Die Tür fiel zu. Nicht laut. Aber entschlossen. Ein klarer Ton, wie ein Befehl ohne Stimme.
Minho hob nicht mal wirklich den Kopf. Er saß locker am Schreibtisch, hatte die Beine halb ausgestreckt und vertiefte sich zwischen seinem Laptopbildschirm und dem leeren Energiedrink in eine Lektüre, die er eh nicht richtig laß. Eigentlich saß er hier nur und wartete - doch wirklich eingestehen würde er sich das nicht. Draußen preschte der Regen gegen das alte Klosterfenster, dass fast schon etwas undicht wirken könnte. Doch es hielt. So dicht wie jede einzelne Wand hier.
Chan stand einfach nur da. Die Tür ließ er leise ins Schloss fallen und drehte bedacht den Schlüssel um - wie ein Zeichen, dass ihm das Sprechen einfach abnahm. Er starrte bebend auf die Klinke, nass von dem Wasser, dass er beim Herumschleichen in den Innenhöfen, nachdem er aus einem der Fenster geklettert war, eingesammelt hatte. Das Shirt klebte an seinem Rücken. Die Haare waren noch verwuschelt, als hätte sich hier jemand verewigt während er selbst nach jemand anderem roch. Nach Schweiß. Nach fremder Haut und einem letzten Rest an Selbsthass.
„Ich war bei dem aus dem Philosophie-Tutorium", sagte er schließlich noch in Richtung der Tür, bevor er sich langsam in den kalten Raum drehte. Er berichtete nicht wirklich, weil er's teilen wollte, sondern weil ihm die Stille sonst zu laut wurde.
Minho blätterte weiter, ohne aufzuschauen. Er hatte nicht mal gezuckt. „Der junge Blonde mit dem Möchtegern-Tattoo, dass er versucht zu verstecken?" Seine Stimme klang müder als sein ignoranter Blick. „Mhm." Chan trat ein paar Schritte in den Raum, sein Blick klebte förmlich an Minhos Silhouette. Die Luft roch nach altem Staub und entstehender Spannung. Er machte das doch absichtlich. Sich wieder mal nicht bewegen. Als würde es dich nicht interessieren.
„Ich dacht, er wär's. Er war so süß, so nervös in meiner Nähe und ein kleines bisschen zu bemüht. Hätt' fast ausgereicht..."
Chan lehnte sich mit dem Kopf gegen die Schrankkante, verschränkte die Arme und starrte weiter. „Ich war kaum richtig drin als ich schon wieder wusste – nope. Kein Biss, kein Feuer, einfach nur langweilige Leere. War, als würd ich gegen 'ne Wand atmen."
Minho drehte sich jetzt halb. Endlich mal eine Reaktion, auch wenn es eher eine genervte war, als das er für Chans Monolog irgendeine bessere Form von Interesse zeigte.
Er stützte den Ellbogen am Stuhl ab, ließ die Hand hängen wie kurz vorm Gähnen.
Doch sein Blick schnitt schärfer als alles andere im Raum.
„Und? Hast du wenigstens durchgezogen?" Ein komischer, fake desinteressierter Tonfall.
„Klar." Chan zuckte mit der Schulter. „Er war voll drin – dachte wahrscheinlich, ich bin sein nächstes großes Ding."
Ein flaches Grinsen. "Aber ich war schneller wieder draußen, als dass er 'Ich will dich wiedersehen' stammeln konnte."
Minho lachte leise. Ohne Freude und ohne echten Ausdruck.
„Du glaubst echt jedes Mal wieder, wenn du dir irgendeinen noch nicht kaputten Jungen vornimmst, wird dein eigener Dreck weniger, hm? Starke Therapie - wie immer"
Chan warf ihm einen Seitenblick zu.
„Funktioniert ja meistens fast so gut wie mit dir."
„Tja. Ich frag halt nicht, ob's dir gefällt."
„Und genau deshalb steh jetzt ich hier."
Minho musterte ihn.
„Du tropfst." kam es nur gebrummt, als man ihm ansah wie er sich zwang, weiterhin desinteressiert wegzublicken. Chan blinzelte auf, verkneifte sich das Grinsen noch. Ein Wassertropfen rann ihm den Hals runter, doch noch stand er so stocksteif, dass er sich nicht viel bewegte. Minhos Stimme war trocken wie Beton:
„Zieh dich aus."
Das Adrenalin bahnte sich schon rein durch den Tonfall durch seine Adern.
Chan zog gehorsam das Shirt aus, warf's aufs Minhos Bett und markierte damit sein Revier.„Funktioniert schon", knirschte er amüsiert, und da war was in seiner Stimme – fast wie Hunger, fast wie Trotz.
YOU ARE READING
the golden sinner - Minchan/Chanlix
Fanfiction„Sag's mir", forderte Minho rau. „Warum ausgerechnet er?" Chan lachte leise. „Weil er glaubt, Minho. Und ich will der sein, der ihm das nimmt." - Was passiert, wenn dir der Glaube verbietet, du selbst zu sein? Wenn man dir schon als Kind sagt, du se...
