Hogwarts wirkte in diesem Winter ruhiger als sonst. Der Krieg hatte deutliche Spuren hinterlassen. Nicht nur optisch: bröckelnde Mauern, eingestürzte Türme. Auch die Menschen im Schloss schienen erst wieder zu lernen, wie man sich ohne Schatten bewegte.
Harry wartete im verschneiten Innenhof, die Finger tief in den Taschen vergraben. Der Wind war kalt, aber klar; er trug das Lachen einiger jüngerer Schüler zu ihm herüber, während sie über Valentinstagspläne tuschelten. Herzchendekoration hing bereits an den Wänden der Korridore. Es war schön, sich endlich wieder solch unbeschwerten Themen hingeben zu können.
Wenn da nicht dieses Gefühl tief in Harrys Brust wäre...
Er drückte die Lippen zusammen und hob den Blick, als Schritte näherkamen.
Ginny.
Sie blieb ein paar Schritte vor ihm stehen, die Wangen rot vom Wind und mit einem Lächeln, das zu perfekt saß.
„Hi“, sagte sie leise.
„Hi.“
Wie ein einziges Wort einem solch Schauer über den Rücken jagen konnte.
„Du wolltest mit mir reden“, begann Ginny. Ihre Stimme war ruhig. Vielleicht ein Tacken zu ruhig.
Harry schluckte.
Er hatte lange darüber nachgedacht, was er sagen sollte. Wie er es sagen sollte.
„Es fühlt sich nicht richtig an“, murmelte er schließlich mehr, als dass er es richtig aussprach.
„Nicht wegen dir. Du bist—du bist toll, Ginny. Wirklich. Es ist nur…“
Er brach ab und suchte nach Worten.
Sie sah ihn an. Lange. Ruhig.
„Es hat sich verändert“, flüsterte sie. Kein Vorwurf—nur eine Feststellung, die man machte, wenn man etwas bestätigt bekam, das man ohnehin gespürt hatte. „Bei uns.“
Harry nickte.
Es lag nicht an ihr.
Es war etwas in ihm.
Er hatte nie gewusst, ob er es benennen sollte. Oder überhaupt konnte.
Er wusste nur, dass es unfair wäre, so weiterzumachen.
„Ich will ehrlich sein“, sagte er. „Und ich bin im Moment nicht… nicht der Mensch, den du verdienst.“
Ein kaum merkliches Zucken ging über ihre Lippen.
„Ich verstehe“, sagte sie mit einem warmen Lächeln um die Lippen. Doch es erreichte nicht ihre Augen.
Harry wäre es fast lieber gewesen, sie hätte geschrien, ihn ihre Wut spüren lassen. Aber das hier—diese beherrschte Akzeptanz—lag schwer in der Luft.
Sie atmete ein, zitterte beinahe. „Danke, dass du es sagst.“
Es klang aufrichtig, und doch hörte Harry den Schmerz in ihrer Stimme.
Ein leises, scharfes "Es tut weh, aber ich lasse dich gehen."
Sie trat einen Schritt vor und legte eine Hand auf seinen Arm.
Kurz. Fest.
Eine Berührung, die fast mehr sagte als Worte.
„Wir sind trotzdem okay, ja?“
Harry nickte sofort. „Ja. Versprochen.“
Sie lächelte wieder dieses zu ruhige Lächeln und ließ ihn dann los.
„Mach’s gut, Harry.“
„Du auch.“
Sie drehte sich um und ging davon. Ihre Schritte waren gleichmäßig, kontrolliert—aber als sie den Arkadengang erreichte, senkte sie den Kopf ein kleines Stück, als könne sie erst außerhalb Harrys Reichweite ihre wahren Emotionen zulassen.
Harry blieb stehen, atmete aus.
Ein seltsames Gefühl von Leichtigkeit und Trauer mischte sich in seiner Brust.
Es war richtig gewesen. Und trotzdem schmerzte es.
Er wandte sich zum Schloss hin—und stockte.
Auf der anderen Seite des Hofes, halb im Schatten des Bogengangs, stand Draco Malfoy.
Blasser als früher, schmaler.
Aufrecht, die Hände tief in den Manteltaschen, der Blick unbewegt.
Doch seine Haltung wirkte mittlerweile alles andere als überheblich.
Manchmal fragte Harry sich, wie es Draco eigentlich ging.
Nach all dem.
Lucius Malfoy in Askaban.
Narcissa, die sich kaum noch aus dem Anwesen wagte.
Und Draco… zurück in Hogwarts, nicht freiwillig, sondern „unter Aufsicht“, wie McGonagall es formuliert hatte.
Ein Kompromiss.
Besser als Askaban, aber weit entfernt von Freiheit.
Harry hatte sich damals dafür eingesetzt — nicht weil er Draco mochte, sondern weil er gesehen hatte, was niemand sehen wollte:
dass Draco kein Mörder war.
Kein echter Todesser.
Nur ein Junge, der nie die Möglichkeit bekommen hatte, seine eigene Wahl zu treffen.
Seit sie zurück in Hogwarts waren, war Draco kaum wiederzuerkennen.
Keine Clique, keine Sprüche, keine laute Präsenz.
Nur dieser leise, abseitige Schatten, der durch die Gänge schlich, als würde jeder Schritt zu viel Aufmerksamkeit bedeuten.
Harry ertappte sich immer öfter dabei, hinzusehen.
Nicht aus Misstrauen — das war längst vorbei.
Sondern aus etwas anderem...
In diesem Moment sah er nicht aus, als wäre er absichtlich Zeuge gewesen. Eher so, als wäre er zufällig in einen Moment geraten, den er nicht hätte sehen sollen.
Seine Augen trafen Harrys für einen Atemzug zu lang.
Es lag nichts Offensichtliches darin—kein Spott, keine Häme.
Aber auch kein Mitgefühl.
Nur ein stiller, wachsamer Ausdruck, der sich Harry nicht erschloss.
Dann wandte Draco den Blick ab und verschwand im Inneren des Schlosses. Lautlos.
Harry stand noch einen Moment im Schnee, ehe er selbst den Rückweg antrat.
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Valentinstag - Drarry
FanfictionNach dem Krieg kehrt Ruhe nach Hogwarts zurück - doch für Harry Potter beginnt eine ganz neue Unruhe. Eine Trennung, ein geheimnisvolles Paket und ein Zauber, der mehr auslöst als geplant, bringen ihn ausgerechnet Draco Malfoy näher. Dem Jungen, de...
