Die Geschichte entspringt meiner Fantasie und die Handlungen in der FF stimmen nicht mit wirklichen Geschehnissen überein.
Ich kenne Tokio Hotel nicht persönlich und alles in dieser FF ist frei erfunden, ich verdiene mit der Geschichte kein Geld und will niemandem schaden. Vor allem basiert die FanFiktion auf keiner wahren Begebenheit, ich habe nichts mit dem Privatleben der Charaktere oder deren Beziehungen zu tun. Alle Personen gehören (bis auf den OC) sich selbst und die Geschehnisse werden hauptsächlich aus der Sicht des OCs erzählt.
Viel Spaß beim Lesen.
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Es war heiß.
Brühend heiß.
Dieser Sommer in Los Angeles gehörte zu den heißesten, die die junge Frau je erlebt hatte und wie sie dastand, in ihrer schicken Uniform, die nichts mit ihrer eigentlichen Arbeitskleidung zu tun hatte, während ihr die Sonne ins Gesicht schien, dachte sie sehnsüchtig an die kalte Dusche, die sie nach dem Empfang nehmen konnte. Davor musste sie das Abendessen vorbereiten.
„Stella, auf deiner Jacke sind Fussel", bellte Stefano, eilte an der jungen Frau vorbei eine Reihe nach hinten, wo er einer anderen Frau einen weißen Fussel von der dunkelblauen Jacke zupfte. „Katalena, sind die Appetizer bereit?"
„Selbstverständlich, Stefano", sagte die Frau namens Katalena nickend. „Alles ist bereit für die Gäste."
„Ich weiß, dass das dein letzter Sommer bei uns wird", meinte ihr Boss nervös, „Aber dennoch ist es der bisher größte Auftrag von allen. Niemand war je so lange auf unserer Yacht, wie die heutigen Gäste. Es muss alles perfekt sein!"
„Wir sind immer perfekt", sagte die Frau neben ihm. „Es wird schon alles prima laufen. Wir sind ein eingespieltes Team. Bisher war jeder Gast begeistert von uns."
Und das stimmte. Die gigantische Yacht hinter ihnen im Hafen glänzte hochpoliert in der Sonne und bot Platz für bis zu vierzehn Personen, hatte einen Whirlpool, einen eigenen Fitnessraum und Helikopterlandeplatz, ebenso wie einen Minigolfplatz und dazu kam die Exklusivität.
Stefano, der Chef des Teams, hatte vor vielen Jahren diese Yacht ersteigert und sie selbst zu einem Prestigeobjekt umgebaut. Woher er das Geld gehabt hatte, das wusste niemand. Jedoch wurden ihm horrende Summen für die Yacht geboten, er lehnte jedoch alle Angebote nachdrücklich ab. Und das aus gutem Grund.
Die Purpurhorizont war eine Yacht, die für ihren Service bekannt war. Butler, Dienstmädchen, Yoga- und Fitness Coaches, Masseure und Köche standen rund um die Uhr zur Verfügung. Ein Team aus zehn Leuten lebte mit den Gästen auf dem Schiff und las ihrer Kundschaft jeden Wunsch von den Augen ab.
Katalena, die meist nur Kate genannt wurde, war ein Teil dieses Teams. Was anfangs als Ferienjob gedacht war, war heute seit fast vier Jahren ihr geliebter Vollzeitjob. Der Stress, die anspruchsvollen Kunden und das hohe Niveau der Yacht halfen ihr dabei, immer ihr Bestes zu geben und als exklusive Köchin war sie für ihre Gerichte bekannt. Namenhafte Restaurants hatten schon versucht sie abzuwerben – erfolglos. Doch mit dem Ende dieses Sommers, würde ein neues Kapitel anbrechen. Sie würde die Yacht verlassen und ihr eigenes Restaurant eröffnen, wie es lange ihr Traum war. Und endlich, nach all den Jahren und viel hin und her, hatte sie beinahe das nötige Geld und die Sicherheiten zusammen, um mit der Erfüllung des Traumes zu beginnen. Sie würde zwar dennoch einen Kredit brauchen, aber den Großteil könnte sie bereits selbst finanzieren.
