Quinn's sicht
Quinn rieb sich die Schläfen, während das gleichmäßige Rattern der Straßenbahn durch seine Kopfhörer sickerte. Der Kaffee in seinem Becher war längst kalt, aber er hielt ihn trotzdem fest. Ein Ritual. Etwas, das sich gleich anfühlte, wenn alles andere im Innern schwankte. Es war 07:12 Uhr – der kurze Moment zwischen Nachtroutine und Tageslärm. Perfekt, um unterzutauchen.
Er war einer von vielen an diesem Morgen. Schwarze Kapuze, ruhiger Blick, keine auffälligen Merkmale. Niemand würde stehen bleiben, um ihn anzusehen. Genau so hatte er es gelernt – neutral, unbedeutend, unauffällig. Die perfekte Tarnung für jemanden, der nicht entdeckt werden durfte. Für einen Omega, der sich selbst als Mensch tarnt.
Mit einem leichten Ziehen in der Magengegend erinnerte er sich an die zwei Tabletten, die er heute Morgen geschluckt hatte. Eine gegen das biochemische Echo, das seine wahre Natur verriet, die andere gegen seine Reaktionen auf Alphas in der Nähe. Die Formel war neu – selbst zusammengestellt, leicht modifiziert – und bisher wirkungsvoll. Keine Hitze, kein Geruch, keine Aura. Nichts, was sie auf ihn aufmerksam machen würde.
Der Waggon war halbvoll. Menschen lasen Nachrichten auf ihren Handys, hörten Podcasts, tranken hastig Kaffee aus umweltfreundlichen Bechern. Quinns Blick wanderte gedankenverloren aus dem Fenster – bis er abrupt innehielt.
Drei Männer stiegen an der nächsten Haltestelle ein. Groß, selbstsicher, Kleidung zu teuer für den Berufsverkehr. Nicht auffällig für normale Menschen. Aber Quinn spürte sofort, wie sich sein Körper anspannte – innerlich, reflexhaft. Sein Blut verlangsamte sich, sein Atem wurde flacher. Ein archaischer Mechanismus, tief eingebrannt.
Er ließ sich nichts anmerken, richtete den Blick wieder nach draußen. Doch seine Sinne hatten bereits gescannt, gezählt, gewertet.
Drei Alphas.
Der eine hatte scharfe Wangenknochen und einen Blick, der direkt durch Menschen sah. Der zweite wirkte ruhiger, fast gelangweilt, aber sein Körper war angespannt wie ein Raubtier kurz vor dem Sprung. Der dritte lächelte beiläufig, charmant – gefährlich auf andere Weise.
Sie standen am anderen Ende des Wagens, zu weit weg, um ihn wirklich zu sehen. Und doch… einer von ihnen drehte leicht den Kopf, als hätte er einen Geruch aufgefangen. Nur einen Hauch. Fast nichts.
Quinns Herz schlug schneller. Aber er zwang sich zur Ruhe. Die Medikamente wirkten – sie mussten wirken. Er roch nicht nach Omega. Sein Blut war ruhig, seine Pheromone künstlich blockiert. Alles in ihm schrie nach Flucht, doch sein Verstand hielt ihn fest.
Die drei Männer unterhielten sich leise. Ihre Stimmen tief, kultiviert, mit einem seltsamen Unterton – etwas nicht Greifbares, das zwischen den Silben lag. Quinn horchte auf, trotz sich selbst. Doch es gab nichts Eindeutiges. Nur Fragmente.
„…hat was gespürt, glaube ich…“
„Vielleicht… oder Einbildung.“
„Nicht stark genug, um wichtig zu sein.“
Sein Magen verkrampfte sich. Sie hatten etwas gespürt. Nicht viel, aber genug, dass es sie irritierte. Es war keine Erkennung. Kein „Mate!“. Nur eine Irritation. Eine Ahnung. Wie der Geruch von Regen, bevor er fällt.
Er verließ die Bahn zwei Stationen zu früh. Ging den restlichen Weg zu Fuß, obwohl er dafür zehn Minuten früher aufstehen müsste, um pünktlich zu sein. Aber er brauchte den Abstand. Den Wind. Das Geräusch seiner Schritte auf dem Asphalt.
