Jin POV
Ich schaute auf die Uhr und stellte fest, dass ich schon viel zu spät dran war. Ich hätte vor über einer halben Stunde schon Feierabend gehabt, aber Jaejoon wollte mich einfach noch nicht gehen lassen.
„Jin, Tisch 13 möchte noch die Nummer 5 haben."
„Nummer 5? Jaejoon, das ist eine ganze Hähnchenplatte für insgesamt 3-4 Personen. Das kostet mich noch über eine halbe Stunde Arbeit. Ich hätte eigentlich schon längst Feiera-"
Jaejoon ‚klopfte' mir auf den Rücken, was mich aufzischen ließ, da ich noch von heute Mittag total wund war.
„Wenn du dich beeilst, dann machst du das schon", sagte er und schaute mich wütend an, versuchte es nur zu überspielen, da noch andere in der Küche waren.
Verdammt, ich hatte Jimin heute Morgen gesagt, dass ich am Abend wieder auf Jihyun aufpassen würde. Und jetzt kam ich einfach nicht mal dazu Jimin zu schreiben und mitzuteilen, dass ich mich verspäten würde.
„Jaejoon Hyung, Jinie hat doch schon längst Feierabend", mischte sich nun Taehyung ein, der von weitem mitbekommen hatte, was abging, als er für einen anderen Tisch eine fertige Bestellung abholte.
„Aber dein lieber Hyung hat noch Minusstunden nachzuholen."
Taehyung sah verwirrt zu unserem Chef. „Jinnie und Minusstunden?"
Er schaute auch nun mich skeptisch an.
Am liebsten würde ich gerne Taehyung die Wahrheit sagen. Ihm sagen, was heute vorgefallen war, bevor er zu seiner Schicht antrat, aber das alles würde Tae nur verletzen und das konnte ich ihm einfach nicht antun....
Also musste ich ihn widerwillig anlügen.
„Er hat Recht Tae. Ich bin letzte Woche früher gegangen und hatte danach den Tag noch Urlaub. Damit mir das nicht vom Gehalt abgezogen wird, schiebe ich jetzt Doppelschichten. Du weißt, wie sehr ich auf das Geld angewiesen bin", log ich und es zerfraß mich innerlich auf, ihm gegenüber nicht ehrlich zu sein.
„Oh... okay. Das ist mir gar nicht aufgefallen. Das muss ich dann verpeilt haben. Ich dachte nämlich wir hatten die letzten Wochen zur selben Zeit Schicht", sagte Taehyung naiv.
„Das war an einem deiner freien Tage", log nun auch Jaejoon. Doch im Gegensatz zu ihm, tat es ihm nicht leid, zu lügen.
Taehyung schaute noch skeptisch, doch dann versuchte ich ihn mit weiteren Worten abzulenken.
„Du solltest den Gästen das Essen bringen. Nachher ist es sonst kalt."
„Du hast Recht, Hyung", sagte er und ging ohne einen weiteren Gedanken an das Gespräch zurück an die Arbeit.
Jaejoon hörte auf so gefaked zu lächeln und schaute mich wieder streng an.
„Los, Jin. Worauf wartest du noch? An die Arbeit!" meckerte er und ging aus der Küche. Wahrscheinlich, um in sein Büro zu gehen.
Ich schaute ihm hinterher und fragte mich nur eins.
Wo war der Jaejoon, in den ich mich verliebt hatte?
—
Ich lief gestresst aus dem Personalraum und danach den Gang entlang, als ich Jimin schrieb und um Entschuldigung bat, dass ich mich erst jetzt meldete.
Ein Glück schrieb er mir, dass es nicht so schlimm war, da noch immer Jungkook bei ihm war. Ich war sowieso total verwundert und fragte mich, was zwischen ihnen vorgefallen war.
Hoffentlich hatte meine Ansage was gebracht.
Ich tippte gerade noch immer an meinem Handy, als ich fragte, ob ich überhaupt noch zu kommen brauchte. Ich hoffte, schon. Denn ehrlich gesagt hatte ich keine Lust diese Nacht mit Jaejoon zu verbringen.
Ich schickte gerade die Nachricht ab, als-
„AAAH!", knallte ich rückwärts zurück und landete somit auf dem Boden. Ich hatte einen Rucksack an, welches ich immer mit auf die Arbeit nahm, da auch unter anderem Wechselklamotten drin waren, weil ich die Nacht üblicherweise bei Jimin und Jihyun verbrachte.
Ob das eine so gute Idee war, dass die Tasche den Sturz etwas abfederte war aufgrund meines wunden Rückens Ansichtssache.
Also zischte ich erneut vor Schmerzen auf.
Namjoon POV
Ich war total in Gedanken. Hoseok und Yoongi warteten auf mich im Hotelrestaurant, als ich noch kurz auswärts etwas erledigen musste. Wir hatten noch einiges zu besprechen, weshalb ich mich etwas beeilte. Doch als ich dann im Gang um die Ecke bog, stieß ich hart mit jemandem zusammen.
Ich stolperte etwas zurück, doch konnte mein Gleichgewicht, im Gegensatz meines Gegenübers halten. Als ich dann aber erblickte, wer derjenige war, riss ich geschockt die Augen auf.