„Sie müssten jeden Moment da sein", schaute Stefano auf seine Rolex. „Denkt dran, wir sind professionell! Die Hitze stört uns nicht!" „Das sagst du so leicht, ich bin schon fast gar", sagte Stella, Kates beste Freundin mürrisch. Aus ihrer anfangs lockeren Arbeitsbeziehung, hatte sich eine enge Freundschaft über die Jahre entwickelt und nach diesem Sommer würde Stella ebenfalls das Team verlassen und in einem sehr berühmten Hotel in Vegas die stellvertretende Leitung übernehmen. Das Studium im Management und die vier Jahre Praxiserfahrung hatten ihr diesen Job eingebracht, auf den sie sehr stolz war. Ihr unterstand das siebenköpfige Team aus Butlern und Zimmermädchen, die dafür Sorge trugen, dass jeder Winkel der Yacht glänzte. Das war bei der Kundschaft notwendig!
Wer Urlaub auf der Purpurhorizont machen wollte, musste tief in die Tasche greifen. Es gab sogar eine Warteliste. Der Aufenthalt auf dem millionenschweren Schiff kostete zehn- bis hunderttausende Dollar und konnte mit allen Leistungen gebucht werden, die man sich vorstellen konnte. Ihr guter Ruf eilte ihnen voraus und Werbung brauchte die Yacht nicht. Nur durch Mund-zu-Mund Propaganda war diese so bekannt, dass Stefano sich vor Anfragen nicht retten konnte und so zählten mittlerweile Stars und Sternchen zu ihren Gästen. Von Sängern, Schauspieler, bis berühmte Autoren, Regisseure, Model und Politiker alles war dabei. Die Gäste schätzten die Diskretion, die Ruhe und die Professionalität jedes einzelnen Bordmitglieds und Kate als bekannte Sterneköchin zauberte ihnen die leckersten Gerichte, exklusive Landeskost und edle Dessert.
Es war unglaubliches Glück gewesen, dass Stefano sie eines Tages in einem Restaurant abgeworben hatte, nachdem er dort die besten Ravioli seines Lebens gegessen hatte, wie er immer wieder betonte. Der Koch war krank geworden und Kate in ihrer Lehre eingesprungen. Wäre dies nicht passiert, hätte sie den Sprung in diese Art des Kochens nicht geschafft. Jeden Tag schuftete sie seitdem hart und allein mit dem Budget für ihre Zutaten könnte man das Jahresgehalt mancher Menschen erreichen.
Kate schaute die viel befahrene Straße an, auf der Suche nach einem Protzwagen, der irgendwo in Hafennähe parkte. Sie warteten schon seit einer Ewigkeit, weil Stefano immer genau plante, wer wo stehen musste, um ein Bild der Einheit abzugeben.
Heute erwarteten sie Gäste, die drei Wochen auf der Yacht bleiben und eine recht anspruchsvolle Strecke damit schippern wollten. Die Kosten dafür mochte Kate sich nicht ausmalen, bei Stefanos Grinsen jedoch dachte sie sich, dass es sich gelohnt haben dürfte. Sie waren alle gleich gekleidet, in einer dunkelblauen Uniform, die sie als Crew einheitlich machte und mit weißen Halstüchern. Dadurch das Kate ihr langes, dunkelbraunes Haar offen trug, sammelte sich bereits Hitze und Schweiß in ihrem Nacken. Da sie in der Küche arbeitete, war sie einen Pferdeschwanz oder einen geflochtenen Zopf mit Haarnetz gewöhnt. Das hier war ungewohnt, aber bei der Ankunft neuer Gäste durfte nirgendwo nur ein Staubkorn sein.
Es war eine Band, bestehend aus vier Männern, so hatte Stefano seiner Crew erzählt. Tokio Hotel, eine Band, die Kate noch aus ihrer Jugend kannte und sogar eine kurze Zeit Fan gewesen war, bis die vier Männer aus Deutschland nach Amerika gegangen waren. Bei weitem nicht ihre exklusivsten Kunden, wenn sie darüber nachdachte, wen sie hier schon alles willkommen geheißen hatten, jedoch erneut eine Herausforderung. Die Zwillinge Bill und Tom Kaulitz aßen kein Fleisch, weswegen sie eine Menge vegetarischer Köstlichkeiten auf dem Speiseplan hatte und auch für edle Getränke hatte die Crew gesorgt. Es galt für sie als Köchin, die Gäste und ihre Wünsche was das Essen anging, auswendig zu lernen, genauso wie Stella als Leiterin der Zimmermädchen und Butler die Vorlieben für Getränke, Dekoration und Amüsements kennen musste. Kate fing Stellas Blick auf, die eine Grimasse zog. Wenn das so weiterging, dann standen sie morgen noch hier.
