7:44 Uhr - gleich.
7:45 Uhr - jetzt.
7:46 Uhr - wo bleibt sie?Normalerweise kann man sich auf ihren Zeitplan verlassen. Um genau viertel vor acht betritt sie das kleine Café in der Nähe der Uni, bestellt einen doppelten Espresso mit Hafermilch, setzt sich an den dritten Tisch von links und beginnt zu lernen. Also: Wo zur Hölle bleibt sie? Von meinem Platz aus habe ich den Eingang und ihren Tisch gut im Blick, ohne selbst zu auffällig zu sitzen. Die Uhr an der Wand tickt, der Zeiger wandert langsam, aber stetig auf 7:47 Uhr zu.Endlich klingelt die viel zu schrille Glocke über der Tür und Suri setzt einen Fuß in den Raum. Ich stoße den Atem aus - es fällt mir jetzt erst auf, dass ich ihn überhaupt angehalten habe - und meine Schultern entspannen sich leicht. Mit fast tanzenden Schritten geht Suri auf die Theke zu.„Einen doppelten Espresso mit Hafermilch, bitte", sagt sie an die leider hübsche Kassiererin gewandt.„Kommt sofort", erwidert die Frau hinter der Theke mit einem Lächeln, für das ich ihr am liebsten an den Kragen springen würde.Ich balle meine Hände so fest zu Fäusten, dass sich meine rot lackierten Nägel in die Haut bohren. Ich muss mich beruhigen. Ich schließe kurz die Augen und atme tief aus. Suri, die gerade ihr Getränk entgegengenommen hat, läuft hüpfend zu dem dritten Tisch von links und lässt sich auf einen der Stühle plumpsen. Ihr Blick wandert über den Raum - und über mich -, bevor sie ihren Laptop aufklappt und für ihre Präsentation lernt. Die langen, blonden, welligen Haare fallen ihr sanft über die Schultern, ihre Wangen sind wegen der Kälte draußen gerötet und sie trägt den Pulli, den sie so liebt. Den weißen, mit den kleinen, blau gestickten Schneeflocken. Sie nimmt einen Schluck ihres Kaffees, streicht sich eine helle Haarsträhne hinters Ohr und ich wünschte, ich könnte sie einfach die ganze Zeit ansehen.Doch das geht nicht. Ich kann sie nicht durchgehend wie eine Psychopathin anstarren, deswegen richte ich immer mal wieder meinen Blick auf mein Buch. Bis mich die Kassiererin aus meinem angeblichen Lesen reißt, indem sie an Suris Tisch tritt.„Für die Nerven vor der Präsi, Schatz", sagt sie, während sie Suri ein Glas Wasser rüberschiebt. „Geht auf mich."Ich kann den flirtenden Unterton nicht überhören. Suri bedankt sich mehrmals höflich und in diesem Moment durchbrechen meine Nägel die Haut. Blut. Nicht viel, aber nervig. Ich schlage mein Buch zu energisch zu und stehe auf, um meine Hände im Badezimmer zu waschen.Ich stütze die Hände am Rand des Waschbeckens ab. Ich sehe zu, wie langsam ein roter Tropfen in den Abfluss hinunterläuft, bevor ich das Wasser aufdrehe und die feine Wunde kühle. Ich war so in Gedanken, dass ich die Person, die das WC betreten hat, gar nicht wahrgenommen habe. Erst als ich meinen Blick in den Spiegel hebe, sehe ich Suri hinter mir stehen. Sie betrachtet mich kritisch. Als sie bemerkt, dass sie entdeckt wurde, zuckt sie kaum sichtlich zusammen.„H-hey, alles gut? Brauchst du ein Pflaster?", stammelt sie.„Danke, aber nein. Wenn ich an so einer kleinen Verletzung sterben würde, wäre das ziemlich peinlich."Gerade als ich den Satz beendet habe, vibriert mein Handy, das ich auf dem schmalen Seifenregal abgelegt habe. Das Display leuchtet kurz auf und mein Hintergrundbild erscheint - ein Bild von Suri, das ich letzten Dienstag heimlich geschossen habe. Scheiße.„Ähm. Bin das ich?", fragt sie sichtlich verunsichert und geht einen halben Schritt rückwärts Richtung Tür.„Haha, ach das?" Ich stecke das Handy schnell in meine Tasche. „Ach, nur eine alte Freundin. Aber du hast recht, sie sieht dir erstaunlich ähnlich." Ich habe so ein Glück, gut lügen zu können
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The third table from the left
General FictionYuri, Ari (19) stalkt ein Mädchen aus ihrer Uni (Suri 19) in die sie sich verliebt hat. Sie kennt Suris Tages Abläufe, ihre Angewohnheiten und ihre Persönlichen Interessen. Ist das nich liebe oder schon Besessenheit?
