— 1508 —
»Disziplin ist ein wertvolles Gut, erkauft mit Blut und Schweiß. Verloren in nur einem Wimpernschlag will die Disziplin beständig genährt werden, auf dass sie nicht falle vom fahlen Fleisch der Faulenzerei!«
Der sechsjährige Junge, an den die Worte gerichtet waren, stand artig auf und sprach sie nach. Er mochte den alten Hauslehrer, auch wenn dieser sich oft in Rage redete und seine alten Lehrsprüche wiederholte.
In einem etwas milderen Tonfall fuhr der grauhaarige Angestellte fort.
»Euer Durchlaucht, so gut ihr auch die Kurrentschrift beherrscht, ohne die angemessene Konzentration beim Abschreiben ist auch die schönste Handschrift wertlos.«
»Herr Muntean, ich habe dieses Gedicht nun schon unzählige Male abschreiben müssen. Wenn ich ein anderes wählen dürfte, könnte sich meine Aufmerksamkeit darauf steigern.«
Vlarad wusste, dass Herr Muntean es wohl nicht leicht mit ihm hatte. Der Mann hatte bereits seinen Vater, Graf Dragomir Fiodor Veaceslav Fürst von Dragocz in den Grundlagen der Literatur und Geschichte unterrichtet, doch der junge Vlarad war anders. Er war zu wissbegierig, hinterfragte zu viel, war einfach zu weit für einen Sechsjährigen.
»Verschieben wir diese Angelegenheit doch besser auf morgen. Es ist gleich Mittag, und euer Durchlaucht will doch sicherlich mit seiner Familie zu Tisch sitzen?«
»Habt Dank Herr Muntean!« Vlarad wollte schon aufstehen, doch da gab ihm sein Hauslehrer noch den Gedichtband in die Hände.
»Sucht euch bitte einen der lyrischen Texte aus und schreibt ihn bis übermorgen ab, ja?«
Der blasse Junge nickte und schlüpfte aus dem Lehrzimmer. Schon auf dem Korridor zum Speiseraum roch er, dass das Mittagessen wohl längst angerichtet war.
Er hatte recht, seine Eltern saßen bereits zu Tisch. Neben der langen Tafel stand ein kleines Babybett, in dem die vor einem Jahr geborene Viorica Alexandra Evdochia schlief.
»Vlarad, wir wollen speisen. Nimm Platz!« rief die Mätresse Parascovia Galina Ecaterina über den Tisch hinweg.
»Verzeiht die Verspätung, Mutter!« antwortete Vlarad und setzte sich.
Während der Mahlzeit spielte der dürre Junge immer wieder mit seiner kleinen Schwester, seine Eltern unterhielten sich so oder so über höhere Themen.
»Die Magd erfuhr bei ihren Einkäufen in Suceava, dass es erneute Kämpfe mit den Polen gab. Meinst du, wir müssen uns bald ebenfalls am Krieg beteiligen?« fragte Vlarads Mutter besorgt.
»Der Blinde wird Moldau noch kaputt kämpfen. Erneut werden Gerüchte laut, er wolle bald uns alle zur Treue und zu Steuern verpflichten!«
»Wie recht du hast. Unter Fürst Ștefan wäre es sicherlich nicht so weit gekommen.«
Vlarad versuchte, sich sein Interesse nicht anmerken zu lassen, doch sein Vater durchschaute wie immer seine betont abgelenkte Miene.
»Höre ruhig zu Vlarad, die Politik geht uns alle etwas an. Und sitz gerade, mein Junge! Wenn du dich eines Tages in meiner Position befindest, könnte der Krieg um Pokutien deutlich schlimmer werden, daher ist es wichtig, so früh wie möglich das Tragen von Verantwortung zu erlernen.«
Der Junge hörte Graf Dragomir mit großen Augen zu, bis die kleine Viorica zu schreien begann.
»Darf ich mich erheben?« fragte Vlarad, der in dem kleinen Baby eine Chance sah, dem Gespräch zu entfliehen.
Er war zwar interessiert an politischen Themen, doch seit seine schulische Ausbildung begonnen hatte, fühlte Vlarad sich zunehmend unter Druck gesetzt.
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De Sanguine et Sanatione
FanfictionUm die Vergangenheit des Vampirs der Schreckensfahrt ranken sich nach wie vor viele Mysterien. Wie ist Vlarad zu einem Vampir geworden? Was hat er während des Werweltkrieges erlebt? Und wie entstand die Gemeinschaft der Geisterbahn? Ein Versuch der...