Doch das Schicksal schien sie zu erhören, denn nur wenige Minuten später hielt ein silberner Cadillac am Hafen, aus dem vier Männer mit gespiegelten Sonnenbrillen ausstiegen. Kate straffte die Schultern. Die Bilder, die Stefano heute Morgen seinem Team gezeigt hatte, passten wie die Faust aufs Auge. Die vier Männer ließen sich Zeit beim Aussteigen und schlenderten in aller Ruhe auf den Steg zu.
Das Zuspätkommen war ein typisches Ego Ding mancher Kunden. Extra zu spät zu kommen, zeigte Macht und zeugte davon, dass andere warten mussten.
Stefano trat ein paar Schritte nach vorne und der Band entgegen. Sobald zwei der Securitymänner des Schiffes deren Koffer sahen, eilten sie los, um den Gästen das Gepäck abzunehmen und in deren vorbereitete Räume zu bringen.
„Willkommen", breitete Stefano die Arme aus. Sein dickes Auftragen, was Freundlichkeit anging, ebenso wie der Südstaatenakzent kamen vor allem bei weiblicher Kundschaft sehr gut an, während Kate es übertrieben und Stella nervig fand. Doch keiner von ihnen würde das ihrem Boss jemals mitteilen, der gerade Bill Kaulitz, dem Frontmann der Band die Hand hinstreckte. Bill nahm sie entgegen und erwiderte den Händedruck. Er trug eine orangene Lederjacke, deren Farbton in den Augen wehtat und Schuhe, bei denen Kate sich die Beine gebrochen hätte, würde sie nur einen Schritt damit machen. Der Sänger war für Extravaganz bekannt, daher überraschte sie sein Erscheinungsbild nicht, auch wenn es gewöhnungsbedürftig war. Neben ihm stand, nach Kates Info, sein Zwillingsbruder Tom. Frisch geschieden, wie die Klatschblätter behaupteten und mit einem Gesichtsausdruck, als wäre all das weit unter seiner Würde. Er war attraktiv, groß gewachsen und durch sein weißes Oberteil sah man die Muskeln an seinem Körper. Er trug ebenfalls eine Sonnenbrille, musterte jedoch eindeutig die Yacht und dann die Crew, die aufgereiht davorstand. Neben ihm stand Georg, der Bassist der Band, ebenfalls ein Blickfang, wenn auch weniger auffällig wie Tom und hinter ihm kam Gustav, der Schlagzeuger. Er war der Einzige aus der Gruppe, der freundlich lächelte.
„Wir sind hocherfreut", neigte Stefano den Kopf, „euch bei uns zu begrüßen. Ich bin Stefano und das ist meine Crew." Er machte eine Armbewegung und jedes Mitglied nickte der Band grüßend zu. Keiner der vier erwiderte den Gruß. Sie wirkten eher so, als wären sie eben auf einer Beerdigung angekommen.
„Wir sind müde", informierte Bill Stefano. „Wir würden gern auspacken und eine Kleinigkeit essen." „Selbstverständlich", nickte Kates Chef eilig, „Wir lassen eure Sachen bereits auf die Zimmer bringen und Kate hier zaubert euch ein paar schmackhafte Appetizer, damit wir rundum zufrieden und gestärkt in See stechen können!" Er nickte im Kates Richtung, die plötzlich im Zentrum der Aufmerksamkeit stand, da die Blicke aller vier Männer zu ihr glitten.
Tom Kaulitz schaute sie besonders lange an, bevor seine Lippen sich zu einem herablassenden Lächeln verzogen. „Das werden wir sehen", meinte er nur und schob sich an Stefano vorbei. „Haben die Zimmer Klimaanlagen?"
„N-Natürlich", nickte Stefano und Stella eilte mit ihrem Team zu Seite, da die vier Männer die Yacht betraten, ohne sich weiter vorzustellen. Es war zwar nicht so, als hätte man das in ihrem Team nie zuvor erlebt, doch es war trotzdem ein wenig unverschämt. Die Crew betrat mit dem eingebläuten Abstand die Yacht und Stella, die neben Kate kam, raunte finster: „Was sind das denn für arrogante Vögel?"
