Kapitel 1

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Ich wurde durch das laute Zuschlagen der Haustür geweckt. Oh nein! Und schon hörte ich das Schnaufen meines Vaters und kurz darauf begann er auch schon zu schreien. "Nikki! NIKKI!!!" Nein,nein,nein... wann wird es endlich enden? "Nikki! NIKKI! Isch ruf disch! Komm runter oder du weischt schon wasch dann paschieren wird,also komm du Mischtstück!" Seine Schritte polterten die Treppe hoch und kamen meiner Tür immer näher ... Wenn ich jetzt nicht raus kam,dann,...

"Nikki!" seine Schritte kamen noch näher und seine Stimme wurde immer gereizter. Gott, ich hatte so riesen Angst... Aber wenn ich jetzt nicht raus ging, dann würde er entweder reinkommen oder, was noch schlimmer wäre, zu meiner Mutter gehen, und das wäre einfach unverzeihlich. Sie hat schon zu viel mitmachen müssen. Das würde ich mir niemals verzeihen. Also schwang ich mich aus dem Bett, tapste mit weichen Beinen zitternd zur Tür und öffnete sie. Schnell ging ich in den dunklen Flur und schloss meine Tür hinter mir. Mein Vater war noch am Anfang des Flurs, an der Treppe. Er schnaufte und würgte. Bitte nicht übergeben, bitte nicht. Dann müsste ich das wieder weg machen...

"Nik-" "Nikki!" er kam nun näher. Scheiße, hatte ich Angst. Mein ganzer Körper weigerte sich, nur einen Schritt in seine Richtung zu machen. Doch ich musste ihm helfen, er war mein Vater. Ich wusste, dass sie jetzt weinend in ihrem Zimmer auf dem Bett lag und jeden Moment erwartete, meinen Vater nach ihr rufen zu hören oder das er in ihr Zimmer kommt. Aber das würde ich nicht zulassen, dann lieber ich. Ich hatte das schon so oft ausgehalten und ich würde es erneut schaffen. Also fasste ich meinen gesamten Mut zusammen und ging auf meinen Vater zu. Er stöhnte und beugte sich über. Nein, bitte nicht. Er würgte und dann übergab er sich. Super, dass heißt ich darf jetzt den Rest der Nacht damit verbringen, das Erbrochene meines Vaters wegzumachen.

"Ah! Nikki!" Er blickte mit milchigen Augen zu mir hoch. Ich schloss die Augen, er stank extrem nach Alkohol. Verdammt, warum musste er sich immer besaufen? Warum tat er das? Er richtete sich auf und wankte auf mich zu. Er drohte umzukippen und stützte sich an der Wand. "Jetzt hilf mir du nichtsnutziges Miststück!", lallte er. Ich zuckte zusammen und ging schnell zu ihm, um ihn zu stützen. Er legte seinen Arm um meinen Nacken und stützte sich nun mit seinem ganzen Gewicht auf mich. Verdammt, war er schwer! Ich holte tief Luft und ging dann los in die Richtung des Zimmers meines Vaters. Schnell öffnete ich die Tür und hievte meinen Vater hindurch in sein Zimmer.

"Na immerhin etwas , du Nichtsnutz." er lies sich auf das Sofa fallen. "Du und deine Mutter, ihr seid Miststücke. Nischts wert! Und für nichts zu gebrauen." Er spukte die Worte förmlich aus. Ich drehte mich um und wollte gerade gehen, als ich eine Hand an meiner Schulter spürte, die mich schmerzvoll zurück zog. "Du bleibscht hier!" Er drehte mich ruckartig um und blickte mich wütend an. Ich zuckte zusammen, versuchte mich zu befreien, auch wenn ich wusste, dass es nichts brachte. Es würde nur alles schlimmer machen. Dann spürte ich auch schon einen Schmerz in meiner linken Wange. Erschrocken blickte ich zu meinem Vater auf. Sein Blick war kalt und hart.

"Das hascht verdient, mieses Ding." er zog mich wieder ins Zimmer, knallte die Tür zu und schloss sie ab. Scheiße! Was ging denn jetzt ab!? Er drückte mich gegen die Tür. Ich zitterte am ganzem Leib. "Jetzt bekommscht du was du verdienst..." Ich starrte ihn erschrocken an. Das kann mein Vater mir nicht antun! Er schlug mir mit voller Wucht in den Bauch. Okay, er konnte. Immer wieder schlug oder trat er mich. In den Bauch, Arme, Beine. Wenigstens verschont er mein Gesicht, ...noch... Und das auch nicht lange. Schon bekam ich einen Schlag auf mein linkes Auge. Der nächste landete auf meiner Lippe und dann noch einer auf meiner Nase. Ich merkte wie mir Blut aus der Nase und aus dem Mund lief.

Nun packte er mich an den Schultern und zog mich von der Wand. Dann schmiss er mich auf den Boden, nur um ein Haar wäre ich mit dem Kopf gegen das Bettgestell geknallt. Keuchend lag ich da, auf meine Hände gestützt und nur Millimeter über der Bettkante. Ich hörte hinter mir ein Rascheln. Was hatte er vor? Ich wollte mich gerade hoch stemmen, als mein Vater mich grob zurück drückte. Dann schob er mein Top hoch. Oh Gott! Was wollte er? Meine Gedanken rasten, Panik kam in mir auf. Dann knallte es. Ein furchtbarer Schmerz fuhr meinen Rücken hinauf. Dann knallte es erneut, und erneut, und erneut... immer und immer wieder. Bei 12 hörte ich auf zu zählen.

