Ich hasste es, wenn Fabi recht hatte.
Nicht, weil er es aussprach. Das tat er sowieso, ohne Rücksicht auf meine Stimmung, meine Geduld oder die Tatsache, dass ich seine Meinung in neun von zehn Fällen gar nicht bestellt hatte. Fabi hatte diese unangenehme Angewohnheit, Dinge zu sehen, bevor ich beschloss, sie zuzugeben. Dunkle Schatten unter meinen Augen. Eine Sekunde zu langsame Reaktion, wenn jemand meinen Namen rief. Die Art, wie ich die rechte Schulter fester hielt, wenn ich zu lange gestanden hatte. Kleinigkeiten. Für andere nichts. Für ihn Beweise, sauber gesammelt und vor mir auf den Tisch gelegt, bis ich kaum noch so tun konnte, als wäre mein Körper ein schlecht gelaunter Angestellter, den man einfach weiterarbeiten ließ.
Aura lag ein paar Straßen hinter mir, immer noch wach, immer noch voll, immer noch gierig nach Licht, Musik und Menschen. Früher war der Club nachts lebendig gewesen und tagsüber still genug, um Fehler zu hören. Inzwischen hatte sich auch der Tag in unser Geschäft gefressen. Bar am Nachmittag, ruhiger Treffpunkt, Kaffee für Leute, die nachts zu viel getrunken hatten, Gespräche in Ecken, kleine Deals, größere Sorgen, ein paar Gesichter, die nur kamen, weil sie wussten, dass niemand sie dort nach ihrem vollen Namen fragte. Mehr Gäste. Mehr Geld. Mehr Organisation. Mehr von allem, was funktionierte, und damit mehr von allem, was überwacht werden musste.
Ich hatte die letzten Tage kaum geschlafen. Zwei Stunden hier, vierzig Minuten dort, einmal auf dem Ledersofa in meinem Büro, während unten Nora jemanden anschrie, er solle aufhören, mit einer frisch genähten Hand eine Flasche aufzumachen. Die Woche hatte sich angefühlt wie ein Messer, das nicht schnitt, sondern stumpf über Knochen schabte. Nicht gefährlich genug, um aufzuhören. Nur unangenehm genug, um irgendwann Spuren zu hinterlassen. Fabi hatte mich vor einer Stunde angesehen, mit verschränkten Armen vor meiner Bürotür, und gesagt: „Geh nach Hause, bevor ich dich rauswerfe und dabei so tue, als wäre es eine liebevolle Intervention."
Ich hatte ihm gesagt, dass er dramatisch war. Er hatte gesagt, ich sähe aus wie eine schöne Leiche mit Steuerunterlagen. Danach hatte er mir meine Jacke zugeworfen und nicht geblinzelt, bis ich sie anzog. Das war sein Problem. Er konnte stur sein, wenn er glaubte, mich schützen zu müssen. Meistens war es nützlich. Heute war es lästig. Noch lästiger war nur, dass mein Kopf sich klarer anfühlte, seit ich draußen war.
Die Straße war kalt genug, um durch den Stoff meines Mantels zu greifen. Später Abend, vielleicht schon Nacht, je nachdem, ob man die Uhr oder die Art von Menschen fragte, die noch unterwegs waren. Die Stadt hatte ihren Ton verändert. Tagsüber fraßen sich Stimmen, Motoren und Schritte übereinander. Nachts wurden Geräusche ehrlicher. Ein Auto zwei Blocks weiter, das zu langsam rollte. Eine Tür, die hinter mir ins Schloss fiel. Männerlachen vor einem Laden, zu laut, aber nicht auf mich gerichtet. Meine Schritte auf dem Gehweg, gleichmäßig, nicht hastig. Ich lief nicht schnell. Wer schnell lief, erzählte der Straße, dass er ein Ziel hatte. Ich hatte eins. Ich musste es nicht ankündigen.
In den dunklen Fensterscheiben der geschlossenen Geschäfte sah ich mehr als meine eigene Spiegelung. Ein Wagen auf der anderen Straßenseite. Silbergrau, Parklicht aus, niemand am Steuer sichtbar. Nicht relevant, solange er blieb, wo er war. Ein Hauseingang links, halb offen, warmes Licht im Flur. Ausweichmöglichkeit, falls nötig. Zwei Männer hinter mir, Abstand zu groß für Interesse, zu klein für Zufall, dann bog einer ab und der andere blieb stehen, um sich eine Zigarette anzuzünden. Kein Muster. Keine Gefahr. Nur Menschen, die glaubten, die Nacht gehöre ihnen, weil sie laut genug atmeten.
Mein Handy vibrierte in meiner Manteltasche, bevor der Klingelton einsetzen konnte. Ich zog es heraus, ohne meinen Schritt zu verändern. Olivia.
„Du bist wirklich auf dem Heimweg?", fragte sie, als hätte sie das Gespräch nicht genau aus diesem Grund begonnen.
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Perfekt gebrochen
ActionEin kleiner Verrat. Eine Vergangenheit, die nie ruhen durfte. Eine Frau, deren Kontrolle so perfekt ist, dass sie fast unmenschlich wirkt. Sie kennt Regeln, Blut und Gehorsam. Sie kennt Aufträge, Schweigen und schmutzige Geschäfte. Was sie nicht ken...