„Sie sind unsere Gäste", belehrte Kate, die jedoch völlig Stellas Meinung war. „Vielleicht sind sie nur müde und hungrig. Cedric und ich bringen sofort die Snacks hoch, dann sollten sie ein wenig umgänglicher werden." „Hm, lass mich raten", schwärmte Caroline, die Assistentin von Stella, „Gefüllte Eier mit Kaviar, deine berühmten Lachswürfel mit der herrlichen Creme und die Mini Sandwiches?"
„Du vergisst die kleinen, vegetarischen Pizzaschnecken und die Tofuwürfel mit Oliven", ergänzte Kate, „Stefano war übertrieben großzügig mit dem Budget, als würde ich den Kaiser bekochen."
Stella seufzte. „Wenn wir doch nur öfter Reste von deinem köstlichen Essen hätten. Was gibt es heute Abend?"
„Französische Zwiebelsuppe, danach Wachteleier mit Avocado, zur Hauptpreise die Gnocchi mit frischem Gemüse und das Dessert wird ein selbstgemachter Apfelstrudel", sagte Kate und grinste, als sie die sehnsuchtsvollen Gesichter ihrer Kolleginnen sah. In diesem Moment kam Stefano um die Ecke und hob tadelnd den Finger. „Sie sitzen bereits! Wo bleiben die Appetizer, Kate?"
„W-Wollten sie sich nicht erst frisch machen?", fragte die Braunhaarige verdutzt. Stefano zuckte die Schultern. „Scheinbar haben sie was an den Zimmern auszusetzen, Stella, kümmere dich darum! Sie sagen, es wäre staubig und die Räume wären zu klein!" „Ich habe sie vor einer Stunde kontrolliert", beteuerte Stella empört, „Sie sind makellos und klein schon gar nicht. Aber gut, ich werde die Räume im Oberdeck richten lassen. Kate, bitte halte sie eine Weile hin, wir beeilen uns!" Sie huschte davon und Kate trabte die Treppen ins Unterdeck herunter.
Die Wärme der Küche kam ihr entgegen und sie riss das weiße Halstuch herunter und knöpfte ihre Bluse auf. Sie brauchte ihre schwarze Schürze und dann würde sie diesen Gästen zeigen, was sie für ihr Geld bekamen!
Cedric wartete schon aufgeregt in der Küche auf sie. Er war fünf Jahre jünger als Kate, hatte eine angenehm ruhige Art an sich und war mittlerweile braun gebrannt. „Kate", begrüßte er hektisch, „Was soll ich zuerst nach oben bringen?" Er öffnete den Kühlschrank, Kate zog die schwarze Schürze über. Kates Haare waren bereits ordentlich hochgebunden und sie ärgerte sich darüber, dass für eine schnelle Dusche keine Zeit gewesen war. Aber die Gäste hatten immer Vorrang!
„Nimm zuerst die Sandwiches mit", wies die Braunhaarige ihren Assistenten an, „Und danach die Eier und den Rest. Pass auf, die Treppe ist frisch geputzt, rutsch bitte nicht aus!" „Niemals", versicherte Cedric und nahm das Tablett aus dem Kühlschrank, entfernte die Frischhaltefolie und ging damit nach oben, um es den Gästen zu servieren.
Kate währenddessen holte den Teig, den sie heute Morgen schon vorbereitet hatte und begann diesen sanft zu kneten, um den Apfelstrudel für das Abendessen vorzubereiten. Die Arbeit als Köchin erfüllte sie und war bei weitem genug Arbeit, um ihre Tage lückenlos zu füllen. Stefano bezahlte alle seine Angestellten gerecht und war ein fairer Chef. Selbst wenn er ständig Stress hatte und auch mal überfordert war. Wenn er laut wurde, dann gab es meist einen guten Grund.
Hinter Kate kam Cedric erneut die Stufen herunter und ging mit dem nächsten Tablett wieder hinauf. Dann nochmal.
Die Braunhaarige schnitt gerade die frischen Äpfel, da kam ihr Gehilfe erneut herunter und stellte sich unschlüssig zu ihr. „Du kannst damit anfangen, die Zucchini zu schneiden, außerdem sollten wir noch Brokkoli haben", wies Kate an, die verwirrt war, wieso er nicht sofort weiterarbeitet, da er das heutige Tagespensum bereits kannte.
„D-Die Gäste sagen, ihnen schmecken die Appetizer nicht", murmelte Cedric, Kate ließ das Messer sinken. „Was?"
