Kapitel 1

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​„Elena? Elena?", ich werde aus meinen Gedanken gerissen, als mein Lehrer Herr Brown direkt vor mir steht, sein Lineal auf meinen Tisch klopfend. „Können Sie mir wiedergeben, was ich gerade eine Stunde Ihren Mitschülern erklärt habe?" Sein Blick lag streng auf meinen müden Augen. In meiner Hand ein Stift, jedoch nicht, um seiner Vorlesung zu folgen, sondern um in meinem Skizzenbuch zu zeichnen.
​„Herr Brown - ja, natürlich, Sie haben von ...", ein schneller Blick zum Tafelbild erklärte mir, dass ich keine Ahnung vom Thema hatte. Ich senke langsam meinen Blick wieder zu meinem Skizzenbuch als Andeutung, dass ich wirklich nicht aufgepasst habe.

​Herr Brown zieht sein Lineal zurück. Mit einem enttäuschten Seufzen dreht er mir den Rücken zu. „Ich hätte nun wirklich mehr erwartet." Ich schlucke bei seinen Worten. Ich hasste es, Menschen in meiner Nähe zu enttäuschen. Mit einem schnellen Schlag schließe ich mein Buch und passe auf, wie Herr Brown seine Vorlesung fortführt, bis die quietschende Tür des Raumes meine Aufmerksamkeit erfasst.
​Eine junge Frau, nicht viel älter als ich, betritt den Raum. Ihre pure Anwesenheit hat etwas Besonderes an sich. Für einen Moment steht die Frau etwas unbeholfen herum, bevor sie sich still auf einen freien Platz vor mir niederlässt.
​Ich beobachte sie weiter. Wirklich attraktiv ... Ihr dunkelblondes, gewelltes Haar hängt locker ihre Schultern herunter, ein Schönheitsfleck direkt unter ihrem Auge ... und ihre Augen. Ich beuge mich etwas zur Seite und versuche, mir einen besseren Überblick zu verschaffen.

​„Bin ich so interessant?", ihre Worte jagen mir augenblicklich einen Schauer den Rücken herunter, als sie sich zu mir umdreht. Ihre braunen Augen haben etwas Gefährliches an sich. Je länger ich in diese starre, desto mehr fällt mir ihr Grünton auf ... ihre dunklen Punkte, die sich mit dem Braun vermischen ... vor allem im rechten ist es intensiv ...
​„Eh ... was?", ich schüttele mich kurz, aus den Gedanken gerissen. Die Frau schmunzelt, legt ihren Kopf etwas schief, wodurch ihr eine blonde Strähne ins Gesicht fällt. „Na ja, du starrst mich an? Habe ich etwas Besonderes an mir?" Ihr leises, amüsiertes Lachen lässt mein Herz höher springen. Ich räuspere mich, lehne mich in meinen Stuhl zurück, wobei ich damit fast umfalle. „Was - oh nein, ich habe dich bisher hier noch nie gesehen, deswegen ..." Ich halte inne, als die Frau sich tatsächlich mehr zu mir umdreht. Ihre Augen fixieren mich, als hätte sie mich fangen wollen, falls ich wirklich gefallen wäre.

​„Also ... starrst du jeden neuen Studenten so an?", schmunzelt die junge Frau und betrachtet mich von oben bis unten.
​Ich schlucke, lache dann peinlich berührt. „Na ja, dieses Privileg hat nicht jeder, also kannst du dich schon geehrt fühlen", grinse ich und stütze meinen Kopf auf meiner Hand ab.
​Die Frau nickt schmunzelnd. „Dann werde ich mich wohl geehrt fühlen dürfen."
​Der Lehrer beendet seine Stunde. Die Frau kneift ein wenig genervt die Augen zu. „Das war's schon ... da hätte ich ja auch zu Hause bleiben können."
​Ich muss leise kichern und halte ihr die Vorlesungszeiten vor die Nase. „Na ja, wer eine Stunde zu spät kommt ...", kichere ich leise.

​Die Frau schluckt, sieht kurz weg, als wäre ihr die Situation peinlich. „Das ist ein gutes Argument ... mh ...?" Sie sieht mich wieder an, auffordernd, meinen Namen zu erfahren.
​Ich fahre mir mit etwas zu viel Stolz durch die Haare. „Elena ~ darf ich auch Ihren erfahren?", zwinkere ich ihr in meinem Stolz zu, während ich meine Skizzen zusammensuche.
​Die Frau beobachtet meinen unbeholfenen Versuch, cool zu sein, mit einem Lächeln. „Elena also, ja ... ein schöner Name. Ich heiße Emilie."
​Ich sehe kurz auf bei ihrem Namen. „Werde ich mir merken", lächele ich und stecke meine Bücher in meine Tasche.
​Emilie nickt sanft, schreitet elegant an mir vorbei. „Wir werden uns sicher wiedersehen, Elena."
​Ich halte kurz inne, nicke dann nur knapp in meiner Überforderung. Gott, ist diese Frau heiß.