Nach einer Ewigkeit hörte er endlich auf. Ich konnte mich nicht bewegen. Es fühlte sich an, als wenn meine Haut in Fetzen gerissen ist. Alles schmerzte, weigerte sich, sich zu bewegen. Mein Atem ging flach, und trotzdem spannte meine Haut. "Los, jetzt. Verpiss dich!" Brutal zog er mich hoch und schubste mich an die Tür. Ich schrie auf. Scheiße tut das weh! Ich drückte die Klinke runter. Shit! Sie war doch abgeschlossen, und mein Vater hatte den Schlüssel. Verdammt! Ich rüttelte an der Tür wie eine Gestörte! Ich merkte nicht das mein Vater hinter mich getreten war. "Kommscht nischt weg wasch?!" er lachte höhnisch auf und ich zuckte zusammen.

Er hob die Hand und hielt sie mir vor die Augen und daran baumelte der Schlüssel. Ich versuchte ihn zu greifen, doch mein Vater zog ihn immer wieder mit einem fiesen Grinsen weg. Mir kamen die Tränen. Ich hatte schreckliche Schmerzen. Mein Rücken! Ich hatte das Gefühl, er würde immer wieder reißen... mein Bauch tat mir weh und mir lief immer noch Blut aus der Nase. Mein Mund war taub und erfüllt von dem Geschmack von Eisen. Ich konnte einfach nicht mehr... Als ich meinen Arm erneut hob um den Schlüssel zu fassen zu bekommen, schlug mein Vater mir auf die Schulter. Gequält stöhnte ich auf und Tränen rannen immer schneller über meine Wangen. Doch er lachte nur.

Er packte mich an der schmerzenden Schulter und zog mich mit sich. Ich schrie auf als er mir auf den Rücken schlug. Dann schubste er mich rückwärts gegen die Kommode. Ich schlug mit dem Kopf gegen die Kante. Meine Schläfe brummte. Neben mir lag ein zerbrochener Bilderrahmen. Unter den Scherben erkannte ich ein altes Foto von meinen Eltern, meinem Bruder und mir. Mir kamen erneut Tränen. Wir waren eine so heile Familie... "Flenn nicht. Dazu hast du kein Recht!" Ach!? Hatte ich nicht? Er hockte nun vor mir und sah mich höhnend an. Dann gab er mir eine Ohrfeige. Er nahm meinen Arm und zog mich brutal hoch, sodass mein Arm schmerzte. Als ich hinab blickte, sah ich, dass er an einer Stelle aufgeplatzt war. Oh verdammt... Ich schaute zur Kommode. Die unterste Schublade war offen und ich war genau drauf gefallen.

"Och, hat das Miststück Aua?!" er lachte höhnisch auf, zog mich zur Tür und schloss sie auf. Schnell öffnete ich sie und stolperte raus aus dem Zimmer meines Vaters. Ich hörte wie die Tür zufiel, dann stolperte ich weiter in Richtung meines Zimmers. Ich riss die Tür auf, konnte gerade so mein Gleichgewicht halten. Die Tür fiel hinter mir ins Schloss und ich rutschte die Tür hinunter. Ich konnte nicht mehr... Mir lief eine Träne nach der anderen die Wange runter. Ich zog die Beine an und legte meinen Kopf auf die Knie. Immer wieder zuckte ich unter den Weinkrämpfen zusammen und schluchzte erneut auf, als ich meinen Rücken spürte. Nach einer Weile hatte ich mich beruhigt und versuchte schmerzfrei aufzustehen, was definitiv unmöglich war. Als ich endlich stand, schloss ich die Augen und blieb kurz stehen. Dann ging ich ins Bad und schaute voller Angst in den Spiegel.

Und was ich sah, war schlimmer als alles, was er mir je angetan hatte! Mein eines Auge war blau verfärbt und dick angeschwollen. Um meine Nase war alles grün und blutverkrustet, auch meine Lippe war aufgeplatzt. Dann blickte ich langsam meinen Arm an. Er war grünlich und pochte. Das Blut war getrocknet. Vor meinen Rücken hatte ich am meisten Angst. Als ich mich umdrehte und in den Spiegel sah, zuckte ich erschrocken zusammen und unterdrückte einen Aufschrei. Überall waren rote Striemen, einige waren aufgeplatzt und bluteten. Oh Gott! Und nun viel mir ein, dass draußen auf dem Flur noch Arbeit auf mich wartete. Wie sollte ich das nur schaffen? Vorsichtig schlich ich auf den Flur, holte Eimer und Putzsachen aus der Kammer und machte mich mir schmerz verzehrten Gesicht an die Arbeit.

Als endlich alles sauber war, schleppte ich mich ins Bad und ging in die Dusche. Verdammt! Das Wasser brannte wie Feuer auf meinem Rücken! Und ich hatte schon den weichsten Strahl gewählt. Nach dem Duschen schnappte ich mir schnell ein Handtuch und machte mich vorsichtig an meinen Verletzungen zu schaffen. Als alles gereinigt war, holte ich den Verbandskasten aus dem Schrank und nahm Cremen und Verbände heraus. Dann begann ich meine Wunden zu verarzten. Nach einer halben Stunde war ich fertig und begab mich zurück in mein Zimmer, wo ich mich vorsichtig aufs Bett legte. Wie sollte ich denn schlafen? Ich legte mich auf die Seite mit meinem heilen Arm und nach unendlich langen und schmerzvollen Minuten schaffte ich es, einzuschlafen ...



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