„Die Sandwiches schmecken fade, die Creme in den Eiern wäre versalzen und die Lachswürfel zu warm", zählte er auf, „Außerdem sind die Pizzaschnecken zu verbrannt und das Essen zu schwer für die Wärme."
„Zu schwer?", wiederholte Kate verwirrt und wusch sich schnell die Hände. „Aber was wollen sie stattdessen?" Sie trocknete die Hände ab. Cedric zuckte die Schultern, „Stefano hat teuren Champagner gebracht, sie scheinen damit gerade zufrieden zu sein. Vielleicht sollten wir das selbstgemachte Eis vorschlagen?"
„Das sollte morgen das Dessert sein", murmelte Kate und griff sich an die Stirn. Sie war Kritik als Köchin sehr wohl gewöhnt, aber eigentlich bekam sie nichts als Komplimente für ihre Häppchen. Die Band schien anspruchsvoll zu sein, wenn sie daran etwas auszusetzen fanden und dann noch an jedem der Appetizer. Das war höchst seltsam. Ihre Creme war nie versalzen, sie könnte das Rezept mit verbundenen Augen zubereiten und auch die Lachswürfel waren frisch und kamen aus dem Kühlschrank, die Sandwiches waren mit teurem Käse oder dünnen Putenstreifen belegt und mit selbstgemachter Remoulade bestrichen. Kate atmete tief durch. Scheinbar war sie diesmal an etwas kompliziertere Männer geraten. Berühmte Menschen hatten ein gewisses Talent dafür, anderer Leute Arbeit herunterzumachen, zumindest manchmal, aber sie durfte natürlich nicht den Geschmack der Kunden in Frage stellen! Für Stefano hatte sie gerade versagt und obwohl das gemein war, musste sie dafür geradestehen, egal was sie persönlich davon hielt.
„Du bleibst hier und richtest das Abendessen weiter vor", sagte die Braunhaarige nachdrücklich an Cedric gewandt. „Ich gehe hinauf und entschuldige mich angemessen." „Aber die Häppchen sind fantastisch! Wie immer", behaarte Cedric leise, „Das ist unfair! Bisher hatten wir nie eine Beschwerde, die auf das ganze Essen ausgerichtet war. Es wirkt fast, als könnte man den Gästen schon jetzt nichts recht machen!" „Lass das nicht Stefano hören", mahnte Kate mit Blick zur Treppe. „Die Gäste", redete sie weiter, „bezahlen mitunter unser Gehalt. Das heißt, wir fügen uns ihren Wünschen, auch wenn sie im Unrecht sind. Das weißt du doch."
Cedric nickte, wirkte aber nicht ganz zufrieden. Kate währenddessen zog ihren Pferdeschwanz enger und stieg tief durchatmend die Treppe aufs erste Deck hinauf. Warme Luft strömte ihr entgegen, im Vergleich zur Küche kam es ihr jedoch wie eine angenehme Briese vor. Sie lief einige Schritte an der Seite des Decks entlang, bis sie das Lachen der Männer hörte.
Kate trat um die Ecke und kurz blieb sie stehen. Auf den weißen Sesseln und der großen Couch ausgebreitet, oberkörperfrei und noch immer mit Sonnenbrillen, thronten die vier Männer vor ihr. Jeder einzelne musterte sie.
„Die Köchin", sagte Tom, ganz rechts sitzend und richtete sich auf. Stella würde durchdrehen, wenn sie die Flecken seiner Straßenschuhe, die er noch nicht ausgezogen hatte, auf dem weißen Mobiliar sehen würde. Kate biss die Zähne zusammen und setzte ihr professionelles Lächeln auf. Wie tausendmal geprobt, stellte sie sich aufrecht hin und begann zu sprechen, „Es tut mir aufrichtig leid, dass euch unsere Häppchen nicht zusagen. Darf ich etwas anderes bringen? Selbstgemachtes Eis vielleicht? Eine Obstplatte?"
„Ich glaube, diese Erfahrung reicht mir kulinarisch erst einmal", ergriff wieder Tom das Wort, Kate konnte sich in der Spiegelung seiner Sonnenbrille sehen. „Ich dachte", kam es von Bill, der gegenüber von seinem Bruder saß, „das hier wäre der Inbegriff von Luxus, was eine Yacht betrifft. Das", er deutete auf die Appetizer, „ist gerade mal durchschnittlich."
„Und ihr beide", sagte Gustav plötzlich ernst, „seid sehr unhöflich!"
