich ständig voll laufen lässt? Die Freunde, die mit Drogen dealen, weil sie sich sonst nichts leisten könnten? Die Freunde, denen du ständig Geld überweist? Die Freunde, wegen denen du dich so kleidest und deine Haare verunstaltet hast? Die Freunde, die die Schule geschmissen haben und wegen denen du ständig schwänzt und wegen denen du das Schuljahr wiederholen musst, wenn du so weiter machst? Hattest du vor zu diesen Freunden zu gehen, Victoria?", fragte sie mich aufgebracht und pikiert zur gleichen Zeit.

Woher wusste sie das auf einmal alles? Die Schule könnte angerufen haben und ihr davon erzählt haben wie schlecht ich geworden war, aber was interessierte sie das?! Dann würde ich halt eben eine extra Runde drehen. Was macht das schon?! Ist doch eh egal.

„Das ist mir hier echt zu dumm. Du hast doch gar keine Ahnung wovon du redest! Du weißt überhaupt nichts von mir und meinen Freunden! Im letzten Jahr habe ich dich auch kein bisschen interessiert! Das einzige worum du dich gekümmert hast, war die Firma und euer scheiß gesellschaftliches Ansehen!", warf ich ihr lautstark vor und sprang auf.

„Victoria! Ich verbitte mir diese Lautstärke. Dein schlechtes Verhalten kommt nur vom schlechten Einfluss deiner Freunde. Sie haben einfach nicht die gleiche Liga wie wir. Triff dich doch mal wieder mit den Clarksons", reagierte sie auf meine Vorwürfe.

„Diesen lächerlichen Scheiß muss ich mir nicht mehr länger anhören!", schrie ich sie an, nahm mir meine Handtasche und stürmte nach draußen.

Ich lief los. Bloß weg von hier. Raus aus dem Viertel der Reichen und Erfolgreichen. Einfach weg. Wie ich diese gespielte Perfektion und diesen realitätsfremden Schein doch hasse. Alles eine vorgetäuschte Hülle. Hier zählen nur Äußerlichkeiten. Hier will jeder jeden in allem übertrumpfen. Die größere Villa, der schönere Garten, der ausgefallenere Pool, die erfolgreichere Firma, die neuere Technik, die schönere Frau, die perfekteren Kinder. Alles unwirklicher Schein. Und genau deshalb gehörte ich hier nicht hin. Ich bin nicht perfekt und das passte hier nicht her. All diese Leute hier, die mich ständig schief ansahen, wissen doch gar nichts, rein gar nichts vom richtigen Leben. Sie wissen nicht wie hart das Leben ist, wenn einem nicht alles in den Arsch geschoben wird. Wenn man Monat für Monat bangen muss, dass man die überteuerte Miete für die viel zu kleine Wohnung gerade so noch zahlen kann. Dass man mal sich und seinen Kindern Kleidung kaufen kann, die nicht aus der Kleiderkammer stammt. Dass man ihnen was zum Geburtstag schenken kann. Dass man die offenen Rechnungen und Mahnungen zahlen kann. Dass man seinen unterbezahlten Job nicht verliert oder endlich wieder einen findet. Dass man nicht mit der tagtäglichen Sorge leben muss, seine Kinder oder man selbst müssten hungern, weil der Monat zu lang ist und das Gehalt aufgebraucht ist. Wie gemein das Schicksal doch sein kann. Alles steht und fällt damit, wo man hinein geboren wird. Entweder ins Viertel der Reichen, so wie ich, oder in die Slums der Armen, so wie meine Freunde und Jack. Die einen haben deutlich mehr Geld als ihnen gut tut und die anderen nicht mal halb so viel, wie sie zum leben bräuchten.

Früher gehörte ich selbst zu diesen verwöhnten, reichen Kids, die noch nie etwas vom harten Leben mitbekommen haben, weil Mummy und Daddy sie in Watte gepackt hatten und ihnen die große, böse Welt vorenthalten und sie davor schützen wollten. Tja, bei mir war es ihnen nicht gelungen und ich bin froh drum. Fast ein Jahr ist mein Absturz - so wie ich ihn nenne - jetzt her. Vor fast einem Jahr habe ich diese grausame Welt hier kennen gelernt. Aber ich fühlte mich hier wohl. Ich hatte meinen Platz gefunden. Hier gehörte ich her. Glaubte ich zumindest. Hier, im abgelegenen und verlassenen Teil des Industriegebiets, bin ich nicht mehr Victoria Emilia Stone. Hier nannte man mich Rory.

Nun ist um eure Hilfe gebeten:
Wie gefällt euch die Idee?
Was sagt ihr zur schriftlichen Umsetzung?
Und habt ihr Lust auf mehr?


Dein  Buch - GeschlossenWhere stories live. Discover now