​Ich laufe zu meinem Auto, schmeiße die Sachen in meinen Kofferraum und fahre nach Hause. Meine kleine Wohnung hat nicht viel ... aber genug Platz für meine Meerschweinchen, meinen PC und Nerdstoff. Als ich die Tür aufschließe, werde ich direkt mit freundlichem Quieken begrüßt. Lächelnd knie ich mich vor den Käfig meiner Babys, die bereits nach vorne gestolpert kommen. „Na, habt ihr die Zeit gut ohne mich verbringen können?", lache ich leise und hole ihren Salat heraus, um sie zu füttern. Einen Moment lausche ich ihrem leisen Schmatzen, dem Knabbern des Salates und ihrem kleinen, eifersüchtigen Brummen, wenn eines dem anderen ein Salatblatt geklaut hat.
​Dann richte ich mich auf, um duschen zu gehen. Keine Zeit zum Ausruhen, die Miete zahlt sich nicht von allein.
​Als ich fertig bin, binde ich mir die Haare hoch, ziehe mein Hemd mit der Hose an, schnappe mir zum Mittagessen ein eiskaltes Red Bull und laufe zum Restaurant, wo ich arbeite.

Angekommen binde ich mir die Schürze um und fange direkt an: Bestellungen annehmen, bringen, bezahlen, Tisch säubern, Kunden bespaßen. Jeden Tag dasselbe, bis spät in die Nacht.
​Es war langsam ermüdend, diese ganzen sich immer wiederholenden Sprüche zu hören, das ekelhafte Flirten, was man allein für Trinkgeld mitmacht, und je später es wird, desto mehr betrunkene Leute ...
​Ich seufze, gehe zum nächsten Tisch, bereit, wieder eine Maske aufzusetzen, die Müdigkeit zu verstecken, die positive Kellnerin zu bleiben. „Guten Abend, was darf ich Ihnen brin -", mir stockt der Atem, als ich Emilie vor mir sehe. Jedoch wirkt Emilie nicht allzu schockiert.
​„Ahhh, jetzt sehe ich dich auch hier noch in Aktion?", schmunzelt die blonde Schönheit vor mir.
​Ich schlucke, lache es peinlich berührt weg. Niemand wusste von meinem Job und das sollte auch eigentlich so bleiben, ich hatte keine Lust auf ungewollten Besuch. „Ja ... wäre cool, wenn das unter uns bleiben -"

​Ich erstarre, als ich Emilies eiskalte Hand an meinem Handgelenk spüre. „Keine Sorge, Elena, Geheimnisse sterben mit dir."
​Ich blinzele, mein Blick senkt sich von ihren Augen zu ihrer Hand. So blass ... und eiskalt ... „Danke ... willst du einen Tee haben? Du wirst vielleicht krank ..." Ich sehe aus dem Fenster. Es ist zwar spätes Sommerwetter, aber es sind locker um die 26 Grad ... da sollte doch niemand so kalt sein?
​Emilie schüttelt nur sachte den Kopf. „Nein, nein, ein Bier wäre perfekt, eine Pizza, vielleicht etwas Gesellschaft?", lacht sie und lässt ihre hellen Augen durch den nicht mehr allzu gut besuchten Laden schwenken.
​Ich nehme ihre Bestellung auf. „Bier, hm? So habe ich dich nicht eingeschätzt ... ich dachte eher an Wein?"

​Emilie fängt leise an zu lachen. „Nehme ich auch ... nur bleib mir mit Wodka fern, wenn du mich nicht tot sehen willst", grinst sie und lässt ihre Fingernägel sanft über den Holztisch kratzen. Fasziniert über diese doch zu kleine Bewegung lache ich leise. „Ich werde sehen, was ich tun kann."
​Mit einem Zwinkern verlasse ich ihren Tisch und komme wenige Minuten später mit einem Bier und einer Pizza wieder. Die letzten Kunden verlassen so langsam das Lokal, weswegen ich mich mit einem Seufzen vor Emilie an den Tisch setze. Emilie deutet schmunzelnd auf ihre zur Hälfte gegessene Pizza. „Darf ich dir was anbieten?", fragt sie ruhig, fast schon mütterlich.
​Ich lehne lächelnd ab, nehme einen Schluck von meinem fünften Red Bull. „Danke, aber ich hab schon", lache ich.
​Emilie hebt eine Augenbraue. „Mh? Das nennst du Mittagessen? Der wievielte ist es?" Ein kurzer strenger Blick durchfährt meinen Körper.
​„Der fünfte? Oder so?", denke ich laut nach.

​Emilies Blick wird etwas dunkler. „Trinkst du davon immer so viel?" Ihr Ton ist etwas strenger als zuvor, jedoch immer noch freundlich.
​Ich schlucke, versuche die Situation mit einem dramatischen Kuss zwischen mir und der leeren Red-Bull-Dose zu lockern. „Hey, unsere Liebe ist wahr und ehrlich, okay? Stell dich nicht zwischen uns ~"
​Emilie hebt eine Augenbraue, einen Moment bleibt sie still, bevor sie leise anfängt zu lachen.
​Ich halte inne. Sonst werde ich für meine komische, selbstverliebte Art immer komisch angesehen, aber Emilie lacht darüber ... wie komisch ...
​Da fällt mir ein ...
​„Du sahst gar nicht überrascht aus, mich hier zu sehen?", frage ich plötzlich.
​Emilie legt den Kopf schief. „Na ja, ich war hier schon öfter und habe dich gesehen", erklärt sie.
​Ich überlege. Eigentlich kann ich mir Gesichter gut merken ... aber ihres ... nein ... diese Schönheit hätte ich mir garantiert gemerkt ...

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