„Bill hat recht", zuckte Tom die Schultern und lehnte sich zurück, „Wofür bezahlen wir denn?"
Kate war einen Moment so überfahren, dass sie nichts zu erwidern wusste. Sie deutete auf die Platten. „Soll ich dann wieder abräumen? Wird noch etwas benötigt?" „Nichts, was mit Essen zu tun hat", kam es von dem braunhaarigen Gitarristen und als Kate sich herunterbeugte, um das Tablett zu nehmen, sah sie plötzlich, dass er seine Sonnenbrille abgenommen hatte. Braune Augen funkelten ihr entgegen, mit einem Farbton wie flüssige Vollmilchschokolade. Einen Moment lang versagte ihr der Atem, da sie den Mann vor sich das erste Mal richtig ansah. Seine muskulöse Brust, der Dreitagebart, die schönen Augen und vor allem... das überhebliche Lächeln, das an seinen Mundwinkeln zuckte.
„Nicht sehr professionell", höhnte er spöttisch, „Die Gäste so gierig zu mustern."
Kate holte empört Luft, konnte sich aber zurückhalten, „Ich bitte um Entschuldigung", erwiderte sie sanft und nahm das Tablett vom Tisch. Bill lehnte sich vor. „Weißt du, wer wir sind?", fragte er und deutete auf seine Bandkollegen.
„Sicher", sagte Kate selbstbewusst, „Ich kenne all unsere Gäste." Dass sie im Voraus von Stefano Mappen bekamen, in denen alle Informationen standen, die er über Gäste der Yacht finden konnte, verschwieg sie natürlich. Die meisten Angestellten lasen es nicht, da sie sowieso selten direkten Kontakt zu den Gästen hatten und nur mit „Du da", angesprochen wurden. Wenige Gäste machten sich etwas daraus, die silbernen Namenschilder auf jeder Uniform zu beachten, aber Stefano bestand darauf.
Bill jedoch lehnte sich nach ihrer Antwort nur zurück und verzog das Gesicht. „Dann ist gut", meinte er nur und machte eine Bewegung, als wollte er sie wie ein streunendes Tier davonscheuchen. „Nimm diesen Kram hier mit, das esse ich nicht. Wir brauchen noch Champagner."
Kate umklammerte das Tablett fester. „Selbstverständlich. Sonst noch etwas?"
Einen Moment lang wurde es unheimlich still. Die Zwillinge warfen sich einen Blick zu, wobei Georg, der Bassist, die Braunhaarige auffällig lange anschaute. Er hatte seine Sonnenbrille ebenfalls auf dem Tisch abgelegt. Kate ließ sich nichts anmerken. In den Jahren auf dieser Yacht war sie es gewohnt, angesehen zu werden. Man flirtete die Angestellten hier oft an, manchmal sehr penetrant. Stefano war streng damit und die Gäste unterschrieben auch allesamt Formulare, dass der Ruf seiner Crew jederzeit unantastbar bleiben musste und man die Angestellten angemessen behandeln sollte.
Da dieser Begriff sehr weitreichend war, nahmen das vor allem viele männliche Gäste nicht sonderlich ernst und es wäre nicht das erste Mal, dass ein Mitglied des Teams deswegen kündigte. Denn den Gästen, hoch angesehenen Mitgliedern der High Society, konnte man nichts anhängen. Sie hatten die Anwälte und das Geld, um sich rauszukaufen und diejenigen, die den Flirts nachgaben und danach fristlos entlassen wurden, weinte man keine Träne nach.
Viele Angestellte hatten bereits versucht, sich berühmten Kunden zu nähern, in der Hoffnung auf eine Gefälligkeit oder Aufmerksamkeit. Oder die Ehe mit einem reichen Geschäftsmann, wie es vor zwei Jahren einer zwanzigjährigen Mitarbeiterin gelungen war, die es geschafft hatte, von ihrem Gast schwanger zu werden. So unantastbar, wie Stefano seine Yacht gerne bewarb, war sie dann doch nicht.
„Ja", antwortete Tom auf Kates Frage, „Das Abendessen muss geändert werden."
Kate erstarrte. Sie bereitete seit Stunden das Abendessen für den heutigen Tag vor. „Wie bitte?", fragte sie höflich und bemühte sich nach Kräften, weiterhin stur zu lächeln. Der Blick des Gitarristen bohrte sich in ihren, kalt und überheblich. „Ich sagte, das Abendessen ist unzureichend", wiederholte er, als wäre Kate schwer von Begriff. „Mach etwas anderes."