Als er schließlich die Klinik betrat, hatte er das Gesicht der Kontrolle wieder aufgesetzt. Kühl, professionell. Nicht ein Hauch von dem, was eben geschehen war, war in seinen Bewegungen zu sehen.
„Guten Morgen, Herr Moreau“, grüßte Leonie von der Rezeption. Wie immer korrekt, freundlich, distanziert.
„Morgen“, erwiderte er knapp und ließ sie hinter sich. Niemand hier kannte sein Geheimnis. Nicht einmal Dr. Fehrmann, sein Vorgesetzter. Der wusste zwar, dass Quinn besondere Medikamente nahm, hatte aber nie zu viele Fragen gestellt. Solche Menschen waren selten – und nützlich.
In seinem Büro ließ er sich auf den Stuhl sinken und starrte für einen Moment auf seine Hände. Keine Schwitzen. Kein Zittern. Gut. Er öffnete die Medikamententasche im untersten Fach der Schreibtischschublade, überprüfte die Dosen. Alles normal. Vielleicht war die Reaktion der Alphas nur Zufall gewesen. Vielleicht ein anderer Omega, der in der Bahn gewesen war. Nicht jeder war so vorsichtig wie er.
Aber etwas in ihm zweifelte.
Nicht an der Wirkung der Medikamente. Sondern daran, ob sich seine Natur wirklich für immer verbergen ließ.
Er hasste dieses Gefühl – das Wissen, dass irgendwo tief in seinem Körper etwas lauerte, das er nie gewollt hatte. Ein Band, das sich instinktiv knüpfte. Eine Abhängigkeit, die über die Sinne kam, nicht über den Willen.
Er hatte sie gesehen, die anderen. Omegas, die mit glänzenden Augen zu Füßen ihrer Alphas lagen, voller Hingabe, aber ohne eigene Richtung. Manche nannten es Liebe. Quinn nannte es Kontrollverlust. Und er hatte sich geschworen, nie so zu enden.
Er würde kein Teil eines Rudels sein. Kein Spielball von Genetik und Instinkt. Und vor allem würde er sich nicht von einer Begegnung wie der heute aus dem Gleichgewicht bringen lassen.
Die Tür öffnete sich mit einem leichten Klopfen. Dr. Fehrmann steckte den Kopf hinein. „Ah, Quinn. Kurze Rückfrage zu dem Bericht für die B32-Kasse – hast du die psychologische Einschätzung schon ergänzt?“
Quinn schaltete blitzschnell um. Arbeit war sein Schutzschild. „Ist fertig. Ich schick’s dir gleich rüber.“
„Perfekt. Übrigens, ich habe gehört, wir bekommen nächste Woche ein paar externe Gutachter für das Projekt mit den Privatkliniken. Drei Kollegen aus Frankfurt. Ich geb dir Bescheid, wenn sie da sind.“
Quinn nickte, lächelte höflich. „Klingt gut.“
Als Fehrmann ging, blieb Quinn noch einen Moment stumm sitzen.
Frankfurt. Drei Kollegen.
Ein Zufall? Oder eine Vorahnung?
Er schob den Gedanken weg. Es brachte nichts, sich in Möglichkeiten zu verlieren. Noch hatte keiner der Alphas ihn erkannt. Noch war er sicher. Noch war alles unter Kontrolle.
Und solange das so blieb, gab es keinen Grund zur Panik.
Doch als er später durch das Fenster in den Innenhof blickte, und der Wind durch die geöffneten Blätter des Maibaums fuhr, spürte er etwas.
Nicht Angst. Nicht Gefahr.
Etwas Tieferes. Undefinierbares. Wie ein Flüstern aus längst vergessenen Wäldern.
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The Alpha's Omega
Serigala JadianBoyxMxMxM-Werwolfgeschichte: --- "Verborgene Instinkte - Drei Alphas, ein Omega, ein gefährliches Spiel" In einer Welt, in der Werwölfe im Verborgenen unter Menschen leben, weiß der Omega Quinn genau, wie gefährlich es ist, erkannt zu werden. Mit Me...
