Das Letzte, was Elijah in der alten Wohnung sah, war das Bild über dem Sofa.
Sie hatte es im ersten Monat gemalt, als alles noch gut war. Acryl auf Leinwand, viel zu viel Rot, viel zu viel Gelb, die Farben liefen ineinander wie ein Sonnenuntergang, der sich nicht entscheiden konnte, ob er kitschig oder ehrlich sein wollte. Claire hatte gesagt, es sei schön. Claire hatte damals noch viele Dinge gesagt.
Elijah stand im Flur, Schuhe an, Rucksack auf dem Rücken, und starrte das Bild an. Drei Sekunden. Dann drehte sie sich um und ging.
Sie schloss die Tür leise. Nicht, weil sie Angst hatte, Claire zu wecken. Sondern weil sie Angst hatte, dass der Klick des Schlosses sie zurückhalten würde. Dass irgendein Geräusch sie daran erinnern würde, dass Claire auf dem Sofa lag, die Decke bis zum Kinn, die Augen zu, und dass Claire krank war, und dass man kranke Menschen nicht einfach verlässt.
Aber Claire war auch krank. Das hatte nur niemand gesehen.
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Sechs Monate vorher.
Claire lachte, und alle lachten mit. So war das immer. Claire betrat einen Raum, und der Raum gehörte ihr. Sie hatte diese Art, Menschen anzusehen, als wären sie die einzige Person auf der Welt. Als hätte sie auf genau diesen Menschen gewartet. Elijahs Freunde liebten Claire. Elijahs Mutter liebte Claire. Alle liebten Claire.
Elijah liebte Claire auch. Am Anfang.
Am Anfang war Claire die Frau, die ihr nach dem Konzert eine Nachricht schrieb. Die Frau, die wusste, welche Bands Elijah hörte, bevor Elijah es ihr erzählt hatte. Die Frau, die sagte: Du malst, als würdest du schreien, und das ist das Schönste, was ich je gesehen habe.
Elijah hatte noch nie jemanden getroffen, der ihre Bilder so las.
Dann wurde aus Lesen Besitzen.
Es fing klein an. Claire wollte wissen, mit wem Elijah schrieb. Claire wollte wissen, warum Elijah so lange bei Lena geblieben war. Claire weinte, wenn Elijah alleine auf ein Festival wollte. Nicht laut. Leise. Das war schlimmer.
Irgendwann ging Elijah nicht mehr alleine raus. Irgendwann traf sie keine Freunde mehr. Irgendwann malte sie nur noch, wenn Claire schlief, weil Claire sagte, der Geruch von Acryl mache sie krank, und Elijah glaubte ihr, weil Claire krank war, und wer war Elijah, das infrage zu stellen.
Die Welt wurde kleiner. Vier Wände. Claires Regeln. Claires Stimmungen. Claires Tränen, die immer kamen, wenn Elijah etwas wollte, das nicht Claire war.
Elijah hörte auf zu singen. Das fiel ihr erst Monate später auf.
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Dann das Ultimatum.
Claire saß auf dem Sofa, Beine angezogen, und sagte es so ruhig, als würde sie fragen, was es zum Abendessen gibt.
„Entweder ich oder diese Ausbildung."
Elijah stand in der Küche. Sie hielt ein Glas Wasser in der Hand. Sie spürte, wie das Glas in ihrer Faust warm wurde.
Die Ausbildung. Ihre Traumausbildung. Die Stadt, die sie liebte, seit sie 18war und zum ersten Mal dort auf einem Festival stand, die Bässe im Brustkorb, die Menge um sie herum wie ein lebendiges Tier, und sie hatte gedacht: Hier. Hier will ich hin.
Claire wollte, dass sie das aufgab. Für sie. Für vier Wände und Stille und das Gefühl, langsam zu verschwinden.
Elijah sagte nichts. Sie stellte das Glas ab. Sie ging ins Schlafzimmer und setzte sich auf die Bettkante und atmete.
Und dann, zum ersten Mal seit Monaten, spürte sie etwas anderes als Angst.
Wut.
Nicht die laute Art. Nicht die Art, die schreit und Türen schlägt. Die stille Art. Die Art, die sich in den Knochen festsetzt und wartet. Die Art, die plant.
Elijah lagerte alles ein. Ihre Bilder, ihre Staffelei, ihre Farben, ihre Kleidung, ihre Bücher. Heimlich, über Wochen, in kleinen Taschen, die sie bei einer Freundin unterstellte, die nicht mehr ihre Freundin war, weil Claire das nicht erlaubt hatte, die aber trotzdem die Tür aufmachte und nichts fragte.
Und dann, an einem Dienstagmorgen, als Claire schlief, ging Elijah.
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Der Zug fuhr um 11 Uhr Claire hatte Termine und war nicht da da ergriff Elijah die Chance
Elijah saß am Fenster und sah zu, wie die Stadt kleiner wurde. Ihre Hände zitterten. Ihr Magen war leer. In ihrem Kopf lief Claires Stimme in Endlosschleife. Du kannst das nicht alleine. Du schaffst das nicht ohne mich. Wer soll dich denn wollen, so wie du bist.
Aber der Zug fuhr. Und Elijah fuhr mit.
Sie lehnte die Stirn gegen die kalte Scheibe und schloss die Augen. Hinter ihren Lidern sah sie Farben. Rot und Gelb, ineinanderlaufend, wie der Sonnenuntergang auf dem Bild über dem Sofa.
Sie hatte das Bild dort gelassen. Absichtlich.
Es gehörte zu der Elijah, die geblieben war. Die neue Elijah hatte nichts außer einem Rucksack, einem Ausbildungsplatz und einer Wut, die sich anfühlte wie ein Versprechen.
Der Zug fuhr weiter. Elijah öffnete die Augen nicht.
Aber zum ersten Mal seit einem Jahr spürte sie, wie sich etwas in ihrer Brust bewegte, das kein Schmerz war. Es war klein und unsicher und es zitterte genauso wie ihre Hände.
Es fühlte sich an wie der Anfang von etwas.
Oder vielleicht nur wie das Ende von etwas anderem. Das reichte auch.
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Als Sie Ging
SachbücherElijah lernte Claire kennen und dachte sie hätte die liebe ihres Lebens gefunden alles scheint perfekt zu passen doch da täuschte sie sich Gewaltig von jetzt auf gleich kam alles anders und Elijah musste eine schwere Entscheidung treffen ...