„Was hätte der Herr gerne? Oder besser gesagt, die Herren?"
„Bitte belästige jemand anderen mit diesen Fragen, ich bin im Urlaub." Tom breitete sich auf der weißen Lounge aus und nahm seine Sonnenbrille wieder zur Hand, Georg schaute gedankenverloren in die Ferne, Bill blickte auf das Tablett mit gefüllten Eiern und Gustav wirkte fast, als würde ihm das ganze Theater auf die Nerven gehen. Kate biss die Zähne zusammen und erwiderte so freundlich sie konnte: „Sicher. Im Namen unseres Teams noch einmal herzlich Willkommen an Bord."
Ihr Tonfall nahm völlig unabsichtlich einen beinahe herausfordernden Tonfall an, bevor sie sich entfernte. Sie spürte die Blicke der vier Männer im Rücken, bis sie um die Ecke bog und musste sich beherrschen, um das Tablett mit den kaum angerührten Häppchen nicht in den Ozean zu werfen. Stefano hatte offenbar das Signal zur Fahrt gegeben, denn sie ließen gerade den Hafen hinter sich. Kate seufzte, als sie die Stufen herunterkam und gereizt, wie sie war, schickte sie Cedric, um die restlichen Häppchen zu holen.
Bereits als der Jüngere zurückkehrte, war Kate sich sicher, dass die Band müde oder gestresst sein musste, denn ihre Häppchen waren einwandfrei, wie sie fand und auch Cedric kostete und gab ihr recht. Nichts schmeckte anders als sonst und obwohl Kate sich innerlich ärgerte, handelte sie professionell und ließ Cedric die Reste auf kleinen Tellern zu den übrigen Angestellten bringen, die natürlich alles mitbekommen hatten. Kate währenddessen stand vor der Aufgabe, ihr gesamtes, geplantes Abendessen umzuwandeln und da sie keine Ahnung hatte, in welche Richtung sie nun gehen sollte, entschied sie sich für einen leichten Caesar Salat und schaffte es tatsächlich, noch ihre mit Pilzen gefüllten Pfannkuchen zuzubereiten. Da sie keine Zeit für ein neues Dessert hatte, musste der Apfelstrudel bleiben, wie sie einem aufgebrachten Stefano mitteilte. Offenbar war sie nicht die Einzige, die schon jetzt genervt von den neuen Gästen war.
Stella und Caroline hatten offenbar jedem der Bandmitglieder neue Zimmer hergerichtet, wobei Bill seines immer noch nicht gefiel und er darauf bestand, sich aus sämtlichen Zimmern das auszusuchen, welches ihm zusagte. Georg und Gustav fielen weniger negativ auf, Tom jedoch schien Stefano mit seinen Forderungen auf Trab zu halten. Der Gitarrist verlangte, dass man ihm einige Fitnessgeräte auf das obere Deck tragen sollte, damit er draußen Sport machen konnte, außerdem verlangten er und Bill jeweils eine Schale Eiswürfel auf ihre Zimmer, die sie zweimal zurückgehen ließen, da das Eis ihnen zu schnell schmolz. Georg beschwerte sich, dass seine Klimaanlage nicht funktionierte, der Techniker der Yacht beteuerte aber, keinen Fehler finden zu können und die Anlage funktioniere tadellos.
Das Abendessen verlief weitestgehend ruhig, wie Kate erleichtert feststellte, wobei ungewöhnlich viele Reste zurückgingen. Sie war es gewohnt, für ihre Gerichte und ihren Einfallsreichtum geschätzt zu werden, Lob gab es hier und da auch, aber niemals hatte sie etwas wie an diesem Mittag erlebt. Fast schien es, als wollte die Band die gesamte Crew gegen sich aufbringen und Stella, die Kate am Abend auf dem Weg zu ihrer Kabine über den Weg lief, hatte nichts außer ein geschafftes Augenverdrehen für die neuen Gäste übrig.
In einem schien sich das Team einig zu sein – das würden drei lange Wochen werden.
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Purpurhorizont
RomanceKatalena „Kate" Sinclair, ist Köchin aus Leidenschaft. Bei ihrem Job auf einer Luxus-Yacht, wo die Stars und Sternchen Urlaub machen, hofft sie genug Geld zu verdienen, um endlich ihren Traum vom eigenen Restaurant zu verwirklichen. Doch dann kommen...
