Eine glückliche Zukunft für die Mitglieder von Toman. Oder wenigstens für die Meisten. Dieses Ziel scheint Takemichi endlich erreicht zu haben und sein persönliches Glück scheint vollkommen, als er an einem warmen Junitag 2020 endlich mit seiner Hin...
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An diesem Junimorgen 2020 weckte mich unsanft ein Klopfen gegen meine Tür. Ich murrte etwas in mein Kissen, was ich selbst nicht so recht zuordnen konnte, ehe es noch lauter klopfte. Herrje. Wer wollte denn etwas zu einer solch unheiligen Zeit? Müde lugte ich von meinem Kopfkissen auf und versuchte die Uhrzeit auf meinem Wecker zu fixieren. 09:20 Uhr. Und unter der Uhrzeit lachte mich das heutige Datum an: 16.06.2020. In dem Moment, in dem ich realisierte, was das für ein Tag heute war, verlor ich das Gleichgewicht und fiel aus dem Bett. Unsanft fing mich der Boden ab und erneut klopfte es gegen mein Hotelzimmer. Ich rieb meinen geschundenen Hintern und blickte auf, dem Klopfen folgte nun eine wütende Stimme: „Takemitchy... hast du mal auf die scheiß Uhr gesehen? Ich bin Designer, kein Zauberer!" Mitsuya verlieh seinen Worten mit einem Tritt gegen die Tür noch etwas mehr Aussagekraft. „Ja... warte", flehte ich fast schon entschuldigend und kämpfte mich auf die Beine, um die Tür in mein Hotelzimmer zu öffnen. Vor mir wartete mein persönlicher Stylist (wann auch immer das Geschehen war) und Chifuyu – mein Trauzeuge. Beide musterten mich argwöhnisch. Ich trug nur meine Schlafhose und mein dunkles Haar lag sicher wüst in alle Richtungen verteilt auf meinem Kopf. Tomans Chef der 2. Division musterte mich nur kurz, bevor er verzweifelt seufzte und mich ins Zimmer zurückdrückte. „Ich schwöre, Takemichi: wenn du eine Frau wärst, würde ich dich spätestens jetzt aufgeben. Ich weiß ja nicht mal, wie ich deine kurzen Haare bis zu deiner Trauung bändigen soll." Er war ehrlich wie eh und je und mein bester Freund und Trauzeuge stand im Hintergrund und grinste bloß zustimmend zu den Worten des anderen in meine Richtung. Am eigenen Hochzeitstag zu verschlafen... Mitsuyas Ehefrau Chiya, die genau wie ihr Mann Kleidung designte und schneiderte, wird mit Hinas Styling vermutlich schon lange angefangen haben. „Entschuldigung", fiebste ich vielleicht etwas zu unmännlich. Als erstes ging ich duschen, ehe ich mich in dem Anzug kleidete, an dem der Designer bereits seit Wochen für mich arbeitete. Er passte perfekt, war bequem und trotzdem unglaublich stilvoll und edel. „Wow", bestaunte ich mein eigenes Spiegelbild, während der junge Mann mit den lilafarbenen Haaren um mich herum tanzte und jeden Zentimeter musterte – manchmal war er einfach zu perfektionistisch. „Nicht schlecht, Partner. Wenn sie ‚Nein' sagt, liegt es auf jeden Fall nicht am Anzug", versuchte Chifuyu zu scherzen. Warum war er noch mal mein Trauzeuge? „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen", mahnte Mitsuya und dieses Mal war ich es, der Chifuyu nur vielsagend und zustimmend nickend auf die Worte des anderen angrinste. Es würde nicht mehr lange dauern, dann würde mein Vize hier stehen und ich wäre der Trauzeuge. „Vor allem, wenn man im Inbegriff ist seine Schwester zu heiraten", konnte ich mir nicht verkneifen. Der Dunkelhaarige schnaufte sauer: „Stiefschwester. Und wir haben uns das ja so nicht ausgesucht." Zugegeben: es war süß, wie empfindlich Chifuyu reagierte, wenn man die Beziehung zwischen ihm und seiner Verlobten Kokoro von der anderen Seite beleuchtete. Entgegen allen Erwartungen hatte sich der Dunkelhaarige nämlich seine Stiefschwester geschnappt. Mittlerweile waren aber zum Glück alle Cool damit.
Ich muss gestehen, dass ich diese kleinen Momente und die Liebesgeschichten der meisten meiner Freunde aufgrund meiner ereignisreichen Vergangenheit gar nicht wirklich in Persona miterleben konnte und manchmal ärgert es mich Erinnerungen mit ihnen auszutauschen, die sich für mich fremd anfühlten. Manchmal entgleitet mir meine Vergangenheit sogar gänzlich und ich kann nicht mehr im Detail sagen, was passiert ist. Welche und wie viele Wege ich gehen musste. Es war wie ein Traum, der schon am Morgen verflog oder wie in diesem Film von Makoto Shinkai, in dem die Erinnerungen des Protagonisten nach dem Erfüllen seiner Aufgabe verschwanden. Egal wie sehr er sich auch wehrte: die Erinnerungen verschwommen, bis sie völlig verschwunden waren. Und nur ab und zu blitzten sie in mir auf und fühlten sich dann an, als hätte sie jemand fremdes erlebt.