„Oh verdammt, es tut mir so leid. Ich habe dich nicht gesehen", sagte ich und hielt dem wunderschönen Angestellten dieses Hotels meine Hand hin, um ihm aufzuhelfen.
Dieser schaute mich zuerst vertieft an, doch kam er wieder zu sich und schaute wieder weg. „Sch-Schon okay. Ich muss mich bei Ihnen entschuldigen. Ich war an meinem Handy und hätte gucken sollen, wo ich hinlaufe", siezte er mich und wollte gerade tatsächlich meine Hand nehmen, als ich eine andere Person wahrnahm, die dem Schönling auf die Beine halt.
„Jin was tust du auf dem Boden?!" sagte der Fremde.
„J-Jaejoon. Ich... Ich bin hingefallen. Es tut mir leid, ich hatte nicht aufgepasst", sagte dieser Jin und sah schon panisch aus.
Aber wieso panisch?
Jin POV
Ich kannte diesen Blick. Jaejoon glaubte mir nicht. Er war wütend und schob wahrscheinlich wieder irgendwelche Filme, weil er mich auch dabei erwischt hatte, wie mir ein fremder Mann, auf die Beine helfen wollte.
„Hat er Ihnen Ärger gemacht?" fragte Jaejoon dann den CEO.
„Nein, ganz im Gegenteil, ich war schuld an diesem kleinen Unfall", nahm er mich in Schutz und ich schaute ihn geschockt an.
Wieso nahm er die ganze Schuld auf sich?
„Nein, Sir. Der Bursche hier sollte einfach nur aufpassen wo er hinläuft. Er ist total unkonzentriert, auch während der Arbeit", gab Jaejoon mal wieder mir die Schuld an allem.
„Entschuldige dich, Jin. Wird's bald?!"
Der CEO hob verwundert die Augenbrauen, als Jaejoon so mit mir sprach. Ich wollte nicht, dass das Ganze eskalierte, weshalb ich mich mit einer tiefen Verbeugung bei dem CEO entschuldigte, noch bevor dieser etwas sagen konnte.
Ich schaute beschämt auf den Boden und traute mich nicht mehr dem CEO ins Gesicht und somit auf seine bemerkenswerten Grübchen zu sehen.
Doch der CEO wollte nicht, dass ich mich auf diese Art entschuldigte. „Nein. Hör auf, du musst dich nicht-"
„Er muss", sagte Jaejoon, weil er wusste, was für wichtige Gäste diese CEO's für uns waren.
„Lass uns gehen, Schatz", sagte dann Jaejoon und betonte das letzte Wort, welches einen unangenehmen Unterton hatte.
Ich schluckte verängstigt und musste mit Mühe mich zusammenreißen, Jaejoon nicht von mir zu drücken, als dieser mir einen Kuss auf die Wange gab, was ein Signal dafür sein sollte, dass ich vergeben war.
Der CEO schaute weg und steckte sich die Hände in die Hosentaschen. Ich bemerkte, wie sich die Zähne zusammenbiss, da sich sein Kiefer anspannte.
„Schönen Abend, Sir", sagte Jaejoon. „Schönen Abend noch, Sir", sagte ich, hob mein Handy vom Boden auf, welches wegen dem Sturz noch da lag und verbeugte mich aus Respekt zum Abschied erneut.
Dann zog mich Jaejoon auch schon Richtung Ausgang am Arm und mit jedem Schritt, den wir uns von dem CEO entfernten und uns dem Ausgang näherten, wurde sein Griff immer fester.
Wir kamen am Auto an, welches auf dem Hinterhof stand, wo kein Mensch war und dann passierte es.
Klatsch.
„Für wie blöd hältst du mich, Kim Seokjin? Denkst du im Ernst, ich kaufe dir die scheiße ab? Du bist ihm doch extra über den Weg gelaufen! Du suchst seine Nähe, genauso wie heute Mittag. Denkst du ich bin blöd?" schrie er mich an, nachdem er mir die harte Ohrfeige verpasste.
„Nein, Jaejoon. So war das nicht. Bitte! Ich liebe dich! Ich würde dir das niemals antun. Du musst mir glau-"
Klatsch.
„Halt den Mund und steig in den Wagen!" schrie er mich erneut an. „Jaejoon, bitte", fing ich dann auch schon an zu schluchzen.
„Das hättest du dir vorher überlegen sollen, Seokjin. Jetzt rein mit dir!" packte er mich erneut grob und zerrte mich ins Auto.
Ich konnte mich nicht wehren. Ich war zu schwach. Sowohl emotional, als auch körperlich.
Was war nur aus uns geworden?
„Dir scheint wohl die Lektion von heute Mittag nicht genug gewesen zu sein. Warte nur, bis wir zu Hause sind", startete er den Wagen und fuhr nach Hause, wo mir eine lange und vor allem schmerzhafte Nacht bevorstand.
04.11.2020
Armer Jin. Er will nicht, dass Jimin und Taehyung sich auch noch mit seinen Problemen beschäftigen müssen, weshalb er sich ihnen nicht anvertraut... 🥺🥺
Niemals hätte Jin gedacht, dass Jaejoon ihn so behandeln würde.
Wieso lässt er das mit sich machen? 😫