Kurzgeschichte

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Als ich am Morgen nach dem Meteoritenschauer die Augen aufschlug, war es stockfinster. Verwirrt tastete ich nach meinem Handy, war es wirklich noch so früh? Ich tippte auf dem Handy herum, doch es blieb dunkel. Als ich schließlich auf den Lichtschalter drückte, blieb das Licht aus. Was war hier los? „Alice" rief ich, bekam jedoch keine Antwort. Ich stand auf und ging zu ihrem Bett, um zu schauen, ob sie darin lag. Ob es einen Stromausfall gegeben hatte und das Licht deshalb nicht funktionierte? Aber wenn es ein Stromausfall gewesen wäre, hätte mein Handy doch trotzdem funktioniert.  Während ich ging, stieß ich mich immer wieder an herumliegenden Sachen. Beim Bett angekommen setzte ich mich und suchte mit meinen Händen nach ihrem Körper. Doch es war leer und kalt. Was war passiert? Wo war Alice? Wieso ging das Licht nicht? All diese Fragen schwirrten mir im Kopf herum. Wieder tastete ich über ihr Bett und plötzlich berührte meine Hand etwas Hartes, Kaltes. Ich sprang vor Schreck zurück, dabei rutschte ich auf etwas aus und knallte mit dem Ellenbogen gegen den Nachttisch „ Ahh" schrie ich. Als ich mich wieder aufrappelte, spürte ich etwas Weiches am Fuß, weshalb ich auf mein Bett zurückflüchtete. Nach einer Weile tastete ich vorsichtig dem kalten Etwas, das ich grad eben berührt hatte. Als meine Hand es fand schloss sie sich um es und wiegte es in der Hand. Es war etwas schwerer und größer als mein Handy. Vielleicht war es das von Alice. Ich suchte den Anschaltknopf und versuchte es anzumachen. Es ging nicht. Kein Lichtschein, einfach nichts. Was war hier bloß los? Wieso konnte ich nichts sehen? War ich blind geworden, oder ging die Elektronik einfach nicht? Oder – ich erschrak bei dem Gedanken – lag es vielleicht an dem Meteoritenschauer, den Alice und ich gestern beobachtet hatten? Ich wollte gerade den Weg zur Tür suchen als mich ein Aufschrei erstarren ließ. 

                                                                                *

Ich wollte gerade den Weg zur Tür suchen als mich ein Aufschrei erstarren ließ, tippte Leo und sah vom Laptop hoch. Er blickte auf ein Bild. Es zeigte ihn und zwei junge Frauen fröhlich lachen. Er hob das Bild auf und schmiss es gegen die Wand. Plötzlich spürte er einen Luftzug, ging zum offenstehenden Fenster und sah auf den Markplatz hinab. Obwohl Markt war, sah er keine Menschen. Nur leere Stände. Er roch die frische Herbstluft und spürte die kalte Luft auf seinem nackten Körper. Als er die Augen schloss, dachte er an seine beiden Schwestern und wie sie früher immer im Laub herumgespielt hatten. Er seufzte. Seit zwei Monaten waren sie schon Tod. Und seit zwei Monaten lag ihm der Verlag nun mit drängender werdenden Forderungen im Ohr, endlich das Buch zu Ende zu schreiben. Doch er konnte es nicht, es erinnerte ihn zu sehr an sie. Er drehte sich um und ging hinüber zu seinem Bett und warf sich darauf. Nun starrte er die blaue Wand an. Er hatte gehofft, wenigstens einen Funken Inspiration zu finden, wenn er nackt wäre und alles spürte, egal ob es unangenehm war und die Kälte wehtat. Doch es funktionierte nicht. Seit zwei Monaten versuchte er nun schon eine halbwegs anständige Idee für ein Buch zu finden. Und das, was er eben geschrieben hatte, war alles, was ihm bisher eingefallen war. Er richtete sich wieder auf und blickte in den Spiegel neben seinem Bett. Er sah so aus, als hätte er seit Wochen nichtmehr geschlafen. Auch sein Körper war magerer geworden, wie er erst jetzt bemerkte. Auf dem Boden lagen viele, leere Hundefutterdosen. Es hilft nichts, dachte er, stand wieder auf und setzte sich mit seinem nackten Körper auf den kalten Stuhl. Er schauderte ein bisschen, versuchte sich aber wieder auf den Text zu konzentrieren. Jedoch konnte er es nicht und schloss seine Augen. Er atmete ein paar Mal ein und aus, wodurch er sich beruhigte. Nun saß er da, in seinem kleinen Zimmer mit geschlossenen Augen und dachte darüber nach, wie es seiner Mutter geht. Seit der Beerdigung hat er sie nicht mehr gesehen. Seit zwei Monaten war er nicht mehr ans Handy gegangen und hatte seine Wohnung kaum verlassen, höchstens um etwas zum Essen zu kaufen, so wie die Hundefutterdosen. Ein Klingeln schreckte ihn aus seinen Gedanken.

                                                                          *

Ich wollte gerade den Weg zur Tür suchen als mich ein Aufschrei erstarren ließ.  

Wach auf!Where stories live. Discover now