Kapitel eins Morgen grrrrr

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Jona

Kapitel 1 – Jona

Das nervige Kichern meiner fünfzehnjährigen Schwester zieht mich aus dem Schlaf. Ich hasse es. Es ist jeden Morgen dasselbe mit ihr. Zumindest seit sie ihr neues Telefon bekommen hat. Ich sehe zum Wecker und stelle bedauernd fest, dass seine Batterien ausgefallen sind. Ich suche grummelnd nach meinem eigenen Gerät der Technologie. Als ich die weißen Lettern auf meinem Bildschirm erblicke, bin ich automatisch noch genervter. Es ist gerade mal sechs Uhr in der Früh. Wenn ich einmal wach bin, kann ich nicht wieder einschlafen. Ich hasse alles daran.

Ich setze mich genervt auf und starre auf meinen Kleiderschrank. Doch ehe ich in Erwägung ziehe, etwas davon anzuziehen, stapfe ich mit leisen Schritten ins Bad. Ich schaue in den Spiegel über mir und erblicke mich selbst. Meine Augen wandern über meine flache Brust und meinen Bauch. Ich stelle mich unter die Dusche, um ein wenig runterzukommen. Beziehungsweise einige Körperregionen von mir. Nach einiger Zeit drehe ich das Wasser wieder auf warm. Noch etwas später trockne ich die kleinen Wassertröpfchen aus meinen braunen, zotteligen Haaren.

In meinem Zimmer zurück angekommen, starre ich wieder auf meinen Schrank. Ich probiere, die erstbeste Hose, die ich sehe, mit meinen Gedankenkraften zu mir zu ziehen. Pech nur, dass ich keine Telekinese besitze und sich genau gar nichts bewegt. Schlecht gelaunt stehe ich auf und ziehe mir besagte Hose über. Sie ist grau und mir ein bisschen zu groß. Dazu ziehe ich mir den erstbesten blauen Strickpullover über. Er ist mir ein wenig zu weit, aber daran bin ich gewöhnt. Ich habe bedauerlicherweise die filigrane Statur meiner Mutter geerbt statt der breit gebauten meines Vaters. Trotzdem bin ich mit meinem Körper ziemlich zufrieden.

Ich gehe in die Küche und starre in die Ferne. Ich weiß ganz genau, dass meine kurzen Haare immer noch aussehen wie ein Vogelnest und dass meine Augenringe trotz der kurzen Gesichtswäsche in der kalten Dusche immer noch tief sind. Jedoch ist mir das, wie jeden anderen Morgen, egal. Ich mag es, dass mein Shampoo vier in eins ist und ich mir die Mühe jeden Morgen nicht machen muss, mein Gesicht extra zu waschen. Ich verbringe eine weitere halbe Stunde damit, nichts zu tun außer Kaffee zu schlürfen, ehe ich mich dazu entschließe, heute mal früher in die Schule zu gehen. Ich flüchte sozusagen vor dem Unterbruch der Stille durch meine Familie.

Ich ziehe mir einen zweiten Hoodie über und verlasse dann mit meinem Rucksack das Haus. Der Bus kommt genau zur perfekten Zeit. Ich steige ein und fahre los. Ich wohne mit dem Bus ca. eine Stunde von zu Hause entfernt. Ich lehne meinen Kopf also an das Fenster und schlafe nochmals eine Runde. Doch genau als ich langsam in den Schlaf abdrifte, setzt sich ein schwarzhaariger Junge zu mir ins Abteil. Ich kenne ihn nicht, aber er ist ungefähr siebzehn. Also in meinem Alter. Ich tue so, als hätte ich ihn nicht bemerkt, und drücke meinen Kopf näher an die Scheibe. Doch er hat offensichtlich gesehen, dass ich wach bin, denn er kichert. Zumindest spricht er mich nicht an. Er steigt auf der gesamten Fahrt bis hin zur Schule nicht aus. Dieser komische Typ scheint mit mir auf eine Schule zu gehen. Merkwürdig, der ist mir noch nie aufgefallen.

Ich trotte durch das Schulgelände auf der Suche nach Ben und Felice. Die beiden sind so ziemlich die einzigen, die ich leiden kann. Auch wenn ich immer noch nicht ganz verstehe, warum sie mich leiden können, denn ich bin nicht gerade ein Sonnenschein. Ich finde nur Felice in dem großen Saal unserer Schule. Es gibt dort eigentlich nur an den Wänden einige Nischen und ein paar vereinzelte Tische. Meine Freundin ist über ein Schulbuch geneigt. Sie ist eine dieser Personen, welche so nah ans Blatt rangehen, um zu schreiben, dass es von der Ferne aussieht, als würden sie schlafen.

Ich setze mich ohne ein weiteres Wort zu ihr an den Tisch und hole einen Block hervor. Sie sieht auf. „Oh, hallo Jona, wieso bist du denn schon so früh da?" Ich murre nur, ehe ich lapidar antworte: „Bin aufgewacht und konnte nicht mehr weiterschlafen." Sie nickt und erzählt, was sie heute alles so erlebt und gemacht hat. Ich höre ihr nickend zu und kritzle dabei auf meinem Block ein wenig herum.

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