Prolog

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Die Menschen fürchteten meinen Namen. Aber niemand erinnerte sich daran, wie ich ihn verlor.

Ich saß schweigend in der Kantine und aß mein spärliches Mittagessen, eine lauwarme Suppe und ein Glas Wasser, als eine Hand neben mich auf den Tisch knallte. Ich zuckte zusammen und wagte es nicht, den Blick zu heben. Bitte nicht schon wieder..., dachte ich noch, bevor eine scharfe Stimme meine Ohren erreichte. „Sato. Gib mir dein Mittagessen, du kannst es dir doch sowieso nicht leisten", höhnte eine mir nur allzu bekannte Stimme. Ich hob kurz den Blick. Vor mir standen die drei Mädchen, die mich seit meinem ersten Tag hier ins Visier genommen hatten. Das Mädchen in der Mitte mit langen dunkelbraunen Haaren, braunen Augen und gepflegter Schuluniform war Yui Nakamura, die Anführerin der kleinen Clique. Sie starrte mich finster an. „Muss ich mich wiederholen, Sato?", fauchte sie und verengte die Augen. Das Mädchen links neben ihr griff ein und zerrte mein Tablett grob von mir weg. Die Suppe schwappte über, aber das war egal. Es ging nie darum, dass irgendwer von den dreien mein Essen haben wollte, sie wollten mich bloß demütigen. Ich zuckte nicht einmal mehr zusammen, als Mio Kobayashi mir das Tablett wegriss. Sich zu wehren würde alles nur noch schlimmer machen.


Jeden Tag aufs Neue schubsten sie mich in den Gängen, stellten mir irgendwelche Fallen oder beschmierten meine Uniform. Einmal hatten sie meinen Spind aufgebrochen und vergammelten Fisch hineingetan. Alles, was ich an diesem Tag in meinem Spind hatte, stank wochenlang noch nach ekligem Fisch, der Geruch hielt sich selbst durch unzähliges Waschen hartnäckig.


Yui grinste kalt. „Was ist los, Sato? Hat es dir die Sprache verschlagen?" Ich antwortete nicht, also wurde ich von Mio am Hemdkragen gepackt und halb hochgezerrt. „Yui hat dich was gefragt. Antworte gefälligst!", knurrte sie. Ich zuckte leicht zusammen. „Ich..." Ich brach ab, wusste nicht, was ich sagen sollte. Jede Antwort war sowieso falsch, das hatte ich in den Jahren des Mobbings gelernt. Yuis Blick wurde noch höhnischer. „Da hat wohl jemand ihre Zunge verschluckt, oder? Genauso erbärmlich wie dein Vater, der sich nicht einmal eine ordentliche Uniform für dich leisten kann. „Lass meinen Vater da raus...", flüsterte ich mit bemüht ruhiger Stimme. Die drei Mädchen lachten laut auf. Dann beugte Yui sich vor und packte mein Kinn mit festem Griff, während Mio gleichzeitig mein Hemd losließ. „Dein Vater ist ein armes Schwein. Es ist überhaupt ein Wunder, wie er sich diese Schule leisten kann. Vermutlich vertickt er wie jeden Tag irgendwelche Drogen und hofft, damit reich zu werden, oder?" Ihre Stimme war eiskalt und höhnisch. Ich zuckte zusammen. „Das... Das stimmt nicht..." Yui stieß mich so hart zurück, dass mein Stuhl kurz kippte. Instinktiv hielt ich mich am Tisch fest, aber Yui war gerade erst dabei, sich aufzuwärmen. „Seht euch das an, Mädels. Die kleine Lyra Sato versucht, ihren erbärmlichen Vater zu schützen. Wie süß", spottete sie. Mio und Haruka, die dritte im Bunde, lachten auf. Ich stand langsam und vorsichtig auf, was den Mädchen absolut nicht zu gefallen schien.


Mios Augen verdunkelten sich, dann traf der erste Schlag mein Gesicht und warf mich auf den harten Kantinenboden. Ich keuchte auf, als mir der Schmerz durch den Kopf schoss, als ich auf die kalten Fliesen knallte.


Mehrere Schüler unterbrachen ihre Mahlzeiten und drehten sich um, aber niemand griff ein. Jeder von ihnen sah tagtäglich zu, wie ich von diesen Monstern gequält wurde. Ich stemmte mich keuchend hoch, aber da traf Mios Fuß bereits meinen Bauch. Ich schrie auf vor Schmerz und krümmte mich zusammen. Yui und Haruka sahen breit grinsend zu und filmten meine Demütigung mit ihren Handys. Verdammt... Wieso hilft mir nie jemand? Wieso schauen alle nur still zu? Ich hatte den Gedanken kaum zu Ende gedacht, da trat jemand zwischen Mio, die gerade wieder ausholte, und mich. Ich hob blinzelnd vor Schmerz den Kopf. Ein unscheinbares Mädchen mit schulterlangen hellbraunen Haaren stand mit ausgebreiteten Armen vor mir. „Lasst sie endlich in Ruhe. Es reicht." Die Stimme des Mädchens war leise, aber fest.

Wenn Kirschblüten schwarz werdenStories to obsess over. Discover now